Fitness, Management, Markt | Autor: Albert Busek und Florian Schmidt |

Fitnessketten bis zur Jahrtausendwende

Im Vergleich zu den USA entwickelten sich die Diversifizierung und die Expansion großer Fitnessketten hierzulande deutlich schleppender. Während sich in Amerika schon recht früh Fitnessketten wie Vic Tanny, Gold`s Gym, Bally Total Fitness und mit 24 Hour Fitness später auch der erste Discount-Anbieter etablierten, dauerte die Entwicklung im deutschsprachigen Fitnessraum deutlich länger und nahm erst in den späten 1990ern so richtig an Fahrt auf.

Im fünften Teil unserer Beitragsreihe „Historie der Fitnessbranche“ stellen wir Ihnen ausgewählte Pioniere und Unternehmen dieser spannenden Entwicklungsphase näher vor und nehmen Sie mit auf eine Zeitreise zu den Ursprüngen der modernen Fitnessketten.

Born in the USA – Kalifornien, die Wiege der modernen Fitnessketten

Kalifornien war und ist das Epizentrum des modernen Körperkults: Wie der berühmte Muscle Beach (ab 1933) und das erste moderne Fitnessstudio von Jack LaLanne (1936) (Tipp: Lesen Sie hierzu auch Teil 2 unserer Reihe), hat auch die Erfolgsgeschichte der Fitnessketten ihren Ursprung im „Golden State“ der USA.

Für viele ist das „Gold`s Gym“, das 1965 in Venice von Joe Gold gegründet wurde, und die daraus entstandene gleichnamige Kette der Inbegriff der ersten weltweit agierenden Fitnesskette. Das Konzept des Gründers wurde von verschiedenen anderen Besitzern kontinuierlich weiterentwickelt: „Gold`s Gym“ betreibt laut eigenen Angaben mehr als 700 Studios auf sechs Kontinenten und hat sich vom „kleinen Hardcore-Gym aus L.A.“ zum globalen Fitness- und Lifestyle-Anbieter entwickelt. Aber war es wirklich „Gold`s Gym“, das mit seinem Studiokonzept den Startschuss für die Expansion der Fitnessketten gegeben hat? Die klare Antwort ist „Nein“, denn zwei ambitionierte Brüder haben in Kalifornien schon deutlich früher wichtige Impulse gesetzt, obgleich sie heute weniger bekannt bzw. medial präsent sind.

First Mover – Die Tanny-Brüder waren ihrer Zeit voraus

Gemeinsam mit seinem Bruder Armand war Vic Tanny in den 1950er-Jahren einer der ersten Pioniere im US-Gym-Business, der mit seiner Geschäftsidee den Grundstein der modernen Fitnessketten legte. Bereits 1939 gründeten die beiden Brüder in der Nähe von Santa Monica ihr erstes Studio. Schnell eröffneten sie in Los Angeles zwei weitere Standorte: in Long Beach bzw. am Wilshire Boulevard. Nach dem 2. Weltkrieg forcierte Vic Tanny seine Expansionspläne und erzielte mit seinem neuartigen Franchisekonzept zunächst großen Erfolg. Anfang der 1960er-Jahre gab es in den USA und in Kanada ein flächendeckendes Studionetz von ca. 100 Studios, bevor das Unternehmen aufgrund von Missmanagement, zu aggressiven Wachstumsstrategien sowie mangelndem Kapital Konkurs anmelden musste und die Fitnesskette zerschlagen bzw. teilweise an Konkurrenten verkauft wurde. Nichtsdestotrotz haben Vic Tanny und sein Bruder mit ihrer Vision den Anstoß für viele Nachahmer gegeben, die in ihre Fußstapfen getreten sind.

Bally Total Fitness und 24 Hour Fitness weitere Vorreiter aus Kalifornien

Einer dieser Nachfolger war Roy Zurkowski, der einige der Tanny-Clubs übernahm und die Holding „Health & Tennis Corporation of America“ gründete, unter deren Dachorganisation verschiedene Markennamen und Konzepte (darunter auch „Vic Tanny“) vereint und fortan gemeinsam zentral vermarktet wurden. Daraus entstand mit 380 Anlagen die bis dato größte Health & Fitness Corporation der Welt, die wiederum 1983 von „Bally Manufacturing Corp.“ übernommen wurde und unter Zurkowskis Leitung (bis 1990 CEO) und dem Namen „Bally Total Fitness“ zum Big-Player avancierte.

Im selben Jahr legte Mark Mastrov mit seinem ersten „24 Hour Nautilus Studio“ und seinem „Rund-um-die-Uhr-Fitnesskonzept“ für den kleinen Geldbeutel den Grundstein aller folgenden Discount-Konzepte.1996 wurde Mastrovs Firmen-Netzwerk in „24 Hour Fitness“ umbenannt. Bis heute gehört die Kette mit 442 Clubs und mehr als 3,5 Millionen Mitgliedern (Stand 2018) zu den führenden Unternehmen dieses Marktsegments.

Fitnessketten im deutschsprachigen Raum – erste Visionäre und Branchengrößen im Fokus Werner Kieser expandiert als erste Franchise-Kette im deutschsprachigen Raum

Wer hat`s erfunden? Ein Schweizer. „Rückenflüsterer“ Werner Kieser setzte als erster Fitnessunternehmer gezielt auf Franchising und expandierte mit seiner Fitnesskette Kieser Training zunächst erfolgreich in der Schweiz und ab 1994 dann auch nach Deutschland. Mit seinem ökonomischen Kalkül und seinem Geschick legte er damit im deutschsprachigen Fitnessraum den Grundstein für das erste erfolgreiche Franchisekonzept der Branche. Kieser Training wurde in 2017 von Michael Antonopoulos und dessen Geschäftspartner Nils Planzer übernommen, die seither die rund 150 Clubs mit 283.000 Mitgliedern weiterführen (Stand 2018).

Gemeinsam mit Werner Pfitzenmeier, der ab 1978 die erste regionale inhabergeführte Fitnesskette etablierte und zum Platzhirsch in der Rhein-Neckar-Region avancierte, leistete der Rückenpapst und Visionär Kieser nicht nur in puncto Fitnessketten-Entwicklung wichtige Pionierarbeit. (Mehr zu diesen beiden Visionären finden Sie in Teil 3
unserer Reihe).

Marketing-Genie Werner Krebs und SWISS TRAINING

Ebenfalls aus der Schweiz kam Werner Krebs, der 1974 in Chur mit 2.500 Franken sein erstes eigenes Studio unter dem Namen „Duc de Rohan“ eröffnete und als Unternehmensberater und Gründer von SWISS TRAINING später zum Multimillionär heranreifte. Krebs war Gründungspräsident der Interessengemeinschaft zur Förderung der Fitness in der Schweiz und machte sich in der Branche durch Beratungen, Sanierungen (u. a. auch einiger Franchisenehmer von Werner Kieser) sowie die Übernahme von Franchiseunternehmen zuerst in der Schweiz und dann auch in Deutschland einen Namen. In Fachkreisen wurde er als wahres „Marketing-Genie“ bezeichnet. Der findige Unternehmer gründete zahlreiche eigene SWISS TRAINING-Center, die ähnlich dem Konzept von Kieser Training hardware-technisch auf Nautilus-Geräten basierten, aber neben dem klassischen Krafttrainingsbereich auch Cardiogeräte, Aerobic, Sauna und Solarium anboten – und das zu einem relativ günstigen Preis. Sein spezielles Konzept aus Beratung und Vermarktung kam bei den Geschäftspartnern gut an und so machte er SWISS TRAINING im Eiltempo zur größten Fitnesskette in Europa – bevor es danach wieder leiser um den Geschäftsmann wurde und er sich aus dem operativen Geschäft zurückzog.

Multifunktionsanlagen auf dem Vormarsch – Pfitzenmeier, Horstenkamp und Meridian Spa

Im Zuge der Aerobic-Welle schossen in den 1980ern immer mehr neue Fitnessstudios wie Pilze aus dem Boden und bestehende Anlagen erweiterten ihr oftmals krafttrainingslastiges Angebot um ausdauerorientierte Trainingsgeräte sowie diverse Gruppenkurse, die gerade von den Kundinnen stark nachgefragt wurden. Hier setzte Werner Pfitzenmeier, inspiriert durch seine zahlreichen Besuche in den USA, weitere wichtige Meilensteine für seinen wirtschaftlichen Erfolg und punktete mit seinem umfangreichen Gruppenkursangebot.

Gleichzeitig entstanden in dieser Zeit gemäß dem amerikanischen Vorbild erste Racket-Clubs und Multifunktionsanlagen, die ein umfassendes Serviceportfolio inklusive Tennis, Squash, Schwimmbad, Sauna, Massagen u. v. a. m. anboten. Zwei absolute Pioniere auf diesem Gebiet waren der Unternehmer Winfried Horstenkamp aus Bochum und das Unternehmen Meridian Spa, die beide mit ihren unterschiedlichen Konzepten Mitte der 1980er-Jahre gerade im urbanen Raum wichtige Impulse setzten und so besonders die anspruchsvollen und meist gut betuchten Kunden für sich gewinnen konnten.

Der gelernte Bankkaufmann und Freizeitunternehmer Horstenkamp bot in seiner „Oase“ in Bochum schon früh eine umfassende Dienstleistung an, erweiterte sukzessive sein Angebot und setzte mit seiner Multifunktionsanlage 1999 laut eigenen Angaben bei knapp 11.000 Mitgliedern jährlich ca. 7,5 Millionen DM um.

Nicht auf Tennis, Badminton, Squash und Co., sondern auf Fitness, Wellness und Entspannung setzte ein anderer Anbieter, der bis heute in Sachen Exklusivität, Service und Lifestyle absolute Maßstäbe setzt.

Auf gerade einmal 450 Quadratmetern entstand 1984 in Hamburg-Wandsbek im „Sportstudio 2000“ unter der Leitung von Barthold Richters die „Keimzelle“ des Meridian Spa-Imperiums mit heute insgesamt acht Standorten in Hamburg, Berlin, Frankfurt und Kiel. Ab 1989 wurde dort unter dem Namen „Club Meridian“ exklusiv Fitness und Wellness unter einem Dach angeboten. Der Standort wurde bis 1995 konsequent zu Europas größter Fitness- und Wellnessanlage mit mehr als 15.000 Quadratmetern ausgebaut. Bis zur Jahrtausendwende entstanden am Michel (1994) und in Eppendorf (1999) zwei weitere Standorte, die Hamburg zum Mekka der Fitness- und Wellnessbranche gemacht haben. Richters war bis 2016 Mitgesellschafter und lockte ab 2007 erstmals externe Investoren in die Hansestadt, mit deren Hilfe er seine Standorte kontinuierlich erweiterte.

Fit-Plus – vom urbanen Münchner Multicenter zur eigenständigen Fitnesskette

Der ehemalige Profiradsportler Christian Goldschagg gründete 1987 als Inhaber und Geschäftsführer die Fitnesskette „Fit-Plus“ und betrieb mit dem „Leopark“ in München eine der größten und modernsten Anlagen seiner Zeit. Im Aushängeschild der Kette bekamen die Kunden neben Fitnesstraining, Wellness und zahlreichen Gruppentrainings- bzw. Entspannungskursen auch Inlineskating, Kinderbetreuung, Beachvolleyball, einen BMX-Parcours, Schwangerschaftskurse, Kampfsport und vieles mehr geboten. Goldschagg baute seine Vormachtstellung im Großraum München geschickt aus, entwickelte seine regionale Fitnesskette zu einem der Marktführer in ganz Deutschland und erwirtschaftete zur Jahrtausendwende mit „Fit-Plus“ eigenen Angaben zufolge knapp 30 Millionen DM jährlich. Vor dem Verkauf an eine britische Venture-Capital-Gesellschaft im Jahr 2000 beschäftigte die Kette über 200 Mitarbeiter in 17 Filialen und es trainierten ca. 27.000 Mitglieder in den Clubs.

TC Training Center – Börsengang und Venture-Finanzierung für noch mehr Expansion

TC Training Center war unter der Leitung von Harald Berg, Henrik Gockel, Edy Paul und Tore Ramberg bis nach der Jahrtausendwende im deutschsprachigen Raum eine der größten Fitnessketten und ist auch heute noch für viele ein Begriff, obgleich die Kette als solche nicht mehr existiert. Edy Paul eröffnete 1984 in Dietikon (nahe Zürich, Schweiz) das erste TC Training Center, startete parallel dazu eine Karriere als Unternehmensberater und war Mitbegründer des Schweizerischen Fitness- und Gesundheitscenter Verbands (SFCV). Gemeinsam mit Henrik Gockel, der ab 1989 bei TC Training Center einstieg, gründete er 1992 die Unternehmensberatung „Gockel & Paul“ (ab 2001: P+P Edy Paul & Partner AG). Das Duo beriet mittelständische Fitness- und Freizeitanlagen in ganz Europa und expandierte mit TC Training Center erst in der Schweiz und dann in Deutschland. Die Unternehmer pushten die Kette in der Folgezeit bis 2000 mit etwa 80 Studios erfolgreich zu einer der größten Fitnessketten im deutschsprachigen Raum. Doch die Unternehmer wollten mehr: 1999, auf dem Zenit des Erfolgs, plante TC Training Center als erstes deutsches Fitnessunternehmen den Börsengang und ging dabei auch in Sachen Finanzierung neue Wege. Man lieh sich im Rahmen einer Venture-Finanzierung von der BancBoston Capital London 42 Millionen DM, um weiter zu expandieren. Im Vergleich zur traditionellen Hausbankenfinanzierung stellte dieser Schritt finanziell gesehen einen großen Fortschritt dar, bedeutete aber auch ein größeres Risiko. Das Unternehmen machte nach der Jahrtausendwende herbe Verluste im mehrstelligen Millionenbereich, u. a., weil sich die Finanzierung rückblickend als deutlich zu aggressiv und die Akquisitionsstrategie durch den Zukauf von weiteren Clubs als schwierig erwies. Die TC Holding GmbH in Deutschland musste Ende 2003 Insolvenz anmelden und die deutschen Clubs wurden verkauft – die Schweizer Dachgesellschaft war von der Insolvenz aufgrund der komplexen Unternehmensstruktur nicht direkt betroffen. Die Franchisenehmer konnten den Namen TC Training trotz der Insolvenz weiterführen und somit blieb die Marke bis heute erhalten. Edy Paul und Henrik Gockel wurden von der TC-Insolvenz entlastet, sind als Gesellschafter ausgeschieden und haben die Branche trotz dieses Rückschlags weiter aktiv mitgestaltet und geprägt. Henrik Gockel blieb den Fitnessketten treu und wechselte zu Fitness First, wo er als Operations Director Europe und später als Geschäftsführer für den deutschen Markt für mehr als 100 Clubs der Kette verantwortlich war, bevor er 2010 mit PRIME TIME fitness sein eigenes Boutique-Studiokonzept erfolgreich umsetzte.

Rainer Schaller und McFIT – anfangs belächelt, heute Marktführer

1997 gründete der gelernte Einzelhandelskaufmann Rainer Schaller unter dem Werbeslogan „Jetzt auch in Würzburg“ in einer gerade einmal 700 Quadratmeter großen Halle sein erstes puristisches McFIT-Studio. Ob der findige Visionär damals wohl schon geahnt hat, dass sein erstes Studio der Grundstein für die erfolgreichste deutsche Studiokette und der unangefochtene Platzhirsch im Discount-Segment sein würde? Geld hatte der – heute geschätzt etwa 250 Millionen Euro schwere – Quereinsteiger damals nicht, aber dafür jede Menge Elan, sein „Studio-Experiment“, wie er es selbst bezeichnet hat, in die Tat umzusetzen. Die Halle renovierte er weitestgehend selbst, die Geräte waren gebraucht und Schaller war quasi „Mädchen für alles“. Mit seinem Studiokonzept verfolgte der Visionär, anders als viele seiner Konkurrenten in dieser Zeit, eine ganz eigene, klare Strategie: Fitnesstraining für den schmalen Geldbeutel, ohne viel Schnickschnack, Wellness, Kursangebote und Co. – selbst die Dusche kostete extra. Von der Konkurrenz wurde seine Idee anfangs belächelt, aber das Konzept kam an und der Erfolg gab ihm langfristig Recht. Bis zur Jahrtausendwende expandierte McFIT erst in Bayern und ins Ruhrgebiet. Zudem wurde das Angebot ab 1999 auch zeitlich auf 24 Stunden Fitnesstraining sieben Mal die Woche ausgeweitet. Aktuell ist McFIT mit 1,95 Millionen Mitgliedern das mitgliederstärkste Fitnessunternehmen in ganz Europa.

Rainer Schaller hat mit seinem „Aufbaugeist“ wichtige Pionierarbeit geleistet und ist bis heute ein Paradebeispiel dafür, wie Manager ihr Unternehmen im Wandel der Zeit konsequent weiterentwickelt haben, um wettbewerbsfähig und innovativ zu bleiben. Wie die gesamte Fitnessbranche ist auch die Rainer Schaller Global Group GmbH, kurz RSG Group (ehemals McFIT Global Group GmbH), mit ihren vielen eigenständigen Marken und Konzepten ein Spiegelbild der gesellschaftlichen Entwicklungen sowie der veränderten Marktherausforderungen. Sie ist vom „Discounter der Fitnessbranche“ zu einem facettenreichen Fitnessimperium herangewachsen.

Ausblick

In Teil 6 unserer Reihe knüpfen wir nahtlos an die weitere Entwicklung im deutschen Fitnessmarkt an und stellen Ihnen Fitnessketten wie Injoy, Fit Company, Clever fit, Mrs. Sporty u. a. vor, die erst nach dem Jahr 2000 so richtig durchstarteten. Werfen Sie gemeinsam mit uns einen Blick auf die Marktveränderungen durch die wachsende nationale und internationale Konkurrenz. Wir zeigen Ihnen, wie z. B. die Global Player Fitness First und HealthCity den Markt vor neue Herausforderungen gestellt haben und wie sich die Branche mit neuen Mikrostudio-Konzepten, z. B. mit Boutique- oder EMS-Studios, CrossFit-Boxen etc., immer weiter ausdifferenziert und spezialisiert.

Erlebte Zeitgeschichte – ein sehr persönlicher Kommentar von Albert Busek

Die Fehleinschätzung eines Arztes stoppte meine erträumte Karriere als Fußballer und Steve Reeves als Herkules im Film lenkte meine Aufmerksamkeit auf eine für mich bis dahin unbekannte Sportart, was sich schließlich als entscheidende Weichenstellung für mein weiteres Leben herausstellte. Am 14. Oktober 2019 jährt sich meine „Iron-Experience“ zum 60. Male. Im Nebenraum einer Sauna – ein Studio gab es damals in München noch nicht – hatte ich erstmals eine Hantel in der Hand und nutzte auch alle vorhandenen Geräte etwa zwei Stunden lang. Die Begeisterung wuchs von Minute zu Minute. Der folgende Muskelkater war „gnadenlos“ aber ganz tief in meinem Inneren wusste ich: „Das ist mein Ding“. Konsequent recherchierte ich alles über Muskeln und war ständiger Gast in der Bayerischen Staatsbibliothek. Nach kürzester Zeit kam ich zu dem Ergebnis, dass dieses Trainingssystem alle Voraussetzungen zur Stärkung und Gesunderhaltung für jeden Menschen erfüllt. Schon in meiner Schulzeit und auch während des Studiums arbeitete ich nebenher in einem der ersten Studios in München, das später sehr berühmt werden sollte. Alles war klein und sehr einfach in den Anfangsjahren, aber die Begeisterung war grenzenlos. Ab 1. Oktober 1964 machte ich mein leidenschaftliches Hobby zum Beruf und wurde Leiter des Studios in der Schillerstraße 36 in München. In den folgenden 55 Jahren habe ich durch sehr diversifizierte Aktivitäten die Studioentwicklung, ja die der gesamten Bodybuilding- und Fitnessbranche hautnah miterlebt. In meiner Eigenschaft als Redakteur (ab 1975 als Chefredakteur) war ich in über 100 Ländern unterwegs und besuchte dabei auch unzählige Studios. Ich lernte Ikonen der Branche kennen und diskutierte mit ihnen über die Gründungsväter des 19. Jahrhunderts genauso wie über die gegenwärtige Situation und die künftige Entwicklung. Fast alle in diesem fünften Teil erwähnten Personen zählen dazu. 1982 interviewte mich der legendäre Harry Valérien im „Aktuellen Sportstudio“ des ZDF, wobei in dieser Sendung erstmals ein „Sportstudio“ aufgebaut wurde. 1983 eröffnete ich das „Busek-Sportcenter“ (BSC) und versuchte dabei, einen neuen Standard zu setzen, was damals sogar Jürgen Palm, Breitensportreferent des Deutschen Sport Bunds (DSB), zu einem Besuch des BSC nach München lockte.

1984 produzierte ich eine Video-Dokumentation zum Thema partielles Muskeltraining und sagte dabei in die Kamera: „Partielles Muskeltraining ist auf dem bestem Weg, Volkssport zu werden.“ Nicht nur die Boulevard-, sondern auch die Fachpresse machte sich darüber lustig. Nun, 1984 hatten wir in Deutschland gerade mal einige Hunderttausend Mitglieder in den Studios. 1989 waren es dann schon 1,51 Millionen und 2019 sind es gemäß DSSV-Kennzahlen 11,09 Millionen! Die Pessimisten („Naysayer“) hatten ihren Spaß, aber keine Chance! Diese herausragende Erfolgsgeschichte wird weitergehen und ich freue mich zusammen mit allen Akteuren in unserer großen „Fitness-Family“ auf spannende und kreative Weiterentwicklungen.

(Anmerkung der Redaktion: Das „Busek-Sportcenter“ verkaufte Albert Busek 1999 an die TC-Gruppe. Es wurde 2004 von seinem ehemaligen „Schüler“ Stefan Kellerbauer (Stefan-Sportcenter) übernommen und wird seit 2018 von Thomas Gürtner (Thomas-Sportcenter) an gleicher Stelle betrieben.)

Albert Busek

Albert Busek ist u. a. Unternehmer, Studiobesitzer, Gründer der BSA-Akademie und einer der Wegbereiter des Bodybuildings in Deutschland. Als Sportfunktionär bei Bodybuilding-Meisterschaften trat er erstmals 1960 in Erscheinung. Als langjähriger Präsident des Deutschen Bodybuilding- und Fitnessverbandes (DBFV) sowie Herausgeber und Chefredakteur mehrerer Bodybuilding-Zeitschriften stieg er zu einem der einflussreichsten Funktionäre der deutschen Kraftsportszene auf.

Florian Schmidt

Florian Schmidt absolvierte nach einem Studium im Hotelmanagement und mehreren Jahren Berufserfahrung in der internationalen Hotellerie zusätzlich ein Master-Studium in Sportwissenschaft. Er ist als Dozent, Wissenschaftsredakteur und Tutor für die Deutsche Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement/BSA-Akademie tätig.

Auszug aus der Literaturliste

Deloitte & EuropeActive (Hrsg.) (2019). European Health & Fitness Market Report 2019.

Daumann, F., Heinze, R. & Römmelt, B. (Hrsg.) (2012). Strategisches Management für Fitnessstudios. Sciamus Sport und Management, Themenheft 3, 2012. Zugriff am 11.08.2019 unter www.sport-und-management.de/index.php/archiv/14-2012-3

Kieser, W. (2008). Die Entdeckung des Eisens. Stationen meines Lebens. Berlin: Econ Verlag.

Schupp, J.-P. (1999). Werner Krebs – Das Marketinggenie, in: Fitness Tribune 56, 1999, S. 50–56. Zugriff am 13.08.2019 unter http://healthtribune.tv/archiv/fitnesstribune/ARKIV/arc/ift59_3.html

Tuma, T. (1999). Körperkult – „Das kann auch geil sein“, in: Der Spiegel 38, 1990, S. 134–138. Zugriff am 13.08.2019 unter https://magazin.spiegel.de/EpubDelivery/spiegel/pdf/14799596

Für eine vollständige Literaturliste kontaktieren Sie bitte marketing@dhfpg-bsa.de.

Den vollständigen Artikel finden Sie in fMi Ausgabe 05/2019

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fMi Ausgabe 05/2019

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