Gesundheit, Management, Markt | Autor: Florian Schmidt |

Umdenken im Rahmen der Prävention – umfassende Lösungsansätze sind gefragt

Aktuelle Zahlen der Kaufmännischen Krankenkasse (KKH) geben Anlass zur Sorge: Die Zahl der an Adipositas erkrankten Kinder und Jugendlichen ist in den vergangenen zehn Jahren deutlich gestiegen. Die alarmierenden Ergebnisse führen zu neuen Debatten um ganzheitliche Präventionsansätze. Vielen Politikern und Verantwortlichen greifen aktuelle Lösungen zu kurz.

Immer mehr Kinder und Jugendliche an Adipositas erkrankt: alarmierende Ergebnisse entfachen Debatte um ganzheitliche Präventionsansätze in Politik und Gesellschaft neu.

Laut der Kaufmännischen Krankenkasse (KKH) ist die Zahl der an Adipositas erkrankten Kinder und Jugendlichen (bis 17 Jahre) im Zeitraum zwischen 2008 und 2018 um 30 Prozent gestiegen.

Mit knapp 36 Prozent ist der Anstieg bei den Acht- bis Elfjährigen am höchsten (Weitere aktuelle Studienergebnisse im Rahmen der KIGGS-Studie des Robert Koch-Instituts (RKI) können Sie in der fM Infografik 'Kinder, Kinder' nachlesen).

Diese Zahlen sind Anlass für neue Diskussionen und Reformen im Rahmen der ganzheitlichen Prävention. Denn:


„Das Risiko, dass die dicken Kinder von heute die kranken Erwachsenen von morgen sind, ist hoch.“

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Ernährungswissenschaftlerin Dr. Anja Luci, KKH


Alarmierende Zahlen rufen Reformer auf den Plan

Die Ergebnisse der KKH- bzw. RKI-Studie rufen Politiker, wie beispielsweise Dr. Kirsten Kappert-Gonther (Sprecherin für Gesundheitsförderung der Grünen-Fraktion im Bundestag), auf den Plan, die seit Längerem für ein Umdenken im Rahmen der Prävention plädiert.


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Aus ihrer Sicht sind Lösungen gefragt, die dem 'Health-in-All-Policies-Ansatz' (HiAP) der WHO entsprechen, denn viele wichtige Einflussfaktoren auf die Gesundheit befinden sich jenseits des Gesundheitssystems und müssen deshalb globaler betrachtet werden.

Neue Lösungen für alle Lebens- und Politikbereiche

Das sieht auch der Public-Health-Professor Klaus Hurrelmann (Berliner Hertie School) ähnlich und bringt die Debatten um den HiAP-Ansatz in der ÄrzteZeitung in einen gesamtpolitischen Kontext: „Die Kernidee des Ansatzes ist klar: Entscheidungen zur Gesundheitspolitik strahlen in fast alle anderen Politikbereiche aus; umgekehrt sind Entscheidungen in anderen Politikbereichen alle mittelbar oder unmittelbar gesundheitsrelevant.“

Präventionsgesetz zeigt Wirkung – muss aber ausgeweitet werden

Aus Sicht von Sabine Dittmar (Gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion im Bundestag) zeigt das 2015 verabschiedete Präventionsgesetz (PrävG) zwar bisher sehr gute erste Erfolge, aber es braucht weiteres Umdenken, um dem WHO-Ansatz in der Praxis in allen Lebensbereichen gerecht zu werden. Und hier sind im Rahmen der Verhaltens- und Verhältnisprävention alle Beteiligten gefordert.


„Die Herstellung gesunder Lebensbedingungen, die beispielsweise beeinflusst werden durch gesunde Arbeits- und Wohnbedingungen, Bildung, Umwelt, Einkommen und finanzielle Planungssicherheit, Verhaltensmuster, Konsumverhalten oder Lebensstile, kann nur gelingen, wenn alle Politikbereiche auf allen Ebenen diese Aufgabe für sich erkennen und annehmen.“

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Sabine Dittmar, Gesundheitspolitische Sprecherin SPD-Fraktion


Die Debatten um Zuckersteuer (Sehen Sie sich hierzu unsere fM Infografik 'Unsere Jugend braucht Vorbilder und ganzheitliche Präventionskonzepte' an), die Nährwertampel Nutri-Score oder auch die Verkehrs- und Agrarwende zeigen, wie komplex diese gesamtgesellschaftlichen und gesundheitspolitischen Zusammenhänge und Herausforderungen im Kampf gegen Bewegungsmangel, Fehlernährung und die zunehmenden Zivilisationskrankheiten in der Praxis wirklich sind.

Hier sind die Politik, staatliche Einrichtungen wie Schulen, Kindergärten und KITA, die Krankenkassen, Verbände, gesundheitsnahe Unternehmen und auch unsere Branche gefordert, nach geeigneten Lösungen zu suchen, die einem ganzheitlichen Präventionsverständnis des 'Health-in-All-Policies-Ansatzes' in der Praxis (noch) mehr gerecht werden.

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