Fitness, Markt | Autor: Albert Busek & Florian Schmidt |

Die Historie der Fitnessbranche (Teil 6): Die Entwicklung der Ketten ab dem Jahr 2000

Die Entwicklung von Fitnessstudioketten nahm nach der Jahrtausendwende durch den anhaltenden Fitnessboom weiter an Fahrt auf. Der Markt differenzierte und professionalisierte sich zunehmend und etliche neue Unternehmen versuchten, in Deutschland Fuß zu fassen und die etablierten Branchengrößen unter Druck zu setzen. Die steigende Konkurrenz und der zunehmende Wettbewerb sorgten dafür, dass in dieser Zeit zahlreiche neue Unternehmen sowie Studio- und Trainingskonzepte entstanden sind, die unsere Branche bis heute prägen. All das lesen Sie im 6. und letzen Teil unserer fM Serie 'Historie der Fitnessbranche'.

Historie der Fitnessbranche: Die Entwicklung der Fitnessketten ab dem Jahr 2000

Zum Abschluss unserer Reihe 'Die Historie der Fitnessbranche' stellen wir Ihnen in Teil sechs weitere ausgewählte Fitnessketten (Lesen Sie zur Entstehung der Fitnessketten auch Teil fünf unserer Reihe) und Unternehmen näher vor, die im deutschen Fitness- und Gesundheitsmarkt wichtige Impulse gesetzt haben und liefern Ihnen einen Überblick über ausgewählte Marktveränderungen nach der Jahrtausendwende.

Wachstum als Chance & Herausforderung

Durch die steigende Marktpräsenz von Ketten und Franchise-Konzepten verschärfte sich der Wettbewerb zwischen den einzelnen Anbietern nach 2000 zunehmend und wurde besonders im Discount-Segment primär über den Preis ausgetragen.

Das Erfolgskonzept von McFit-Gründer Rainer Schaller wurde oft kopiert und fand schnell zahlreiche Nachahmer, die ebenfalls vom boomenden Markt profitieren wollten. (Lesen Sie auch: Rainer Schaller Interview)

Das Wachstum der Discounter sorgte wiederum dafür, dass sich Anbieter, die diesen Preiskampf nicht realisieren konnten bzw. wollten, anderweitig positionierten und sich immer häufiger durch umfassende, exklusive Ausstattungen, Angebots- bzw. Servicepaletten sowie diverse Zusatzangebote (Wellness, Sauna etc.) von der Konkurrenz abzusetzen versuchten.

Ende 1999 vereinten die zehn größten deutschen Fitnessanbieter gerade einmal 333.000 Mitglieder (7,7 Prozent Marktanteil), zwölf Jahre später (2011) waren es bereits über zwei Millionen, was mehr als einem Viertel des damaligen Gesamtmarktes entsprach. Zum Vergleich: Heute hat die RSG Group als absoluter Branchenprimus allein 1,95 Millionen Mitglieder – es hat sich also in den wenigen Jahren einiges getan.

Insbesondere die großen Fitnessketten konnten durch eine aggressivere Preisgestaltung deutlich schneller als inhabergeführte Unternehmen expandieren und profitierten von zahlreichen Wettbewerbsvorteilen, wie beispielsweise einer beträchtlich höheren Investitionskraft, effizienteren Marketingmöglichkeiten, einheitlicher Angebots- und Preispolitik sowie einem zentralen Management etc.

Obwohl die Kettenbetreiber Ende 2011 nur 27,3 Prozent der Gesamtanlagen stellten, vereinten sie bereits damals 43,2 Prozent aller Fitnessmitglieder (heute trotz des wachsenden Mikrosegments sogar 50,9 Prozent) und sorgten dafür, dass die durchschnittliche Kapazität bzw. Größe der Fitnessanlagen in diesem spezifischen Marktumfeld deutlich anstieg.

Fitness First: Übernahme, Neupositionierung & neue strategische Partnerschaft

Die Fitness Company Freizeitanlagen GmbH wurde 1990 in Frankfurt am Main gegründet und war bis 2007 einer der großen Fitnesskettenbetreiber im deutschen Markt. Unter der Führung von Colin Waggett und Zillah Byng-Maddick erzielte die Fitness Company dreistellige Millionenumsätze.

In den 107 Studios trainierten 2007 laut eigenen Angaben insgesamt 265.000 Mitglieder, bevor das Unternehmen von der Fitness First Group Ltd. vollständig übernommen und die bestehenden Filialen umgebrandet wurden.

2009 entstand in diesem Zuge die Fitness First Germany GmbH. Durch die Einführung neuer digitaler Trainingsangebote (z. B. NewMoove), eigener Functional-Trainingsbereiche (freestyle Zone), weiterführender Gesundheitskonzepte, spezifischer Workouts für Frauen (Fitness First Ladies Club), einer intensiven Eins-zu-eins-Betreuung sowie einer Erweiterung des Wellnessangebots trieb das Unternehmen konsequent eine Neupositionierung voran, um sich im oberen Preissegment der Branche erfolgreich zu etablieren.

CEO Martin Seibold führt Strategie fort

Durch den Einstieg der Investmentgesellschaft Oaktree Capital Management im Jahr 2012 erhielt Fitness First frisches Kapital und baute die bestehenden Clubs zu Full-Service-Studios aus. Unter der Führung von CEO Martin Seibold wurde diese Strategie konsequent weiterverfolgt und seit 2017 mehrere Millionen Euro in den Ausbau der aktuell 74 Fitness-First-Clubs, in denen 233.000 Mitglieder trainieren, investiert.

Übernahme von ELBGYM

2018 hat die Fitness First Germany GmbH den Performance-Fitness-Anbieter elbgym aus Hamburg übernommen. Gemeinsam will man dieses Studiokonzept im Rahmen einer strategischen Partnerschaft als eigenständige Marke mittels Franchising weiter ausbauen. (Lesen Sie auch: Hamburger Fitnessstudiokette ELBGYM wird zum Franchise)

Unter dem Dach der LifeFit Group wurden unlängst die sechs erfolgreichen Marken Fitness First, ELBGYM, Barry’s Bootcamp, smile X, The Gym Society und NewMoove zusammengefasst, um noch mehr Synergien zu nutzen und weiter zu wachsen.

INJOY – Vielseitiger Marktführer seit 2002

2002 legte Paul Underberg in Dorsten mit der INJOY Quality Cooperation GmbH den Grundstein für eine der erfolgreichsten Fitness-Franchiseketten und machte INJOY Fitness in den Folgejahren zu einem der Marktführer in Deutschland (später tätig unter der Dachmarke INLINE Unternehmensberatung für Fitness- und Wellnessanlagen GmbH).

Neben den klassischen INJOY Studios entwickelten sich unter der Dachmarke zahlreiche weitere Untermarken und eigenständige Studiokonzepte, wie INJOY Lady, INJOYmed, INJOY Physio, INJOY Station und INJOY Xpress.

2014 ging das Unternehmen eine strategische Partnerschaft mit der Migros Freizeit Deutschland GmbH ein und der Migros Mutterkonzern (MGZ) hat 2016 die INLINE Unternehmensberatung für Fitness- und Wellnessanlagen GmbH vollständig übernommen. (Lesen Sie auch: Migros Freizeit Deutschland übernimmt Greinwalder & Partner)

Auch in Österreich und Belgien aktiv

Aktuell betreibt INJOY laut dem 'European Health & Fitness Market Report 2019' in Deutschland mehr als 130 Clubs mit ca. 180.000 Mitgliedern und ist auch in Österreich (36 Clubs) sowie Belgien (1 Club) aktiv2.

Zu Beginn des Jahres 2019 wurde INJOY unter der Dachmarke ACISO Fitness & Health GmbH eingegliedert, der u. a. auch die Marketing- und Unternehmensberatung Greinwalder & Partner, die Premium-Fitnessanlagen ELEMENTS Fitness und Wellness sowie das Franchisesystem FT-CLUB angehören.

clever fit: Expansion von München nach Europa

Dipl.-Kfm. Alfred Enzensberger eröffnete in der bayerischen Landeshauptstadt bereits 2004 sein erstes Studio und legte hier unter dem Werbeslogan 'unverschämt günstig' die Grundidee für das clever fit-Konzept, das zu Beginn vor allem auf hochwertiges Gerätetraining zum günstigen Preis setzte.

2007 gründete Enzensberger in Landsberg am Lech die clever fit GmbH als Franchise-Unternehmen und expandierte zuerst in Süddeutschland. Bereits im ersten Jahr kamen zehn neue Standorte hinzu und in der Folge etablierte sich mittels eines Multi-Store Franchise-Systems gemeinsam mit seinen Partnern nachhaltig als qualitativ hochwertiger Anbieter im Discount-Segment in ganz Deutschland, den Niederlanden (ab 2010), Österreich (ab 2011) und der Schweiz (ab 2017).

Unte den Top 6 der deutschen Fitnessketten

2010 gehörte clever fit bereits zu den Top sechs der deutschen Fitnessketten und ist aktuell mit 370 Anlagen (Stand 2018, Quelle1 siehe Literaturliste am Ende des Artikels) der standortstärkste Anbieter in Deutschland (Nr. 3 in Europa) mit einem Gesamtumsatz von 194 Mio. Euro und 720.000 Mitgliedern.

Der ursprüngliche Positionierungsansatz wurde stets beibehalten und in Sachen Lifestyle, Wohlfühlfaktor, Service- und Trainingsqualität durch den Unternehmensgründer und die Geschäftsführung bis heute konsequent weiterentwickelt.

Zunehmender Verdrängungsmarkt – Ausgewählte Verlierer & Profiteure

Trotz des anhaltenden Fitnessbooms verschwanden aber auch einige Anbieter genauso schnell wie sie auf den Markt gekommen waren. Ein Beispiel für diese Entwicklungen ist die Berliner Elixia Health & Wellness Group, die einst Deutschlands fünftgrößte Fitnesskette mit insgesamt 22 Standorten, 63.000 Mitgliedern und 840 Mitarbeitern war und im Jahr 2010 Insolvenz anmelden musste4.

Dem Verdrängungsmarkt zum Opfer gefallen

In puncto Positionierung bewegte sich die Gruppe mit ihren Elixia Vitalclubs genau in der Mitte zwischen den aufstrebenden Discount- sowie den urbanen Premiumanbietern und konnte sich, ähnlich wie viele weitere Unternehmen auch, nicht etablieren und fiel dem Verdrängungsmarkt zum Opfer.

Zwar existieren heute noch einzelne Studios unter diesem Namen, aber die Kette als solche ist nicht mehr existent. Davon wiederum profitierte ein anderer bekannter Anbieter, den wir Ihnen jetzt vorstellen: 2001 eröffnete der erste Holmes Place Club Deutschlands in Berlin am Gendarmenmarkt (heute betreibt das Unternehmen allein in der Hauptstadt sechs Clubs).

Holmes Place expandiert

Nach dem ersten Flaggschiff-Club folgten innerhalb von vier Jahren über organisches Wachstum schnell weitere exklusive Standorte in Hamburg, Köln, Lübeck und Düsseldorf. Durch die in 2010 stattfindende Übernahme diverser Clubs der insolventen Fitnesskette Elixia expandierte Holmes Place in Deutschland und Österreich weiter.

Neben den 14 Clubs in Deutschland und den 4 in Österreich betreibt das Unternehmen unter CEO Jonathan Fisher, dem Sohn des Firmengründers Allan Fisher, heute Clubs in der Schweiz (5), Spanien (16), Portugal (21), Polen (4), Griechenland (3) und Israel (34).

Holmes Place zählt zu den international führenden Anbietern für eine ganzheitliche Gesundheits-, Wellness- und Fitnessbetreuung in bester Citylage mit exklusiver Clubatmosphäre und betreibt mit EVO sowie ICON Health & Fitness weitere Studiokonzepte.

Migros & Karstadt-Quelle – Einzelhandelskette meets Fitness

Immer häufiger wurde des Weiteren versucht, Synergien zwischen Fitnessstudios und großen Einzelhandelsketten effektiv zu nutzen. Migros machte in der Schweiz mit seinem Fitnessbonussystem und den sogenannten 'Cumulus-Punkten' vor, wie solch ein Konzept in der Praxis erfolgreich funktionieren kann.

Ähnliches versuchten im deutschen Markt ab 2001 der damalige Karstadt-Chef Wolfgang Urban sowie Volker Ebner (in der Folge Geschäftsführer der Karstadt Fitness GmbH) und eröffneten erst in Berlin am Hermannplatz und später in weiteren Städten wie Dortmund, Köln und Bonn in den obersten Etagen der Kaufhäuser (in denen oftmals Leerstand herrschte) insgesamt neun firmeneigene Fitnessstudios.

Der Einstieg vom 'Big Player' Karstadt in den Fitnessmarkt sorgte zur damaligen Zeit für großes Aufsehen. Die Studios konnten sich aber aus vielerlei Gründen (abweichende Öffnungszeiten, kein separater Zugang etc.) und der wirtschaftlichen Schieflage des Einzelhandelsriesen nicht langfristig am Markt behaupten.

Rückzug nach anfänglicher Euphorie

Karstadt zog sich nach der anfänglichen Euphorie wieder aus dem operativen Fitnessgeschäft zurück und veräußerte die Studios. Sechs der Clubs wurden 2005 von HealthCity International, einer Tochter der niederländischen Finanzgesellschaft Waterland Private Equity, übernommen.

Bis heute betreibt die HealthCity Germany GmbH bundesweit eine Reihe von multifunktionalen Fitness- und Freizeitanlagen und hat ihren Unternehmenssitz in Köln. Die internationale Kette betreibt mehr als 100 Clubs in u. a. den Niederlanden, Belgien und Frankreich.

Mikrostudios im Fokus: Ein Wachstumsmarkt mit vielen Gesichtern

Neben den vorgestellten Discount- und Premium-Fitnessketten mit ihren Multifunktionsanlagen entstanden im deutschen Markt nach 2000 kontinuierlich neue Konzepte für unterschiedliche Nischenmärkte und Kundenklientelen, die sich meist auf das Mikrostudiosegment konzentrierten und sich so klar von den klassischen Fitnessanlagen abgrenzten.

Dieses Segment bedient mit den Crossfit Boxen, Bootcamps sowie den unzähligen unterschiedlichen Boutique- bzw. Special-Interest-Konzepten heute diverse Nischenmärkte, die wir Ihnen hier nicht alle detailliert vorstellen können.

Mrs.Sporty: Der persönliche Sportclub für Frauen

Ganz auf die homogene Zielgruppe der Frauen über 30 setzt Mrs.Sporty mit dem innovativen Zirkeltrainingskonzept, das sich grundlegend an den Ansätzen des bereits 1992 von Gary und Diane Heavin in den USA entwickelten Curves fitness-Konzept, inklusive dem dazugehörigen Franchise-Modell, orientiert und speziell auf die Bedürfnisse der weiblichen Fitnesskunden zugeschnitten ist.

Firmengründer Niclas Bönström erkannte diese Marktnische, eröffnete im Mai 2004 in Berlin-Charlottenburg erfolgreich sein erstes Studio und traf damit den Nerv der Kundinnen. 2005 gründete er gemeinsam mit seiner Frau Valerie die Mrs.Sporty Franchise GmbH.

Im selben Jahr holte sich das Gründerpaar mit dem kompetenten, finanzkräftigen und bestens vernetzten US-Investor Mark Mastrov (CEO 24 Hour Fitness) sowie Tennisstar Stefanie Graf (bis heute Mitgesellschafterin) medienwirksam neue Partner an Bord.

'Franchise-Newcomer des Jahres'

Wenige Monate später wurden mehr als 20 weitere Mrs.Sporty-Standorte in Deutschland eröffnet und es bildete sich schnell eine eigene Community um das aufstrebende Franchise-Konzept. 2006 wurde das Unternehmen als 'Franchise-Newcomer des Jahres' ausgezeichnet und 2007 als 'sensationeller Aufsteiger des Jahres' von der deutschen Franchise-Branche gefeiert.

Großes Angebot in Sachen Digitalisierung

Das Erfolgskonzept hat sich zu Europas führender Frauenfitnesskette weiterentwickelt. In den mehr als 500 Studios trainieren aktuell über 200.000 Mitglieder in acht Ländern und 'Frau' bekommt auch in Sachen Digitalisierung viel geboten, denn Mrs.Sporty ist mit seinen Smart-Trainern als digitale Trainingsunterstützung bereits seit 2014 aktiv und hat die Mikrostudios sukzessive weiter digitalisiert.

Der EMS-Markt als wichtiger Treiber

2007 gründeten Emma und Matthias Lehner die Fitnessstudio-Marke Bodystreet in München. Nach intensiver Konzeptarbeit und zweijähriger Pilotphase präsentierten sie 2009 ihr Franchise-Modell und hatten mit ihrer Geschäftsidee großen Erfolg.

Bereits 2010 war die Kette an 43 Standorten vertreten und beschäftigte 180 Mitarbeiter, die sich um die damals 4.000 Mitglieder kümmerten und ca. 16.000 Personal Trainings pro Monat betreuten.

Innovativste Konzepte der Branche

Mit über 300 Studios in Deutschland, Österreich, Italien, Großbritannien, den USA und Tansania zählt Bodystreet heute zu den innovativsten Konzepten der Branche und setzt auch in Sachen Weiterbildung und Trainer-Qualifizierung in diesem aufstrebenden Marktsegment Maßstäbe.

Mit der EMS-Lounge (2008), 25MINUTES (2009), fitbox (2011), Körperformen (2011) sowie terra sports (2014) kamen zügig weitere EMS-Anbieter dazu. Laut den 'Eckdaten der deutschen Fitness-Wirtschaft 2019' machen reine EMS-Anlagen bereits 12,9 Prozent der Gesamtanlagenzahl aus und etwa 150.000 Mitglieder trainieren in den 1.205 Mikroanlagen – Tendenz weiter steigend.


„Neue Meinungen sind immer verdächtig – und sie werden gewöhnlich aus keinem anderen Grund bekämpft,
außer dem, dass sie nicht schon allgemein bekannt sind.“

_______________________________

John Locke, englischer Arzt und Vordenker der Aufklärung (1632 – 1704)


Resümee und Kommentar Albert Busek

„Mit unserer umfassenden sechsteiligen Historienreihe haben wir Ihnen die Erfolgsgeschichte unserer Branche von den Anfängen der Antike bis heute nähergebracht und aufgezeigt, wie sie sich kontinuierlich weiterentwickelt und professionalisiert hat. Ausgangspunkt der Fitnessbranche waren die ersten leidenschaftlich umgesetzten Studioeröffnungen Mitte der 50er Jahre des letzten Jahrhunderts.

64 Jahre nach Eröffnung des ersten Studios in Deutschland ist die Fitnessbranche nicht nur in der Mitte der Gesellschaft angekommen, sondern hat mit heute über elf Millionen Studiomitgliedern in Deutschland unsere Gesellschaft nachhaltig durchdrungen. Man kann durchaus von 'culture change' sprechen. Ohne den unerschütterlichen Glauben an die Idee der 'Körperbildung' für alle und den Durchhaltewillen vieler Menschen hätte die Fitnessbranche die vielen Hürden auf diesem Weg nicht überwinden können.

Jahrzehntelang war es eine Art 'subcult of the subcult'. Emotionen und Vorurteile überlagerten jegliche rationale Diskussion und oftmals mussten Studiobetreiber und Mitglieder Häme über sich ergehen lassen. Persönlich war ich seit 1959 vollständig überzeugt, dass diese Art des gezielten Körpertrainings und das Angebot der Studios den Volkssport-Status erlangen wird.

Gemäß Protagoras galt für mich immer: 'Der Mensch ist das Maß aller Dinge'. Zu allen Zeiten bedurfte es Personen, die mit Mut und kalkuliertem Risiko die Entwicklung vorantrieben. In unserer Historienreihe haben wir viele dieser wichtigen Innovatoren vorgestellt. Ganz wesentlich wurde die Entwicklung hierzulande auch von der weltweiten Entwicklung geprägt.

Dazu zählen nicht nur neue Konzepte und Ideen, sondern vor allem auch der rasante technologische Fortschritt. Die im sechsten Teil vorgestellten Ketten, die sich nach der Jahrtausendwende etabliert haben, wären ohne die enormen technologischen Entwicklungen von Google (1997) Facebook (2004) und iPhone (2007) zumindest in diesem Umfang nicht möglich gewesen.

Die Zahlen sprechen dabei für sich: 1999 hatten die zehn größten deutschen Fitnessanbieter 333.000 Mitglieder und 2011 bereits zwei Millionen. Dieser Satz von Kurt Tucholsky gilt auch für unsere Branche: 'Wer nach allen Seiten offen ist, ist nicht ganz dicht.'

Auch einige große Unternehmen haben die Zeichen der Zeit nicht richtig gedeutet und verschwanden wieder. Insgesamt aber erfindet sich unsere Branche ständig neu und setzt Impulse, die man bis vor wenigen Jahren noch nicht einmal erahnen konnte.

Wir stehen erst am Anfang des Zukunftsmarktes 'Fitnessbranche'. 1971 sagte mir Arnold Schwarzenegger auf einem Spaziergang durch München: 'Ich bin erst zufrieden, wenn wir so viele Studios wie Lebensmittelgeschäfte haben.' Wir sind auf dem Weg.“


Die kompette fM-Reihe 'Die Historie der Fitnessbranche' von Albert Busek und Florian Schmidt (DHfPG) haben wir nachfolgend für Sie verlinkt.

'Historie der Fitnessbranche': Exklusive fM-Reihe

Teil 1: Survival of the Fittest – Krafttraining von der Antike bis ins Mittelalter
Teil 2: Frühe Visionäre, Tüftler und Branchengrößen – Branchenpioniere des deutschen Fitnessmarktes
Teil 3: Pumping Iron – Modernes Krafttraining & Bodybuilding
Teil 4: Muskelkult wird Volkssport – Professionalisierung der Branche seit den 80er
Teil 5: Die Entwicklung der Fitnessketten – wichtige Meilensteine bis zur Jahrtausendwende

Über die Autoren

Albert Busek ist u. a. Unternehmer, Studiobesitzer, Gründer der BSA-Akademie und einer der Wegbereiter des Bodybuildings in Deutschland. Als Sportfunktionär bei Bodybuilding-Meisterschaften trat er erstmals 1960 in Erscheinung.

Als langjähriger Präsident des Deutschen Bodybuilding- und Fitnessverbandes (DBFV) sowie Herausgeber und Chefredakteur mehrerer Bodybuilding-Zeitschriften stieg er zu einem der einflussreichsten Funktionäre der deutschen Kraftsportszene auf.

Florian Schmidt absolvierte nach einem Studium im Hotelmanagement und mehreren Jahren Berufserfahrung in der internationalen Hotellerie zusätzlich ein Master-Studium in Sportwissenschaft.

Er ist als Dozent, Wissenschaftsredakteur und Tutor für die Deutsche Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement/BSA-Akademie tätig.

Auszug aus der Literaturliste

1Arbeitgeberverband Deutscher Fitness- und Gesundheits-Anlagen e. V. (DSSV) (Hrsg.) (2019). Eckdaten 2019 der deutschen Fitness-Wirtschaft. Hamburg: Selbstverlag.

2Deloitte & EuropeActive (Hrsg.) (2019). European Health & Fitness Market Report 2019.

3Daumann, F., Heinze, R. & Römmelt, B. (Hrsg.) (2012). Strategisches Management für Fitnessstudios. Sciamus Sport und Management, Themenheft 3, 2012. Zugriff am 11.08.2019 unter www.sport-und-management.de/index.php/archiv/14-2012-3

4Fichter, A. (2010). Fitnesskette insolvent: Elixia verlässt die Kraft: In Süddeutsche Zeitung (17.05.2010). Zugriff am 22.10.2019 unter https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/fitnesskette-insolvent-elixia-verlaesst-die-kraft-1.174620

Für eine vollständige Literaturliste kontaktieren Sie bitte marketing@dhfpg-bsa.de.

Den vollständigen Artikel finden Sie in fMi Ausgabe 06/2019

Zum Abonnement
fMi Ausgabe 06/2019

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