Fitness, Gesundheit | Autor: Sabine Kind |

Ergänzende Outdoorangebote in Fitnessstudios

Fitness- und Gesundheitsanlagen dienen in der kalten und dunklen Jahreszeit vielen Sportlern zum 'Überwintern'. Für die Fitnessanlagen stellen sich aber große Herausforderungen, wenn im Frühjahr die ersten Sonnenstrahlen an Kraft gewinnen und die Tage wieder länger werden. Wie können Outdoorsportler auch im Sommer als Kunden gehalten werden? Und welche Outdoortrainingsangebote können den sonstigen Mitgliedern zur Verfügung gestellt werden?

Großes Potenzial für Studioinhaber im Sommer: Outdoortraining anbieten.

Training bei Dunkelheit und Kälte ist nicht jedermanns Sache und so „überwintern“ viele Outdoorsportler in der dunklen Jahreszeit im Fitnessstudio. Dort führen sie zum einen „ihren“ Sport indoor durch, zum anderen werden oft auch bewusst alternative Angebote im Kraft- und Gruppentraining genutzt, um Abwechslung und Auflockerung im Training zu haben oder auch, um eventuelle Schwächen bei Kraft und/oder Beweglichkeit auszugleichen.

Ab dem Frühling draußen und drinnen aktiv

Laut einer Umfrage des Statistikportals Statista aus dem Jahre 2017 übten 32,4 Prozent der Befragten über 18 Jahre im Winter Sport nur drinnen aus. 29,6 Prozent der Befragten gaben an, Sport drinnen und draußen zu betreiben. Zum Vergleich: Im Frühling waren lediglich 13,6 Prozent nur indoor und 43 Prozent der Befragten indoor und outdoor aktiv (Statista GmbH, 2017).

Für Fitnessstudios stellt sich die Frage, mit welchen Angeboten Outdoorsportler auch im Sommer als Kunden gehalten und an das Unternehmen gebunden werden können.

Um „klassische“ Outdoorsportler über den Sommer zu begleiten, können folgende Dienstleistungen angeboten werden:

Ergänzende Outdoorangebote in Fitnessstudios

  • Qualifizierte Anleitung durch Trainer, Bindung durch Beratung und Hinweise auf orthopädische Defizite sowie Angebote von Ausgleichssport
  • Strukturierte Trainingsplanung mit eindeutigem Sportartenbezug (ggf. auch mit Angeboten zur Leistungsdiagnostik, falls das Fitnessstudio über einen eigenen Diagnostikbereich verfügt)
  • Zusätzliche Angebote im Kraft-/Gruppentrainingsbereich mit spezifischem Sportartenbezug
  • Angebote zur Ernährungsberatung
  • Fitnessstudio als Ausgangs-/Treffpunkt für Outdooraktivitäten (z. B. Startpunkt für Laufgruppen)

Zusatzangebote im Outdoorbereich für „klassische“ Mitglieder

Laut Renout (2015, S. 626) haben sich Fitnessstudios in der Vergangenheit meist (bis auf wenige Ausnahmen wie z. B. Klettergärten) von Outdoorsportmöglichkeiten abgegrenzt. „Draußen konnte schließlich jede(r) umsonst und selbst organisiert aktiv werden, dazu brauchte es keine Mitgliedschaft und dafür würde wohl niemand zahlen; das war lange Zeit die Position von kommerziellen Sportstättenbetreibern“ (Renout, 2015, S. 626–627).

Betreiber bieten gezielt Outdoorsport an

In jüngster Vergangenheit zeigt sich hier jedoch ein anderes Bild: Betreiber von Fitnessstudios bieten gezielt Outdoorsport für ihre Mitglieder an. Aus der jährlichen Umfrage „Worldwide Survey of Fitness Trends“ der amerikanischen Fachgesellschaft ACSM (American College of Sports Medicine) geht hervor: Auch die in der Fitnessbranche Tätigen sehen Outdooraktivitäten für ihre Kunden seit Längerem als wichtigen Trend.

Outdoor in Top 15 der Fitness-Trends

Seit 2012 rangieren „Outdoor activities“ unter den Top 15 der abgefragten Fitness-Trends (Thompson, 2017). Die Gründe hierfür sind vielfältig. Zum einen greifen Fitnessstudios ein aktuelles Lebensgefühl von Freiheit und „back to the nature“ auf. Zum anderen können die Mitglieder sicher sein, dass qualifizierte Trainer die Outdooreinheiten anleiten, Hilfestellungen geben und Korrekturen der Übungen vornehmen.

Kunden gezielt ansprechen und Kundenbindung steigern

Auch haben die angeleiteten Outdooreinheiten eine motivierende Wirkung, da es sich zumeist um psycho-edukative Kurskonzepte handelt, die ein gutes organisatorisches Rahmenkonzept beinhalten. Sie ermöglichen eine gezielte Kundenansprache, erhöhen die Kundenbindung, verstärken die individuellen und sozialen Kompetenzen und können als Türöffner für ein zukünftiges Individualtraining dienen (Renout, 2015, S. 628–629). Ein Ziel von Trainingskonzepten im Outdoorbereich (Abb. 1) ist das Erlernen neuer Bewegungsformen und Ausführungsvarianten bzw. das Verfeinern bereits erlernter Übungen (Lange, 2007, S. 30–31).

Abb. 1: Ziele von Outdoortraining (modifiziert nach Lange, 2007, S. 31)

 

In Abbildung 2 sind einige Beispiele für Trainingsangebote im Outdoorbereich dargestellt.

Abb. 2: Beispiele Outdoortrainingsangebote (eigene Darstellung)

 

Was sollte beachtet werden?

Einige Aspekte, die bei der Durchführung eines Outdoortrainings beachtet werden sollten, sind in Tabelle 1 (Checkliste) aufgeführt.

Tab. 1: Aspekte im Rahmen eines Outdoortrainings (eigene Darstellung)

Viele Studien zeigen gesundheitsförderliche Effekte von Outdoorsport auf. Regelmäßige Bewegung im Freien sorgt für eine verbesserte Durchblutung und trägt zur Verbesserung der Immunabwehr bei. Darüber hinaus kann der Aufenthalt in der Natur einen Beitrag zur Stressreduktion leisten.

Aktivitäten in der Natur

Dass Outdoorsport Bestandteil der Gesundheitsbildung sein kann, ist als weiterer Beweggrund zu nennen, weshalb Fitnessstudios Aktivitäten in der Natur in ihr Angebotsportfolio aufnehmen sollten. Auch finanziell rechnet sich Outdoorsport für Fitnessanbieter, da es nicht notwendig ist, neue Flächen für Sportaktivitäten zu erschließen.

Öffentlich zugängliche Bewegungsparcours

Zudem haben viele Städte und Gemeinden das Potenzial für Outdooraktivitäten erkannt und bieten vermehrt öffentlich zugängliche Bewegungsparcours an. Da diese jedoch nur unter fachkundiger Anleitung von ausgebildeten Trainern genutzt werden sollten, ist es für Fitnessstudios von Vorteil, Trainings in diesen Anlagen anzubieten.

Durch die Vielzahl möglicher Angebote können somit unterschiedliche Personengruppen angesprochen, motiviert und an das Studio gebunden werden.

Über die Autorin

Sabine Kind, M. A. Gesundheitsmanagement, ist an der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement und ihrem Schwesterunternehmen BSA-Akademie als Dozentin im Fachbereich Gesundheitswissenschaften und UV-Schutz tätig. Des Weiteren ist sie Autorin von Fachartikeln und gefragte Expertin zu Fitness- und Gesundheitsthemen.

Literaturliste

Lange, H. (Hrsg.). (2007). Trendsport für die Schule (1. Aufl.). Wiebelsheim: Limpert.

Renout, G. (2015). Sportliche Aktivitäten in und jenseits von Verein und Fitnessstudio. In R. Freericks & D. Brinkmann (Hrsg.), Handbuch Freizeitsoziologie (S. 619–639). Wiesbaden: Springer.

Statista GmbH. (2017). Ausübung von Sport im Freien in Deutschland 2017 | Umfrage. Zugriff am 01.03.2019. Verfügbar unter https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1673/umfrage/sport-im-freien/

Thompson, W. R. (2017). Worldwide Survey of Fitness Trends for 2018. The CREP Edition. ACSM' Health & Fitness Journal, 21 (6), 10–19. https://doi.org/10.1249/FIT.0000000000000341

Den vollständigen Artikel finden Sie in fMi Ausgabe 03/2019

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