Die Mitgliederzahl wächst auf fast 11 Millionen, bleibt aber hinter Vor-Corona-Niveau zurück

Wie geht es der Fitnessbranche aktuell? Der DSSV und die DHfPG haben eine aktuelle Umfrage zum Status quo des ersten Halbjahres 2023 durchgeführt.
Lesezeit: 4 Minuten
Ergebnisse der DSSV-Umfrage zum Status quo der Fitnessbranche durch den DSSV und die DHfPG
Ergebnisse der DSSV-Umfrage zum Status quo der Fitnessbranche durch den DSSV und die DHfPG
Die Fitness- und Gesundheitsanlagen zählen mit zu den wichtigsten Akteuren für eine flächendeckende bewegungsbezogene Netzwerkstruktur in Deutschland. Gleichzeitig wurde der Branche durch die behördlich angeordneten Corona-Schutzmaßnahmen der Regierung von 2020 bis 2022 ein enormer wirtschaftlicher Schaden zugefügt. In der jüngsten Datenerhebung des DSSV e. V. – Arbeitgeberverband deutscher Fitness- und Gesundheits-Anlagen in Kooperation mit der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement (DHfPG) sowie dem Fachmagazin fitness MANAGEMENT international wurde der Status quo der Branche per 30. Juni 2023 ermittelt.

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Die wichtigsten Fakten in Kürze:

  • Der DSSV hat in Kooperation mit der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement (DHfPG) und dem Fachverlag fitness MANAGEMENT die aktuelle Situation der Fitness- und Gesundheitsbranche im ersten Halbjahr 2023 untersucht.
  • Es konnte ein Zuwachs von 400.000 Mitgliedern verzeichnet werden. 10,7 Millionen Menschen trainieren per 30. Juni 2023 in den Fitnessstudios.
  • Fitnesstraining ist damit weiterhin die mitgliederstärkste Sportart in Deutschland.
  • Im ersten Halbjahr 2023 kamen die Trainierenden rund 25 Prozent häufiger zum Training.
  • Im Vergleich zum Vorkrisenniveau im Dezember 2019 fehlen jedoch noch rund eine Million Mitglieder und der entsprechende Umsatz.
  • Die Einschätzung der Fitnessstudiobetreiber zur wirtschaftlichen Situation ist durchwachsen. 41 Prozent schätzen sie als 'gut' oder 'eher gut' ein, 40 Prozent als 'schlecht' oder 'eher schlecht'.
  • Die europaweite Kampagne #BEACTIVE DAY am 23. September 2023, koordiniert durch den DSSV, soll die Anerkennung der Branche stärken. Studios und Interessierte sind eingeladen, teilzunehmen. Bisher sind mehr als 600 Aktionen geplant.

Los geht's! Die Hintergründe und Detailinformationen:

Mitgliederzuwachs und steigende Trainingshäufigkeit

Der Tiefpunkt scheint mittlerweile überwunden und die Fitness- und Gesundheitsbranche steuert auf das Vor-Corona-Niveau zu. Im ersten Halbjahr 2023 wurde ein Zuwachs von rund 400.000 Mitgliedern verzeichnet. Die Gesamtzahl der Menschen, die in Deutschland aktiv in einem Fitnessstudio trainieren, beläuft sich per 30. Juni 2023 auf 10,7 Millionen. Fitnesstraining ist damit weiterhin die mitgliederstärkste Sportart in Deutschland.

Anders ausgedrückt sind fast 13 Prozent der deutschen Bevölkerung Mitglied in einer Fitness- und Gesundheitsanlage. Neben dem Mitgliederzuwachs steigt auch die Trainingshäufigkeit. Die Mitglieder kamen im ersten Halbjahr 2023 durchschnittlich rund 25 Prozent häufiger zum Training ins Studio als im Jahr 2022.

Vollständigen Ergebnisbericht herunterladen


„Vor dem Hintergrund des zunehmenden Bewegungsmangels ist es ein überaus positives Zeichen, dass die Menschen vermehrt die Fitnessstudios aufsuchen und insgesamt auch häufiger trainieren.“
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Prof. Dr. Thomas Wessinghage – 1. Vorsitzender des DSSV e. V.


„Regelmäßige körperliche Aktivität, wie das Training im Fitnessstudio, ist das nachhaltigste Medikament im Kampf gegen die Zivilisationskrankheiten. Bedauernswerterweise hat unsere Bundesregierung diese Tatsache noch nicht flächendeckend verinnerlicht“, sagt Prof. Dr. Thomas Wessinghage, 1. Vorsitzender des DSSV e. V.

Fitnessbranche wächst aus eigener Kraft

Primärer Treiber der positiven Mitgliederentwicklung waren die Rahmenbedingungen. Das erste Quartal ist wirtschaftlich das wichtigste für die Fitnessbranche, da in diesem Zeitraum etwa ein Drittel aller Neuverträge geschlossen werden.

Erstmals seit vier Jahren herrschten 2023 wieder Normalbedingungen, das heißt keine Lockdowns, Zugangsbeschränkungen oder Ähnliches. Entsprechend konnte die Fitness- und Gesundheitsbranche aus eigener Kraft, ohne staatliche Subventionierung, ihr Wachstum fortsetzen.


„Fitness ist nach wie vor ‚in‘. Sobald die Corona-Maßnahmen der Regierung eingestellt wurden, ging das Mitgliederwachstum der Fitnessstudios wieder los.“
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Ralf Capelan – Schatzmeister und Vorstandsmitglied des DSSV e. V.


Capelan weiter. „Allerdings haben die Maßnahmen erhebliche wirtschaftliche Schäden, Arbeitsplatzverluste und sogar Betriebsschließungen mit sich gebracht, von denen sich die Fitness- und Gesundheitsbranche bis heute nicht vollständig erholt hat.“

Über ein Drittel (34 %) der Betriebe hatten das durchschnittliche Mitgliederniveau pro Anlage von Dezember 2019 (Vorkrisenniveau) bereits wieder erreicht. Werden nur diejenigen Fitnessstudios betrachtet, die Mitglied beim DSSV sind, beträgt der Anteil, der bereits über dem Vorkrisenniveau liegt, 43 Prozent.

Dem gegenüber stehen 35 Prozent der Betriebe, die schätzungsweise bis Ende 2024 oder darüber hinaus benötigen, um sich von der Krise zu erholen.

Die wirtschaftliche Situation wird unterschiedlich bewertet

Die positive Entwicklung ist mit Vorsicht zu beobachten. Im Vergleich zum Vor-Corona-Niveau per Dezember 2019 fehlen der Branche immer noch rund eine Million Mitglieder sowie die entsprechenden Umsätze. Gleichzeitig verbleiben die Betriebs- und Personalkosten auf einem hohen Niveau.

Dies spiegelt sich in der Erwartungshaltung der Fitnessstudiobetreiber wider. Zwar schätzt ein Großteil der Fitnessstudiobetreiberinnen und -betreiber (41 %) die wirtschaftliche Situation als 'gut' oder 'eher gut' ein. Jedoch sieht ein fast genauso großer Teil (40 %) die wirtschaftliche Unternehmenslage als 'schlecht' oder 'eher schlecht' an.

Einschätzung von Betreibern zur wirtschaftlichen Situation ihrer Fitness- und Gesundheitsanlagen per 30. Juni 2023 (in Prozent)

Bei den meist inhabergeführten Einzelstudios wird die Situation sogar von knapp der Hälfte der Betreiber (47 %) mit 'schlecht' oder 'eher schlecht' bewertet.

Fitnesskampagne #BEACTIVE DAY für mehr Anerkennung

Der DSSV hält es für zwingend erforderlich, dass Politik und Gesundheitssystem die Potenziale eines gesundheitsfördernden Trainings in den Fitness- und Gesundheitsanlagen anerkennen und stärker einbeziehen. Um dieses Ziel zu forcieren, ruft der DSSV zum #BEACTIVE DAY auf.

Der DSSV als nationaler Koordinator dieses europaweiten Aktionstages im Rahmen der Europäischen Woche des Sports macht auf das hohe Public-Health-Potenzial der Branche aufmerksam. Ab dem 23. September 2023 sind alle Trainingsinteressierten eingeladen, an einer der mittlerweile über 600 Veranstaltungen in den deutschen Fitnessstudios teilzunehmen. Weitere Informationen zum #BEACTIVE DAY finden Sie hier.

Gemeinsam mit der Europäischen Kommission, dem Europaverband EuropeActive sowie allen teilnehmenden Fitnessbetrieben verfolgt der DSSV das Ziel „Gemeinsam mehr bewegen!“.


Der vollständige Ergebnisbericht 'Entwicklung der deutschen Fitnesswirtschaft im ersten Halbjahr 2023' und zugehörige Abbildungen können Sie hier herunterladen.


Mehr zum Thema: 'Eckdaten ‘23 der deutschen Fitnesswirtschaft' & 'Fitness wieder im Trend'

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Für fitness MANAGEMENT berichtet

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