Racket Center Nußloch Geschäftsführer Dr. Matthias Zimmermann im Interview: „Netzwerke, Vertrauen und Nachhaltigkeit im Beziehungsmanagement“

Vertrauen aufbauen: Dr. Matthias Zimmermann erklärt im Interview, wie er bei der Beratung von BGM-Konzepten einen direkten Kontakt zu seinen Kunden aufbaut.
Lesezeit: 5 Minuten
Nachhaltiges Beziehungsmanagement im BGM: Dr. Matthias Zimmermann, Geschäftsführer des Racket Centers Nußloch, setzt bei der Ansprache von Unternehmen nicht auf klassische Werbung, sondern auf Direktvermarktung durch persönliche Kontakte und individuelle Gespräche.

fM: Seit wann gehören BGF und BGM zu Ihrem Angebot? Wie hat sich die Dienstleistung im Laufe der Zeit verändert?

Dr. Matthias Zimmermann: Wir haben im Jahr 2012 aus einer unserer beiden Tennishallen ein Zentrum Aktiver Prävention mit Fitness und Gesundheit, Physiotherapie und T-Rena, Rehabilitationssport, Kursprogramm und Wellness entwickelt.


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Parallel dazu haben wir uns verstärkt im Themenfeld BGM und BGF für Firmen mit Gesundheitsprogrammen engagiert. Immer mehr Stellenwert gewinnt das Thema „gesundes Führen“.

Wie ist die Dienstleistung BGM in Ihre Unternehmensstruktur eingebunden?

BGM läuft bei uns unter unserer Überschrift „Sonderprogramme“. Diese sind Chefsache, also auf oberster Unternehmensebene angesiedelt. Je nach Charakteristik der Firmenkooperation werden Mitarbeiter aus unterschiedlichen Bereichen eingebunden. Ebenso reflektieren wir unser Angebot immer wieder auf Basis neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse und evaluieren die Rückmeldungen der einzelnen Firmen.

Differenzieren Sie intern die Unterschiede zwischen Firmenfitness, Betrieblicher Gesundheitsförderung und Betrieblichem Gesundheitsmanagement?

Die Unterschiede zwischen Firmenfitness, Betrieblicher Gesundheitsförderung und Betrieblichem Gesundheitsmanagement differenzieren wir für uns intern. Firmenfitness sind für uns selektive Angebote und Maßnahmen, die innerhalb und/oder außerhalb eines Unternehmens stattfinden und dem Erhalt sowie der Förderung der Gesundheit und der allgemeinen körperlichen Leistungsfähigkeit der Beschäftigten dienen.

Im Detail beschreibt das in unserem Fall beispielsweise Kooperationsvereinbarungen mit Unternehmen für Vergünstigungen auf unsere Mitgliedschaften und Sportangebote, aber auch Präventionskurse, die von den Unternehmensverantwortlichen an die Mitarbeiter kommuniziert werden.

Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) verstehen wir als Konzept innerhalb eines ganzheitlichen Betrieblichen Gesundheitsmanagements. Sie dient dem Aufbau von Gesundheitsressourcen und dem Abbau von Belastungen.


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Unser Konzept orientiert sich dabei an den Handlungsfeldern Ernährung, Bewegung, Stressmanagement und Entspannung und setzt an der Schnittstelle zwischen Gesundheitsprogrammen, Präventionskursen und -workshops, Physiotherapie und Rehabilitationssport an. Unsere Dienstleistung und unsere Kompetenzressourcen passen wir generell immer fallweise dem Unternehmen und dessen Anspruch an.

Zur Ermittlung des Bedarfs eines Unternehmens führen wir zunächst individuelle Gespräche. Darüber hinaus verfügen wir über teilweise digital gestützte Evaluationsfragebögen und Risk-Score-Analysen. Die meisten Unternehmen haben jedoch im Zusammenwirken mit Krankenkassen bereits Analysen vorgenommen. Wir validieren lediglich das, was der Auftraggeber konkret an uns übermittelt und versuchen, eigene Ansätze in die Gestaltung der Programme einzubringen.

Dabei stellen wir fest, dass das Verständnis für unterschiedliche Angebotsqualitäten im Spektrum zwischen Firmenfitness und Gesundheitsmanagement oft sehr rudimentär ist. Daher zeigen wir als Anbieter den Firmen, die sich häufig nicht in der Tiefe mit dem Thema auseinandersetzen können, entsprechende Möglichkeiten auf. Hier hilft auch eine enge Abstimmung mit den Krankenkassen.

Aufträge für Gesundheitsmanagementkonzepte generieren sich primär über Direktvermarktung, persönliche Kontakte und im individuellen Gespräch. Marketinginitiativen im Sinne von klassischer Werbung gibt es nicht. Dafür haben wir ein sehr tragfähiges Unternehmensnetzwerk.

Gibt es bestimmte Angebotsschwerpunkte aus den Bereichen BGF und BGM, die bei Ihnen stark nachgefragt werden?

Nein. Das Spektrum reicht von Ergonomieberatung für gewerblich Arbeitende bis zu Teambuilding über die Unternehmensebenen des Auftraggebers hinweg. Letztendlich ist das Vertrauen in unsere Empfehlungen ausschlaggebend. Aus diesem Grund sind der Aufbau und die Pflege von Kontakten meine ganz persönliche Angelegenheit. Meine Mitarbeiter sind angehalten, entstehende Kontakte zu interessanten Unternehmen direkt an mich weiterzuleiten.

Welche Voraussetzungen müssen in Fitness- und Gesundheitsstudios erfüllt werden oder gegeben sein, damit das Angebot BGM gewinnbringend umgesetzt werden kann?

Um räumlich auf Wünsche von Unternehmen eingehen zu können, sollte idealerweise ein großer freier Raum zur Durchführung von Teamevents und ein vernünftig ausgestatteter Seminarraum zur Verfügung stehen.


Dr. Matthias Zimmermann

Über unseren Interviewpartner

Der Geschäftsführer der Racket Center Nußloch GmbH & Co. KG, Dr. rer. pol. Matthias Zimmermann (Jahrgang 1968), studierte Sportökonomie an der Universität Bayreuth. Nach dem Diplomabschluss war er als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für betriebswirtschaftliche Steuerlehre und Wirtschaftsprüfung beschäftigt.

Nach einem Jahr wechselte er an den Lehrstuhl für Dienstleistungsmanagement mit den Zuständigkeitsbereichen „Sportökonomie“ und „Wirtschaftswissenschaftliche Zusatzausbildung für Studierende der Rechtswissenschaft“.

Dr. Matthias Zimmermann betreibt als geschäftsführender Gesellschafter die GSM – Gesellschaft für Sportmanagement und Beratung mbH, ist ehrenamtliches Mitglied im Kuratorium der Manfred-Lautenschläger-Stiftung und Gründer des Fördervereins Bildung durch Sport e. V.


Wichtig sind eine kundenorientierte und fachlich fundierte empathische Kommunikation sowie starke Persönlichkeiten mit fachlicher, sprich akademischer Expertise und Know-how im Teambuilding, die ihre Begeisterung für Training und Bewegung weitergeben können. Die entscheidenden Faktoren für unseren Erfolg sind Netzwerke, Vertrauen und Nachhaltigkeit im Beziehungsmanagement.

Anhand welcher Kriterien wählen Sie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für Ihr BGF- und BGM-Angebot aus?

Das Angebot steht und fällt mit den Menschen, die es umsetzen. Insofern sind Eigenschaften wie Kommunikationsstärke, fachliche Expertise und Teamfähigkeit besonders wichtige Einstellungskriterien für unsere Mitarbeiter in diesem Bereich. Die Kenntnisse unseres Teams gehen jedoch über Sport und Fitness hinaus. Lebenswissenschaftliche Expertise, Interesse an Kommunikation und auch Führungsthemen haben sich als besonders wertvoll herausgestellt.

Vorwiegend beschäftigen wir dual Studierende und Absolventen der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement. Und wir sind dankbar über jeden Master of Science in Sportwissenschaften, Schwerpunkt Prävention. Damit einher geht selbstverständlich die Zertifizierung einschlägiger Qualifikationen über die ZPP zur Durchführung von krankenkassenfinanzierten Präventionsprogrammen. Dies wird gerade für uns als ein Zentrum Aktiver Prävention zunehmend wichtig.

Mit welchen Maßnahmen oder Prozessen entwickeln Sie Ihr BGM-Angebot weiter und stellen sicher, dass Sie up to date bleiben?

Die Fortentwicklung unserer Programme ergibt sich aus der Kooperation mit den Unternehmen – sprich mitarbeiterzentriert und sehr pragmatisch. Für ein Kooperationsprojekt mit 80 Auszubildenden einer großen Pflegeeinrichtung mit mehreren Standorten waren beispielsweise mehrere umfangreiche Vorgespräche notwendig.

Daraus wurden insbesondere Aktivitäten im Team als zielführend identifiziert. Hierarchieübergreifende Maßnahmen spielerischer Art fördern die Gesundheit von Individuen in einer lernenden Organisation in besonderer Weise. Das größte Potenzial für die Zukunft sehe ich im Bereich „gesundes Führen“.


Weitere Interviews und Hintergründe

In weiteren Interviews sprechen Anke Mächler-Poppen (DHfPG), Hannes Schröder (outness) und Sarah Staut (Universitätsklinikums des Saarlandes) über das Potenzial von BGM in der Fitness- und Gesundheitsbranche. Lesen Sie außerdem unseren Artikel 'BGM boomt' als Einstieg zu den Interviews.

Indem Sie auf das entsprechende Bild oberhalb dieses Textes klicken, gelangen Sie direkt zum jeweiligen Artikel.


Aufstiegskongress 2023: Fitnessbranche und BGM

Dr. Matthias Zimmermann nimmt beim Aufstiegskongress vom 6. bis 7. Oktober 2023 in Mannheim an der Gesprächsrunde „Ansätze für Fitnessbetriebe zum Einstieg in den BGM-Markt“ teil. Gemeinsam mit unter anderen Anke Mächler-Poppen und Philipp Hartewig, MdB, wird er die Frage diskutieren, welche Zugänge es für Fitnessstudios zum BGM-Markt gibt und wie sie Programm umsetzen bzw. ausbauen können.

Philipp Hartewig und Prof. Dr. Axel Plünnecke erläutern in ihrem Vortrag „Fachkräfte sichern – Warum BGM für Unternehmen immer wichtiger wird!“, wie die Fitnessbranche als Dienstleister für Unternehmen und Beschäftigte wichtige Impulse für die Zukunftssicherung des Standorts Deutschland geben kann.

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