Corona, Fitness, Markt, Anzeige | Autor: Anke Sörensen |

fM-Interview mit LifeFit Group zur Entscheidung des Verwaltungsgerichts Hamburg

Im Gespräch mit Martin Seibold, CEO der LifeFit Group, und Christophe Collinet, CCO der LifeFit Group, lassen wir Entscheidung des Verwaltungsgerichts Hamburg vom 10. November 2020 Resümee passieren. Was das Verfahren für die Fitness-Kette bedeutet, warum der Beschluss trotz vorerst ausgesetzter Wiedereröffnung eine wichtige Signalwirkung hat und wie effektive Hygienemaßnahmen in den Studios ein sicheres Training ermöglichen, lesen Sie in unserem Interview.

Exklusives Interview mit Martin Seibold und Christophe Collinet, LifeFit Group

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Die wichtigsten Themen des Exklusiv-Interviews in Kürze:

  • Martin Seibold und Christophe Collinet werten trotz Schließung Beschluss des Verwaltungsgerichts als positives Signal.
  • Fitnessstudios sollten als Teil der Lösung der Pandemie betrachtet werden.
  • LifeFit Group kämpft weiter für Wiedereröffnung trotz des zweiten Lockdowns.
  • Lockdown führt zu enormen finanzielle Einbußen für Betreiber von Fitnessstudios und Mitgliederschwund.
  • Wirtschaftliche Maßnahmen der Poltik zeigen, dass Geschäftsmodell nicht verstanden wird.

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fM: Am 10. November 2020 kam der Beschluss des Verwaltungsgerichts in Hamburg: Demnach sah es kurzzeitlich so aus als dürften acht der Fitness-Anlagen der LifeFit Group trotz Lockdowns wiedereröffnen. Was bedeutet das für Sie?

Martin Seibold: Unser Erfolg in erster Instanz ist ein großartiges Zwischenergebnis und ein positives Signal an die ganze Branche. Wir werten die Entscheidung als Bestätigung, dass Fitnessstudios ein Teil der Lösung in der Corona-Pandemie sein können – und nicht als Teil des Problems betrachtet werden sollten.

Unser Ziel ist es, die Diskussion weiter zu befeuern, um die Wiedereröffnung von Fitnessstudios zu erwirken. Außerdem hoffen wir, dass sie in möglichen zukünftigen Wellen geöffnet bleiben dürfen, wie es in Holland und der Schweiz schon geschehen ist.

Dazu rufen wir alle in der Branche auf, sich zu verbünden und proaktiv zu sein. Jeder kann hier durch Beziehungen zu Medien und Politik helfen. Wir werden die Marke Fitness First weiter als Zugpferd nutzen. (Lesen Sie dazu auch: 'Studios bleiben zu' und 'Gegen Lockdown light'.)



fM: Das Oberverwaltungsgericht Hamburg hat im Anschluss eine Verfügung erlassen und den Beschluss des Verwaltungsgericht damit vorerst wieder gekippt. Wie schätzen Sie die Chancen ein, auch vor dem Hintergrund, dass ähnlich Klagen bspw. in Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Niedersachsen abgelehnt wurden?

Christophe Collinet: Wir hoffen, dass das Hamburger Urteil wegweisend für weitere Bundesländer sein wird. Der Trend der bisherigen Urteile und die Reaktion der Politik darauf spricht allerdings nicht für eine schnelles Ende des Lockdowns für Fitnessstudios in Deutschland.

In Bayern wurde ebenfalls ein Urteil gefällt, dass die vollständige Schließung von Fitnessstudios für rechtswidrig erklärt hat. Daraufhin hat Bayern am Folgetag Indoor-Sport komplett verboten. Wir haben also noch einen langen Weg vor uns, sind aber dennoch hoffnungsvoll.


„Unser Ziel ist es, den 12 Millionen Menschen, die Mitglied in einem Fitnessstudio sind, sobald wie möglich den Zugang zum Training wieder zu ermöglichen.“
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Martin Seibold, CEO LifeFit Group


Eine europaweite Studie hat gezeigt, dass die Infektionsraten in Fitnessstudios sehr niedrig sind. Auch unsere Daten von den unterschiedlichen Marken der LifeFit Group bestätigen, dass die durchdachten Schutz- und Hygienemaßnahmen ihre Wirkung zeigen. (Lesen Sie dazu auch: 'Studios sind sicher'.)

Wir alle wissen, dass Training im Fitnessstudio zahlreiche positive gesundheitliche Effekte hat, das Immunsystem stärkt und damit auch Infektionskrankheiten verhindern kann.

fM: Wie sind die Rückmeldungen Ihrer Mitglieder zu diesem Verfahren. Wollen diese wieder zeitnah zurück ins Studio kommen und trainieren?

Christophe Collinet: Leider können wir die Fitness First Clubs so lange nicht wiedereröffnen, bis das Oberverwaltungsgericht die Beschwerde der Stadt Hamburg gegen das Urteil bearbeitet hat und über das weitere Vorgehen entscheidet. Das kann bis zum 24. November dauern.

Die überwältigende Mehrheit unserer Mitglieder und Interessenten reagiert sehr positiv auf das Urteil und begrüßt eine Wiedereröffnung der Studios. Aber es gibt auch kritische Stimmen. Das Thema ist sehr persönlich und emotional und es ist wichtig, dass wir alle das in unseren Bemühungen beachten.

fM: Sie sprachen in Ihrer Pressemitteilung vom 10. November 2020 von einem „großartigen Zwischenergebnis“. Wie wird es weitergehen, wenn Sie die Anlage doch nicht öffnen können?

Martin Seibold: Wir setzen uns in allen Bundesländern mit weiteren Vertretern der Fitnessbranche dafür ein, die Fitnessstudios wieder öffnen zu können. Unser Ziel ist es, den 12 Millionen Menschen, die Mitglied in einem Fitnessstudio sind, sobald wie möglich den Zugang zum Training wieder zu ermöglichen – und ihnen damit die Möglichkeit zurückzugeben, sich fit und gesund zu halten.

Dafür werden wir kämpfen und halten uns bereit, indem wir grundsätzlich in der Lage sind, innerhalb von 48 Stunden markenübergreifend jeden unserer Clubs wieder zu öffnen. Das ist durchaus mit organisatorischem Aufwand verbunden.



fM: Wie schätzen Sie die weitere Entwicklung des zweiten Lockdowns ein und welche Auswirkungen wird dieser für die Branche und die deutsche Bevölkerung haben?

Martin Seibold: Es bleibt abzuwarten, wie sich der zweite Lockdown weiter entwickeln wird. Wir sind weitaus positiver gestimmt, als noch zu Beginn des Lockdowns und dessen Verkündung Ende Oktober.

Der Beschluss des Verwaltungsgerichts und die erste Entscheidung in Hamburg zeigen, dass die erheblichen Anstrengungen der Fitnessbranche anerkannt werden, die durch effektive Hygienemaßnahmen in den Studios sicheres Training ermöglichen, sodass flächendeckende Studioschließungen nicht erforderlich sind.

Die Auswirkungen eines jeden Lockdowns sind für die Fitnessbranche und die Bevölkerung enorm. Der November ist nach dem Januar der für die Branche wichtigste Monat, um Neumitglieder zu gewinnen. Das ist durch den Lockdown nun nicht möglich und wir werden diese fehlenden Mitgliedschaften kurzfristig nicht wieder aufholen können.

Durch den ersten und nun zweiten Lockdown ergeben sich erhebliche finanzielle Einbußen für alle Betreiber, die sich vor allem auch längerfristig über die kommenden Jahre auswirken. Die staatlichen Hilfen – die nur die Lockdown-Monate berücksichtigen, anstelle des Umsatzausfalls für die Dauer der verlorenen Neuverträge und gestiegene Kündigungen – zeigen, dass die Politik unser Geschäftsmodell nicht verstanden hat.

Das bleibt nicht ohne gravierende Folgen für die Branche – vor allem im kommenden Jahr. Schon jetzt schätzt man, dass die deutsche Fitnessindustrie allein in diesem Jahr fast 1,5 Milliarden Euro Umsatzausfälle zu verkraften hat. Die Studios werden mit bis zu 20-25 Prozent weniger Mitgliedern ins Jahr 2021 starten als im Vorjahr – und das auf gleicher Kostenbasis. Das wird nicht jeder Betreiber stemmen können.


„Die deutsche Fitnessindustrie hat allein in diesem Jahr
fast 1,5 Milliarden Euro Umsatzausfälle zu verkraften.“
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Martin Seibold, CEO LifeFit Group


Für die Bevölkerung bedeutet der zweite Lockdown zunächst wieder eine Unterbrechung ihres Trainings, das sie doch eigentlich stärkt und fit macht, Krankheiten vorbeugen kann oder bestehende Beschwerden therapiert.

Gerade den im Fokus stehenden Risikogruppen (30-40% der Bevölkerung) wird die Chance genommen, sich durch Training besser zu schützen. Home-Workouts ohne die notwendigen Geräte und persönliche Betreuung sind hier nur ein schwacher Ersatz, ganz zu schweigen von der fehlenden Motivation, sich aufzuraffen vor dem Fernseher im Wohnzimmer zu trainieren.

Es ist offensichtlich, dass dies in Zukunft große Kosten für das Gesundheitssystem zur Folge haben wird. Allein aus diesem Grunde ist unsere Branche systemrelevant.

Wir sind der festen Überzeugung, dass die Aussichten für die Fitnessbranche – aufgrund  eines gesteigerten Bewusstseins für die Stärkung des Immunsystems und die Gesundheit im Allgemeinen, gepaart mit dem Vernachlässigen von Aktivität in diesem Jahr – mittelfristig sehr positiv sind. Jetzt heißt es, durchzuhalten und gemeinsam die Aufmerksamkeit zu erhöhen.

fM: Wie sieht das Hygienekonzept vom 22. Oktober 2020 aus, das in diesem Beschluss genannt wird? Wird dieses Konzept standardmäßig in allen Anlagen der LifeFit Group umgesetzt?

Christophe Collinet: Das Hygienekonzept beinhaltet, unter anderem, folgende Maßnahmen:

  • Berücksichtigung von bundesländerspezifischen Gesetzen und Anforderungen im Konzept. (-> Gewährleistung des aktuellen Verordnungsstandes der einzelnen Bundesländer durch unseren Partner Dekra)
  • Sicherstellung von Schulungen der Mitarbeiter:innen zur vollumfänglichen Anwendung und Umsetzung des Schutz- und Hygienekonzeptes und zu Covid-19.
  • Verpflichtende Händedesinfektion bei Betreten des Studios. Desinfektionsspender an allen Knotenpunkten des Clubs. Bereitstellung von Flächendesinfektion an mehreren Stationen im Club.
  • Konsequente Maskenpflicht im Club. Der Mindestabstand von 1,5 m wird darüber hinaus noch gewährleistet.
  • Umsetzung der Kampagne "Safety First" – Abstand zwischen den Geräten durch Sperrung von Trainingsgeräten oder Umstrukturierung in den Studios zu jeder Zeit gewährleistet.
  • Kapazitätsbegrenzung in jedem Studio mit Tracking der Mitgliederzahlen im Club.
  • Kursteilnahme nur mit vorheriger Anmeldung möglich. Teilnehmerzahl reduziert und begrenzt.
  • Dampfbäder sind gesperrt. Starke Kapazitätsbegrenzung in Schwimmbad und Sauna mit Sicherstellung des Mindestabstandes.
  • Mehrfach täglich Reinigung und Desinfektion durch externen Reinigungsdienstleister.
  • Umsetzung eines einheitlichen Lüftungskonzeptes orientiert an den Empfehlungen des Verbandes und der Berufsgenossenschaft.
  • Selbstüberwachung durch externe Audits (Dekra) hinsichtlich der Einhaltung bzw. Umsetzung des Schutz- und Hygienekonzeptes.

Die Basis des Konzepts sowie grundlegende Inhalte sind in allen Anlagen der LifeFit Group gleichermaßen umgesetzt. Konkrete Maßnahmen sind individuell auf die Marke bzw. das entsprechende Trainingskonzept zugeschnitten.

fM: Danke für das Interview.

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