Marcel Kloos im Interview: „Mitglieder investieren heute in ein Erlebnis“

Marcel Kloos erklärt, wie Design, Recovery, Community, KI und lokale Bedürfnisse die Trainingsflächen im Premiumsegment künftig verändern.
Lesezeit: 7 Minuten
-Anzeige-
Mann im schwarzen Oberteil neben einer modernen Trainingsfläche mit Laufbändern.
Marcel Kloos ordnet die Entwicklung der Trainingsfläche aus Sicht der David Lloyd Clubs ein
Acht Millionen Euro investiert David Lloyd in die Modernisierung seines Clubs in Hamburg-Alstertal. Deutschlandgeschäftsführer Marcel Kloos erklärt, warum im Premiumsegment neben der Ausstattung auch Design, Recovery, Community und digitale Angebote wichtiger werden – und weshalb erfolgreiche Trainingsflächen künftig stärker auf unterschiedliche Mitgliederbedürfnisse und lokale Anforderungen zugeschnitten sein müssen.

fM: David Lloyd investiert acht Millionen Euro in die Modernisierung des Clubs Hamburg Alstertal. In derselben Region wurde 2025 der Fitnessbereich des Aspria für über 1,4 Millionen Euro modernisiert. Welche Entwicklungen im Premiumfitnessmarkt und veränderten Kundenbedürfnisse waren dafür ausschlaggebend?

Marcel Kloos: Deutschland bleibt ein Markt, in dem unsere Mitglieder einen hohen und weiterwachsenden Qualitätsanspruch haben. Von einem Premiumanbieter erwarten sie heute nicht mehr nur erstklassige Ausstattung, sondern ein Gesamterlebnis, das in seiner Qualität, seinem Design und seinem Service wirklich überzeugt.

Was sich dabei fundamental verändert hat: Die Frage, die sich unsere Mitglieder stellen, lautet längst nicht mehr nur „Was kann ich hier trainieren?“, sondern „Wie fühle ich mich hier?“. Wer einen Club betritt und sich sofort wohlfühlt, trainiert anders, bleibt länger, kommt wieder. Design ist deshalb kein dekoratives Element mehr, sondern ein strategischer Bestandteil der Member Experience. Das alles ist in die Planung unseres David Lloyd Meridian-Clubs in Hamburg-Alstertal eingeflossen, um neue, zeitgemäße Maßstäbe zu setzen.

Wir schaffen Räume, die Menschen dabei unterstützen, gesünder zu leben, sich besser zu fühlen und Teil einer starken Community zu werden.

Parallel wurde in den Aspria Club Alstertal umfassend investiert, um das Qualitätsniveau vollständig an die Standards der David Lloyd-Familie anzugleichen. Mit der Integration der Aspria-Clubs und der David Lloyd Meridian-Clubs wird das David Lloyd-Portfolio auf insgesamt 149 Clubs erweitert und weiter gestärkt.

David Lloyd investiert aktiv in die Aspria-Clubs, modernisiert die Einrichtungen, entwickelt die Serviceangebote weiter und verbessert das gesamte Mitgliedererlebnis, um sicherzustellen, dass die Clubs den Premiumstandards der David Lloyd-Gruppe entsprechen. Dies unterstreicht das klare Bekenntnis zu den bestehenden Mitgliedern ebenso wie zu zukünftigem Wachstum und festigt die Position von David Lloyd als einem der führenden Premiumanbieter im Bereich Health, Fitness und Wellness.

Wodurch zeichnet sich eine zukunftsfähige Trainingsfläche im Premiumsegment heute aus? Welche Faktoren sind entscheidend, damit Mitglieder ein Studio als „Place to be“ wahrnehmen?

Die Zukunft erfolgreicher Clubs wird nicht nur über die Anzahl der Geräte entschieden, sondern auch über die Qualität des Erlebnisses. Unsere Aufgabe ist es, Räume zu schaffen, die Menschen dabei unterstützen, gesünder zu leben, sich besser zu fühlen und Teil einer starken Community zu werden.

Wichtig ist für uns dabei vor allem auch Platz zum Atmen zu lassen – das nehmen wir wortwörtlich: Wir erlauben uns und unseren Mitgliedern bewusst Freiräume zwischen den Geräten. Raum, der nicht vollgestellt ist, sondern Weite lässt. Das klingt simpel, ist es aber nicht: Gerade dieser Verzicht auf das Maximum an Quadratmeterauslastung unterstreicht unseren Premiumansatz.

Sie sprechen von einem ganzheitlichen Wellbeing-Ansatz. Wie verändert dieser Anspruch die Planung und Organisation moderner Trainingsflächen?

Wir planen Trainingsflächen vielseitiger und achten auf eine höhere Flexibilität. Neben klassischen Bereichen für Kraft und Cardio, Functional Training und Mobility gewinnen gerade Regeneration, Entspannung und gesundheitsorientierte Angebote zunehmend an Bedeutung. Mitglieder erwarten Räume, die unterschiedliche Bedürfnisse abdecken – von leistungsorientiertem Training bis hin zu Stressabbau und Erholung.

Unsere Clubs haben hier durch ihr großes Wellbeing- und Massageangebot schon immer viel Wert auf die Balance gelegt. Recovery hält jetzt aber auch auf der Trainingsfläche Einzug. Die Verbindung von Training, Gesundheit und Lifestyle spielt eine immer größere Rolle. Wir schaffen Bereiche, die Bewegung, Recovery und soziale Interaktion miteinander verbinden. Die Trainingsfläche wird nicht mehr isoliert betrachtet, sondern als Teil eines ganzheitlichen Ökosystems aus Fitness, Wellness, Ernährung und Community.

Über den Interviewpartner

Marcel Kloos

Marcel Kloos

Nach seinem International Tourism Management Studium begann er seine Karriere in der Freizeit- und Dienstleistungsbranche. Marcel Kloos übernahm zahlreiche Führungspositionen bei international tätigen Unternehmen und sammelte umfassende Erfahrungen in den Bereichen Freizeit, Entertainment, Fitness und Premiumlifestyle, u. a. bei Merlin Entertainments und der RSG Group.

Seit 2025 ist er Country Director und Geschäftsführer von David Lloyd Clubs und David Lloyd Meridian Spa & Fitness in Deutschland. In dieser Funktion verantwortet er die strategische Weiterentwicklung der deutschen Standorte und setzt sich für innovative Gesundheits-, Fitness- und Wellnessangebote sowie herausragende Mitgliedererlebnisse ein.

Foto: Tim Hemsen

Die flexible Nutzung stellt uns hier aber auch vor Herausforderungen und wir legen noch mehr Fokus auf die Planung unserer Programme: Wann ist die richtige Zeit im Club für ein HYROX-Workout auf der Fläche und wann stehen die Bedürfnisse anderer Trainierender im Vordergrund?

Die Frage lautet heute nicht nur: Welche Geräte stellen wir auf die Fläche? Sondern auch: Wie gestalten wir eine Umgebung, die Gesundheit, Bewegung, Regeneration und Gemeinschaft optimal miteinander verbindet?

Welche Rolle spielen Design, Aufenthaltsqualität und digitale Erlebnisfaktoren heute und wie haben sich die Erwartungen der Mitglieder verändert?

Unsere Mitglieder kaufen keine Mitgliedschaft mehr – sie investieren in ein Erlebnis. Je besser wir Training, Wellbeing, Design und digitale Services miteinander verbinden, desto stärker werden Motivation, Zufriedenheit und langfristige Bindung.

Design ist längst kein dekoratives Element mehr, sondern ein strategischer Bestandteil der Member Experience.

Neben den Trainingsflächen trifft das besonders auf unsere Wellnessbereiche zu und ganz entscheidend sind die funktionellen Bereiche des Clubs wie Duschen und Umkleiden – Bereiche, die man auf jeden Fall bei jedem Besuch benutzt; Materialien, die man bei jedem Besuch anfasst.

Auch die Anforderungen haben sich geändert. In jedem neu geplanten Club werden z. B. Damensaunen fließend in die großzügigen Wellnessbereiche eingeplant, statt nur als „Add-on-Box“ in der Damenumkleide.

Nach welchen Kriterien werden Trainingsbereiche heute geplant?

Bei der Planung unserer Fitnessflächen stehen Trainingsfluss und Orientierung im Vordergrund. Die Fläche muss einfach sein. Eine leichte Orientierung ist entscheidend. Wir haben frühzeitig mit der Implementierung moderner Clubrooms und Lounges begonnen und sehen eine immer stärkere Nutzung durch unsere Mitglieder vor und nach dem Training. Unsere Trainerinnen und Trainer bringen Kursteilnehmer bewusst auch nach dem Workout zusammen. Uns ist wichtig, dass die soziale Verbindung über den Kursraum hinaus aufgebaut werden kann. Hieraus sind Formate wie „BLAZE and Bubbles“ entstanden, bei denen das Workout nach dem Kurs in einer Lounge ausklingt. Das Erlebnis wird somit verlängert und Verbindungen gestärkt.

Weitere Interviews und Hintergründe

In weiteren Interviews sprechen Tom Geppert und Alicia Goetze über das optimale Trainingserlebnis.

Lies außerdem unseren Artikel „Die Zukunft der Trainingsfläche“ als Einstieg zum Interview.

Indem du auf das entsprechende Bild oberhalb dieses Textes klickst, gelangst du direkt zum jeweiligen Artikel.

Mit HYROX integrieren Sie nun ein stark performance- und communityorientiertes Trainingskonzept. Welche Rolle werden solche Formate künftig spielen?

HYROX ist ein sehr gutes Beispiel dafür, wie sich die Erwartungen von Mitgliedern an moderne Fitnessclubs verändern. Menschen suchen heute nicht mehr nur Zugang zu Geräten oder Kursen, sondern Erlebnisse, klare Ziele und eine Community, mit der sie sich identifizieren können. Es ist auch ein Beispiel, wie wir auf unsere Mitglieder hören. Die HYROX-Athleten in unseren Clubs wurden immer sichtbarer und mehr, da war es ein logischer Schritt, unser Angebot zu erweitern. Die Zukunft der Fitnessbranche liegt nicht nur im Zugang zum Training, sondern in der Schaffung von Erlebnissen, Gemeinschaft und messbaren Erfolgen. Genau dafür stehen Konzepte wie HYROX.

Welche Rolle werden smarte Trainingssysteme künftig spielen?

Digitalisierung, KI und datenbasierte Trainingssteuerung werden in den kommenden Jahren eine zentrale Rolle in der Fitness- und Gesundheitsbranche spielen. Wir sind erst am Anfang der Reise. Die aktuellen Lösungen zeigen bereits, wie individuelle
Betreuung durch intelligente Systeme unterstützt werden kann. Wichtig für uns im Premiumsegment ist, unsere Mitglieder nicht mit ihren Daten allein zu lassen.

Trainingsfläche mit Racks, Geräten, Boxsack und markierter Sprintstrecke

Der größte Mehrwert liegt darin, dass Training künftig noch stärker personalisiert wird. Durch die Erfassung relevanter Gesundheits- und Leistungsdaten können Trainingspläne präziser auf die Ziele, Voraussetzungen und den Fortschritt jedes einzelnen Mitglieds abgestimmt werden. KI-gestützte Systeme werden weiterhelfen, Trainingsprogramme kontinuierlich anzupassen, Empfehlungen in Echtzeit zu geben und Erfolge zu feiern. Vor allem schätzen unsere Mitglieder aber die Sicherheit, die ihnen die Personalisierung bietet. So öffnet sich die Trainingsfläche immer weiter neuen Zielgruppen.

Die Technologie wird kein Ersatz für unsere Trainerinnen und Trainer sein, sondern ihre Unterstützung. Daten liefern wertvolle Erkenntnisse, aber die Motivation, das Coaching und die persönliche Beziehung bleiben entscheidende Erfolgsfaktoren. Die Kombination aus intelligenten Trainingssystemen und qualifizierter menschlicher Betreuung schafft den größten Mehrwert für unsere Mitglieder.

Die persönliche Betreuung bleibt ein wichtiger Faktor im Premiumsegment. Wie verändert sich die Rolle der Trainerinnen und Trainer?

Training bleibt immer Arbeit gegen Widerstand, aber durch die Digitalisierung haben sich die Rahmenbedingungen geändert. Wir schulen unsere Trainerinnen und Trainer inzwischen immer gezielter und weiter.

Das Spektrum fängt bei Female Health an, führt darüber, wie unsere Trainierenden die Daten ihrer Wearables richtig lesen und effektiv nutzen, und geht bis zur Sensibilisierung bei der Nutzung von medizinischen Hilfsmitteln zur Gewichtsreduktion per Abnehmspritze. Hier hilft uns unsere internationale Präsenz – oft sind uns andere Märkte hier voraus.

In fünf Jahren werden die erfolgreichsten Clubs nicht die größten Trainingsflächen haben, sondern die intelligentesten.

Wie analysieren Sie, welche Bedürfnisse Mitglieder an moderne Trainingsflächen haben?

Wir führen sowohl mit unseren langjährigen Mitgliedern, aber auch mit potenziellen Neumitgliedern regelmäßig gezielte Befragungen durch.

Unser digitaler Feedbackprozess ist besonders niedrigschwellig und wird deshalb durch unsere Mitglieder besonders gern genutzt. Hier sind unsere Mitglieder unsere Augen und Ohren auf der Fläche, und sie lassen uns Weiterentwicklungspotenziale erkennen. Besonders wichtig ist uns aber auch die Einbindung unserer lokalen Teams. Die Neuplanung der Trainingsfläche wird nicht irgendwo in der Zentrale am Schreibtisch gemacht, sie entsteht gemeinsam mit dem Clubteam vor Ort.

Welche Erkenntnisse haben Sie aus der Neugestaltung des Clubs gewonnen und wie werden Trainingsflächen im Premiumfitnessmarkt in fünf Jahren aussehen?

Als internationale Gruppe haben wir bei der Neugestaltung unserer Clubs vor allem gelernt, auf den lokalen Markt zu hören und uns auf Clubebene genau anzuschauen, was für den individuellen Club und die Zielgruppen im Einzugsgebiet das richtige Produkt ist. „One concept fits all“ klingt nach der einfachen Lösung, ist aber nicht unbedingt der richtige Ansatz.

In einem Club in der City oder in sehr jungen, aufstrebenden Nachbarschaften habe ich ein anderes Nutzungsverhalten als in einem Club vor den Toren einer Metropole. Es gibt nicht mehr das eine potenzielle Mitglied für Premiumanbieter. Wir sprechen eine viel diversere Gruppe an, da bringt uns ein „One concept fits all“-Ansatz nicht weiter.

In fünf Jahren werden die erfolgreichsten Clubs nicht die größten Trainingsflächen haben, sondern die intelligentesten. Flächen, die sich an den Bedürfnissen der Mitglieder orientieren, digitale Möglichkeiten nutzen und gleichzeitig echte menschliche Begegnungen fördern.

Heller Trainingsraum mit mehreren Pilates-Reformern
Hier individuelle Kursplananalyse buchen

-Anzeige-

Für fitness MANAGEMENT berichten

Mehr von diesen Autoren

Das marea Fitness in Lingen hat das Zertifizierungsverfahren „ZertFit“ der BSA-Zert nach DIN-Norm 33961 erfolgreich absolviert und beantwortet damit zugleich...
An dieser Stelle haben wir Anfragen Ihrer Kollegen, unserer Mitglieder, zum Thema Rechte und Pflichten gegenüber Mitarbeitern gesammelt. Kurz und...
Schulung von UV-Fachpersonal: In der Wahrnehmung vieler Betreiber und auch der Öffentlichkeit ist die Schulung und Zertifizierung von UV-Fachpersonal der...

Das könnte dich auch interessieren

Moderne Trainingsfläche mit Laufbändern, Kraftgeräten und markierter Laufbahn.

Die Zukunft der Trainingsfläche

Wie sieht die Trainingsfläche der Zukunft aus? Drei Branchenakteure sprechen über Gestaltung, Betreuung, Digitalisierung und das Trainingserlebnis.
Porträt einer lächelnden Frau neben einer modernen Trainingsfläche mit Laufbändern.

Unterschiedliche Trainingswelten

Alicia Goetze erklärt, wie BFC Balance Fitness Club Raumgestaltung und persönliche Betreuung zu einem Trainingskonzept verbindet.
Porträt eines lächelnden Mannes neben einer modernen Trainingsfläche mit Laufbändern.

Mehr Vielfalt und Freiheit

FitX entwickelt seine Trainingsflächen weiter. Tom Geppert erklärt, wie Mitgliederbedürfnisse, Gerätevielfalt und Betreuung das Konzept prägen.
Innenpool des MARE Wellness & Sport mit großen Fensterfronten und Jubiläumslogo.

MARE Wellness & Sport, Schönkirchen

20 Jahre MARE Wellness & Sport: Die Premiumanlage verbindet Fitness, Wellness, Therapie und Regeneration zu einem ganzheitlichen Konzept.
Eine Frau in heller Sportbekleidung sitzt auf einem Podest und hält ein Smartphone für ein Selfie vor sich. Sie trägt große hellblaue Kopfhörer und eine Smartwatch. Unten links ist das weiße fM-Logo zu sehen.

Influencer im Studio

Mehr Reichweite, mehr Aufmerksamkeit, mehr Verantwortung: Influencer sind für Fitnessstudios Chance und Herausforderung zugleich.
Links sitzt eine Frau in hellblauer Sportbekleidung mit Smartphone und Kopfhörern auf einem Podest. Rechts sind drei runde Porträtfotos von Bernd Hoffschlag, Nils Kuprat und Roman Spitko angeordnet. Links unten befindet sich das fM-Logo.

Influencer-Marketing

Welchen Einfluss haben Influencer im Studio? Drei Interviewpartner bewerten das Phänomen und leiten strategische Ansätze für Fitnessstudios ab.