Les Mills: Warum Trainer dein wichtigstes Investment sind

Phillip Mills und Jens Schulze sprechen über Group Fitness, Trainer, die Generation Z und neue Chancen durch die Kooperation mit HYROX.
Lesezeit: 7 Minuten
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Janosch Marx, Phillip Mills und Jens Schulze sitzen zu einer Podcastaufnahme mit Mikrofonen in schwarzen Sesseln.
Im Gespräch über Group Fitness, Community, Trainerentwicklung und die Chancen neuer Trainingsformate (von links): Janosch Marx (Geschäftsführer fitness MANAGEMENT), Phillip Mills (Executive Director Les Mills) und Jens Schulze (CEO Les Mills Germany)
Mit 75 Millionen Mitgliedern in Europa steht die Fitnessbranche erst am Anfang ihres Potenzials. Warum Fitness längst zum globalen Megatrend geworden ist, welche Rolle Community und Motivation dabei spielen und weshalb Group Fitness aktuell stärker wächst als je zuvor, erklären Phillip Mills und Jens Schulze im Gespräch. Sie zeigen auf, warum die Generation Z den Markt grundlegend verändert, weshalb Trainer zum entscheidenden Erfolgsfaktor werden und welche Chancen neue Formate wie HYROX für Studios bieten. Ein Interview über Wachstum, Wandel und darüber, warum es in der Fitnessbranche vor allem um eines geht: Menschen nachhaltig für Bewegung zu begeistern.

fM: Wie nimmst du, Phillip, die Entwicklung des globalen Fitnessmarkts wahr?

Phillip Mills: Ich denke, der Markt ist deutlich größer, als wir oft annehmen. Die 75 Millionen Mitglieder in Europa beziehen sich nämlich nur auf klassische Fitnessstudios. Menschen, die in Boutiquestudios oder über ihren Arbeitgeber trainieren, sind darin nicht enthalten. Zudem wird die Datenerhebung in vielen Ländern unterschiedlich durchgeführt. Deshalb verfolgen wir bei Les Mills einen anderen Ansatz: Wir befragen Menschen direkt, ob sie mindestens einmal im Monat trainieren – unabhängig vom Ort.

Unsere Studien zeigen: Rund 30 Prozent der erwachsenen westlichen Weltbevölkerung betreiben Fitness; bei der Generation Z sind es sogar deutlich mehr – in den USA etwa 45 Prozent. Fitness ist längst ein globaler Megatrend, der mit jeder Generation weiter wächst. Betrachtet man es als Sport, ist es heute die größte Sportart der Welt.

Die Couch ist unser größter Wettbewerber.

Ein wichtiger Punkt ist: Die Branche besteht zur Hälfte aus Training und zur Hälfte aus Motivation. Viele Menschen könnten auch zu Hause trainieren, tun es aber nicht. Die Couch ist unser größter Wettbewerber. Deshalb geht es darum, Menschen zu aktivieren. Neben Trainingsplänen sind vor allem Community, Spaß und Erlebnis entscheidend. Group Fitness spielt hierbei eine große Rolle, da sie Motivation, Struktur und soziale Interaktion kombiniert.

Über den Interviewpartner

Porträt von Phillip Mills mit schwarzer Brille und dunkler Jacke

Phillip Mills

Der Neuseeländer ist Managing Director bei Les Mills International. Der ehemalige Weltklasseleichtathlet wurde 1980 neuseeländischer Meister über 110 Meter Hürden. In den 1980er-Jahren gründete er gemeinsam mit seinem Vater Les Mills ein Familienunternehmen, in dem sie Gruppenfitnessprogramme für Fitnessstudios entwickelten. 1997 gründete er Les Mills International und trieb die globale Expansion des Unternehmens voran. Zudem engagiert er sich für Gesundheit und Umwelt und ist Mitgründer der Initiative Pure Advantage.

Foto: fitness MANAGEMENT

Wie nimmst du den deutschsprachigen Fitnessmarkt wahr?

Jens Schulze: Fitness war global noch nie so groß wie heute – das gilt auch für Deutschland. Mit über zwölf Millionen Mitgliedern und einer Marktdurchdringung von rund 15 Prozent stehen wir dennoch erst am Anfang.

Es gibt noch viel Potenzial in Richtung 20 bis 30 Prozent, wie in anderen Märkten. Fitness ist längst kein Zusatz mehr, sondern bereits Teil des Lebensstils – besonders für die Generation Z. Krafttraining ist dabei kein kurzfristiger Trend, sondern ein stabiler Bestandteil.

Über den Interviewpartner

Porträt von Jens Schulze in schwarzem Sakko und dunklem Shirt

Jens Schulze

Nach seinem Studium an der DHfPG war er als Personal Trainer und Fitnessmanager sowie in leitenden Funktionen bei großen Fitnessketten tätig. Dort war er unter anderem für Produkt- und Trainingskonzepte verantwortlich. Seit seinem Einstieg bei Les Mills Germany im Jahr 2017 hat er das Unternehmen in verschiedenen Schlüsselpositionen maßgeblich mitentwickelt: vom Customer Experience Manager über Regionalleiter und Head of Customer Experience bis hin zum Country Manager und schließlich als CEO von Les Mills Germany im Jahr 2025.

Foto: fitness MANAGEMENT

Gleichzeitig sehen wir ein starkes Wachstum bei HYROX sowie bei Yoga und Pilates, die sich zunehmend als eigenständige Kategorien entwickeln. Ein weiterer zentraler Treiber ist das Thema mentale Gesundheit. Rund 30 Prozent der Menschen trainieren gezielt zur Stressreduktion. Dieser Trend setzt sich bis heute fort und verstärkt sich sogar noch.

In Deutschland gibt es immer mehr Smart-Gyms, die nur wenig oder gar kein Personal beschäftigen. Wie bewertest du diese Entwicklung?

Jens Schulze: Ich sehe das grundsätzlich positiv. Alles, was neue Menschen in die Fitnessbranche bringt, ist gut. Natürlich ist das Angebot eines Studios wichtig, aber auch der Standort spielt eine große Rolle. Gerade diese kleineren Studios, die oft personalarm oder sogar komplett personalfrei sind, entstehen häufig in Regionen, in denen es vorher kein Fitnessangebot gab und in denen sich ein klassisches Fitnessstudio nie rentieren würde.

Menschen suchen echte Verbindungen zu echten Menschen.

Dadurch senken sie die Einstiegshürde. Sie ermöglichen es vielen Menschen erst, Mitglied zu werden. So bringen sie hunderte neue Mitglieder in die Branche. Das ist ein wichtiger Wachstumstreiber für den gesamten Markt. Der positive Effekt dabei ist, dass sich einige dieser Trainierenden früher oder später auch für andere Studiokonzepte interessieren, die ein größeres Angebot, eines mit Trainern oder Group Fitness, bieten.

Was glaubt ihr, ist der Hauptgrund für den aktuellen Boom von Group Fitness?

Phillip Mills: Meiner Meinung nach geht es – wie so oft – um zwei Dinge: Motivation und neue Trainingsformate. Es kommen ständig neue Konzepte auf den Markt und gleichzeitig gibt es eine neue Generation, die bewusst etwas anderes machen möchte als ihre Eltern.

Deshalb entstehen immer wieder neue Kursformate. Viele davon basieren zwar auf bekannten Konzepten aus der Vergangenheit, werden aber neu interpretiert und an die jeweilige Generation angepasst. Und wir dürfen nicht vergessen: Die Generation Z, inklusive der jungen Millennials, ist die größte Fitnessgeneration, die es je gab. Diese Generation sucht aktiv nach neuen Erlebnissen und Trainingsformen.

Jens Schulze: Ich sehe die Community vor allem als entscheidenden Faktor. Menschen suchen echte Verbindungen zu echten Menschen. Studien zeigen, dass rund 90 Prozent der Generation Z menschliches Coaching gegenüber digitalen Lösungen bevorzugen. Group Fitness schafft genau diese Beziehungen: zwischen den Mitgliedern untereinander, zwischen dem Mitglied und dem Trainer sowie letztlich auch zwischen dem Mitglied und dem Studio selbst.

Laut dem „Les Mills Global Fitness Report 2026“ erhöht Group Fitness die Mitgliederbindung deutlich. Was sind die Gründe dafür?

Phillip Mills: Menschen, die regelmäßig an hochwertigen Kursen teilnehmen, kommen häufiger, bleiben länger und bringen oft neue Mitglieder mit. Sie schätzen das Erlebnis und sind sogar bereit, mehr dafür zu bezahlen. Der wichtigste Erfolgsfaktor sind dabei die Trainer.

Die besten Trainer sind Menschen, die Fitness lieben und anderen helfen möchten.

Ein einzelner herausragender Instruktor kann hunderte Mitglieder binden. Ein starkes Team kann ein ganzes Studio transformieren. Wichtig ist auch die Vielfalt: Es gibt acht große Kategorien: Krafttraining, Functional Training, Yoga, Pilates, Cycling, Dance, Cardio und Kampfsport. Jede spricht unterschiedliche Bedürfnisse an. Wenn du es schaffst, in mehreren dieser Kategorien ein starkes Angebot zu liefern, kannst du nachhaltig wachsen. Entscheidend bleibt: Menschen bleiben nur, wenn ihnen das Training wirklich Spaß macht.

Wie findet man die richtigen Trainer?

Phillip Mills: Die besten Trainer sind Menschen, die Fitness lieben und anderen helfen möchten. Das ist der wichtigste Antrieb. Ein weiterer Grund ist, dass sie gern im Mittelpunkt stehen. Grundsätzlich gibt es fünf verschiedene Typen von Instruktoren, die jeweils mit anderen Stärken einen Raum füllen können.

  1. Die Bewegungswunder: Menschen, die sich außergewöhnlich gut bewegen können. Tänzer, Turner oder Kampfsportler sind einfach inspirierend anzusehen.
  2. Die Coaches: Das sind Menschen, die Übungen großartig erklären und Techniken vermitteln können.
  3. Die Performer: Menschen mit Bühnenerfahrung, die eine besondere Ausstrahlung haben und Atmosphäre schaffen – das, was oft als „X-Faktor“ bezeichnet wird.
  4. Die Kommunikativen: Das sind Menschen, die vielleicht auf den ersten Blick keine dieser Eigenschaften besonders stark zeigen, deren Kurse aber trotzdem immer voll sind. Das sind oft die besten Kommunikatoren. Sie interessieren sich wirklich für ihre Teilnehmer, nehmen sich nach dem Kurs Zeit und bauen Beziehungen auf.
  5. Die Choreografen: Das sind Menschen, die die Fähigkeit besitzen, Musik, Bewegungen und Abläufe perfekt zu kombinieren. Sie sind am seltensten zu finden. Weil es so schwierig ist, genügend Menschen mit dieser Fähigkeit zu finden, haben wir das bei Les Mills standardisiert und lassen unsere Programme von unseren besten Choreografen zentral entwickeln. Diese Programme stellen wir dann allen anderen zur Verfügung.

Viele dieser Talente sind bereits im Club, du musst sie nur erkennen. Achte auf Persönlichkeit, Energie und Interesse an Menschen.

Jens Schulze: Oft erkennt man diese Menschen sofort – sie schaffen automatisch eine positive Atmosphäre. Ein Beispiel: Als ich damals im Vertrieb in Norddeutschland unterwegs war, besuchte ich ein Studio, das mit Les Mills starten wollte, aber noch keinen passenden Instruktor hatte.

An der Rezeption fiel mir sofort eine Mitarbeiterin auf, die unglaublich freundlich, aufmerksam und sportlich war. Im Gespräch mit dem Betreiber fragte ich spontan, warum er sie nicht für die Ausbildung zur Instruktorin in Betracht ziehe. Nach einem kurzen Gespräch war klar: Sie hatte enormes Potenzial.

Wir fanden das passende Programm, schickten sie zur Ausbildung – und bis heute ist sie erfolgreich als Instruktorin aktiv und hat dem Studio zahlreiche Mitglieder gebracht. Gerade in Deutschland haben wir einen weiteren großen Vorteil: das duale Studium.

Es ist aktuell eine der wichtigsten Quellen für neue Instruktor:innen. Viele junge, motivierte Menschen wollen sich weiterbilden, Zertifikate erwerben und in die Fitnessbranche einsteigen. Diese Zielgruppe bringt enormes Potenzial mit – hier liegt eine große Chance für die Fitnessbranche.

Ein großer Fitnesstrend ist HYROX. Zur FIBO hatte Les Mills bekannt gegeben, dass ihr eine Kooperation habt. Wie kam es dazu?

Jens Schulze: Alle guten Dinge kommen aus Hamburg: Les Mills, fitness MANAGEMENT, der DSSV – und auch HYROX. Aber Spaß beiseite. Das ist eine globale Partnerschaft. Sowohl HYROX als auch Les Mills bringen starke Communitys mit, und durch die Zusammenarbeit verbinden wir diese Netzwerke von mehr als 35.000 Studios weltweit.

HYROX ist in den letzten Jahren extrem gewachsen. Wir sind überzeugt, dass es langfristig sogar olympisch werden kann. Studien zeigen, dass viele Menschen, insbesondere die Generation Z, gezielt intensive Herausforderungen und Wettkämpfe suchen. HYROX erfüllt genau diese Bedürfnisse.

Phillip Mills: Wir beschäftigen uns bereits seit Langem mit sportlichen Formaten. HYROX hat uns sofort überzeugt, da es Training, Wettbewerb und Community vereint. Die HYROX-Gründer Christian Toetzke und Moritz Fürste kommen beide aus dem Leistungssport – genau wie wir. Christian war ein sehr guter Zehnkämpfer und Moritz ist einer der erfolgreichsten Hockey-Olympiasieger aller Zeiten.

Sie haben bereits Veranstaltungen mit bis zu 75.000 Teilnehmern organisiert, was mit den größten Marathons der Welt vergleichbar ist. Wenn du zum Beispiel Laufgruppen hast, ist das zwar gut, aber viele wechseln irgendwann in externe Laufcommunitys. Bei HYROX ist das anders: Du trainierst im Studio und bleibst auch dort. Wir sehen darin eine enorme Chance für die Branche.

Deshalb entwickeln wir passende Trainingsformate, die HYROX ganzjährig erlebbar machen. So entstehen nachhaltige Communitys – und genau das sorgt für langfristigen Erfolg. Deshalb haben wir eigene HYROX-Kurse entwickelt und sind eine Kooperation eingegangen.

Welche Empfehlung würdet ihr Fitnessstudiobetreibern mit auf den Weg geben?

Jens Schulze: Meine klare Empfehlung: Investiere in Menschen! Investiere in deine Trainer. Gib ihnen Aufmerksamkeit. Unsere Analysen zeigen ganz deutlich: Die erfolgreichsten Studios – egal, ob im deutschsprachigen Raum oder weltweit – sind diejenigen, die in ihre Mitarbeiter investieren. Denn sie sind das Herz deines Clubs. Wir sagen oft: Die beste Trainingsmaschine hat einen Herzschlag.

Phillip Mills: Dem stimme ich vollkommen zu. Du musst dir die Zeit nehmen, die richtigen Trainer, diese „Rockstars“, zu finden. Denn sie sind es, die dein Studio wirklich verändern. Das sollte eine deiner wichtigsten Aufgaben sein. Und vergiss nicht: Wir sind zur Hälfte im Trainingsgeschäft tätig – und zur anderen Hälfte darin, Menschen dazu zu bringen, sich in Fitness zu verlieben.


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