Corona, Fitness, Gesundheit | Autor: Florian Schmidt & David Köndgen |

Weltkindertag in Corona-Zeiten: Jugend braucht mehr denn je Vorbilder und gezielte Prävention 

Die Zukunft unserer Kinder liegt in unseren Händen: Aktuelle Studien zum Gesundheitsverhalten von Kindern und Jugendlichen zeigen, dass es in Sachen Präventionsbedarf – mit und ohne Corona – noch viel zu tun gibt. Insbesondere die Eltern haben hier eine Vorbildfunktion. Damit unsere Kinder gesund aufwachsen können, sind wir gemeinsam gefordert, innovative Bewegungs-, Ernährungs- und Präventionskonzepte zu liefern und als Vorbilder für die Heranwachsenden zu fungieren!

Weltkindertag: Präventionsbedarf nach Corona so hoch wie nie.

Die wichtigsten Fakten in Kürze:

  • Infografik zum Weltkindertag warnt vor Langzeitfolgen und Herausforderungen der Corona-Pandemie.
  • Psychische Belastungen, Bewegungsmangel und Übergewicht bei Kinder wie Jugendlichen erreichen neues Rekordhoch.
  • Denn: Lockdown, Homeschooling, Kontaktbeschränkungen und 'verordnetes Sportverbot' haben deutliche Spuren hinterlassen.
  • Alarmierende Zahlen machen den gestiegenen Handlungs- und Präventionsbedarf deutlich.
  • Unser Nachwuchs ist unsere Zukunft: Deshalb braucht es Vorbilder und gezielte Prävention!
  • Insbesondere die Eltern legen mit ihrem Handeln den Grundstein für einen aktiven und gesunden Lebensstil.

Los geht's! Die Hintergründe und Detailinformationen:

Der Weltkindertag 2021 kämpft für mehr Kinderechte und zeigt gleichzeitig die Langzeitfolgen und Herausforderungen der Corona-Pandemie.


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Kinder und Jugendliche – die Verlierer der Pandemie

Viele aktuelle Studien liefern alarmierende Ergebnisse und verdeutlichen, dass Kinder und Jugendliche unter den Folgen der Corona-Pandemie in den vergangnenen Monaten besonders gelitten haben.

Zocken und Streamen statt Bewegung und Ausgleich  

Der Medienkonsum ist laut einer Studie des Universitätsklinikums Münster auf einem neuen Rekordhoch und ist insbesondere bei den Jugendlichen nochmals sprunghaft angestiegen. Etwa 45 Prozent von ihnen sitzen täglich bis zu acht Stunden vor TV, Konsole, Computer oder Smartphone.

Noch schlimmer: Durch das 'verordnete Sportverbot' (in Schule, Privatleben und Freizeit) fehlte außerdem der nötige Ausgleich, der gerade für Kinder und Jugendliche sowohl körperlich als auch psychisch so wichtig ist.

Nachwuchs psychisch und körperlich schwer belastet

Die Folgen sind schon jetzt besorgniserregend: Fast jedes dritte Kind ist psychisch auffällig. Der zunehmende Bewegungsmangel spiegelt sich auch auf der Waage wider: Experten warnen vor der steigende Adipositas-Inzidenz unter Kindern und Jugendlichen und empfehlen gezielte Prävention. Doch wo fängt man an?  

Im Kindesalter wird der Grundstein für einen aktiven und gesunden Lebensstil gelegt. Denn wer sich schon von Kindesbeinen an bewegt bzw. mit Sport und Bewegung aufwächst, lebt langfristig deutlich gesünder und hat von Anfang an einen positiven Bezug zur körperlichen Fitness.

Soweit so gut, aber leider fehlen vielen Kindern und Jugendlichen heute diese positiven Bezüge. Die Gründe dafür sind vielfältig und haben unterschiedlichste Ursachen


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Die Corona-Krise ist aber nicht die Hauptursache für diese Negativentwicklung, obgleich sie diesen Effekt sicher noch verstärkt hat.

Corona-Effekt? Präventionsbedarf schon vor Corona sehr hoch

Ein Blick auf ausgewählte Daten des Robert Koch-Instituts zeigt, dass hier seit langem deutlicher Handlungsbedarf besteht. Zwar betätigen sich 2/3 der Kinder sportlich, aber über 70 Prozent erreichen die Basisempfehlungen der WHO hinsichtlich eines empfohlenen Aktivitätsniveaus nicht.

Lediglich 22,4 Prozent der Mädchen und 29,4 Prozent der Jungen im Alter von 3 bis 17 Jahren erreichen die Bewegungsempfehlung tatsächlich. Die Folgen dieser Entwicklung spiegeln sich unter anderem im aktuellen Aktivität-Status und dem Gesundheitszustand der Kinder und Jugendlichen wieder. Bewegungsmangel, Fehlernährung und Essstörungen bei Heranwachsenden sind seit längerem besorgniserregend hoch.


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Sozialstatus und Elternhaus als relevante Einflussfaktoren 

Weitere Analysen des RKI verdeutlichen, dass signifikante Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen, dem Alter, aber besonders auch dem Sozialstatus existieren. Demnach steigt die Prävalenz geringer körperlicher Aktivität mit zunehmendem Alter deutlich an und ist in der Altersgruppe von 14 bis 17 Jahren bei Mädchen doppelt so hoch wie bei Jungen.

Die Detailanalysen auf Basis des familiären Sozialstatus zeigen, dass hier deutliche Unterscheide in puncto Sport- und Bewegungsverhalten, gesunder Ernährung und Co. bestehen.

Die aktuellen Ergebnisse aus der KiGGS Welle 2 (2014-2017) bestätigen, dass sich Kinder und Jugendliche mit niedrigem sozioökonomischen Status wesentlich häufiger als Gleichaltrige aus sozial bessergestellten Familien ungesund ernähren, weniger Sport treiben und häufiger übergewichtig oder sogar adipös sind.


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Viele Eltern kommen Vorbildfunktion nicht nach

Bereits die AOK-Familienstudie 2018 (Lesen Sie hierzu auch: 'Familienbewegung: Ein klares Alarmsignal') zeigte, dass sich jede dritte Familie zu wenig bewegt und mehr als die Hälfte der Eltern ebenfalls übergewichtig ist.

Neben diesen generellen Entwicklungen spielen auch der zunehmende Stress und mangelndes Zeit-Budget eine weitere Rolle, warum für 28 Prozent der befragten Erziehungsberechtigten körperliche Aktivität, Sport und Fitness in der Freizeit überhaupt keine Rolle spielen.

Mit steigendem Gewicht der Eltern nimmt auch die Bewegung innerhalb der Familie und der Kinder dramatisch ab.

Analysen im Rahmen der GEDA-Studie geben aus Sicht der RKI-Experten Anlass zur Sorge: Fast zwei Drittel der jungen Eltern bewegt sich zu wenig und nicht einmal die Hälfte ernährt sich ausgewogen und gesund.


„Wie viel sich Kinder bewegen und was sie essen, wird auch durch das Gesundheitsverhalten der Eltern beeinflusst: Bewegen sich Eltern viel und ernähren sich ausgewogen, tun es die Kinder häufig auch. Mit Bewegungsmuffeln als Eltern steige daher das Risiko der Kinder, fettleibig oder adipös zu werden.“

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Robert Koch-Institut


Angesichts der Ergebnisse kommen viele Eltern ihrer Vorbildfunktion beim Thema Bewegung, Sport und gesunder Ernährung also gar nicht oder nur unzureichend nach. So beginnt ein Teufelskreis, da Aktivitätsniveau, Lebensstil und Ernährungsverhalten der Kinder wiederum eng mit dem der Eltern verknüpft sind.

Deshalb gilt es an dieser Stelle weiter zu sensibilisieren und gemeinsam an geeigneten Lösungen und Konzepten zu arbeiten, damit unsere Jüngsten auch aktiv und gesund aufwachsen können.



Prävention als gesamtgesellschaftliche Herausforderung

Ganzheitliche Präventionskonzepte und Strategien zur Vorbeugung von Übergewicht im Kindes- und Jugendalter sollten angesichts der alarmierenden Ergebnisse stärker als bisher in den Fokus gerückt werden.

Außerdem müssten sie bereits deutlich früher in der Kita, der Schule und der Erziehung ansetzen, da hier häufig bereits der negative Grundstein für Adipositas und Bewegungsmangel im Erwachsenenalter gelegt wird.


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Hier sollten Politik, Kommunen, Kitas, Schulen, Krankenkassen sowie Fitness- und Gesundheitsanbieter deshalb noch enger miteinander kooperieren, denn eine zielführende nachhaltige Verhaltens- und Verhältnisprävention kann nur gemeinsam gestemmt werden. 

Sensibilisierung und Motivation im Fokus

Ziel muss es deshalb sein, nicht nur die Eltern zu sensibilisieren, sondern gleichzeitig auch durch entsprechende Angebote ein positives Bewusstsein zu schaffen, welches Kinder nachhaltig für mehr Fitness, Bewegung und eine gesunde Ernährungsweise begeistert.

Hier kann die Fitness- und Gesundheitsbranche als starker und qualifizierter Partner fungieren und mit qualifizierten Trainern entsprechende Bewegungs-, Ernährungs- und Präventionskonzepte bieten, damit das Motto 'Fit Kids' nicht nur eine leere Worthülse bleiben muss.