Noch nie war der Zugang zu Fitness so einfach wie heute. Trainingspläne lassen sich per Knopfdruck abrufen, Künstliche Intelligenz analysiert Körperdaten, Apps begleiten jede Trainingseinheit und soziale Netzwerke liefern täglich neue Motivation. Gleichzeitig wächst das Bedürfnis vieler Menschen nach etwas, das sich nicht digitalisieren lässt: echten Begegnungen, persönlichem Austausch und dem Wunsch, dazuzugehören.
Darin liegt eine große Chance für Fitness- und Gesundheitsanlagen. Während sich Geräte, Software und Trainingskonzepte verschiedener Anbieter aus Sicht der Mitglieder ähneln, entwickelt sich Community zum entscheidenden Differenzierungsmerkmal. Mitglieder entscheiden sich längst nicht mehr ausschließlich aufgrund der Geräteausstattung oder des Kursangebots für ein Studio, sondern bleiben dort, wo sie sich willkommen fühlen, Beziehungen entstehen und sie Teil einer Gemeinschaft werden. Damit verändert sich auch die Rolle der Mitarbeitenden. Trainerinnen und Trainer vermitteln heute weit mehr als Trainingswissen. Sie sind Gastgeber, Motivatoren und Bindeglied zwischen den Menschen. Gerade in Zeiten zunehmender Digitalisierung wird ihre Fähigkeit, Beziehungen aufzubauen, zu einem der wichtigsten Erfolgsfaktoren moderner Studios.
Gemeinschaft schafft wirtschaftlichen Mehrwert
Die Zahlen sind eindeutig. Mit 12,36 Millionen Mitgliedern erreicht die deutsche Fitnessbranche 2026 einen historischen Höchststand (DSSV, 2026). Gleichzeitig wächst der Wettbewerb innerhalb der Branche. Discountanbieter, Premiumclubs, Boutiquestudios, Firmenfitness, digitale Plattformen und hybride Trainingsangebote konkurrieren um dieselbe Zielgruppe. Trainingsangebote allein reichen nicht mehr aus, um sich dauerhaft vom Wettbewerb abzuheben.
Je ähnlicher sich Angebote werden, desto wichtiger werden nicht kopierbare Faktoren wie die emotionale Bindung der Mitglieder. Der Aufbau einer starken Community zahlt sich auch wirtschaftlich aus. Internationale Benchmarkdaten zeigen, dass Studios mit einer hohen Mitgliederbindung nicht nur bessere Retentionraten erzielen, sondern auch häufiger weiterempfohlen werden und eine höhere Trainingsfrequenz verzeichnen (Health & Fitness Association, 2025). Community ist deshalb längst kein „weiches“ Imagethema mehr, sondern entwickelt sich zu einem wirtschaftlichen Erfolgsfaktor.
Menschen haben ein grundlegendes Bedürfnis nach sozialer Zugehörigkeit. Bereits die Maslowsche Bedürfnispyramide beschreibt soziale Beziehungen als elementare Voraussetzung für Motivation und Wohlbefinden (Maslow, 1943). Fitnessstudios können dieses Bedürfnis in besonderer Weise erfüllen, indem sie körperliche Aktivität mit Begegnungen, gemeinsamen Erlebnissen und gegenseitiger Unterstützung verbinden. Wer sich als Teil einer Gemeinschaft erlebt, entwickelt Vertrauen – und Vertrauen schafft Loyalität. Darin liegt ein Wettbewerbsvorteil. Erfolgreiche Studios schaffen Identifikation. Mitglieder werden Teil einer Community, die über den eigentlichen Trainingsprozess hinausgeht. Diese emotionale Verbindung kann demnach zum Alleinstellungsmerkmal eines Studios werden.
Die Generation Fitness sucht mehr als Training
Besonders deutlich zeigt sich diese Entwicklung bei den jüngeren Zielgruppen. Vor allem die Gen Z aber auch die Generation Y prägen das Wachstum der Fitnessbranche maßgeblich. Fitness ist für viele von ihnen längst Bestandteil ihres Lebensstils und Ausdruck ihrer Persönlichkeit (Capelan & Marx, 2025). Entsprechend verändern sich die Erwartungen an Fitnessstudios. Moderne Geräte und ein attraktiver Gerätepark werden vorausgesetzt, entscheidend aber ist das Erlebnis vor Ort. Das Studio wird zum sozialen Treffpunkt und festen Bestandteil ihres Alltags (Corsten, 2025; Thum, 2026). Dort wird trainiert, gearbeitet, kommuniziert und Zeit mit Freunden verbracht.
Die von ABC Fitness und ClubIntel herausgegebene Studie „The Gen Z Fitness Consumer“ zeigt, dass soziale Interaktion, Gemeinschaft und persönliche Beziehungen zu den wichtigsten Kriterien bei der Wahl eines Studios gehören. Junge Mitglieder möchten wahrgenommen werden. Sie wünschen sich Mitarbeitende, die sie kennen, gemeinsame Aktivitäten und eine Atmosphäre, in der Kontakte entstehen können (ABC Fitness & ClubIntel, 2025). Zu ähnlichen Ergebnissen kommt „So tickt die Gen Z“, der Report von Les Mills: Gruppentraining, Challenges und gemeinsame Erlebnisse steigern die Motivation und Trainingshäufigkeit deutlich. Dabei wird die Community zum eigentlichen Motivator. Das Training bekommt damit eine soziale Dimension, die weit über den sportlichen Nutzen hinausgeht (Les Mills, 2023).
Diese Entwicklung beschränkt sich jedoch nicht auf die Generation Z. Auch ältere Zielgruppen schätzen Community als wichtigen Bestandteil ihres Trainings, schließlich wird Einsamkeit für viele Menschen zum Problem. Persönliche Kontakte tragen wesentlich zur Trainingsmotivation bei, etwa ein Gesundheitstraining, dem ein gemeinsames Kaffeetrinken folgt. Wer sich im Studio aufgehoben fühlt, erscheint regelmäßiger zum Training und bleibt dem Anbieter häufig länger treu.
Die Ergebnisse der Fitnesstypenstudie 2024 (Kobel & Küstner, 2024) zeigen, dass für alle Typen ein „gutes Verhältnis zwischen Mitarbeitern und Trainierenden“ viel wichtiger ist als „nette Mittrainierende“, ebenso wichtig ist der Faktor „Personal empathisch“. Das Team braucht demnach vor allem emotionale Intelligenz im richtigen Umgang mit unterschiedlichen Kundentypen und spielt eine wesentliche Rolle, wenn der soziale Aspekt des Trainings bedient wird.
Community entsteht nicht auf Events
Viele Studiobetreibende denken beim Begriff Community zunächst an Sommerfeste, Laufgruppen oder Events für die Mitglieder. Solche Angebote können eine Gemeinschaft stärken, sie aber nicht erzeugen. Community entsteht im Alltag und beginnt, sobald ein Interessent das Studio betritt. Bereits das Onboarding kann darüber entscheiden, ob sich ein neues Mitglied willkommen fühlt oder anonym bleibt. Wer beim ersten Training allein auf die Trainingsfläche geschickt wird, findet möglicherweise schwer Anschluss. Wer dagegen persönlich begrüßt, anderen Mitgliedern vorgestellt oder von Beginn an in bestehende Gruppen integriert wird, kann besser Vertrauen aufbauen. Damit wird das Onboarding zur ersten communitybildenden Maßnahme im Studio.
Oft sind die kleinen Situationen des Studioalltags entscheidend. Eine Trainerin, die sich an den Namen erinnert, oder ein kurzes Gespräch zwischen den Mitgliedern nach dem Kurs schaffen eine Bindung an das Studio und sorgen dafür, dass Mitglieder sich wohlfühlen. Solche Momente können beeinflussen, ob sich aus einem Probetraining eine langfristige Mitgliedschaft entwickelt. Erfolgreiche Studios überlassen solche Begegnungen nicht dem Zufall, sondern schaffen Strukturen, die persönliche Kontakte fördern. Denn Community entsteht dort, wo Mitarbeitende Begegnungen ermöglichen.
Damit verändert sich auch das Berufsbild der Trainerinnen und Trainer. Neben Trainingswissenschaft, Anatomie und Coaching gewinnen soziale Kompetenzen zunehmend an Bedeutung. Kommunikationsfähigkeit, Empathie und die Fähigkeit, Menschen miteinander zu vernetzen, werden zu Schlüsselqualifikationen. Trainer werden zu Gastgebern einer Gemeinschaft, deren Qualität über die emotionale Bindung der Mitglieder entscheidet. Aus Trainingsbetreuung wird Community Building.
Gemeinschaft braucht Struktur
So wertvoll persönliche Begegnungen sind – sie entstehen in erfolgreichen Studios selten zufällig. Gemeinschaft braucht Prozesse, Verantwortlichkeiten und Kontinuität.
Dazu gehören ein professionelles Onboarding ebenso wie feste Ansprechpartner, regelmäßige Communityevents, digitale Kommunikationsformate, Mitgliederchallenges oder Patensysteme für Neumitglieder. Ebenso wichtig sind regelmäßige Erfolgsgeschichten aus der Community, Feedback-Formate und Möglichkeiten, Mitglieder aktiv in die Weiterentwicklung des Studios einzubeziehen.
Entscheidend ist dabei weniger die Anzahl der Maßnahmen als ihre Konsequenz. Community entsteht nicht durch einzelne Highlights, sondern durch viele kleine Berührungspunkte, die sich im Alltag zu einem Gesamterlebnis verbinden. Jede Begrüßung, jedes Gespräch und jede gemeinsame Aktivität zahlt auf dieses Konto ein.
Gerade deshalb lässt sich Community auch nicht kurzfristig aufbauen, sondern wächst über Monate und Jahre. Je konsequenter Mitarbeitende Gemeinschaft fördern, desto unabhängiger wird sie von einzelnen Persönlichkeiten und desto stärker prägt sie die Kultur eines Studios.
Fazit
Die Fitnessbranche investiert derzeit stark in Digitalisierung, Künstliche Intelligenz und neue Trainingskonzepte. Diese Aspekte können jedoch zwischenmenschliche Beziehungen nicht ersetzen. Obwohl Training an vielen Orten möglich ist – im Studio, zu Hause oder unterwegs – gewinnt der Ort an Bedeutung, an dem Menschen Gemeinschaft erleben. Das Fitnessstudio entwickelt sich vom Trainingsanbieter zum sozialen Treffpunkt, an dem der Wunsch nach Gesundheit, Motivation und Begegnung zusammenkommen.
Für Betreiber bedeutet das einen Perspektivwechsel. Die wichtigste Investition der kommenden Jahre betrifft nicht allein Geräte oder Software, sondern die Menschen, die das Studio jeden Tag mit Leben füllen. Trainerinnen und Trainer sind heute weit mehr als Bewegungsexperten. Sie schaffen Vertrauen, fördern Beziehungen und geben einem Studio Persönlichkeit. Sie sind Gastgeber, Netzwerker und Identifikationsfiguren zugleich. Eine gewachsene Community entsteht dort, wo Menschen andere Menschen begeistern. Genau deshalb wird sie in einer zunehmend digitalisierten Fitnessbranche zum nachhaltigen Wettbewerbsvorteil – und einem der wichtigsten Erfolgsfaktoren im Personalmanagement.
So geht es weiter:
In der nächsten Ausgabe folgt „Erfolg durch Personal, Teil 5: Soziale und emotionale Aspekte der Personalqualifikation“.
Weitere Artikel aus der Reihe
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Auszug aus der Literaturliste
ABC Fitness & ClubIntel (Hrsg.). (2025). The Gen Z Fitness Consumer. The Complete Guide.
Capelan, R. & Marx, J. (2025). Die Generation Fitness. fitness MANAGEMENT international, 4 (180), 72–76.
DSSV e. V. – Arbeitgeberverband deutscher Fitness- und Gesundheits-Anlagen (Hrsg.). (2026). Eckdaten der deutschen Fitnesswirtschaft 2026. Hamburg: Hrsg.
Health & Fitness Association (Hrsg.). (2025) 2025 Fitness Industry Benchmarking Report. Boston, MA
Kobel, S. & Küstner, A. (2024). Typologie der Fitnesstreibenden 2024. Deutsche Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement (DHfPG)
Les Mills (Hrsg.). (2023). So tickt die Gen Z: Brandneuer Report lüftet Geheimnisse.
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Diesen Artikel kannst du folgendermaßen zitieren:
Sörensen, Anke (2026). Die Community. fitness MANAGEMENT international, 4 (186), 74–77.






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