Corona, Fitness, Gesundheit, Anzeige | Autor/in: fM Redaktion |

Sportlich aus dem Stimmungstief

Auch, wenn das Leben jetzt schrittweise wieder 'normaler' wird, hat die Corona-Pandemie Spuren hinterlassen. Viele Menschen sind immer noch niedergeschlagen und antriebslos. Warum Sport eine wirksame Strategie ist, um ein Stimmungstief zu überwinden und neue Kraft zu tanken.

Sportlich aus dem Stimmungstief

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Die wichtigsten Fakten in Kürze:

  • Sport hebt die Laune, erhöht das Selbstvertrauen, lenkt von negativen Gedanken ab und gibt dem Alltag Struktur.
  • Die gewählte Sportart sollte Spass machen.
  • Gerade Neueinsteiger sollten sich nicht überfordern, sondern kontinuierlich steigern. Dabei hilft ein Trainingsplan vom Fitnesstrainer.

Los geht's! Die Hintergründe und Detailinformationen:

Warum Sport Körper und Seele gleichermaßen gut tut, sogar gegen Depressionen wirkt und was dabei hilft, sich zum Sport zu motivieren, erklärt der Stuttgarter Diplom-Psychologe David Neumann im Gespräch mit ELEMENTS Fitness und Wellness.



Wie lässt sich die wohltuende Wirkung von Sport erklären?

David Neumann: Zahlreiche Studien belegen, dass sich Bewegung positiv auf unser Wohlbefinden auswirkt. Dafür gibt es sowohl physiologische als auch psychologische Gründe.

Aus körperlicher Sicht sind für den positiven Effekt vor allem aktivierende und stimmungsaufhellende Hormone verantwortlich, die der Körper bei Bewegung ausschüttet. Zum Beispiel das 'Glückshormon' Serotonin. Sport wirkt in gewisser Weise ähnlich wie antidepressive Medikamente. Körperliche Aktivität kann also dabei helfen, Stimmungstiefs hinter sich zu lassen oder erst gar nicht in einen entsprechenden Zustand zu geraten.


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Und welche Effekte hat Sport aus psychologischer bzw. mentaler Sicht?

Hier wirkt Sport gleich mehrfach. Zunächst erhöht Sport das Selbstvertrauen und die Selbstwirksamkeit. Wir tun etwas aktiv und können uns dadurch sehr gut bewusst machen, dass wir etwas geleistet haben. Das fühlt sich einfach gut an und ist nicht zu unterschätzen, denn gerade in schwierigen Phasen haben wir häufig das Gefühl, 'nichts' zustande zu bringen.

Der zweite Punkt: Sport lenkt ab. Salopp gesagt, wenn ich mich auf den nächsten Schritt bzw. Atemzug konzentriere oder versuche, das Gleichgewicht zu halten, kann ich nicht über meine Probleme nachdenken. Das klingt trivial, ist aber ganz entscheidend, um das negative Gedankenkreisen zu unterbrechen.

Und drittens: Sport gibt Struktur. Wenn es uns schlecht geht, neigen wir dazu, passiv in den Tag hineinzuleben. Feste Zeiten etwa auf der Yogamatte oder regelmäßige Laufeinheiten helfen, unserem Alltag wieder Rhythmus und uns das Gefühl von Selbstbestimmtheit zurückzugeben.


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Welche Sportart ist besonders geeignet, die Stimmung zu verbessern?

Wählen Sie die Sportart, die Ihnen am meisten Freude bereitet und zu der Sie den besten Zugang haben. Bewegung in der freien Natur ist besonders förderlich, weil weitere positive Elemente wie Tageslicht und Frischluft hinzukommen.

Genauso kann die Bewegung im Team motivieren. Doch egal, ob Fitnesskurs im Studio oder online oder eine Joggingrunde – wichtig ist die Bewegung an sich und dass Sie sich dabei wohlfühlen. Und wenn Sie dies erst einmal lieber allein tun möchten, ist das völlig in Ordnung.

Haben Sie einen guten Tipp für sportliche Neueinsteiger? 

Das Allerwichtigste: Überfordern Sie sich nicht. Wer seit längerem keinen oder nur wenig Sport gemacht hat, sollte langsam anfangen und sich dann kontinuierlich steigern.

Ansonsten besteht die Gefahr, dass sich der positive Effekt umkehrt: Sie sind frustriert, weil Sie an Ihre körperlichen Grenzen kommen bzw. Ihre selbstgesteckten Ziele nicht erreichen. Ich empfehle daher, das Sportprogramm von einem Fitnesstrainer begleiten zu lassen, der Sie mit einem persönlichen Trainingsplan unterstützt. Derzeit bieten manche Fitnessstudios wie ELEMENTS ihren Mitgliedern sogar an, einen Trainingsplan für zu Hause zu erstellen.


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Oft fällt es schwer, sich für sportliche Aktivitäten aufzuraffen. Was kann dabei helfen, den 'inneren Schweinehund' zu überwinden?

Das ist nicht ungewöhnlich. Helfen können folgende Dinge:

  1. Wählen Sie eine Sportart, die Ihnen möglichst viel Freude macht.
  2. Denken Sie an die angenehmen Aspekte der Bewegung. Malen Sie sich aus, wie Ihnen der Sport gut tut oder wie schön sich die Entspannung danach anfühlt.
  3. Schaffen Sie Routine. Nach einer längeren Bewegungspause lege ich ein paar Tage lang möglichst täglich eine kleine, nicht zu intensive Sporteinheit ein. Nach dem dritten oder vierten Tag denke ich fast gar nicht mehr darüber nach. Dann erst beginne ich, die Intensität zu steigern.
  4. Erhöhen Sie die Verbindlichkeit, indem Sie andere Menschen miteinbeziehen. Verabreden Sie sich mit einem Freund zum Sport oder, wenn Sie alleine trainieren möchten, äußern Sie anderen gegenüber die Absicht, sich zu bewegen. Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Ihren Worten auch Taten folgen.

Wir haben bisher von Stimmungstiefs gesprochen. Ist Sport auch bei Depression sinnvoll?

Ganz allgemein kann ich das bejahen. In der stationären Depressionsbehandlung wird Sport als begleitende Interventionsform fast immer eingesetzt – mit sehr guten Ergebnissen.

In jedem Fall sollten Sie aber einen Psychotherapeuten oder spezialisierten Facharzt aufsuchen, wenn Ihre schlechte Stimmung über mehrere Wochen Ihr Leben massiv beeinträchtigt. Er wird Ihnen dabei helfen, die sinnvollste Behandlungsmethode zu finden.

Leider kommt es aufgrund der starken Nachfrage häufig zu längeren Wartezeiten für einen Psychotherapieplatz. Hier kann Ihnen sportliche Betätigung zumindest helfen, diese Zeit sinnvoll zu überbrücken.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Sport sorgt durch die Ausschüttung von Hormonen für gute Laune und erhöht das Selbstvertrauen sowie die Selbstwirksamkeit (wir leisten etwas und fühlen uns dadurch gut). Er lenkt außerdem von negativen Gedanken ab und gibt unserem Alltag Struktur.
  • Entscheiden Sie sich für Sportart(en), die Ihnen Freude bereiten.
  • Überfordern Sie sich nicht, sondern steigern Sie sich kontinuierlich. Ein Fitnesstrainer erstellt den für Sie passenden Trainingsplan.
  • Überwinden Sie Ihren 'inneren Schweinehund': Denken Sie an die angenehmen Aspekte der Bewegung und die Entspannung danach.
  • Sorgen Sie für Routine und starten Sie nach einer Bewegungspause mit kurzen, aber regelmäßigen Sporteinheiten.
  • Erhöhen Sie die Verbindlichkeit, indem Sie sich mit anderen zum Sport verabreden oder Ihre Absicht, sich zu bewegen, äußern.
  • Holen Sie sich Rat bei einem Psychotherapeuten, wenn die gedrückte Stimmung zum Dauerzustand wird und Ihren Alltag beeinträchtigt.

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