Neuem Krankheitsbild aktiv begegnen: Gezielte Bewegungstherapie bei Long/Post-COVID-Syndrom

Neue Leitlinien und Forschungsprojekt zum Thema Long/Post-COVID: So kann ein individualisiertes körperliches Training dazu beitragen, die Krankheit zu bewältigen.
Lesezeit: 3 Minuten
Long-COVID-Syndrom: Diese Rolle spielen Fitness, Sport und Bewegung bei der Prävention und Therapie von COVID-19 und den Langzeitfolgen.
Long-COVID-Syndrom: Diese Rolle spielen Fitness, Sport und Bewegung bei der Prävention und Therapie von COVID-19 und den Langzeitfolgen.
Regelmäßige Bewegung stärkt das Immunsystem und kann vor schweren Verläufen einer COVID-19-Infektion schützen. Außerdem ist sie eine wichtige therapeutische Intervention bei Long/Post-COVID. Darauf weist der Deutsche Verband für Gesundheitssport und Sporttherapie (DVGS) anlässlich der nun überarbeiteten medizinischen S1-Leitlinie der AWMF e.V. hin. Wie solch ein individualisiertes körperliches Training aussehen und dabei helfen kann, Long/Post-COVID zu bewältigen, zeigen Prof. Dr. Arne Morsch und Dr. med. Jürgen Rissland.

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Die wichtigsten Fakten in Kürze:

  • COVID-19-Langzeitfolgen stellen Betroffene und die Gesundheitsbranche vor neue Herausforderungen.
  • AWMF e.V. veröffentlicht aktualisiertes S1-Leitlinienpapier zum Thema Long/Post-COVID.
  • Die Bewegungstherapie spielt eine wichtige Rolle, die Krankheit zu bewältigen.
  • Neues DVGS-Factsheet liefert Gesundheitsexpert:innen wertvolle Orientierung.
  • Prof. Dr. Arne Morsch und Dr. med. Jürgen Rissland halten auf dem Aufstiegskongress 2022 einen themenspezifischen Vortrag.
  • Die Experten erläutern Potenziale eines individualisierten körperlichen Trainings zur Krankheitsbewältigung von Long/Post-COVID.
  • Gleichzeitig stellen sie ein wissenschaftliches Studiendesign zu den Effekten eines individualisierten Trainings in Fitness- und Gesundheitseinrichtungen vor.

Los geht's! Die Hintergründe und Detailinformationen:

Mehr als drei Millionen Deutsche leiden derzeit an den mittel- und langfristigen Folgen einer COVID-19-Erkrankung.

Die Probleme sind vielfältig und stellen sowohl Betroffene als auch Gesundheitsexpert:innen vor große Herausforderungen. Aber wie soll man in der Praxis mit dem relativ neuen Krankheitsbild umgehen?


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In ihrem neuen Leitlinienpapier hat die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V. (AWMF) die wichtigsten Therapieansätze übersichtlich zusammengefasst und liefert damit wertvolle Orientierung und Hilfestellungen.

Körperliche Fitness ein wichtiger Schutzfaktor

Zahlreiche Studien belegen, dass regelmäßige Bewegung das Immunsystem stärkt und vor schweren COVID-19-Krankheitsverläufen schützen und auch das Hospitalisierungs-Risiko nachweislich senken kann.  


Jetzt lesen: 'Fitness für ein starkes Immunsystem'


Ebenfalls ist belegt, dass körperliche Aktivität ein wichtiger Bestandteil der therapeutischen und rehabilitativen Maßnahmen nach einer COVID-19-Infektion darstellt. Dennoch existieren aktuell viele Unsicherheiten bezüglich des optimalen Umgangs mit den Langzeitfolgen.

Der Präsident des Deutschen Verbands für Gesundheitssport und Sporttherapie e.V. (DVGS) Professor Dr. Gerhard Huber, der an der Entwicklung der neuen Leitlinien beteiligt war, erklärte unlängst: „Körperliche Aktivität gehört zu diesen Therapieoptionen, wenn sie richtig gewählt und angewendet wird. Gemeint ist hier nicht Sport, sondern zunächst einmal eine Rückkehr zu Bewegung im Alltag“.


„Aufgrund der Studienlage wurde der Sport-/Bewegungstherapie in der aktuellen Überarbeitung der S1-Leitlinie Long/Post-COVID der medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) ein eigenes Kapitel gewidmet.“
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Professor Dr. Gerhard Huber – Präsident DVGS


Dr. Stefan Peters, Ressortleiter Wissenschaft beim DVGS, ergänzt: „Bei Betroffenen und Gesundheitsberufen herrscht oft Unsicherheit, wie mit körperlicher Aktivität nach einer Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 umzugehen ist.“

COVID-19: Sehr individuelle Krankheitsverläufe

Und weiter: „Das ist verständlich, aufgrund des sehr individuellen Krankheitsverlaufs und der bisher fehlenden Erfahrung damit.“ (Auch interessant: 'Gesundheit gehört in Expertenhand')

Aus diesem Grund hat der DVGS nun ein eigenes Long/Post-COVID-Factsheet zusammengestellt, das nützliche und praxisnahe Empfehlungen zu Bewegung und zum Selbstmanagement liefert. Dabei steht vor allem die Rückkehr zu körperlicher Aktivität im Vordergrund.


Jetzt weiterlesen: 'Wann wieder zum Sport


„Langfristig ist anzustreben, dass Betroffene wieder mindestens 150 Minuten in der Woche aktiv sein können und in der Lage sind, zwei Kräftigungseinheiten durchzuführen, wie es die Weltgesundheitsorganisation (WHO) allgemein empfiehlt“, so Huber weiter. (Auch lesenswert: 'Mission 'Health for all' – Mit der Fitness- und Gesundheitsbranche Menschen aktivieren')

Individuelle Lösungen & professionelle Betreuung

Die aktuelle Leitlinie betont, dass der Einsatz von Bewegungstherapie bei einem Long-/Post-COVID-Syndrom ein sehr individuelles Vorgehen unter professioneller Anleitung erfordert. Es gibt hier keine Musterlösung – gerade deshalb kommt den beteiligten Medizin- und Gesundheitsfachkräften eine wichtige Rolle zu.


„Komplexe Probleme wie Long/Post-COVID benötigen differenzierte Konzepte und eine professionelle Umsetzung.“
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Angelika Baldus – Hauptamtlicher Vorstand DVGS


Professor Huber ergänzt: „Alle von Long/Post-COVID-Betroffenen benötigen eine auf ihre individuelle Symptomatik abgestellte Form der Bewegungstherapie. Sie müssen vor allen Dingen lernen, wie sie die eigenen Kräfte einteilen können, um Bewegung in den Alltag integrieren zu können, ohne sich dabei zu über- oder auch zu unterfordern.

Hier sollten Fachkräfte Betroffenen mit Rat und Tat zur Seite stehen, aufklären und bestehende Unsicherheiten abbauen. (Mehr im exklusiven 'DVGS-Experteninterview')

Mehr zum Thema auf dem AK 2022

Auf dem Aufstiegskongress 2022 im m:con Congress Center Rosengarten werden Prof. Dr. Arne Morsch (Fachbereichsleiter Gesundheitsförderung DHfPG und BSA-Akademie) und Dr. med. Jürgen Rissland (Leitender Oberarzt am Zentrum für Infektionsmedizin am Universitätsklinikum des Saarlandes (UKS)) in ihrem Vortrag 'Körperliche Aktivität und Long-COVID' am 8. Oktober 2022 die Potenziale eines individualisierten körperlichen Trainings zur Krankheitsbewältigung vorstellen.

Der Vortrag beleuchtet zum einen die Long/Post-COVID-Problematik aus medizinischer Sicht und stellt zum anderen ein innovatives wissenschaftliches Studiendesign zu den Effekten eines individualisierten Trainings in Fitness- und Gesundheitseinrichtungen vor.


„Alleine schon aus Gründen der besseren Alltagsbewältigung spielt beim Long/Post-Covid-Syndrom eine angemessene körperliche Aktivierung irgendwann im Krankheitsprozess eine wichtige Rolle. Wir werden daher eine Studie zu den Effekten eines individualisierten Trainings in Fitness- und Gesundheitseinrichtungen durchführen.“
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Prof. Dr. Arne Morsch – Fachbereichsleiter Gesundheitsförderung DHfPG & BSA-Akademie


Ziel sei es, „die dort gemachten Erkenntnisse in die Praxis zu übertragen und Sport- und Bewegungstherapeut:innen eine Art Leitfaden für die Betreuung von Long/Post-Covid Betroffenen an die Hand geben zu können“, so Morsch abschließend.

Mehr zum Thema: 'Gesund bleiben durch Fitnesstraining' & 'Abhandlung Gesundheitsförderung'

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Für fitness MANAGEMENT berichtet

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