Fitness, Markt | Autor: Albert Busek und Florian Schmidt |

Branchenpioniere des deutschen Fitnessmarktes

Josef Schnell, Peter Gottlob, Werner Kieser, Friedemann Uhl, Werner Pfitzenmeier, Walter Herden, Joe und Ben Weider, Wolfgang Brandt, Helmut J. Mader – den Fitness-Pionieren der 1960er bis 1980er Jahre, ohne die die 11 Mio. Mitglieder heute nicht möglich wären, widmen wir den 3. Teil unserer fM-Historien-Reihe: Die (r)evolutionäre Fitnessbewegung auf dem Weg zum Volkssport.

Die Branchenpioniere des deutschen Fitnessmarktes

Die starken „Eisenmänner“ haben die frühe deutsche Fitnessbewegung in den 1960ern geprägt. Zu Anfang waren die Studios noch fest in Männerhand, bevor die Aerobic-Welle das Fitnesstraining auch für Frauen und eine breite Bevölkerungsschicht hip, sexy und salonfähig machte. Über 11 Millionen Mitglieder heute wären ohne die modernen Fitness-Pioniere in der Geräte-, Kurs- und Branchenentwicklung dieser Zeit keinesfalls möglich gewesen – deshalb widmen wir diesen Vorreitern, Tüftlern und Visionären Teil 3 unserer fM-Historien-Reihe.

 

Mit der Eröffnung des ersten deutschen Fitnessstudios von Harry Gelbfarb (1930–2005) 1955 war der Grundstein für die Fitnessentwicklung hierzulande gelegt, aber bis zum beliebtesten Sport der Deutschen war es noch ein sehr steiniger und langer Weg. Durch die ersten Bodybuilding-Wettkämpfe (s. Teil 2 unserer Reihe) erhielt die Fitnessbewegung zwar eine größere mediale Bühne, aber die wenigsten Studios wurden positiv angesehen und abfällig als „Muckibuden“ bezeichnet.

Bis Ende der 1970er entsprachen weder die Geräte noch die Qualifikation der Trainer irgendwelchen einheitlichen Standards und es wurde sehr viel improvisiert – zum Glück könnte man wohl heute sagen.

Innovation & Improvisation – die (r)evolutionäre Entwicklung nimmt ihren Lauf

Die Kraftgeräte wurden selbst gefertigt und lizensierte Trainer existierten praktisch nicht. Das Trainerpersonal wurde vornehmlich durch die Studiobetreiber geschult, die meist selbst aktive Bodybuilder waren. Aus diesen Anfängen entwickelte sich die Fitnessbranche gerade in der umtriebigen Zeit zwischen 1970 und 1985 enorm weiter – was auch an der Innovationskraft, dem Ideenreichtum und der Hartnäckigkeit der folgenden Branchenpioniere des deutschen Fitnessmarktes lag, von denen viele heute noch die Branche aktiv mitgestalten und weiter voranbringen. An dieser Stelle sei explizit darauf hingewiesen, dass wir hier nur ausgewählte Persönlichkeiten kurz und prägnant vorstellen können und unsere innovative Branche noch viele weitere Vorreiter/Unternehmer hervorgebracht hat, auch wenn sie hier nicht ausdrücklich namentlich genannt werden.

SCHNELL – „Made in Germany“ seit mehr als 60 Jahren und zwei Generationen

Josef Schnell (1934–2010) war in der Nachkriegszeit, neben seiner Leistungssportkarriere, einer der ersten deutschen Pioniere im Kraftgerätebau und entwickelte im Rahmen seines „kreativen Schaffens“ unzählige Patente und Innovationen. Der siebenmalige Deutsche Gewichtheber-Meister gründete 1957 in Peutenhausen sein eigenes Unternehmen, das heute erfolgreich von seinen beiden Söhnen Klaus und Achim Schnell weitergeführt wird. Der findige Unternehmer, Erfolgstrainer (von Weltklasse-Athleten wie u. a. Rudolf Mang und Werner Kucera) und Tüftler entwickelte die SCHNELL Trainingsgeräte GmbH kontinuierlich weiter. 1972 wurde das Familienunternehmen zum offiziellen Lieferanten der Olympischen Spiele in München (in den Sportarten Gewichtheben, Ringen und Judo), erlangte so auch international Bekanntheit und genießt seither nicht nur in Profisportlerkreisen eine hohe Akzeptanz und Wertschätzung. Der Name SCHNELL steht seit mehr als 60 Jahren für höchste Ansprüche an Qualität, Biomechanik und Ergonomie. Die Geräte verbessern weltweit die Leistungsfähigkeit unzähliger Elitesportler wie auch die körperliche Fitness von Millionen Freizeit- und Gesundheitssportlern.

Galaktisch gut: Die Gottlob`s machen Galaxy Sport zum Star im Geräteuniversum

Peter Gottlob war nicht nur deutscher Bodybuilding-Meister und Studiobetreiber der ersten Stunde (1959), sondern im Laufe seiner Karriere auch ein absoluter Innovator in Sachen Kraftgeräteentwicklung. Nach dem Erfolg seines ersten Studios in Stuttgart am Löwentor, in dem auch Stars wie Arnold Schwarzenegger und Franco Columbu trainierten, expandierte Gottlob in den Folgejahren und gründete weitere Studios. Schnell wurde auch sein Sohn Axel vom „Bodybuilding-Virus“ infiziert. Der Filius, der als Trainer und Studioleiter in den familieneigenen Studios arbeite, eiferte seinem Vater nach, gewann 1982 die deutsche Bodybuilding-Meisterschaft und stieg ebenfalls in das Unternehmen ein. 1983 zog sich Peter Gottlob aus dem operativen Studiogeschäft zurück und gründete das Unternehmen „Galaxy Sport“, um sich fortan ausschließlich dem Vertrieb und der Entwicklung der eigenen Kraftgeräte für Bodybuilding, Fitness und Rehabilitation zu widmen. Diese vermarktete und entwickelte er gemeinsam mit seinem Sohn trotz der starken internationalen Konkurrenz erfolgreich in Europa, Asien und den USA. Das Familienduo entwickelte mehr als 100 professionelle Trainingsmaschinen und machte Galaxy Sport Ende der 1980er zum führenden Anbieter professioneller Trainingsgeräte – bevor das Unternehmen 1992 verkauft wurde. Dem „Fitness-Virus“ blieb der Unternehmer zeitlebens treu und sein Sohn gestaltet bis heute die Branche mit seinem eigenen Institut und seiner Forschung aktiv mit

Werner Kieser – der spätere „Rückenflüsterer“ entdeckt das Eisen

Laut seinen eigenen Angaben holte sich Werner Kieser seine Inspiration unter anderem auch in den Studios von Poldi Merc (Berlin) und Peter Gottlob (Stuttgart), bevor er 1966 sein erstes Studio in Zürich in einer Abrisshalle eröffnete. Geld hatte er zu dieser Zeit nur wenig, aber dafür jede Menge Visionen und Eisen, das er billig auf dem Schrottplatz kaufte und zu Trainingsgeräten „veredelte“. Sein spartanisches „Gebilde aus Schrott und Hoffnungen“, wie er sein erstes Studio selbst süffisant bezeichnete, war der Startschuss für eine eindrückliche Entwicklung. 1967 gründete er die Kieser Training AG, reiste nach Amerika und brachte von dort jede Menge Inspiration, Know-how und auch die revolutionäre Nautilus-Geräte-Technik mit über den großen Teich, für die er 1980 Generalimporteur in Europa wurde. Ein Jahr zuvor brachte er sein erstes Buch „Leistungsfähiger durch Krafttraining“ heraus. 1990 eröffnete seine Frau Dr. med. Gabriela Kieser mit der von Arthur Jones entwickelten Lumbar-Extension-Maschine (LE) in Zürich die erste europäische Praxis für medizinische Kräftigungstherapie, die aufgrund des großen Erfolgs bei Rückenschmerzen zum festen Bestandteil des Konzeptes wurde. Neben dem Aufbau zahlreicher Studios und dem speziellen Kieser Training-Prinzip, entwickelte, produzierte und vertrieb Kieser seit 1990 alle Maschinen selbst. Zu den Neuentwicklungen zählen z. B. die A5 für das Beckenbodentraining oder die B3/B4 zur Stärkung der Muskeln des Sprunggelenkes. Mittels Franchising expandierte er zunächst in die Schweiz und ab 1994 dann auch nach Deutschland und legte damit den Grundstein für das erste erfolgreiche Franchisekonzept der Branche. Inzwischen haben er und seine Frau das Unternehmen, das 159 Studios in 5 Ländern zählt, an den langjährigen CEO Michael Antonopoulos und Verwaltungsrat Nils Planzer verkauft.

Friedemann Uhl setzt mit DAVID früh auf das Thema „Gesundheit“

Friedemann Uhl war seiner Zeit weit voraus und prägte das Thema „Gesundheit“ durch seine Entwicklungen und Visionen wie kein anderer aktiv mit. 1978 übernahm er in Neu-Ulm sein erstes Studio und eröffnete mit gerade einmal 25 Jahren in Biberach (1980) einen Gesundheitspark. Im Jahr 1983 übernahm Uhl die Generalvertretung des finnischen Sportgeräteherstellers DAVID und stellte bereits hier die entscheidenden Weichen für seinen späteren Erfolg. 1985 gründete Uhl das bundesweit erste Fitnessstudio, das den Begriff „Medi“ in der Firmierung tragen durfte. Damit setzte er neue Maßstäbe, was eine evidenzbasierte, sportmedizinische Betreuung sowie eine ganzheitliche betriebliche Gesundheitsförderung anging. Seit der Übernahme der David GmbH & Co. KG im Jahre 1997 setzt der Visionär seine Gesundheitskonzepte konsequent um. Friedemann Uhl hat das Unternehmen zu einem Marktführer von Analyse- und Trainingssystemen in Diagnostik, Rehabilitation Therapie und Prävention gemacht.

Werner Pfitzenmeier – Bodybuilder, Visionär und Unternehmer

Seines Zeichens ebenfalls Wettkampf-Bodybuilder und Unternehmer, entwickelte Werner Pfitzenmeier bereits in jungen Jahren Pioniergeist und Unternehmerqualitäten. Mit gerade einmal 17 Jahren gründete er 1978 im Keller seines Elternhauses sein erstes eigenes Studio auf 60 Quadratmetern und improvisierte aus Beton, Alteisen und Schrott Langhanteln sowie seine ersten eigenen Trainingsgeräte. Wer hätte damals wohl gedacht, dass hier der Grundstein für die erfolgreichste eigentümergeführte Unternehmensgruppe (Pfitzenmeier Resorts/Clubs, Venice Beach, Medifit Gesundheitszentrum, BaseFit, FitCamp etc.) in der Rhein-Neckar-Region entstehen würde? Der Keller im heimischen Elternhaus reichte bereits nach einem Jahr nicht mehr aus und der Jungunternehmer zog 1979 in die Kronenstraße um. 1981 eröffnete er in der Schwetzinger Scheffelstraße auf mehr als 1.000 Quadratmetern eine der größten und modernsten Fitnessanlagen der damaligen Zeit. 1983 bzw. 1985 folgten zeitnah weitere Standbeine in Weinheim und Heidelberg und mit der Gründung der Internationalen Fitness- und Aerobic Akademie (IFAA) avancierte das Unternehmen seither auch zu einer gefragten Adresse in puncto Schulungen, Ausbildungen und Fachveranstaltungen. Inspiriert von Arnold Schwarzenegger, Jane Fonda und Co. brachte Pfitzenmeier internationale Fitnesstrends nach Deutschland und etablierte als einer der Ersten Indoor Cycling, Tae Bo, Pilates oder das Gruppen-Langhanteltraining Power Dumbell als feste Bestandteile in seine Studiokonzepte.

gym80 – robustes „Heavy Metal“ aus dem Ruhrpott

Walter Herden und Peter Förster gründeten 1980 in Gelsenkirchen die Firma gym80. Herden entwarf bis 2011 (danach Wechsel zu milon) als verantwortlicher Konstrukteur für die Sportgeräte-Entwicklung unzählige Kraftmaschinen und Trainingsgeräte. Er war gelernter Heizungs- und Regeltechniker, der sich in seiner Freizeit leidenschaftlich dem Kraftsport widmete. Weil er auf dem Markt keine geeigneten Produkte fand, die seinen hohen Ansprüchen genügten, begann er damals in den Kellerräumen eines Schalker Gymnasiums (wo er als Hausmeister arbeitete) eigene Fitnessgeräte zu konstruieren – mit durchschlagendem Erfolg. Durch Mundpropaganda baute er sich schnell eine große Fangemeinde auf, die Nachfrage stieg und im Jahr 1990 übernahm der Herner Unternehmer Wolfgang Tillmann das Unternehmen. gym80 steht seither für handwerkliche Präzision, Design, robusten Stahl und langlebige Produkte „für die Ewigkeit“. Viele der ersten Kraftmaschinen tun heute noch verlässlich ihren Dienst, was insbesondere auch dem hohen Qualitätsanspruch des Gründers zu verdanken ist. Wolfgang Tillmann, seine Tochter Sonja, Arie van Winkelhof und Simal Yilmaz haben diese Passionen, den Qualitätsanspruch und die Standortverbundenheit vom „Pott“ in der gym80-DNA konserviert und vertreiben heute knapp 300 verschiedene Kraftmaschinen.

Vorreiter in Sachen NEM: Weider, Multikraft & INKO

Wer für Bodybuilding-Wettkämpfe trainiert bzw. aktiv Kraftsport betreibt, setzt seit jeher nicht nur auf die richtigen Geräte, sondern auch auf Nahrungsergänzungsmittel (NEM). Absolute Pioniere auf dem Gebiet waren die Brüder Joe und Ben Weider. Das Unternehmen Weider Sports Equipment Limited & Weider Health and Fitness wurde in den USA und in Kanada bereits 1945 gegründet. Es war eine der ersten Firmen überhaupt, die neben Trainingsgeräten und Co. weltweit ab 1948 auch Nahrungsergänzungsmittel herstellte und vertrieb. Ab 1960 waren die Produkte auch in Deutschland erhältlich und aus dem kleinen Familienunternehmen wurde ein börsennotierter Konzern, der bis heute international zu einer der bekanntesten NEM-Marken gehört.

Wolfgang Brandt gründete 1977 die Firma Multikraft (1988 umfirmiert in Multipower) und versorgte den kontinuierlich wachsenden Markt der Kraftsportler mit Eiweiß, Kreatin, Mineralstoffen und diversen Zusatzpräparaten. Die Etiketten schrieb der Gründer anfangs selbst mit der Schreibmaschine und als „Labor“ fungierte in den ersten Jahren der Keller – doch dabei sollte es nicht bleiben. Mit seinen Produkten „traf er den Nerv“ der Kunden. Er kaufte 1980 eine Lebensmittelproduktion (inkl. Labor, Qualitätskontrolle und Logistik), entwickelte sein Unternehmen stetig weiter und machte Multipower somit zu einer der heute noch führenden Marken der Branche.

Auch die allseits bekannte Marke INKO hat ihren Ursprung in dieser Zeit. 1982 gründete Helmut J. Mader die INKO Internationale Handelskontor GmbH in Stein bei Nürnberg und zog 1984 an den heutigen Standort Roth um, wo seither nach höchsten Qualitätsstandards die Forschung, Entwicklung, Produktion und Qualitätssicherung der firmeneigenen Produkte durch die Muttergesellschaft Nutrichem diät+pharma GmbH gesichert wird. Die vielseitigen inkospor®-Produkte werden dort gemäß dem Motto „erlebbar besser“ produziert und durch die heute mehr als 40 Mitarbeiter im Innen- und Außendienst europaweit vertrieben. Gesundheitsbewusste und Lifestyleorientierte sowie Fitness- und Freizeitsportler, aber auch zahlreiche professionelle Bodybuilder „schwören“ auf die Riegel, Drinks, Gels und Pulver – und das schon seit 1982.

Stulpen, Leggings, Frauenpower – die Aerobic-Welle, ein Glücksfall für die Fitnessbranche

Der Beginn der Aerobic-Welle brachte in den achtziger Jahren einen enormen Schub für die gesamte Branche mit sich und löste praktisch über Nacht weltweit eine wahre Fitness- und Aerobic-Hysterie aus. Neben der absoluten Gallionsfigur Jane Fonda trug Sydne Rome bereits 1980 mit ihrem Auftritt im Aktuellen Sportstudio des ZDF dazu bei, Aerobic hierzulande bekannt zu machen. Mit ihrem Workout-Video „Jane Fonda's Workout“ (1982) begeisterte die Amerikanerin eine ganze Generation: In ihrem Outfit aus Stulpen, Leggings und dem engen Body brachte sie nicht nur Frauen überall auf der Welt, sondern auch die gesamte Männerwelt ins Schwitzen. Ihr erstes Video wurde zum absoluten Kassenschlager, stürmte zahlreiche Rekorde und animierte immer mehr junge Frauen, sich nicht nur vorm TV aktiv fit zu halten. Diesen Trend setzte Adrienne Schladerer als erfolgreiche Ausbilderin und Presenterin mit ihrer „Forever-Fit-Videoreihe“ weiter fort. Telegymnastikformate wie „Enorm in Form“ (ZDF) und das ostdeutsche Aerobic-Pendant „Popgymnastik“ in „Medizin nach Noten“ sorgten ebenfalls dafür, dass mit den Frauen eine neue Zielgruppe für die Fitnessstudios gewonnen wurde und zugleich der Grundstein für die modernen Kurssysteme gelegt werden konnte.

Fitness auf dem Weg zum Volkssport – steigende Akzeptanz und neue Herausforderungen

Das moderne Fitnesstraining wurde gerade durch diese Entwicklungen und den Pioniergeist dieser „(r)evolutionären Zeit“ deutlich facettenreicher. Fitness war in der Gesellschaft angekommen – aber von einer breiten Akzeptanz konnte man zu dieser Zeit trotzdem noch nicht sprechen, obgleich das mediale Interesse an der Branche stetig wuchs. Im Aktuellen Sportstudio des ZDF beantwortete Albert Busek 1982 Harry Valérien`s Fragen zum deutschen Studiomarkt – aber es sollte noch sehr viel Überzeugungs- und Lobbyarbeit kosten, um die Branche langfristig zu etablieren.

Die Gründung der BSA-Akademie, des DSSV, der FIBO und zahlreicher Fachverlage sowie die weitere Ausdifferenzierung bzw. Professionalisierung der Branche bis nach der Jahrtausendwende sind wichtige Meilensteine, an die wir nahtlos in Teil 4 unserer Reihe anknüpfen werden – seien Sie also gespannt!

Fazit Albert Busek: MUCkis für alle

Im Mai 2019 fand die 60. Deutsche Bodybuilding- und Fitness-Meisterschaft statt. Wie in diesem Bericht erwähnt, hat die Presse nach der 1. Deutschen Meisterschaft 1960 die Trainingsstätten der Teilnehmer an einer solchen Meisterschaft als „Muckibuden“ bezeichnet. Das aus dem Lateinischen abgeleitete „Mäuschen“ für Muskeln wurde nun also zu „Mucki“. Es wäre nichts dagegen einzuwenden, hätten die Autoren damals den Begriff nicht von Beginn an ins Lächerliche gezogen und negativ bewertet. Für mich war es schon damals absolut unverständlich, dass gebildete Menschen in Muskeln etwas Negatives sahen. Rückblickend rege ich mich noch heute über diese lang anhaltende Borniertheit auf. Persönlich hat mich dies zusammen mit vielen anderen aber nur noch mehr motiviert, für das Wunder der Muskulatur nachhaltig einzutreten. Wie in so vielen Bereichen des Lebens, war es ein langer Prozess, diese Vorurteile auszuräumen. Für mich persönlich war schon 1960 das Ziel: „Muskeln für alle“. In den folgenden Jahrzehnten haben viele Personen mit kreativen Ideen, visionärer Kraft und großem Durchhaltevermögen dazu beigetragen, dass sich das partielle Muskeltraining in breitesten Bevölkerungsschichten durchgesetzt hat. Im Boom der achtziger Jahre habe ich ein sehr erfolgreiches Video produziert und schon damals das Muskeltraining als künftigen Volkssport gesehen, was ich im Video auch klar artikuliert habe. Die Stadt München bestätigte mit ihrer Plakataktion im Frühjahr 2019, dass nun auch die „Muckis“ gesellschaftsfähig geworden sind. Deutschland wurde vom „Muskel-Entwicklungsland“ in den sechziger Jahren zum Spitzenreiter 2019 in Europa.


Die bisher erschienenen Artikel der fM Reihe „Die Historie der Fitnessbranche“ haben wir hier für Sie verlinkt:

Teil 1: Survival oft he Fittest – Krafttraining von der Antike bis ins Mittelalter

Teil 2: Branchengrößen der ersten Stunde – „Pumping Iron“ – Modernes Krafttraining & Bodybuilding


 

Über die Autoren

Albert Busek ist u. a. Unternehmer, Studiobesitzer, Gründer der BSA-Akademie und einer der Wegbereiter des Bodybuildings in Deutschland. Als Sportfunktionär bei Bodybuilding-Meisterschaften trat er erstmals 1960 in Erscheinung. Als langjähriger Präsident des Deutschen Bodybuilding- und Fitnessverbandes (DBFV) sowie Herausgeber und Chefredakteur mehrerer Bodybuilding-Zeitschriften stieg er zu einem der einflussreichsten Funktionäre der deutschen Kraftsportszene auf.

 

Florian Schmidt absolvierte nach einem Studium im Hotelmanagement und mehreren Jahren Berufserfahrung in der internationalen Hotellerie zusätzlich ein Master-Studium in Sportwissenschaft. Er ist als Dozent, Wissenschaftsredakteur und Tutor für die Deutsche Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement/BSA-Akademie tätig.

Auszug aus der Literaturliste

Behringer, W. (2012). Kulturgeschichte des Sports: vom antiken Olympia bis zur Gegenwart. München: C. H. Beck Verlag.

Geest, G. von der. (2012). Fitness-Bewegung. Vom Ursprung der „Mucki-Buden”, Ärztezeitung. Zugriff am 07.01.2019. Verfügbar unter https://www.aerztezeitung.de/panorama/article/822800/fitness-bewegung-ursprung-mucki-buden.html

Grenz, T. (2017). Mediatisierung als Handlungsproblem. Eine wissenssoziologische Studie zum Wandel materialer Kultur. Wiesbaden: Springer VS Verlag für Sozialwissenschaften.

Kieser, W. (2008). Die Entdeckung des Eisens. Stationen meines Lebens. Berlin: Econ Verlag.

Pauls, J. (2015). Das große Buch vom Krafttraining. München: Stiebner Verlag.

Stemper, T. (2017). Sport für alle – in kommerziellen Fitnessanlagen. In D. H. Jütting & M. Krüger (Hrsg.), Sport für alle. Idee und Wirklichkeit (Edition global-lokale Sportkultur, Band 31). Münster: Waxmann.

Für eine vollständige Literaturliste kontaktieren Sie bitte marketing@dhfpg-bsa.de.

Den vollständigen Artikel finden Sie in fMi Ausgabe 03/2019

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fMi Ausgabe 03/2019

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