Digital, Management | Autor: Frédérik Neust & Roman Spitko |

Die 'Vertikalmacht' der Social-Media-Kanäle – Vertikalvideos richtig nutzen!

Social Media richtig nutzen: Denn sie bieten auch Studiobetreibern ein großes Potential. Die Social-Media- und Video-Big-Player haben in den vergangenen Monaten ihren wachsenden Implementierungswillen im Bereich der Kurzvideos im Hochformat (= Vertikalvideos) bewiesen. YouTube Shorts, Instagram Reels und TikTok bieten große Wachstumspotenziale und neue Möglichkeiten für Studiobetreiber. Mit der Erfolgsformel von Frédérik Neust und Roman Spitko gehen Sie 'VertikALL-IN'.

Video first für die Social-Media-Kanäle – Vertikalvideos richtig nutzen!

Umfassend betrachtet, ist nicht nur das Wegfallen des nervigen, stark den Armmuskel kontrahierenden Wendens des Bildschirms vom 9:16- zum 16:9-Format ein relevanter Grund für den Erfolg und die wachsende Beliebtheit von Plattformen mit Vertikalvideos als Hauptmedium.

Erfahrungsgemäß interagieren 94 Prozent der Nutzer mit mobilen Endgeräten in diesem Format. Gleichzeitig werden 60 Prozent aller Videoinhalte nicht im Querformat angeschaut (Evans, 2019; Carman, 2021).

Tendenz stark steigend, denn die Nutzerzahlen der relevanten Plattformen wachsen kontinuierlich. Kurze unterhaltsame Multi-Clip-Videos (meist 15–60 Sekunden) mit Audioeffekten sind 'in' und kreative Tools ermöglichen Unternehmen, heute branchenübergreifend – ohne viel Editierungsaufwand – selbst ein 'Content Creator' zu werden.


 


Diese Entwicklung stellt Werbetreibende in der Fitness- und Gesundheitsbranche vor wachsende Herausforderungen. Sie bietet aber vor allem auch Chancen, um Synergien sowie neue Möglichkeiten bei der Videoerstellung zu nutzen.

Die VERTIKAL-Formel, die zahlreiche Updates und Erkenntnisse der letzten Monate komprimiert bündelt, kann Studiobetreibern dabei wertvolle Praxistipps sowie Hilfestellungen bieten, um digital durchzustarten.


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Verantwortungsbereich: Video-Content

Für viele Betreiber geht das reine Erstellen von Videos schon häufig über die Komfortzone hinaus. Was es braucht, sind klare Verantwortlichkeiten und Know-how. Wählen Sie deshalb mindestens eine Person aus Ihrem Studioteam aus, die die Verantwortung für das Filmen, Hochladen und Verwalten des Video-Contents federführend übernimmt.

Engagement gezielt sichern

Aufgrund des kurzen Videoformats und der sinkenden Aufmerksamkeitsspanne der Nutzer ist es umso wichtiger, so schnell wie möglich (innerhalb der ersten 3 Sekunden) ein Engagement bzw. eine Interaktion herbeizuführen und die Aufmerksamkeit zu gewinnen.


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Durch das sogenannte Pattern Interrupt (dt.: Musterunterbrecher) kann dieser Effekt erzielt werden. Da jedes Video mit unzähligen anderen Werbeanzeigen und Feedposts konkurriert, gilt es, auf diese Weise klassische Muster zu durchbrechen.

Mithilfe einer passenden Ansprache, wohldosierter Provokation, Sound- bzw. Umfeldreizen (z. B. besondere Übungen in einem ungewohnten Umfeld) und vielem mehr kann das gelingen. Inspirieren Sie mit Humor, Unterhaltsamkeit und Überraschungseffekten und sichern Sie sich das gewünschte Engagement.


 


Recyceln von Content mit Bedacht

Content-Recycling und das Nutzen von gleichen Content-Ideen auf unterschiedlichen Plattformen ist zu empfehlen.

Aber Achtung: Viele Plattformen bevorzugen kreativen Content, der im eigenen Umfeld erstellt wurde. Instagram Reels bestätigte kürzlich (Holt, 2021), dass Inhalte, die aus anderen Apps einfach kopiert wurden – sprich Logos oder Wasserzeichen von anderen Unternehmen aufweisen – deutlich weniger Reichweite erhalten. Recyceln Sie deshalb die Idee, aber nicht den gesamten Content.

Trends und Hashtags richtig einsetzen

Um Ihre Reichweite zusätzlich zu steigern, sollten Sie aktuelle, relevante Trends (z. B. diverse angesagte Filter und Songs) für die Bearbeitung nutzen. Zu viel von anderen zu kopieren, ist hier aber sicher der falsche Ansatz.


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Jedoch gibt es viele Möglichkeiten, um sich von schon erfolgreichen Videos und deren Aufbau und Bearbeitung inspirieren zu lassen. Weiterer Tipp: Folgen Sie Trending Topics, die zu Ihrer Zielgruppe passen, und nutzen Sie die richtigen Hashtags.

Identity als Trumpf

Egal, ob Studio oder Personal Trainer – kreieren Sie Ihre eigene authentische Social-Media-Identität und setzen Sie weniger auf Perfektionismus als vielmehr auf Persönlichkeit und Authentizität.

Besonders in Krisenzeiten gilt es, Ihre Persönlichkeit als Mitgliederbindungstool gezielt einzusetzen. Durch individuelle Touchpoints mit Ihren Trainern oder Ihrem Studio werden die Bindung sowie die Kundenloyalität gestärkt. So kann beispielsweise auch einem potenziellen Mitgliederrückgang aktiv begegnet und nach dem Lockdown wieder Vertrauen sowie Kundennähe aufgebaut werden (Spitko, 2021).

Konsistenz und Abwechslung

Regelmäßiges Posten (mindestens 2–3 Beiträge pro Woche) ist das Erfolgsrezept, um in 'Explore' und Vorschlagsseiten anderen Usern auch angezeigt zu werden. Erstellen Sie somit eine klare und abwechslungsreiche Content-Planung, erhalten Sie sich jedoch immer etwas Flexibilität für spontane oder virale Aktionen.

Analytics gezielt nutzen

Alle Plattformen bieten – integriert in die Businessprofile – die Möglichkeit, entsprechende Insights zu erhalten. Vergleichen Sie Ihre Posts, lernen Sie Ihre Zielgruppe besser kennen und leiten Sie aus den Zahlen fortlaufend Key Learnings ab. Mit dem Verständnis der Zahlen kommt sukzessive auch das Verständnis für die Besonderheiten der jeweiligen Kanäle.

Langfristigkeit

Erfolg im Social-Media-Bereich ist nur selten ein 'Sprint' oder ein kurzer 'Viralerfolg'. Versuchen Sie, durch die zuvor aufgezeigten Punkte anhaltenden Erfolg zu haben und setzen Sie auf Kontinuität, Ausdauer und Durchhaltevermögen. Lassen Sie sich auch von kleinen Rückschlägen nicht entmutigen und planen Sie langfristig.   


Fazit

Diejenigen Fitnessunternehmen, die jetzt mit dem 'VertikALLrad-Antrieb' durchstarten und regelmäßig kreativen Content erstellen, werden auch in Zukunft das Rennen um die Gunst der Kunden gewinnen.

Durch die Entwicklung, die sich in den letzten drei Jahren vollzogen hat, ist absehbar, dass es sich bei den Vertikalvideos nicht nur um einen kurzzeitigen Trend handelt. Social-Media- und Videoplattformen werden sich angesichts aktueller Einschätzungen und Prognosen weiterhin in genau diese Richtung entwickeln.

Durch dieses Wachstum wird auch Ihre Kundeninteraktion bei konsistenter Anwendung weiter gesteigert – vorausgesetzt, Sie beachten dabei die VERTIKAL-Erfolgsformel und die genannten Praxistipps.

Versuchen Sie, sich mit den entsprechenden Plattformen spielerisch und mit Freude auseinanderzusetzen, um diese und auch Ihre Zielgruppe besser zu verstehen. Von diesen neuen Social-Media-Möglichkeiten und dem kreativen Video-Content wird Ihr Fitnessstudio langfristig profitieren.


 

Über die Autoren

Der Fitnessökonom Frédérik Neust hilft innovativen Firmen, den Markteintritt in Asien zu schaffen und strategisch 'digitale Muskeln' aufzubauen. Er ist Dozent der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement (DHfPG) und der BSA-Akademie.

Roman Spitko schloss ein Studium der Betriebswirtschaftslehre sowie ein Master-in-Commercial-Law-Studium (LL. M.) ab. Er ist als Dozent für die Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement (DHfPG) und der BSA-Akademie tätig. Zudem fungiert er als Fachleitung Management/Ökonomie.


Auszug aus der Literaturliste

Evans, M. (2019). Vertically unchallenged: the rise of vertical video. Zugriff am 21.03.2021.
Carman, A. (2021). Instagram lead says he’s not happy with Reels yet and might ‘consolidate’ video formats. Zugriff am 21.03.2021.
Holt, K. (2021). Instagram will no longer promote recycled TikToks on its TikTok clone. Algorithms will watch out for watermarks that make 'the Reels experience less satisfying. Zugriff am 31.03.2021.
Spitko, R. (2021).Digitale Kundenbindung. fitness MANAGEMENT international 153 (1), 90–91.

Für eine vollständige Literaturliste kontaktieren Sie bitte marketing@dhfpg-bsa.de.

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