Management | Autor/in: Carolin Schmidt & Florian Schmidt |

Sascha Tetzlaff im Interview: „Gründer:innen brauchen Durchsetzungsvermögen, Kommunikationsstärke und Sozialkompetenzen“

Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) oder Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) bieten viele Möglichkeiten, sich selbstständig zu machen. Der Wandel zur Arbeitswelt 4.0 bringt spezielle Anforderungen mit, die bedacht werden müssen. Sascha Tetzlaff, DHfPG-Dozent, gibt Tipps, welche Kompetenzen dafür nötig sind.

Im Interview zur Existenzgründung: Sascha Tetzlaff

fM: Auch das Betriebliche Gesundheitsmanagement (BGM) ist für Gründer:innen ein relevanter und interessanter Markt. Welche Möglichkeiten zur Existenzgründung bestehen in diesem Sektor?

Sascha Tetzlaff: In der Betrieblichen Gesundheitsförderung (BGF) wie im Betrieblichen Gesundheitsmanagement (BGM) gibt es viele Möglichkeiten: Anbieter:in von Bewegungs- und Beratungsleistungen in der Prävention und der BGF oder  selbstständige:r BGM-Berater:in für KMUs.

Außerdem werden zunehmend reine BGM-Studios bzw. Physiopraxen in z. B. Wirtschaftsunternehmen implementiert – betrieben durch externe Dienstleister:innen. Die Digitalisierung wird zukünftig auch spannende Arbeitsfelder bieten.

Mitarbeiter:innengesundheit und Prävention haben durch die Pandemie deutlich an Relevanz gewonnen. Dennoch ist der Schritt in die BGM-Branche bei Weitem kein Selbstläufer und bringt zahlreiche Herausforderungen mit sich. Welche sind das und wie kann man diesen in der Praxis begegnen?

Neben Demografie und Fachkräftemangel werden Veränderungen durch den Wandel hin zur Arbeitswelt 4.0 für viele Betriebe zusätzliche Schwierigkeiten mit sich bringen. Für die angepassten Berufsbilder, Strukturen und Arbeitsweisen bedarf es neuer Lösungen.


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Diese komplexen Herausforderungen stellen hohe qualitative Ansprüche an die BGM-Anbieter:innen, die über entsprechende Kompetenzen verfügen müssen. Darum ist es wichtig, sich mit einem guten Businessplan auf die Chancen und Risiken des Marktes vorzubereiten und sich mit einem durchdachten Konzept zu positionieren, um den Unternehmen maßgeschneiderte Lösungen zu bieten.

Welche persönliche Voraussetzung und beruflichen Qualifikationen sind Ihrer Meinung nach essenziell, um im BGM-Bereich ein eigenes Unternehmen zu gründen und sich erfolgreich am Markt zu etablieren?

Durch die vielen Tätigkeitsfelder können verschiedenste Wege zum eigenen beruflichen Erfolg führen. Neben spezifischen Kompetenzen zur Gesundheitsförderung im Setting Betrieb bedarf es vor allem auch rechtlicher, steuerlicher und ökonomischer Kenntnisse.


 

Über den Interviewpartner

Seine langjährige Branchenerfahrung im Zweiten Gesundheitsmarkt in den Bereichen Fitness und Physiotherapie macht Sascha Tetzlaff, M. A. Prävention und Gesundheitsmanagement, zum absoluten Branchenkenner. Er ist außerdem als pädagogischer Mitarbeiter und Dozent an der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement (DHfPG) tätig.


Eine Möglichkeit der Kompetenzerwerbung können dabei subakademische Ausbildungen sein. Dabei sollte unbedingt auf eine Anerkennung durch den Bundesverband Betriebliches Gesundheitsmanagement e. V. (BBGM) als neutrale Qualitätsinstitution geachtet werden.

Man sollte auch natürlich über interdisziplinäre Kompetenzen in Betriebswirtschaftslehre, Marketing und Gesundheitsförderung verfügen. Daher sollte auch ein Hochschulstudium Gesundheitsmanagement mit entsprechenden Schwerpunkten in Erwägung gezogen werden.


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Je nach Abschluss darf man dann z. B. Präventionskurse nach Paragraf 20 SGB V im Handlungsfeld Bewegungsgewohnheiten durchführen. Gründer:innen brauchen eine große Portion Durchsetzungsvermögen, Kommunikationsstärke, analytisches Denken sowie ausgeprägte Sozialkompetenzen, denn der Faktor Mensch steht im Mittelpunkt.

Welche Praxistipps können Sie v. a. auch DHfPG-Studierenden geben, die sich nach ihrem Bachelor- bzw. Master-Studium im BGM-Markt selbstständig machen wollen?

Es ist sinnvoll, sich bereits während des Studiums ein erstes Netzwerk aus Kommiliton:innen und Dozent:innen aufzubauen. Dies kann Gründer:innen später Türen öffnen und zu wichtigen Kooperationen führen. Zum Kontakte und Netzwerke knüpfen eignen sich auch spezifische BGM- oder Personalmessen.

Des Weiteren würde ich jedem:jeder Studierenden dazu raten, Praxiserfahrung zu sammeln. Von der Organisation eines Gesundheitstages, über Vertriebsmaßnahmen bis hin zu Firmenfitness bieten sich häufig erste Gelegenheiten, um in die Arbeit von BGM-Berater:innen o. Ä. reinzuschnuppern. Manchmal muss man aber auch die „Extra-Meile“ gehen und sich Chancen erarbeiten, wie z. B. durch zusätzliche Praktika.

Es bieten sich neben den bereits erwähnten auch Unternehmer:innennetzwerke, Regionaltreffen oder Netzwerken über Social Media an. Ich empfehle auf jeden Fall eine unabhängige Zertifizierung wie sie durch den BBGM e. V. vergeben wird. Eine Mitgliedschaft im Verband kann hier zusätzlich zu Synergien führen.

Ein gut durchdachtes Konzept, eine klare Positionierung und eine fokussierte Leistungskommunikation sind aber entscheidend. Insbesondere durch die Demografie, die sich verändernde Arbeitswelt und die Digitalisierung werden sich auch in Zukunft noch viele Handlungsfelder im BGM für Absolvent:innen ergeben.


Praxistipps zur Existenzgründung

In zwei weiteren Interviews erläutern DHfPG-Experten Lukas Ney und Dr. Joshua Berger aktuelle Herausforderungen und Chancen für die Existenzgründung in unterschiedlichen Marktsegmenten und liefern wertvolle Praxistipps für den Weg in die Selbstständigkeit.

Hier finden Sie außerdem den Einstieg zu den Interviews (indem Sie auf das entsprechende Bild klicken, gelangen Sie direkt zum jeweiligen Artikel).


 

Diesen und weitere Artikel finden Sie in der fMi 03/2022 & für Abonnenten EXKLUSIV vorab.

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