Fitness, Gesundheit | Autor: Anna Welker, geb. Weinmann |

Kids-Club im Fitness-Studio

Nur wenige Fitnessanlagen sehen in der Altersgruppe der unter 15-Jährigen potenzielle Kunden. Dabei besitzt Fitnesstraining mit Kindern ein nicht zu unterschätzendes Potenzial.

Der Fitnessmarkt in Deutschland stellt mit 10,61 Mio. Mitgliedern im Vergleich zu den klassischen Vereinssportarten die mitgliedsstärkste Trainingsform dar. Innerhalb der Branche wird die Altersgruppe der 15- bis 65-Jährigen als besonders relevante Zielgruppe betrachtet. Nur wenige Fitnessanlagen sehen in der Altersgruppe der unter 15-Jährigen potenzielle Kunden. Dabei besitzt Fitnesstraining mit Kindern ein nicht zu unterschätzendes Potenzial.

Das Durchschnittsalter des Kundenkreises in deutschen Fitness-Studios lag 2017 bei 40,7 Jahren (DSSV et al., 2018). Die sportlichen Angebote und die Geräteausstattung der meisten Studios sind dementsprechend primär auf diese Altersgruppen ausgerichtet. Wenn es also darum geht, im Hinblick auf Gesundheitserziehung und Volksgesundheit den Begriff Fitness zu definieren (nach der Weltgesundheitsorganisation = körperliches, seelisches und soziales Wohlbefinden) und in diesem Zusammenhang den Stellenwert und Einfluss der Fitness-Studios zu bestimmen, wurde bisher eine Altersgruppe vernachlässigt: die der Kinder und Jugendlichen.

Die Tatsache, dass der natürliche Bewegungsdrang von Kindern aufgrund verschiedener gesellschaftlicher Entwicklungen entschieden zu kurz kommt, sollte Anlass zu neuen Wegen sein, ihnen ein differenziertes und attraktives Bewegungsangebot zu bieten. Neben den klassischen Bewegungsangeboten in Schule und Verein haben Fitness- und Gesundheitsanlagen die Möglichkeit, ein Kinderfitnessprogramm anzubieten, welches sich an neuen Trends orientiert. Damit besitzt das Fitness-Studio ein großes Potenzial an Handlungsmöglichkeiten für ein abwechslungsreiches und bedarfsgerechtes Training mit Kindern. Innovative Entwicklungen und Konzeptionen im Gruppentraining und zum Teil auch im gerätegestützten Krafttrainingsbereich sind nur der Anfang eines in der Zukunft sicherlich noch stärker aufkommenden Trends, dass Kinder mehr und mehr in Fitness-Studios ihre körperliche Fitness trainieren und verbessern werden.

Damit ist klar, dass auch Kinder eine relevante Zielgruppe für den Studiobetreiber darstellen. Welche Voraussetzungen zur Einführung eines Kinderfitnessprogramms, z. B. in Form eines Kids-Clubs, im Studio von Bedeutung sind und welchen Nutzen der Studiobetreiber davon hat, soll im Folgenden erläutert werden.

Der Kids-Club
Der Kids-Club ist ein „Club im Club“ für Kinder im Fitness-Studio, mit eigenen Räumlichkeiten und spezifischem Kursprogramm unter Anleitung von speziell ausgebildetem Personal. Die inhaltliche und methodische Gestaltung des Kursprogrammes orientiert sich an den jeweiligen Entwicklungsstufen der Kinder, mit dem langfristigen Ziel der Hinführung zu einem lebenslangen gesundheitsorientierten Fitnesstraining.

Mit einem Kids-Club bietet sich nicht nur ein spezielles Angebot für Kinder, sondern es eröffnet sich ein neues Profitcenter für das Studio. Bei der grundsätzlichen Überlegung, einen Kids-Club im Studio einzuführen, sind einige wichtige Aspekte zu berücksichtigen. Denn nicht immer sind die internen und externen Voraussetzungen so, dass sich die Investition von Zeit, Geld und Arbeitskraft lohnt, um einen Club im Club aufzubauen. Die folgende Abbildung veranschaulicht, welche Aspekte vor der Einführung eines Kids-Clubs berücksichtigt werden sollten.

Beurteilung der externen Voraussetzungen
Ein wichtiger Aspekt ist der Standort des Studios, an dem der Kids-Club eingeführt werden soll. Eine familienfreundliche Umgebung sowie eine kinderreiche Bevölkerungszusammensetzung machen die Gründung eines Kids-Clubs im Studio attraktiv. Zudem ist es vorteilhaft, wenn die Kinder die Fitnessanlage schnell und einfach mit den öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen können. Je geringer der Zeit- und Wegeaufwand, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Kinder regelmäßig am Kursprogramm teilnehmen.

Ein weiterer Aspekt ist die Beurteilung der wirtschaftlichen Erfolgsaussichten. Um das Angebot auch zielgerichtet auf dem Markt platzieren zu können, erfolgt eine Mitbewerberanalyse. Bei der Analyse sind folgende Überlegungen relevant:
1. Gibt es bereits einen bestehenden Kids-Club in der näheren Umgebung?
2. Welche sportlichen Angebote gibt es durch Schulen, Vereine, Volkshochschulen etc.?

Die Anbieter in der näheren Umgebung, egal ob Vereine oder ein bereits bestehender Kids-Club, beeinflussen natürlich die Gründung eines neuen Kids-Clubs. Um sich von Mitbewerbern abzuheben, muss sich das Kursangebot von den anderen Anbietern unterscheiden. Neue Kurs-Trends sollten unbedingt in das Angebot aufgenommen werden. Zudem sollte die Angebotsstruktur weit über das normale Kursangebot hinausgehen und durch gemeinsame Feste, Aktionen, Ferienprogramme und Aufführungen bereichert werden. Des Weiteren muss sich die Vertragsgestaltung des Kids-Clubs an den Anbietern in der näheren Umgebung orientieren. Der Kids-Club-Beitrag sollte dem Marktpreis entsprechen. Teilweise bietet sich eine kürzere Vertragslaufzeit an, da sich die Interessen der Kinder oft sehr schnell verändern. Für einen ersten Einblick in den Kids-Club ist eine Probestunde hilfreich.

Beurteilung der internen Voraussetzungen
Innerhalb des Studios entscheidet vor allem die bestehende Mitgliederzusammensetzung darüber, wie gut ein Kids-Club angenommen wird. Handelt es sich bei den Mitgliedern überwiegend um kinderreiche Eltern, begünstigt dies natürlich die Einführung und Akzeptanz von Kindern innerhalb des Studios. Damit sowohl Erwachsene als auch Kinder in einer Fitnessanlage trainieren können und wollen, muss die Studioleitung aktiv für eine gute Atmosphäre sorgen und die Bedürfnisse von älteren und jüngeren Mitgliedern berücksichtigen. Hierzu sollten bestimmte Rahmenbedingungen erfüllt sein. Kursräume mit entsprechenden Trainings- und Spielgeräten sowie gegebenenfalls eine kindgerechte Umkleidekabine müssen vorhanden sein. Zudem können die Zeiten des Kids-Clubs zum Beispiel auf die Nachmittagsstunden begrenzt und dadurch die zu diesem Zeitpunkt oft leeren Aerobic- und Gymnastikräume sinnvoll genutzt werden.

Entscheidend sind zudem die Ausbildung der Trainer und deren Umgang mit den Kindern. Je nach Alter und Entwicklungsstufe müssen die Trainer flexibel reagieren und Kursinhalte anpassen können.

Einführung Kids-Club im Fitness-Studio
Sind die oben geschilderten Überlegungen abgeschlossen und hat sich das Studio für die Gründung eines Kids-Clubs entschieden, so gilt es nun, strategische Überlegungen für eine erfolgreiche Einführung anzustellen. Der Starttermin für den Club ist von besonderer Bedeutung. Beginn und Ende der Schulferien des entsprechenden Bundeslandes sind eine große Entscheidungshilfe und in jedem Fall zu berücksichtigen. Familien, die Kinder im Kindergarten- oder Schulalter haben, sind bei der Planung ihrer Freizeitgestaltung von diesen Terminen abhängig. Für den Studiobesitzer bedeutet dies zum Beispiel, dass Werbekampagnen für das Kids-Programm in den letzten beiden Ferienwochen stattfinden sollten. Denn: Eine zu früh geschaltete Werbung wird in der Regel von den Interessenten nicht registriert und bei einem zu späten Zeitpunkt könnte es sein, dass die Kinder schon eine anderweitig organisierte Freizeitgestaltung gebucht haben.

Vorteile und Nutzen für das Fitness-Studio
Die Gründung eines Kids-Clubs bietet dem Studiobetreiber folgende Vorteile:
• Frühe Ansprache einer völlig neuen Zielgruppe
• Langfristige Bindung von Bestandskunden, wenn deren Kind Mitglied wird
• Angebotserweiterung und dadurch Imagegewinn durch positive Selbstdarstellung
• Mögliche Positionierung als Gesundheitsdienstleister „für die ganze Familie“
• Kinder sind eine Zielgruppe, durch die in den Nachmittagsstunden die oft leer stehenden Aerobic- und Gymnastikräume sinnvoll genutzt werden können
• Möglichkeit, weitere Familienangehörige als Mitglieder zu akquirieren
• Beitrag zur positiven psychischen und physischen Entwicklung von Kindern
• Aktionen, Vorführungen, Ferienprogramme, Geburtstagspartys etc. mit Kindern können öffentlichkeitswirksam genutzt werden

Fazit
Die Entscheidung für oder gegen die Gründung eines Kids-Clubs im Studio sollte unter Abwägung der verschiedenen externen und internen Voraussetzungen getroffen werden. Wie gut das Angebot angenommen wird, hängt unter anderem von der erfolgreichen Einführung und Vermarktung ab. Grundsätzlich ist der Kids-Club eine gute Möglichkeit, neue Mitglieder zu gewinnen und bestehende, kinderreiche Mitglieder zu binden.

In der Reihe bisher erschienen:
- Wie gesund sind unsere Kinder und Jugendlichen? Autor: Prof. Dr. Arne Morsch (fMi 3/2018, 100 f)

 

www.dhfpg-bsa.de

Anna Welker, geb. Weinmann
Die Sportwissenschaftlerin Anna Welker arbeitet als pädagogische Mitarbeiterin der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement/BSA-Akademie im Fachbereich Trainings- und Bewegungswissenschaft. Praktische Erfahrungen im Bereich Gruppen- sowie Individualtraining sammelte sie in Fitness- und Gesundheitseinrichtungen.

 

Zusatzinformationen
Eine spezifische Qualifikation zum „Kursleiter Fit Kids“ bietet die BSA-Akademie als nebenberufliche Weiterbildung. Weitere Informationen unter: www.bsa-akademie.de/fitkids
 

 

Den vollständigen Artikel finden Sie in fMi Ausgabe 03/2018

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fMi Ausgabe 03/2018

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