fM: Die BFC Balance Fitness Club GmbH verfügt über mehr als 30 Jahre Erfahrung in Planung, Ausstattung und Gestaltung von Fitness- und Gesundheitsanlagen. Welche Merkmale zeichnet heute eine erfolgreiche Trainingsfläche aus – gerade vor dem Hintergrund von KI, Digitalisierung und veränderten Kundenbedürfnissen?
Alicia Goetze: Eine erfolgreiche Trainingsfläche muss heute deutlich mehr leisten als reine Geräteverfügbarkeit. Aus unserer Sicht entscheidet sich Erfolg vor allem darüber, ob es gelingt, unterschiedliche Bedürfnisse sinnvoll zusammenzubringen: Trainingsqualität, Wohlfühlatmosphäre, Raumgestaltung, Betreuung und gleichzeitig ein gewisses Maß an Flexibilität und Eigenständigkeit.
Entscheidend ist die intelligente Verbindung aus persönlicher Betreuung, funktionaler Raumgestaltung und digitalen Hilfsmitteln.
Wir beobachten, dass sich die Erwartungen der Mitglieder verändert haben. Während einige sich eine sehr enge Begleitung wünschen, möchten andere möglichst selbstbestimmt trainieren, informieren sich online oder nutzen digitale Trainingsunterstützung. Eine moderne Trainingsfläche sollte beiden Ansprüchen gerecht werden und eine Balance aus Präsenz und Eigenständigkeit schaffen. Entscheidend ist eine intelligente Verbindung aus persönlicher Betreuung, funktionaler Raumgestaltung und digitalen Hilfsmitteln.
KI und Digitalisierung gewinnen dabei zunehmend an Bedeutung – beispielsweise bei Trainingssteuerung, individualisierten Empfehlungen oder administrativen Prozessen. Wir glauben jedoch nicht, dass Technologie gute Betreuung ersetzt, sondern sie vielmehr unterstützt. Je mehr Routineprozesse sinnvoll digitalisiert werden, desto mehr Zeit bleibt Mitarbeitenden für das, was aus unserer Sicht langfristig den Unterschied macht – echte Präsenz, Beziehung und individuelle Begleitung auf der Trainingsfläche.
Welchen Einfluss haben Ambiente, Design und Aufenthaltsqualität heute auf das Trainingserlebnis sowie auf die Bindung der Mitglieder an ein Studio?
Aus unserer Sicht haben Ambiente, Design und Aufenthaltsqualität heute einen sehr großen Einfluss auf das Trainingserlebnis. Gerade in einer Branche, in der Kontinuität entscheidend für den Erfolg ist, spielt das Wohlbefinden eine große Rolle. Dabei geht es nicht nur um „schönes Design“, sondern vielmehr um die Atmosphäre.
Lichtkonzepte, Raumaufteilung, Akustik, Aufenthaltsbereiche und unterschiedliche Trainingsstimmungen beeinflussen maßgeblich, ob Mitglieder gern kommen und langfristig bleiben. Gerade vor dem Hintergrund zunehmender Digitalisierung und steigender Flexibilität im Markt sind Aufenthaltsqualität und Wohlfühlcharakter aus unserer Sicht sogar noch relevanter geworden. Denn je anonymer ein Studio durch Automatisierungen wird, desto wichtiger wird der Ort selbst als Raum, in dem sich Mitglieder wohlfühlen und gern Zeit verbringen.
Mit dem neuen Club balance Westliche Höhe haben Sie 2021 ein neues Studio- und Betreuungskonzept umgesetzt. Was war der Impuls für dieses Konzept und welche zentralen Ideen standen dahinter?
Ein zentraler Impuls war die Frage, wie wir Betreuung sichtbarer, effizienter und wirksamer gestalten können – sowohl räumlich als auch organisatorisch. Die stärkere Trennung unterschiedlicher Zielgruppen und Trainingsmotive war dabei ein wesentlicher Gedanke.
Wir haben durch räumliche Trennung bewusst verschiedene Trainingswelten geschaffen, um sowohl gesundheitsorientierten Mitgliedern als auch ambitionierten Kraftsportlern ein Umfeld zu bieten, das ihren Bedürfnissen entspricht.
Über die Interviewpartnerin

Alicia Goetze
verantwortet als Mitglied der Geschäftsleitung der BFC Balance Fitness Club GmbH die drei Flensburger Standorte. Sie hat 2019 ihr duales Studium der Fitnessökonomie an der DHfPG in Hamburg erfolgreich abgeschlossen. Noch während des Studiums übernahm sie die Studioleitung im balance feminin Mürwik und erwarb kurz darauf, im Jahr 2020, die Prokura sowie Gesellschaftsanteile des Unternehmens. Neben ihrem Einstieg in die Geschäftsleitung hat sie den Aufbau des balance Westliche Höhe als Studioleiterin begleitet.
Foto: privat
Dadurch entstehen Trainingsbereiche mit unterschiedlichen Atmosphären und eigenem Charakter – von ruhig und gesundheitsorientiert bis dynamisch und leistungsbezogen. Wichtig war uns dabei, dass die Trennung nicht als solche wahrgenommen wird, sondern durch offene Übergänge ein zusammenhängendes Raumgefühl erhalten bleibt.
Gleichzeitig wollten wir uns bewusst vom klassischen „Tresenkonzept“ lösen, indem wir nur einen von allen Seiten zugänglichen Infopoint geschaffen haben. Statt Mitarbeitende hinter einem Empfang zu binden, war unser Ziel, Betreuung dorthin zu bringen, wo sie den größten Mehrwert schafft: auf die Trainingsfläche. Unser interner Leitgedanke ist dabei die DLRG-Metapher: Ähnlich wie ein Rettungsschwimmer nicht permanent eingreift, aber sichtbar präsent ist, den Überblick behält und im richtigen Moment unterstützt, verstehen wir auch die Betreuung auf der Trainingsfläche.
Gute Betreuung bedeutet aus unserer Sicht nicht, Mitglieder permanent zu „bespielen“, sondern Orientierung und Sicherheit zu geben und dann präsent zu sein, wenn Unterstützung erforderlich oder gewünscht ist. Um diese DLRG-Metapher konsequent zu leben, arbeiten wir vorrangig mit freien Betreuungsschichten auf der Trainingsfläche. Ziel ist es, Mitarbeitende nicht in Termine zu binden, sondern sichtbar präsent zu halten und Raum für spontane Mitgliederanliegen zu schaffen.
Strukturierte Betreuungstermine finden überwiegend am Wochenende in Kleingruppen statt – auch zur Stärkung des Communitygedankens. Unter der Woche setzen wir bewusst auf situative und bedarfsorientierte Betreuung direkt auf der Trainingsfläche, also genau dort, wo Unterstützung im Trainingsalltag gebraucht wird.
Wodurch unterscheidet sich das Konzept des balance Westliche Höhe konkret von klassischen Fitnessanlagen? Welche Rolle spielen dabei Themen wie Raumgestaltung, Funktionalität und Trainingserlebnis?
Mit rund 4.200 Quadratmetern Fläche und einer Deckenhöhe von etwa sechs Metern spielt die Raumgestaltung in der Westliche Höhe eine entscheidende Rolle für das Trainingserlebnis. Unser Ziel war es, einen Wow-Effekt zu schaffen und Mitglieder bereits über Architektur, Raumgefühl und Lichtkonzept zu begeistern. Auch die rund 150 Meter lange Indoorlaufbahn auf einer Zwischenebene mit Blick auf die Trainingsfläche trägt dazu bei, ein besonderes Trainingsumfeld und eine hohe Aufenthaltsqualität zu schaffen.
Weitere Interviews und Hintergründe
In weiteren Interviews sprechen Tom Geppert und Marcel Kloos über das optimale Trainingserlebnis.
Lies außerdem unseren Artikel „Die Zukunft der Trainingsfläche“ als Einstieg zum Interview.
Indem du auf das entsprechende Bild oberhalb dieses Textes klickst, gelangst du direkt zum jeweiligen Artikel.
Gleichzeitig war es uns wichtig, bewusst unterschiedliche Trainingswelten zu gestalten, in denen sich verschiedene Zielgruppen gleichermaßen wohlfühlen. In einer gesundheitsorientierten Trainingsumgebung gelten andere Anforderungen an Atmosphäre, Betreuung und Aufenthaltsqualität als in einer leistungsorientierten Athletic Area. Diese Differenzierung hilft nicht nur bei der Orientierung, sondern schafft auch ein stärkeres Zugehörigkeitsgefühl und ein individuelleres Trainingserlebnis.
Ein weiterer wesentlicher Bestandteil unseres Konzepts ist die enge Verzahnung von Fitness und Physiotherapie. Gerade vor dem Hintergrund steigender Relevanz von Themen wie Recovery, Prävention und Longevity sehen wir großes Potenzial in einem engeren Zusammenspiel beider Bereiche. Dort, wo in klassischen Versorgungsstrukturen die physiotherapeutische Behandlung häufig endet, beginnt bei uns die langfristige Trainingsbegleitung; und umgekehrt können Trainingsprozesse bei Beschwerden gezielt physiotherapeutisch begleitet werden. Genau diese Versorgungslücke wollten wir bewusst schließen.
Welche Rolle spielen digitale Tools, CRM-Systeme oder Multimedia in Ihrem Betreuungskonzept? Und wo sehen Sie künftig Potenzial für KI oder Gamification?
Digitale Tools und CRM-Systeme spielen für uns definitiv eine unterstützende Rolle in der Betreuung. Über unsere App schaffen wir beispielsweise Selfservicemöglichkeiten, bilden Trainingspläne und Kursbuchungen ab und erleichtern die Kommunikation mit unseren Mitgliedern. Auf der Trainingsfläche arbeiten unsere Trainer mit Tablets, um relevante Informationen unmittelbar in eine individuelle und situative Betreuung einfließen zu lassen.
Wir glauben nicht, dass Technologie gute Betreuung ersetzt – sie unterstützt sie.
Ergänzend bieten QR-Codes mit Erklärvideos Orientierung auf der Trainingsfläche und unterstützen dabei, Übungen verständlich und leicht zugänglich zu machen. Großes Potenzial sehen wir insbesondere im Bereich KI – allerdings nicht als Ersatz für Trainer, sondern als Unterstützung. Gerade bei Themen wie Trainingsplanerstellung, individuellen Empfehlungen oder auch Ernährungsplanung kann KI helfen, fachliche Inhalte noch personalisierter und effizienter aufzubereiten.
Die Umsetzung, Motivation und individuelle Begleitung bleibt weiterhin eine Aufgabe der Coaches vor Ort. Auch Gamification sehen wir grundsätzlich als sinnvolle Ergänzung, um Motivation und Bindung beispielsweise über Fortschrittsmessungen oder Belohnungssysteme zu fördern. Entscheidend ist die Frage: Wo schafft Technologie echten Mehrwert – und wo braucht es bewusst den persönlichen Kontakt?
2024 wurde auch das balance in Engelsby neugestaltet. Welche Erfahrungen aus der Westlichen Höhe sind dort eingeflossen – und welche Aspekte haben Sie bewusst weiterentwickelt oder angepasst?
Insbesondere die offenere Gestaltung des Empfangs und die daraus resultierende stärkere Präsenz der Trainer auf der Trainingsfläche sowie die räumliche Trennung unterschiedlicher Trainingsmotive und Zielgruppen haben wir in Engelsby adaptiert. Wenn wir heute neu planen würden, würden wir diesen Gedanken vermutlich noch konsequenter denken. Viele wiederkehrende Anliegen lassen sich inzwischen digital oder über Selfservicelösungen abbilden.
Dabei geht es aus unserer Sicht nicht darum, Personal einzusparen oder Distanz zu schaffen – sondern Ressourcen gezielt dort einzusetzen, wo Menschen den größten Unterschied machen: in der Trainingsbetreuung und bei der Zielerreichung unserer Mitglieder. Auch die Verzahnung von Fitness und Physiotherapie haben wir konsequent weitergedacht und erneut eine Physiotherapiepraxis integriert. Gleichzeitig haben wir aus Erfahrungen gelernt und die Praxis räumlich bewusst etwas ruhiger positioniert, da ein hoher Fitnesstraffic im Eingangsbereich die Arbeit am Empfang des Physiobereiches stark beeinflussen kann.
Wie reagieren Mitglieder und Trainerteams auf das neue Konzept? Welche Rückmeldungen bestätigen Ihr Konzept und gab es Punkte, die Sie überrascht haben?
In der Westliche Höhe hatten wir durch den Neubau die Möglichkeit, auf einem „leeren Blatt Papier“ zu planen und Prozesse sowie Raumkonzepte von Grund auf neu zu denken – hier wurde alles ganz selbstverständlich und gut angenommen.
In Engelsby war die Ausgangslage anders. Veränderungsprozesse in bestehenden Anlagen bringen naturgemäß Herausforderungen mit sich, da Mitglieder das Altbewährte kennen und Neuerungen häufig erst einmal mit einer gewissen Skepsis betrachten.
Wir wollten bewusst unterschiedliche Trainingswelten schaffen, damit sich verschiedene Zielgruppen gleichermaßen wohlfühlen können.
Einige Veränderungen, wie der Wechsel von selbstgemischten Shakes zu einem Snackautomaten, die Umstellung auf freie Betreuung ohne Termine oder auch offenere und übersichtlichere Trainingsflächen, wurden anfangs kritisch hinterfragt.
Unsere Erfahrung zeigt, dass viele Veränderungen zunächst eine Phase der Umgewöhnung benötigen, bevor ihr tatsächlicher Mehrwert erlebbar wird. Nach dieser Eingewöhnungsphase waren die Rückmeldungen von Mitgliedern und Trainerteams jedoch insgesamt sehr positiv.
Wie werden sich Trainingsflächen und Betreuungskonzepte in den kommenden fünf Jahren verändern? Welche Trends halten Sie für besonders relevant?
Themen wie Recovery und Longevity werden deutlich an Relevanz gewinnen. Damit wächst auch die Bedeutung eines engeren Zusammenspiels zwischen Fitness, Prävention und Physiotherapie. Gleichzeitig werden Digitalisierung und KI weiter an Einfluss gewinnen – von der Trainingsplanung über das Coaching bis hin zu administrativen Prozessen. Dadurch wird vieles effizienter, möglicherweise aber auch anonymer. Umso wichtiger wird die Rolle des Trainers als Coach, Motivator und persönlicher Ansprechpartner im Trainingsalltag.
Hinzu kommt eine steigende Flexibilität im Markt durch Aggregatoren oder veränderte Vertragsmodelle. Kundenbindung wird dadurch eine noch größere Herausforderung. Studios werden sich deshalb zunehmend die Frage stellen müssen: „Warum sollte ein Mitglied genau hier trainieren?“ Wir glauben, dass die Antwort künftig weniger in Geräteausstattung allein liegt, sondern vielmehr in Betreuung, Atmosphäre, Identifikation und einem echten Mehrwert über das reine Training hinaus.
Wir glauben deshalb, dass die erfolgreiche Trainingsfläche der Zukunft nicht zwingend die digitalste sein wird – sondern diejenige, die Technologie, Atmosphäre und persönliche Betreuung sinnvoll miteinander verbindet.



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