Fitness, Gesundheit, Markt | Autor/in: fM Redaktion |

Elisabeth Graser im Interview: „Jede:r Trainer und Trainerinnen sollten sich zusätzliches psychologisches Fachwissen aneignen.“

Wie kann ein ganzheitliches Angebot für körperliche und mentale Gesundheit in die eigene Unternehmensstruktur und -philosophie passen? Haben die Mitarbeiter die richtigen Qualifikationen und Soft Skills dafür? Elisabeth Graser beantworten diese und weiter Fragen im Interview.

Elisabeth Graser: Seit über 20 Jahren ist sie in den Bereichen Gruppen- und Individualtraining praktisch tätig. Ihr Wissen und ihre Erfahrung gibt sie als pädagogische Mitarbeiterin an der DHfPG und als Referentin an der BSA-Akademie weiter.

fM: Immer mehr Trainierende suchen gezielt nach passenden Lösungen, um sich gleichzeitig körperlich und mental gesund zu halten. Welche Herausforderungen gehen damit hinsichtlich der Weiterentwicklung des Studio- und insbesondere auch des Kursangebots einher?

Elisabeth Graser: Jedes Unternehmen sollte erst für sich prüfen, inwieweit die Philosophie und das bestehende Angebot diese Entwicklung berücksichtigen kann und will. Soll das Angebot gezielt in diese Richtung ausgebaut werden, müssen sich alle Beschäftigten dieses Kundenbedürfnisses nach gleichzeitig körperlicher und mentaler Gesundheit bewusst werden.


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Daraus sollte sich jedoch kein überhastet gegründetes Team aus Hobbypsychologen entwickeln, sondern wie in allen anderen Bereichen auch auf Qualifizierung Wert gelegt werden. Bezogen auf das Kursangebot liegt der Schlüssel zum Erfolg meiner Meinung nach nicht in „hier und da ein bisschen Entspannung“.

Das Gesamtkonzept muss passen. Die Kundschaft muss über das bereits bestehende oder neue Angebot informiert und aufgeklärt werden: Was sind die Ziele der teils neuen Kurse? Warum und wie kann ich damit meine Ziele erreichen? Um diese Fragen beantworten und die Klientel gezielt beraten zu können, sind sicher auch interne Schulungen und die Sensibilisierung des Teams wichtige Themen.

Ergänzende Entspannungs-, Regenerations- und Achtsamkeitsangebote werden im Gruppenfitnessbereich immer beliebter. Was steht derzeit bei den Mitgliedern hoch im Kurs? Was sind absolute Must-haves und wo sehen Sie Chancen für zusätzliche Angebote?

Meiner Beobachtung nach sind genau die Kurse stark nachgefragt, deren Ziel seit jeher u. a. die Verbindung von Körper und Geist ist, nämlich Body-&-Mind-Kurse, insbesondere Yoga und Pilates. Als Must-have würde ich sie dennoch nicht bezeichnen, da – wie erwähnt – ein Kursangebot Frage der Unternehmensphilosophie ist. (Lesen Sie auch: 'Kampfsport & Mindset')

Genau hier sehe ich auch Chancen für zusätzliche Angebote. Denn was Gruppenfitness an sich zu einem attraktiven Bereich macht, der körperliche und mentale Gesundheit perfekt verbindet, ist eben das gemeinsame Training.


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Menschen sind soziale Wesen und das Training in der Gruppe kann allein dadurch maßgeblich zur mentalen Gesundheit beitragen – mit Gleichgesinnten schwitzen, gemeinsam Ziele erreichen, gemeinsam lachen, neue Kontakte und Freundschaften knüpfen.

Diese sozialen Aspekte sind jedoch zunächst unabhängig vom konkreten Trainingsinhalt für alle Gruppenfitnesskurse zutreffend. Daher sollte die Zielgruppe analysiert und das passende Angebot präsentiert werden. Natürlich können neben klassischen Gruppenfitnesskursen je nach räumlichen und personellen Voraussetzungen z. B. Seminare zu mentaler Gesundheit, zu Bewegung, Schlaf, Regeneration und Meditation attraktiv sein. (Auch lesenswert: 'Digitale Entwicklung und die Zukunft des Gruppentrainings')

Welche Qualifikationen und Soft Skills sollte ein professioneller Kursleiter heute mitbringen, um in der Praxis auf das Bedürfnis nach körperlicher und mentaler Gesundheit eingehen zu können?

Selbstverständlich bilden grundlegende fachliche Kompetenzen und Qualifikationen in diesem Bereich die Basis. Zudem sind u. a. Empathie und emotionale Intelligenz wesentliche Soft Skills. Ich denke aber auch, dass jeder Trainer, egal ob im Gruppen- oder Individualtraining, sich heutzutage zusätzliches psychologisches Fachwissen aneignen sollte, um auf die Kundschaft und deren Bedürfnisse besser und individueller eingehen zu können.

Auch als Trainer bzw. Trainerin sollte man in diesem Kontext über die eigene Unterrichtstechnik nachdenken. Ich habe meine schon länger dahingehend verändert, dass ich Teilnehmende nicht bis zur letzten Wiederholung drille, sondern sie dazu motiviere, sich selbst und ihren Körper während des Trainings wahrzunehmen und die eigenen Bedürfnisse zu erkennen.

Zudem ist für mich nach wie vor die Individualität ein großes Thema: Ich möchte in jeder Situation jeden einzelnen Kursteilnehmer in seiner tagesaktuellen Leistungsfähigkeit erfassen und auch in der Gruppensituation individuell auf ihn eingehen; das fängt bei der Kommunikation an und hört bei einer individuellen Übungsvariation auf.

Welche Praxistipps haben Sie für Studierende, die im Gruppenkursbereich durchstarten möchten?

Als leidenschaftliche Kursleiterin und Dozentin habe ich vor allem einen Tipp: Besuchen Sie die Präsenzphasen vor Ort, um gemeinsam mit anderen Studierenden zu üben, sich auszuprobieren, das motivierende Gefühl des Trainings in der Gruppe zu erleben sowie von der langjährigen Erfahrung der Dozierenden zu profitieren. (Lesen Sie auch: 'DHfPG Testsieger in aktueller Service-Studie von ntv und DISQ')


Auch interessant: Weitere Interviews & Hintergründe

In weiteren Interviews sprechen Prof. Dr. Julia Krampitz und Prof. Dr. Sabine Kind über die Portfolioerweiterung mit Entspannungsangeboten in den Studioalltag. Lesen Sie außerdem unseren Artikel 'Körper & Geist' als Einstieg zu den Interviews.

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