Fachpersonal schafft Vertrauen

Qualifiziertes Personal, gezielte Betreuung und klare Standards sind entscheidend für die Positionierung als Gesundheitsdienstleister.
Lesezeit: 5 Minuten
Im Vordergrund zwei trainierende Personen in Liegestützposition auf Matten, mittig ein Trainer mit ausgestreckten Händen zur Korrektur der Haltung, im Hintergrund Hanteln und Fitnessgeräte, rechts zwei Porträtbilder mit den Beschriftungen „Prof. Dr. Sarah Kobel“ und „Prof. Dr. Arne Morsch“.
Qualifiziertes Training gilt als Schlüssel, um Vertrauen in die gesundheitliche Wirkung von Fitnessangeboten zu stärken
Regelmäßiges Fitnesstraining hat einen hohen Gesundheitsnutzen. Dennoch ist ein Professionalisierungsdefizit festzustellen, wenn es um ein Training zu präventiven und therapeutischen Zwecken geht. Qualifiziertes Personal ist daher der Grundstein zur Positionierung als Gesundheitsanbieter.

Gesundheit ist der wichtigste Wert eines Menschen. Gerade dann, wenn es um die Gesundheit geht, ist Qualität unerlässlich. Das wird spätestens dann deutlich, wenn man die eigene Gesundheit oder die eines geliebten Menschen in die Hand anderer legen muss.

Gesundheitsversorgung in Deutschland

Bei bestehenden Gesundheitsproblemen oder Erkrankungen ist die erste Anlaufstelle der Arzt. Hierbei ist die ärztliche ambulante und stationäre Versorgung hoch professionalisiert. Neben den Hausärzten und Allgemeinmedizinern als erste Ansprechpartner gibt es in Deutschland vielfältige Facharztrichtungen, die auf spezifische Organsysteme, Altersgruppen oder funktionelle Bereiche spezialisiert sind.

Dies gilt auch für weitere Berufsgruppen in der Gesundheitsversorgung wie Apotheker, Pflegefachkräfte, Therapeuten oder medizinisches Assistenzpersonal. Die Ausbildung ist reglementiert und erfolgt entweder durch eine Berufsausbildung oder ein Studium. Nur dann darf der entsprechende Beruf auch ausgeübt und die entsprechende Berufsbezeichnung geführt werden.

Im internationalen Vergleich ist Deutschland ein Land mit besonders vielen Arztbesuchen (Janson, 2020). Häufig sind es leichte Erkrankungen, die symptomatisch schnell zu kurieren sind, wie zum Beispiel die üblichen Erkältungskrankheiten. Viele Arztbesuche sind aber auch durch die sogenannten Zivilisationserkrankungen verursacht. Darunter versteht man Erkrankungen, die auf einen ungesunden Lebensstil oder auch die heutigen Lebens- und Arbeitsbedingungen zurückzuführen sind.

Zu den häufigsten Einzeldiagnosen zählen beispielsweise Bluthochdruck, Rückenschmerzen oder Blutzucker- und Fettstoffwechselstörungen. Zudem sind mehr als ein Fünftel der Erwachsenen in Deutschland adipös (Fischer et al., 2020). Meist werden diese Diagnosen von medizinischer Seite medikamentös behandelt. Dadurch werden zwar Symptome gelindert, die Ursachen bleiben allerdings bestehen.

Wirksamkeit körperlicher Aktivität

Ein zentraler Risikofaktor für die Entwicklung dieser Krankheitsbilder ist Bewegungsmangel (WHO, 2018). Für die präventiven und therapeutischen Effekte regelmäßiger körperlicher Aktivität gibt es überzeugende wissenschaftliche Belege (Physical Activity Guidelines Advisory Committee [PAGAC], 2018).

Ein Mindestmaß schützt vor der Entstehung; außerdem können bestehende Erkrankungen und gesundheitliche Beschwerden verbessert werden. Trotz der vielen Nachweise für die präventive und therapeutische Wirkungsbreite von regelmäßiger körperlicher Aktivität werden die Potenziale zur Vorbeugung und Behandlung zentraler Erkrankungsgruppen zu wenig ausgeschöpft.

Ein individualisiertes und an den persönlichen Voraussetzungen ausgerichtetes Fitnesstraining in den motorischen Fähigkeitsbereichen Ausdauer und Kraft sowie Koordination und Beweglichkeit scheint aus Kosten-Nutzen-Sicht besonders wertvoll zu sein und führt auch zu den besten Gesundheitseffekten (ACSM, 2021).

Dies gehört zu den Kernkompetenzen von Fitness- und Gesundheitsunternehmen, die zu den wichtigsten Bewegungsanbietern in Deutschland zählen. Die relative Mehrheit der Anlagen in Deutschland ist im Bereich Gesundheit positioniert (DSSV, 2025). Auch aus Kundensicht ist Gesundheit eines der wichtigsten Trainingsmotive (DHfPG, 2025).

Gesundheitstraining braucht Vertrauen

Dass ein regelmäßiges Fitnesstraining gesundheitlich wirksam ist, steht für die meisten Menschen außer Frage. Dies gilt sowohl für Mitglieder in Fitness- und Gesundheitsanlagen als auch für Personen ohne Mitgliedschaft oder gar ohne jegliche Berührungspunkte zur Branche.

So zeigt die neueste Studie des DSSV e. V. und der DHfPG (Marx & Kobel, 2025), dass durchaus das Bewusstsein vorhanden ist, dass Fitness-
training beispielsweise bei orthopädischen Gesundheitsproblemen wie Rückenschmerzen helfen und das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen (z. B. Bluthochdruck) oder Stoffwechselerkrankungen (z. B. Diabetes) senken kann.

Gleichzeitig aber wird den Fitnessanlagen die Kompetenz im Umgang mit genau diesen Krankheitsbildern abgesprochen. Das heißt, es besteht eine deutliche Diskrepanz zwischen der Wahrnehmung der gesundheitlichen Effekte von Fitnesstraining und der Kompetenz, die dem Personal in Fitnessanlagen zugeschrieben wird. Das eigene Personal in der Trainingsbetreuung als glaubwürdige Kompetenzträger zu etablieren, ist somit eine zentrale Herausforderung für die Branche.

Professionalisierung der Trainingsbetreuung

Während das Berufsfeld der Gesundheitsversorgung mit den etablierten Berufsgruppen hochprofessionalisiert ist, muss umgekehrt für das Tätigkeitsfeld der körperlichen Aktivität und des Trainings zu präventiven und therapeutischen Zwecken ein Professionalisierungsdefizit festgestellt werden.

Es besteht häufig der Eindruck, dass sich jeder im Gesundheitsbereich mit dem Thema Bewegungsförderung gut auskennt; spezielle Qualifikationen zur gezielten Beratung und Anleitung von Klientinnen und Klienten sind häufig nicht ausreichend vorhanden. In der Konsequenz bleiben Empfehlungen oft auf allgemeiner Ebene („Sie müssten sich etwas mehr bewegen“) und die vielfältigen Gesundheitseffekte, die körperliche Aktivität haben kann, können nur im Ansatz erreicht werden.

Es werden daher Trainingsinterventionen benötigt, die konkrete Gesundheitsziele fokussieren und morphologische, metabolische und funktionelle Veränderungen herbeiführen können. Hierfür werden Bewegungsfachkräfte benötigt, die diese für ihre Klienten in Abhängigkeit von der Zielsetzung hinsichtlich Art, Umfang, Intensität der Bewegung planen und im Prozess begleiten können. Eine systematische Trainingsbegleitung erfordert in aller Regel eine professionelle Betreuung.

Bei bestehenden Erkrankungen benötigen Sport- und Bewegungstherapeuten das medizinische Fachwissen zur Entstehung und zu den krankhaften Vorgängen einer Erkrankung wie auch zur Therapie. Hier muss immer eine qualifizierte sporttherapeutische Supervision sichergestellt werden. Nur so kann es gelingen, Bewegungsfachkräfte als Kompetenzträger zu etablieren und ein höchstmögliches Maß an Versorgungsqualität sicherzustellen.

Qualifikation als Grundstein der Vertrauensbildung

Ohne Vertrauen in die Kompetenz der Mitarbeitenden wird wohl kaum jemand die eigene Gesundheit in deren Hände legen. Die Daten der Studie von DSSV e. V. und DHfPG (Marx & Kobel, 2025) zeigen klar, dass Medizinerinnen und Mediziner hier ein hohes Vertrauen genießen.

Das Personal in der Trainingsbetreuung in Fitnessanlagen hingegen wird mit Blick auf die Beeinflussung spezifischer Gesundheitsprobleme als wenig kompetent erachtet. Diejenigen Personen, die jedoch mit gut qualifiziertem Personal in Berührung kommen, sprechen der Fitnessbranche eine hohe Gesundheitskompetenz zu. So werden Sport- und Bewegungstherapeuten als kompetent anerkannt und können eine wichtige Schnittstellenfunktion zwischen Training in Fitnessanlagen und wahrgenommener Gesundheitskompetenz einnehmen.

Sport- und bewegungstherapeutisch qualifiziertes Personal kann somit der strategische Hebel sein, der über Erfolg oder Misserfolg in der Positionierung als Gesundheitsdienstleister entscheidet. Qualifikation, nachweisbare Zertifikate und Individualität in der Betreuung von Kundinnen und Kunden sind die Stellschrauben, die das notwendige Vertrauen erzeugen.

Wer den Kompetenzen der Mitarbeitenden vertraut, vertraut diesen auch die eigene Gesundheit an. Wer diese anzweifelt, spricht nicht nur dem einzelnen Trainer die Gesundheitskompetenz ab, sondern der gesamten Branche. Das belegen die Daten der Studie sehr klar. Worauf es ankommt, machen nachfolgende O-Töne aus der Studie sichtbar:

  • „geschultes Personal kann großen Einfluss auf Gesundheitsprobleme nehmen“
  • „Kompetente Trainer machen die Gesundheitskompetenz aus.“
  • „Fachlich ausgebildetes Personal mit Hintergrundwissen und Menschenkenntnis“, „Ein gutes Fitnessstudio hat Experten, die die Kunden bei ihren Vorhaben gezielt unterstützen“
  • „wenn Fachpersonal da ist, haben Studios eine gute Kompetenz für Gesundheitsfragen“

Fazit

Wer sich im Bereich Gesundheit positioniert und den Anspruch erhebt, in der Politik, im Gesundheitssystem und vor allem in der Bevölkerung als Gesundheitsdienstleister anerkannt zu werden, der muss sein Personalkonzept reflektieren.

Zentrale Leitfragen lauten: Welche eigenen Standards setzen wir mit Blick auf die Qualifikation der Mitarbeitenden? Welchen Stellenwert haben Aus-, Fort- und Weiterbildungen bei uns im Unternehmen und mit welchen Inhalten und in welchem Turnus? Erst wenn klar ist, was Qualität und Gesundheitskompetenz im Inneren bedeutet, sollte der Blick auf die Außenkommunikation gerichtet werden, um genau das transparent und für Interessenten gut verständlich und auffindbar zugänglich zu machen.

Die Deutsche Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement (DHfPG) ist mit ihren Studienangeboten in den Zukunftsfeldern Prävention, Gesundheit, Fitness und Sport positioniert. Ziel ist es, mit den Bachelor- und Master-Studiengängen einen bildungspolitischen Beitrag zur Professionalisierung der Bewegungsförderung in der Fitness- und Gesundheitsbranche zu leisten und den Absolventen arbeitsmarktfähige Abschlüsse für das Tätigkeitsfeld „Sport und Bewegung“ zu garantieren.

Unterstützt wird dies durch eine Bildungspartnerschaft mit dem Deutschen Verband für Gesundheitssport und Sporttherapie e. V. (DVGS) und durch eine gemeinsame Qualifikationsstruktur der DHfPG und des DVGS im Bereich der Gesundheitsförderung sowie in der Sport- und Bewegungstherapie.

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Auszug aus der Literaturliste

Fischer, B., Sedlmeier, A. M., Hartwig, S., Schlett, C. L., Ahrens, W., Bamberg, F. et al. (2020). Anthropometrische Messungen in der NAKO Gesundheitsstudie – mehr als nur Größe und Gewicht. Bundesgesundheitsblatt – Gesundheitsforschung – Gesundheitsschutz, 63 (3), 290–300.

Marx, J. & Kobel, S. (2025). Das Image der Fitnessbranche. Hamburg: DSSV e. V. – Arbeitgeberverband deutscher Fitness- und Gesundheits-Anlagen (Hrsg.)

Für eine vollständige Literaturliste kontaktiere uns bitte hier per Mail.

Diesen Artikel kannst du folgendermaßen zitieren:

Kobel, S. & Morsch, A. (2026). Fachpersonal schafft Vertrauen. fitness MANAGEMENT international, 2 (184), 102–104.

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