Tim Budesheim: „Mein Motto war immer: Aufgeben ist keine Option“

Tim Budesheim spricht über Ehrlichkeit, Verantwortung und Mindset, bewertet den Bodybuildingboom positiv und erklärt, warum Entwicklung wichtiger bleibt als kurzfristiger Erfolg.
Lesezeit: 5 Minuten
Muskulöser Mann im Tanktop posiert lächelnd vor schwarzem Hintergrund.
Tim Budesheim verbindet körperliche Entwicklung mit Verantwortung, Ehrlichkeit und mentaler Stärke
Im Interview erklärt Tim Budesheim, warum Ehrlichkeit, Verantwortung und mentale Stärke seine Karriere geprägt haben. Der IFBB-Pro-Bodybuilder spricht über seinen Weg vom ersten Wettkampf bis zum Unternehmer, Coach und Influencer. Er ordnet den Bodybuildingboom ein und beschreibt die Bedeutung von Krafttraining für Gesundheit und Lebensqualität.

fM: Du hast sehr jung mit Bodybuilding begonnen. Wie kam es dazu?

Tim Budesheim: Kraftsport hat mich schon als Jugendlicher fasziniert. Ich bin auf dem Dorf groß geworden, damals gab es kein Social Media, wo man seine Idole täglich verfolgen konnte. Aber ich fand die alten Arnold-Schwarzenegger-Filme beeindruckend.

Muskeln und Athletik haben mich immer begeistert. Mit 15 begann ich meine Ausbildung im Maschinenbau und ging mit älteren Kollegen ins Fitnessstudio. Ich habe schnell gemerkt, dass mir Krafttraining liegt. Nach wenigen Wochen wollte ich mich bei jedem Training verbessern, heute würde man sagen: Progress. Dieser Ehrgeiz hat mich sofort gepackt.

Was hat dich dazu gebracht, dauerhaft dranzubleiben?

Zum einen steckt dieser Sportlergedanke einfach in mir. Für mich gibt es kaum etwas Wichtigeres. Der große Wendepunkt war mein erster Wettkampf – den habe ich direkt gewonnen und wurde Deutscher Meister.

Da dachte ich: Das fühlt sich richtig an. Danach ging es von Erfolg zu Erfolg. Aber am Ende ist es nicht nur der Erfolg. Mich begeistert der gesamte Prozess: Training, Ernährung, mentale Stärke, die Entwicklung des Körpers.

Bodybuilding ist eine sehr ehrliche Sportart. Man kann niemand anderem die Schuld geben, steht immer nur sich selbst gegenüber. Dieses „You versus You“ reizt mich bis heute.

Woher kommt dein Spitzname „The Miner“?

Ich habe in einem Bergbauunternehmen gelernt und schon sehr jung unter Tage gearbeitet. Daher kommt „The Miner“. Gleichzeitig passt der Name auch zu meiner Mentalität.

In der Szene gelte ich als jemand, der extrem hart arbeitet. Wenn andere zwei oder drei Wettkämpfe machen, mache ich sechs oder sieben. Mein Motto war immer: Aufgeben ist keine Option.

Du hast gleichzeitig gearbeitet, Wettkämpfe bestritten und Social Media aufgebaut. Wie schafft man das?

Ehrlich gesagt: nur über Prioritäten. Mein Leben besteht aus ständigem Prioritätenverschieben. In der Wettkampfvorbereitung steht der Sport über allem. Dann gibt es kaum Sozialleben, keinen Urlaub und keine spontanen Ablenkungen.

Über den Interviewpartner

Tim Budesheim

Tim Budesheim ist einer der erfolgreichsten deutschen IFBB-Pro-Bodybuilder. Bereits mit 16 Jahren wurde er Deutscher Meister, mit 21 und 23 Jahren jeweils Weltmeister.

Seit 2021 arbeitet der Profiathlet zudem als Coach, Influencer und Unternehmer. In seinem privaten Gym Eisenhöhle produziert er Content, mit dem er für einen modernen, authentischen und leistungsorientierten Blick auf Bodybuilding steht.

Foto: Dan Ray Photography

Ich habe Profibodybuilding, Social Media und mein Maschinenbaustudium jahrelang parallel betrieben, war in einer Führungsposition tätig, habe Mitarbeiter geführt und gleichzeitig an Wettkämpfen teilgenommen. Rückblickend war das brutal anstrengend, aber heute bin ich froh darüber. Dadurch habe ich mir ein Fundament aufgebaut.

Bei jungen Leuten auf Social Media fehlt mir oft genau dieses Fundament. Viele wollen direkt Influencer werden, ohne jemals gelernt zu haben, Verantwortung zu übernehmen oder sich unterzuordnen. Ich finde, man muss auch Erfahrungen außerhalb der Fitnessbubble machen.

Du arbeitest als Online-Coach sowie Mentor und wirst selbst gecoacht. Worauf legst du dabei besonderen Wert?

Auf Ehrlichkeit und Fachwissen. Ich mache das seit über 20 Jahren und versuche, den Leuten nichts schönzureden und Dinge direkt anzusprechen: Wo steht jemand gerade und wie kommen wir von dort zum Ziel?

Ich nehme keine Kooperation für Produkte an, die ich selbst nicht nutze oder mag. Dasselbe gilt fürs Coaching. Ich arbeite zwar mit Co-Coaches zusammen, weil ich zeitlich nicht alles allein schaffe, kommuniziere das aber offen. Viele Influencer verkaufen Coaching-Programme, hinter denen andere Leute arbeiten.

Das ist nicht meine Art. Ich möchte morgens in den Spiegel schauen können. Vertrauen ist alles. Ein guter Coach muss ehrlich sein und gleichzeitig an seinen Athleten glauben. Mein Coach sagt mir immer direkt die Wahrheit – auch wenn sie unangenehm ist. Aber ich weiß, dass er manchmal mehr an mich glaubt als ich selbst. Genau das macht eine gute Zusammenarbeit aus.

Auf Social Media wird viel über „Old School“- versus „Science-based“-Training diskutiert. Wo siehst du dich?

Irgendwo dazwischen. Ich bin eher oldschool geprägt, aber offen für neue Erkenntnisse; die Grundlagen bleiben schließlich immer gleich. Man kann neue Maschinen entwickeln oder neue Trainingsmethoden ausprobieren – aber die Basics des Kraftsports ändern sich nicht.

Gleichzeitig finde ich es wichtig, offen zu bleiben. Nicht jede Neuerung funktioniert für jeden Athleten. Heute wird oft nach Studien gefragt, aber sie werden nicht unbedingt mit Profibodybuildern durchgeführt. Ich glaube: Richtiges Bodybuilding beginnt da, wo Studien enden. Vieles lernt man über Jahre am eigenen Körper.

Bodybuilding erlebt seit Jahren einen Boom. Wie nimmst du diese Entwicklung wahr?

Ich finde sie grundsätzlich sehr positiv. Kraftsport ist viel stärker im Mainstream angekommen. Menschen beschäftigen sich mehr mit Training, Ernährung und Gesundheit. Gleichzeitig gibt es heute viel mehr Möglichkeiten für Athleten.

Man sieht das sogar im Supermarkt. Früher gab es für Bodybuilder gefühlt nur Magerquark und Harzer Käse. Heute steht überall „High Protein“ drauf. Natürlich ist auch viel Marketing dabei, aber insgesamt ist das Bewusstsein für Ernährung gestiegen. Richtig betrieben ist Kraftsport eine der gesündesten Sportarten überhaupt.

Weitere Interviews und Hintergründe

In weiteren Interviews sprechen Andreas Pürzel und Lars Springer über die nächste Generation des Bodybuildings.

Lies außerdem unseren Artikel „Lifestyle, Ästhetik, Gesundheit. Die nächste Generation Bodybuilding“ als Einstieg zum Interview.

Indem du auf das entsprechende Bild oberhalb dieses Textes klickst, gelangst du direkt zum jeweiligen Artikel.

Gerade im Alter wird Muskelmasse extrem wichtig. Viele Menschen verlieren ab 50 Jahren sichtbar Muskulatur, bewegen sich schlechter und bekommen körperliche Probleme. Krafttraining ist nicht nur etwas für Leistungssportler, sondern wichtig für die gesamte Lebensqualität.

Welche Rolle spielt das Mindset für dich?

Eine riesige Rolle. Gerade im Leistungssport muss man mental stabil bleiben. Social Media ist dabei Fluch und Segen zugleich. Jeder kann anonym Kommentare schreiben oder sich vergleichen. Dabei machen Vergleiche Menschen oft unzufrieden.

Deshalb muss man aktiv an seinem Mindset arbeiten. Dankbarkeit, Perspektivwechsel, sich bewusst Zeit für sich nehmen, all das ist wichtig. 2024 war ich mehrere Wochen für Wettkämpfe in den USA und habe dort Social Media bewusst reduziert.

Ich habe einfach trainiert, Cardio gemacht und mich auf meinen Sport konzentriert. Da ging es mir mental unglaublich gut und ich habe gemerkt, wie viel Energie Social Media kostet.

Was sollte ein Studio bieten, damit sich Kraftsportler und Bodybuilder wohlfühlen?

Der Betreiber selbst hat eine Vorbildfunktion. Wenn jemand Fitness verkaufen will, sollte man sehen, dass er sich selbst um Gesundheit und Training kümmert. Bei den Geräten finde ich Vielfalt wichtig und halte wenig davon, ein Studio komplett mit nur einer Marke auszustatten.

Ein guter Betreiber versteht Training auch aus Anwendersicht, das merkt man sofort an der Auswahl der Geräte und am Ambiente. Grundsätzlich kann ein Studio unterschiedliche Zielgruppen vereinen, allerdings schaffen das nur wenige.

In manchen Studios fühlen sich Hardcoreathleten wohl, dafür aber z. B. ältere Menschen weniger. In den USA ist das entspannter, dort trainieren alle gemeinsam und Bodybuilder werden viel selbstverständlicher akzeptiert.

Was ist dein nächstes großes Ziel?

Die kommende Wettkampfsaison in den USA. Geplant sind mehrere Wettkämpfe in Tampa, Texas und Atlanta. Dafür laufen die Vorbereitungen. Ich habe immer das Bedürfnis, mich weiterzuentwickeln und Neues auszuprobieren. Stillstand war noch nie mein Ding.

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