Fitness, Gesundheit, Management | Autor: Albert Busek |

Zwei Pioniere der Fitnessbranche: Schwarzenegger und Sandow

Ohne diese beiden Vorreiter wäre die Fitnessbranche heute niemals so weit entwickelt, wie sie ist. Albert Busek erläutert, warum Eugen Sandow als Urvater des Bodybuildings gilt, wie Arnold Schwarzenegger dessen Erbe weiterentwickelte und welche erstaunlichen Parallelen die Karrieren der beiden Ausnahmesportler aufweisen.

Brüder im Geiste: Die zwei Pioniere der Fitnessbranche Eugen Sandow und Arnold Schwarzenegger

Historischer Rückblick: der Wunsch nach Kraft

Wie die fMi-Serie „Historie der Branche” (s. Verlinkungen am Ende) berichtete, war das Training mit Gewichten bereits zur Zeit der Pharaonen eine gängige Praxis. Diese Entwicklung setzte sich mit Unterbrechungen vom klassischen Altertum über das Mittelalter bis hin zur Renaissance fort.

Zu allen Zeiten war das Streben nach Stärke weit verbreitet, das Thema Kraft faszinierte die Menschen seit jeher. Dabei wurden die unterschiedlichsten Trainingsmethoden genutzt und ständig weiterentwickelt.

Sich im sportlichen Wettstreit zu messen war und ist seitdem das ultimative Ziel der Menschen, die ihre körperlichen Grenzen ausloten wollen. Die Kreativität im Erfinden neuer Wettkampfarten ist dabei beeindruckend.

Wettkampf im Wandel der Zeit

Ringen ist eine uralte Disziplin, auch Kugelstoßen oder Springen waren schon vor über 500 Jahren populär. Mehrere Jahrhunderte lang hielten sich dabei die Berichte von legendären Höchstleistungen:

Im Brunnenhof der Residenz München erinnern noch heute ein 364 Pfund schwerer Stein und drei in die Mauer eingeschlagene Nägel daran, wie Herzog Christoph der Starke von Bayern (1449–1493) 1490 einen Wettkampf gewann.

Dabei stieß er den Stein neun Schritte weit und schlug mit dem Fuß den höchsten der drei Nägel aus einer Höhe von 3,60 Metern herunter.

 


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Erste Form des Bodybuildings

In vielen weiteren Epochen wurde das „Training des Bewegungsapparates durch Überwindung eines Widerstandes über einen vorgeschriebenen Bewegungsablauf“ praktiziert, mal populärer und mit neuen Ideen, mal weniger populär und ohne neue Impulse.

Einige dieser Aktivitäten hätten bereits als Bodybuilding bezeichnet werden können, denn kein anderer Begriff versinnbildlicht das Training des Körpers besser als „Bodybuilding“, zu deutsch „Körperbildung“.

Durch die allgemeine Sportbewegung in den letzten 50 Jahren erleben wir in unserer Epoche ein sich ständig verbesserndes Verhältnis zum Körper – auch zum eigenen.

Sandow, der Urvater des Bodybuildings

Heute betreiben über 11 Millionen Menschen in über 9.000 Studios in Deutschland gezieltes Körpertraining. Diese Entwicklung begann bereits Ende des 19. Jahrhunderts und ist untrennbar mit einem Namen verbunden:

Eugen Sandow. 1867 in Königsberg / Ostpreußen als Friedrich Wilhelm Müller geboren, legte er sich später einen Künstlernamen zu, den Geburtsnamen seiner Mutter.

Obwohl er schon sehr früh am Aufbau von Kraft und Stärke interessiert war, dauerte es noch Jahre, bis Friedrich seinen Körper so weit in Form gebracht hatte, dass er sich an den damals höchst populären „Herausforderungswettkämpfen“ beteiligen konnte.

Schon in dieser Phase war zu erkennen, dass sich Friedrich von seinen Konkurrenten vor allem durch ein herausragendes Selbstvermarktungstalent unterschied. Er konzipierte mit dem „Muscle Display“ bereits eine eigene Bühnenshow.

Olympia als neue Ära des Körperkults

Die Veränderungen im Sport anlässlich der ersten Olympischen Spiele der Neuzeit 1896 in Athen waren für Sandow maßgeschneidert. Damals besann man sich auf die Rückkehr zum griechischen Ideal – auf die Muskelentwicklung als Verherrlichung der menschlichen Figur.

Muskeln wurden zum Schönheitsideal und dienten nicht mehr dem reinen Überleben oder der Selbstverteidigung. Die ersten Olympischen Spiele lösten eine Massenbewegung aus – weg vom „stattlichen Mann“ mit „umfangreicher Mitte“, hin zum Ideal eines gleichmäßig geformten Körpers mit sichtbarem Muskelrelief.

Der neue Begriff der „Körperkultur“ wurde geprägt, der heute noch in vielen Ländern bekannt ist (u. a. in Tschechien, der Slowakei, Frankreich, Belgien, England, Italien).

Körpertraining als Ideal

Die Anhänger dieser „Körperkultur“ setzten sich vehement für eine gesunde Lebensweise ein und interessierten sich vor allem für die Bedeutung des Trainings zur Verbesserung der Gesundheit. Sie entdeckten, wie sich der Körper an neue Trainingstechniken anpassen kann und propagierten den daraus resultierenden großen Nutzen für das Wohlbefinden.

1892 erschien in England die erste Ausgabe der Zeitschrift „Health and Strength“. Was der jungen Bewegung aber noch fehlte, war ein Idol, ein Athlet, der ihre Ideen perfekt verkörperte. Sie träumten von einer zu Fleisch gewordenen Statue der berühmten griechischen Bildhauer Praxiteles oder Phidias.

Seit seinem dramaturgisch genial vorbereiteten Sieg über den damals sehr populären Charles Sampson 1889 in der London Music Hall war Sandow auf dem besten Weg, genau in diese Rolle zu schlüpfen. Er hatte bereits durch zahlreiche Auftritte eine magische Anziehungskraft entwickelt.

Von New York bis ins britische Königshaus

Mit nur 26 Jahren lockte ihn ein sehr gutes Angebot in die USA, wo ihm in New York, Chicago und schließlich auf einer landesweiten Tour die Zuschauer und Presse zu Füßen lagen. Zurück in England eilte ihm großer Ruhm voraus.

Bei Volk und Adel gleichermaßen populär gehörte Eugen Sandow an der Schwelle des 20. Jahrhunderts zu den bekanntesten Persönlichkeiten Europas. Nun kam seine große Zeit der Selbstvermarktung.

Er gründete unter anderem eine Fachzeitschrift, ein Trainingsinstitut und die „Health League“. Außerdem schrieb er Bücher, verkaufte Trainingsgeräte und veranstaltete 1901 in der Royal Albert Hall mit „The Great Competition“ die erste Bodybuilding Meisterschaft.

Dort fungierte Sir Arthur Conan Doyle, Schöpfer des legendären Detektivs „Sherlock Holmes“, als Kampfrichter, er schrieb später auch das Vorwort zu Sandows Hauptwerk „Life is Movement“ von 1919.

Sandow führte den Begriff „Bodybuilding“ ein und war jahrelang der persönliche Fitnessberater von King George V. – sozusagen sein Personal Trainer.

Parallelen zur Fitness-Ikone der Gegenwart

Wenn man die Karrieren von Sandow und Schwarzenegger vergleicht, ergeben sich erstaunliche Übereinstimmungen. Mit seinen 22 Jahren war Sandow als Kraftsportler extrem jung, um einen etablierten Champion wie Charles Sampson zu entthronen.

Auch Schwarzenegger startete schon als Jugendlicher begeistert mit Muskeltraining. Als dieser bei der Wahl zum Mr. Universum den amtierenden Mr. America Dennis Tinerino sensationell schlug, war er ebenfalls erst 20 Jahre alt.

Damit brach er, entgegen der Meinung aller Zweifler, ein seit Jahren bestehendes „Gesetz“ – nämlich, dass ein amtierender Mr. America auch Mr. Universum wird. Sowohl für Sandow als auch für Schwarzenegger bestimmten diese Siege in London entscheidend den weiteren Verlauf ihrer Karrieren.

Die richtigen Kontakte für den Karrierekick

Beide Ausnahmesportler stammten aus dem deutschsprachigen Raum und schafften ihren großen Durchbruch in den USA. Dort erreichten sie einen Popularitätsgrad, der nur wenigen Athleten vergönnt war und ist.

Zwei Persönlichkeiten waren entscheidend am jeweiligen Erfolg der beiden Bodybuilder beteiligt: Bei Sandow war es Florenz Ziegfeld jr., der ihn bei einem Auftritt im Trocadero in New York entdeckte und sofort sein Talent erkannte.

Bei Schwarzenegger war es Joe Weider, der allerdings erst nach einem zweijährigen Briefwechsel mit mir bereit war, Arnold zu sich in die USA einzuladen, wo er sofort sein außergewöhnliches Potenzial entdeckte und förderte.

Ziegfeld und Weider haben einen Großteil dazu beigetragen, dass man zu Sandows und Schwarzeneggers Karriere in den USA nur sagen kann: „The rest is history“.

Warum Sandows Erbe bis in die Gegenwart wirkt

Sandow und Schwarzenegger stiegen durch ihre Erfolge als Sportler und Entertainer in die höchsten gesellschaftlichen Kreise auf. In Bezug auf Selbstvermarktung, taktisches Geschick und Verkaufstalent sind die beiden Ausnahmeathleten „Brüder im Geiste“.

Unter effektiver Ausnutzung sich ständig weiterentwickelnder Technologien transportiert Schwarzenegger Sandows Vermächtnis in unsere Zeit – und das nun schon seit seinem ersten Titel als Mr. Universum 1967, genau hundert Jahre, nachdem Sandow geboren wurde.

Bis heute ist Schwarzenegger Sandows größter Fan. Im Grunde fußen alle seine unglaublichen Erfolge auf denen von Sandow – eine wunderbare Vorstellung.

Albert Busek

Urvater des modernen deutschen Bodybuildings, Sportfunktionär, Studiobetreiber, Gründer der BSA-Akademie, Influencer der ersten Stunde und Gesundheitskämpfer durch und durch

Mehr über den Branchenpionier und Medienmacher Albert Busek erfahren Sie im Artikel 'Die Influencer der Branche', erschienen in der fMi 05/18 und im Artikel 'Happy 76' anlässlich Albert Buseks 76. Geburtstags am 11. Oktober 2019.

Den vollständigen Artikel finden Sie in fMi 01/2020 Leseprobe

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