Corona, Fitness, Gesundheit, Markt | Autor: Dr. Sarah Kobel & Gregor Preuschoff |

DHfPG Studien-Update zur Schließung der Studios: So geht es den Menschen in Lockdown 2

Der zweite harte Lockdown und die erneute Schließung der deutschen Fitness- und Gesundheitsanlagen trifft die Betreiber schwer. Und auch die Trainierenden leiden zunehmend unter der Situation, wie eine Studie der DHfPG aufdeckt. Sport zu Hause oder im Freien bieten aktuell keine wirklichen Alternativen – doch was ist der Ausweg?

Update DHfPG Corona-Studie: Aktuelle Zahlen und Fakten zum zweiten Lockdown.

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Die wichtigsten Fakten in Kürze:

  • DHfPG-Studie untersucht Auswirkungen des zweiten Lockdowns auf die Trainierenden in Fitness- und Gesundheitsanlagen
  • Sind die Anlagen geschlossen, erleiden die Mitglieder einen Einbruch an Motivation und eine Verschlechterung ihres körperlichen Befindens
  • Die Trainingshäufigkeit sinkt, mehr als 40% der Mitglieder trainieren während des zweiten Lockdowns nur einmal pro Woche oder seltener
  • Mit Blick auf die gesundheitsprotektiven Wirkungen eines regelmäßigen Krafttrainings sind diese Ergebnisse bedenklich
  • Trainingsalternativen stellen keine Bedrohung der Mitgliedschaft in einer Fitness-/Gesundheitsanlage dar
  • Es besteht eine stark emotionale Bindung der Mitglieder an ihr Studio
  • Die Mitglieder zeigen sich solidarisch, werden Beiträge abgebucht, ist ein Großteil der Mitglieder damit einverstanden

Los geht's! Die Hintergründe und Detailinformationen:

Branche im Lockdown: In einem offenen Brief vom 12. Januar 2021 an die zuständigen Bundes- und Landesministerien weist DSSV-Präsidentin Birgit Schwarze auf die prekäre Lage der Fitness- und Gesundheitsanlagen hin.

Neben einem immensen Umsatzverlust durch die andauernde Schließung sieht sich die Branche nun zusätzlich der Schwierigkeit entgegen, dass mit Januar und voraussichtlich auch Februar die stärksten Monate der Neukundengewinnung wegbrechen.



Studie der DHfPG liefert neue Erkenntnisse

Neben den Betreibern spüren auch die Studio-Mitglieder die Auswirkungen des erneuten Lockdowns zunehmend.

Wie genau sich dies bemerkbar macht, hat die DHfPG im Rahmen einer zweiten Online-Befragung von Trainierenden im November und Dezember 2020 (n = 669) erfasst. Damit knüpft die Hochschule an ihre Studie aus Juli/August 2020 an, die die Auswirkungen des ersten Lockdowns auf die Trainierenden untersuchte.


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Schließungen erfordern Alternativen

Klar ist: Durch die erneute Schließung der Fitness- und Gesundheitsanlagen sind die Trainierenden gezwungen, sich alternativer Trainingsformen zu bedienen, wenn sie sich weiterhin körperlich betätigen und damit einen wesentlichen Beitrag zu ihrer Gesundheit leisten wollen.

Wie die Ergebnisse aber zeigen (Skala: 1 = stimme überhaupt nicht zu, 5 = stimme vollkommen zu), sind die Trainierenden der Meinung, dass alternative Trainingsformen ihnen nicht das geben können, was das Training im Studio ihnen gibt (M = 4,50).

Alternativen keine Bedrohung für Mitgliedschaft im Studio

Weder finden die Trainierenden wirklich Spaß an alternativen Trainingsformen (M = 2,06), noch möchten sie diese künftig ausüben (M = 2,16). Nur knapp jeder fünfte Befragte gibt an, derzeit oft oder sehr oft Krafttraining (19,3%) bzw. Training mit dem eigenen Körpergewicht (20,8%) auszuführen.

Im ersten Lockdown betrieben 20,8% oft oder sehr oft Kraft- und 30,0% Körpergewichtstraining. Ausdauersport, also Laufen oder Radfahren, wird derzeit von 23,3% der Befragten (sehr) oft als Alternative genutzt (zum Vergleich: 46,8% in Lockdown 1 im Frühjahr).

Oft bis sehr oft werden Online-Angebote des eigenen Studios von 15,1% der Befragten genutzt, Angebote fremder Anbieter von 8,3%.

Lassen sich die Ergebnisse mit Blick auf das Ausdauertraining vielleicht vor dem Hintergrund der kalten Jahreszeit erklären, so lassen die Ergebnisse insgesamt betrachtet jedoch erahnen, was nachfolgende Daten eindeutig belegen.

Starker Rückgang der Trainingshäufigkeit

Mit der Schließung der Fitness- und Gesundheitsanlagen geht ein starker Einbruch der Trainingshäufigkeit einher.

Mehr als ein Drittel der Befragten (40,6%) trainiert aktuell maximal einmal pro Woche oder noch deutlich seltener – ein Ergebnis, das vor dem Hintergrund der jüngsten Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation alarmierend ist.

Sind Fitness- und Gesundheitsanlagen geöffnet, geben lediglich 14,1% der Befragten an, nur einmal pro Woche oder seltener zu trainieren.

Motivationseinbruch und schlechteres körperliches Befinden

Analog zeigt sich ein deutlicher Einbruch der Motivation der Trainierenden in den Lockdowns. Bereits die erste Studie der DHfPG aus Juli/August 2020 zeigte, dass die Motivation der Trainierenden an das Training im Studio geknüpft zu sein scheint.

Bewegt sich die Motivation vor Beginn der Krise (Skala: 1 = sehr gering, 5 = sehr hoch) auf einem relativ hohen Niveau (M = 4,11), sinkt diese während Lockdown 1 (M = 3,16), steigt aber mit Wiedereröffnung der Studios wieder auf das Ausgangsniveau (M = 3,98).

Trend setzt sich auch in zweiter Erhebungswelle durch

Die Ergebnisse der zweiten Studie schreiben diesen Trend fort. Vor dem erneuten Lockdown im November sind die Trainierenden stark motiviert (M = 4,36), mit dem zweiten Lockdown sinkt die Motivation erneut – dieses Mal noch deutlich stärker (M = 3,05).

Mit dem starken Einbruch an Motivation geht auch eine drastische Verschlechterung des körperlichen Befindens einher (Skala: 1 = sehr schlecht, 5 = sehr gut): Vor Beginn der Krise (M = 3,86) und vor dem November-Lockdown (M = 3,89) fühlen sich die Befragten relativ gut. Der zweite Lockdown aber führt zu einer erheblichen Verschlechterung (M = 2,80) – die Trainierenden fühlen sich alles andere als gut!

Ein Ergebnis, das zeigt, welche bedeutsame Rolle den Fitness- und Gesundheitsanlagen mit Blick auf das Wohlbefinden und die Gesundhaltung der Menschen zukommt.

Emotionale Verbundenheit & Bewusstsein für Gesundheit

Was aber ist es, das zu einer gesteigerten Motivation und einem erhöhten Wohlbefinden der Trainierenden führt, wenn die Fitness- und Gesundheitsanlagen geöffnet sind? Atmosphäre, Verbundenheit, Gesundheitsbewusstsein!

Trotz einer Welle von Kündigungen im Lockdown zeigt sich eine starke emotionale Verbundenheit der Mitglieder zu ihrem Studio (M = 4,30) – eine positive Botschaft in diesen unsicheren Zeiten. Die Mitglieder fühlen sich fair behandelt (M = 4,33) und durch das Angebot des Studios gut betreut (M = 3,81).

Solidarität gegenüber dem Studio

Damit geht einher, dass sie sich gegenüber ihrem Studio solidarisch zeigen: Wurden Mitgliedsbeiträge abgebucht, so geben 82,0% der Befragten an, dass das für sie absolut in Ordnung sei.

Training im Studio wird schmerzlich vermisst

Das Training im Studio bietet den Mitgliedern ein größeres Trainingserlebnis als das Training zuhause (M = 4,70) und sie vermissen es schmerzlich (M = 4,74) (Skala: 1 = stimme überhaupt nicht zu, 5 = stimme vollkommen zu).

Gleichzeitig zeigt sich mit der Krise, dass die Mitglieder eine starke Verzahnung aus Fitnesstraining und einem gesundheitsbewussten Lebensstil als wesentlich erachten (M = 4,69).

Quo vadis, Fitnesstreibender?

Das Gesundheitsbewusstsein hat sich verbessert, die Trainierenden lieben ihr Studio und das Training vor Ort. Der Wunsch, regelmäßig zu trainieren und damit den gesundheitsprotektiven Nutzen eines Krafttrainings zu realisieren ist also zweifellos gegeben.

Nun gilt es, Möglichkeiten zu schaffen, um diesen Wunsch auch zu realisieren und Trainierenden den Zugang zu Fitness- und Gesundheitsanlagen baldmöglichst wieder zu ermöglichen (Lesen Sie auch: 'Mut zum Restart und Prävention').

Denn: Manchmal erkennt man den Wert der Dinge eben erst, wenn man sie verloren hat.

Das umfassende PDF zur Studie, mit weiteren Detailanalysen und Ergebnissen können Sie hier direkt kostenlos downloaden.

Weitere Ergebnisse der DHfPG Corona-Studie hier:

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