Die Trainingsbetreuung

Persönliche Trainingsbetreuung bleibt trotz Digitalisierung der wichtigste Erfolgsfaktor von Fitnessstudios.
Lesezeit: 4 Minuten
Trainer begleitet eine Sportlerin bei Hip Thrusts im Fitnessstudio und unterstützt sie während der Übungsausführung
Professionelle Trainingsbetreuung schafft Sicherheit, Vertrauen und motiviert Mitglieder auf ihrem Weg zu ihren persönlichen Trainingszielen
Während der Corona-Pandemie stand die Branche vor einer zentralen Frage: Kehren die Menschen zurück in die Studios, oder bleibt das Training der Zukunft digital? Die aktuellen Zahlen liefern eine klare Antwort: Noch nie trainierten so viele Menschen in Fitnessanlagen wie heute. Doch es stellt sich eine neue Herausforderung: Wie stark setzen technologische Entwicklungen bestehende Geschäftsmodelle unter Druck, und wird persönliche Betreuung durch Digitalisierung ersetzbar? Die Antwort darauf liegt im Kern der Dienstleistung selbst: in der Trainingsbetreuung. Sie ist Türöffner für neue Kunden und ein zentraler Faktor der Kundenbindung. Die Erwartungen an die Trainingsbetreuung aber sind facettenreich, individuell und durch Künstliche Intelligenz zunehmend schnelllebig. Teil 3 unserer Reihe zeigt, wie gute Trainingsbetreuung gerade heute zum echten Wettbewerbsvorteil wird.

Die Fitnessbranche ist heute von einer enormen Vielfalt geprägt. Unterschiedliche Ausrichtungen der Anlagen, von Gesundheitsanbietern über Lifestylekonzepte bis hin zu leistungsorientierten Studios, treffen auf unterschiedliche Ziele, Voraussetzungen und Lebensrealitäten der Menschen. Im Optimalfall finden diese Seiten zusammen.

So wird der Kundennutzen, den eine Fitnessanlage bedienen kann und will, zum Ausgangspunkt strategischer Entscheidungen und operativer Maßnahmen. Die Trainingsbetreuung steht hierbei im Mittelpunkt, denn sie definiert, was Menschen auf der Trainingsfläche erwarten dürfen.

Selbstverständnis der Branche macht Heterogenität der Betreuung sichtbar

Der Markt weist unterschiedliche Betreuungsgrade auf: von selbstorganisierten Trainingsumgebungen ohne Betreuung bis hin zu Einrichtungen mit individueller Betreuung durch qualifiziertes Trainerpersonal. Diese unterschiedlichen Konzepte machen die Akteure der Branche in einem gemeinsamen Selbstverständnis sichtbar (DSSV, 2026a).

Dabei wird nicht über die Richtigkeit unterschiedlicher Betriebskonzepte entschieden; es muss nur sichergestellt sein, dass Interessenten sich dieser Unterschiede bewusst sind, um das für sie optimale Betreuungskonzept wählen zu können.

Digitale vs. menschliche Betreuung

Smart-Gyms, also automatisierte Trainingskonzepte, machen aktuell etwas mehr als sechs Prozent der Anlagen im Gesamtmarkt aus (DSSV, 2026b). Sie ergänzen dabei das Angebot, statt es zu kannibalisieren.

Neun von zehn Personen ohne Mitgliedschaft (90,2 %) geben an, sich im Falle einer Mitgliedschaft für ein Studio mit Personalbetreuung zu entscheiden. Gleichzeitig sehen Trainierende in personalbetriebenen Anlagen digitale Betreuung keinesfalls als gleichwertig zu menschlicher Betreuung vor Ort (Kobel & Marx, 2025).

Warum Transparenz Vorbehalte reduzieren kann

Die Offenlegung, welche Form der Betreuung und welche fachliche Kompetenz in den Fitnessanlagen zur Verfügung steht, ist wesentlich für den Erfolg der Branche, denn:

Menschen ohne Mitgliedschaft glauben, wenig von der Betreuung erwarten zu können, weil sie an der Qualifikation der Mitarbeitenden zweifeln („kein Fachpersonal“, „nur Laien“; Kobel & Marx, 2025). Transparenz schafft Orientierung, klare Erwartungen sowie das nötige Vertrauen und kann so die Entscheidung für Fitness überhaupt erst bedingen.

Trainer und Sportlerin geben sich nach dem Training ein High Five im Fitnessstudio und freuen sich über den Trainingserfolg

Vor dem Hintergrund digitaler Konzepte im Markt muss den Interessenten dabei mehr beantwortet werden als die Frage: Gibt es Trainingsbetreuung vor Ort oder findet diese digital statt? Entscheidend ist vielmehr die Auswahl zwischen qualitativer und individueller Betreuung vor Ort einerseits und digitaler Begleitung andererseits.

Dazwischen darf nichts sein, reine Aufsicht darf nicht als Betreuung deklariert werden. Oberstes Credo muss es sein, geschürte Erwartungen an die Trainingsbetreuung auf der Fläche unbedingt einzulösen. Wenn fehlendes Vertrauen in die Kompetenz ein zentrales Markthindernis darstellt, ist Qualifikation ein Instrument zur Markterschließung.

Fachliche Expertise als Basis

Fachliche Kompetenz ist, unabhängig vom jeweiligen Konzept, die notwendige Basis der Betreuung und Grundlage des Anspruchs, den die Branche mit ihrer Dienstleistung verfolgt.

Auch KI-gestützte Betreuungssysteme sind heute in der Lage, fundiertes Trainingswissen bereitzustellen. Dennoch zeigt sich eine klare Erwartungshaltung der Mitglieder: 71,2 Prozent sind der Auffassung, dass Betreuung immer persönlich stattfinden sollte, 79,1 Prozent messen der Qualifikation der Trainer eine hohe Bedeutung bei (Kobel & Marx, 2025).

Trainingsbetreuung wird zum entscheidenden Erfolgsfaktor.

Menschliche Betreuung wird damit gewünscht und an hohe fachliche Standards geknüpft. Die Anforderungen an die Fachkompetenz variieren je nach Trainingsmotiven der Mitglieder.

Die Erwartungen an einen Gesundheitsanbieter unterscheiden sich von jenen an einen lifestyleorientierten oder leistungsfokussierten Anbieter. Entscheidend ist die Passung zwischen Positionierung und Qualifikation, um Kundenerwartungen tatsächlich zu bedienen.

Unterschiedliche Kundenerwartungen

Und diese Erwartungen sind vielfältig (Kobel & Küstner, 2024): Während Trainingsbeginner, ältere Menschen oder Personen nach einer Verletzung vor allem Sicherheit und fachkompetente Unterstützung bei Übungsauswahl und -ausführung benötigen, suchen andere Orientierung bei der Zieldefinition.

Für einige steht der soziale Aspekt im Vordergrund, andere verfolgen konkrete Leistungsziele und erwarten eine spezifisch auf ihre Anforderungen abgestimmte Trainingsgestaltung und -begleitung. Es gibt Mitglieder, die Unterstützung benötigen, ohne aktiv danach zu fragen, während andere bewusst eigenständig trainieren und nur bei Bedarf Unterstützung suchen. Trainingsbetreuung muss dieser Vielfalt gerecht werden. Nicht durch standardisierte Lösungen, sondern durch eine situationsgerechte, individuelle Ausgestaltung.

Emotionale Intelligenz als Qualitätsmerkmal

Die unterschiedlichen Erwartungen an die Betreuung sind Alltag auf der Trainingsfläche. Die Herausforderung besteht darin, diese auch dann sensibel wahrzunehmen, wenn sie nicht klar artikuliert werden.

Kundenerwartungen, deren Erfüllung maßgeblich über Zufriedenheit und Bindung entscheidet, können nur dann bedient werden, wenn das Personal in der Lage ist, Bedürfnisse zu erkennen, richtig einzuordnen und situativ darauf zu reagieren.

Emotionale Intelligenz bedeutet, Betreuung aus der Perspektive der Kunden zu gestalten, im Zusammenspiel aus Beobachtung, Empathie und situativem Handeln. Fachkompetenz und emotionale Intelligenz gehen dabei Hand in Hand und bestimmen, wie Trainingsbetreuung wahrgenommen und bewertet wird.

Fazit

Trainingsbetreuung steht heute mehr denn je im Spannungsfeld zwischen Digitalisierung und persönlicher Dienstleistung und wird dadurch – richtig verstanden – zum entscheidenden Erfolgsfaktor.

Folgende Impulse sind hierbei zu berücksichtigen:

  1. Transparenz schaffen: Betreuungskonzepte und Qualifikationen müssen klar kommuniziert werden. Nur so können potenzielle Mitglieder erkennen, welche Betreuung sie erwarten dürfen, und das für sie optimale Konzept auswählen. Diese Transparenz ist die Basis für Vertrauen in die Branche und die Wahrnehmung ihrer Heterogenität.
  2. Eigenes Verständnis von Betreuung schärfen: Die Unterscheidung zwischen personalbetriebenen und personallosen Konzepten allein greift zu kurz. Entscheidend ist vor allem, wie Betreuung im eigenen Konzept verstanden wird. Betreiber müssen klar festlegen, was Betreuung in ihrer Anlage bedeutet und was nicht. Bloße Anwesenheit von Personal sollte hierbei nicht mit Trainingsbetreuung gleichgesetzt werden.
  3. Qualität sichtbar machen: Gerade weil fehlendes Vertrauen in die Qualifikation des Personals ein zentrales Markthindernis darstellt, wird Qualifikation zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor. Maßgeblich ist, dass die vorhandene Kompetenz sichtbar wird, das jeweilige Betreuungskonzept stützt und mit der Positionierung der Anlage übereinstimmt.
  4. Betreuung konsequent am Kunden ausrichten: Erfolgreiche Betreuung orientiert sich an den individuellen Bedürfnissen der Mitglieder. Neben Fachkompetenz ist emotionale Intelligenz entscheidend, um Erwartungen zu erkennen und die Betreuung situativ zu gestalten. Erst in dieser Kombination von Fachkompetenz und emotionaler Intelligenz entsteht ein entscheidender Mehrwert für die Mitglieder.

 

Diese Punkte beachtend, wird Trainingsbetreuung dort zum Wettbewerbsvorteil, wo sie leistet, was Technologie nicht ersetzen kann: Vertrauen, individuelle Ansprache und echte Beziehung.

So geht es weiter: In der nächsten Ausgabe folgt „Erfolg durch Personal, Teil 4: Community Building“.

Auszug aus der Literaturliste

DSSV e. V. – Arbeitgeberverband deutscher Fitness- und Gesundheits-Anlagen (Hrsg.). (2026). Selbstverständnis: Wofür steht die Fitnessbranche?

DSSV e. V. – Arbeitgeberverband deutscher Fitness- und Gesundheits-Anlagen (Hrsg.). (2026). Eckdaten der deutschen Fitnesswirtschaft 2026. Hamburg: Hrsg.

Kobel, S. & Marx, J. (2025). Das Image der Fitnessbranche 2025. DSSV – Arbeitgeberverband deutscher Fitness- und Gesundheits-Anlagen e. V.

Kobel, S. & Küstner, A. (2024). Typologie der Fitnesstreibenden 2024. Deutsche Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement (DHfPG)

Für eine vollständige Literaturliste kontaktiere uns bitte hier per Mail.

Diesen Artikel kannst du folgendermaßen zitieren:

Kobel, S. (2026). Die Trainingsbetreuung. fitness MANAGEMENT international, 3 (185), 72–74.

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