Saarländische Post-COVID-Studie 2023: DHfPG und UKS präsentieren Ergebnisse

Eine wissenschaftliche Studie untersuchte die Auswirkungen eines Fitnesstrainings auf Post-COVID-Fatigue. Die Ergebnisse wurden nun veröffentlicht.
Lesezeit: 4 Minuten
Saarländische Post-COVID-Studie 2023: DHfPG und UKS präsentieren Ergebnisse
Saarländische Post-COVID-Studie 2023: DHfPG und UKS präsentieren Ergebnisse
Die Deutsche Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement (DHfPG) und das Universitätsklinikum des Saarlandes (UKS) haben in einer gemeinsamen wissenschaftlichen Studie die Effekte eines achtwöchigen individualisierten Fitnesstrainings auf Post-COVID-Fatigue und die gesundheitsbezogene Lebensqualität untersucht. Die Ergebnisse und der Verlauf der Studie, die in saarländischen Fitness- und Gesundheitseinrichtungen durchgeführt wurde, wurden am 27. März 2024 auf dem Sportcampus Saar vorgestellt.

Sie haben nur 1 Minute Zeit?

Die wichtigsten Fakten in Kürze:

  • 10 bis 20 Prozent der mit SARS-CoV-2 infizierten Erwachsenen haben Wochen und Monate nach der Infektion noch Beschwerden. Ein Post-COVID-Syndrom liegt vor, wenn Symptome länger als zwölf Wochen anhalten.
  • Eine Studie der DHfPG und des UKS hat untersucht, inwiefern körperliches Training bei der Krankheitsbewältigung helfen kann und sich auf die Hauptsymptomatik Fatigue und die gesundheitsbezogene Lebensqualität der Betroffenen auswirkt.
  • Der Verlauf und die Ergebnisse der Studie wurden am 27. März 2024 am Sportcampus Saar vorgestellt.
  • 118 Post-COVID-Betroffene zwischen 18 und 79 Jahren mit anhaltender Fatigue konnten in die Auswertung einbezogen werden.
  • Die Trainingsbelastung musste auf die individuellen Symptome und persönlichen Voraussetzungen angepasst werden.
  • Es konnten signifikante Verbesserungen bei der Beschwerdesymptomatik und der Lebensqualität festgestellt werden.
  • Die Studie ist die erste, die den Nutzen eines individualisierten Fitnesstrainings bei Post-COVID unter Alltagsbedingungen untersuchte.

Los geht's! Die Hintergründe und Detailinformationen:

Die Resultate zeigen, dass ein individualisiertes Fitnesstraining einen wichtigen Beitrag zur Krankheitsbewältigung beim Post-COVID-Syndrom leisten kann.

Laut der WHO bestehen bei 10 bis 20 Prozent der mit SARS-CoV-2 infizierten Erwachsenen auch Wochen und Monate nach der Infektion noch Beschwerden. Wenn diese Symptome länger als zwölf Wochen anhalten, spricht man vom Post-COVID-Syndrom.


Jetzt Video ansehen: Hier gehts zum Bericht des Saarländischen Rundfunks


Betroffene leiden häufig unter schwerer und anhaltender Müdigkeit (sog. Fatigue) sowie einer Einschränkung der körperlichen Leistungsfähigkeit. Bisher ist trotz zahlreicher Forschungsansätze noch keine Standardtherapie für die Erkrankung bekannt.

Die Behandlungsleitlinie für das Post-COVID-Syndrom gibt daher das Therapieziel Symptomlinderung vor und empfiehlt unter anderem eine an die individuelle Belastbarkeit angepasste, kontrollierte Anleitung zu körperlicher Aktivität bzw. zu dosiertem körperlichen Training.

Zur konkreten Ausgestaltung und wie Post- COVID-Betroffene optimal betreut werden können, gibt es allerdings nur wenige wissenschaftliche Erkenntnisse.

Eine Studie der DHfPG und des UKS hat daher untersucht, inwiefern körperliches Training bei der Krankheitsbewältigung helfen kann und sich auf die Hauptsymptomatik Fatigue sowie die gesundheitsbezogene Lebensqualität der Betroffenen auswirkt.

Unterstützt wurde die Studie vom saarländischen Gesundheitsministerium und dem Verein für Prävention und Gesundheit im Saarland (PuGiS e. V.) stellvertretend für die gesetzlichen Krankenkassen.

Am 27. März 2024 wurden am Sportcampus Saar (ehemals Hermann-Neuberger-Sportschule) der Verlauf und die Ergebnisse der Studie vorgestellt.

Von der Rekrutierung bis zum Training in den Studios – der Studienverlauf

Die Rekrutierung von Probanden erfolgte über die öffentlichen Medien, eine eigens eingerichtete Website sowie insbesondere mit der Unterstützung des saarländischen Hausärzteverbandes. Teilnehmen konnten Personen von 18 bis 79 Jahren, bei denen nach einer SARS-CoV-2-Infektion anhaltende Fatigue aufgetreten war. (Auch interessant: 'Post-COVID-Studie zu Fitnesstraining bei Fatigue')

Vor Studienstart erfolgte eine ärztliche Untersuchung, um die allgemeine Belastbarkeit zu gewährleisten. Die Probanden wurden entweder der Interventions- oder der Kontrollgruppe zugeordnet. Die Trainingsgruppe absolvierte über insgesamt acht Trainingswochen ein individualisiertes und an die aktuelle Leistungsfähigkeit angepasstes Kraft- und Ausdauertraining.

Saarländische Post-COVID-Studie 2023: DHfPG und UKS präsentieren Ergebnisse

Die Veränderungen nach der Trainingsintervention wurden mit den Daten der Kontrollgruppe verglichen, die zunächst ihren Alltag beibehielt und erst anschließend das Training absolvierte.

Die Umsetzung der Studie erfolgte in 19 saarländischen Gesundheitseinrichtungen, sodass den Betroffenen ein Angebot in Wohnortsnähe gemacht werden konnte. Das Training fand unter Aufsicht von qualifiziertem Fachpersonal statt, welches im Vorfeld durch die Studienleitung geschult wurde.

Richtungsweisende Studienergebnisse

Die wissenschaftlichen Leiter der Studie, SR Prof. Dr. med Jürgen Rissland (UKS) und Prof. Dr. Arne Morsch (DHfPG), präsentierten am Sportcampus Saar nun die ersten Studienergebnisse. Insgesamt konnten 118 Post-COVID-Betroffene in die Auswertung einbezogen werden. 

Die Ergebnisse der Studie zeigten, dass ein individualisiertes Fitnesstraining zu signifikanten Verbesserungen bei der Beschwerdesymptomatik und der Lebensqualität führte.


„Wir konnten feststellen, dass sich in der Trainingsgruppe im Vergleich zur Kontrollgruppe durch das Training eine deutliche Reduktion der Erschöpfungssymptomatik sowie eine Verbesserung der psychischen und physischen Gesundheit einstellte.“

SR Prof. Dr. med Jürgen Rissland – wissenschaftlicher Leiter der Studie


Zudem konnte eine Verbesserung der körperlichen Leistungsfähigkeit beobachtet werden.

Die beteiligten Wissenschaftler betonten, dass beim Post-COVID-Syndrom insbesondere die Anpassung der Trainingsbelastung auf die individuellen Symptome und persönlichen Voraussetzungen eine entscheidende Rolle spielt.

„Post-COVID-Betroffene mit Fatigue müssen langsam an die körperliche Belastung herangeführt werden, um die richtige Trainingsdosis zu gewährleisten. Daher war es für uns entscheidend, jedem Teilnehmer eine individualisierte und symptomorientierte Trainingsempfehlung zu geben“, sagte Morsch.


Verpassen Sie keine Fitness-NEWS mehr!
FOLGEN Sie uns bei WhatsApp, FacebookLinkedIn & Instagram


Damit dies gelingt, gaben die Probanden vor jedem Training auf ihrem Smartphone Auskunft über ihre tagesaktuelle Fatigue und erhielten darauf basierende tagesaktuelle Trainingsempfehlungen. Durch diesen individualisierten Ansatz und das engmaschige Monitoring wurden die einheitliche Umsetzung und die Sicherheit des Trainings gewährleistet.

„Erfreulicherweise konnten wir auch feststellen, dass unsere auf die Bedürfnisse und Möglichkeiten des Einzelnen ausgerichtete Intervention zu keiner Verschlechterung der Beschwerdesymptomatik und Lebensqualität bei den Betroffenen geführt hat. Damit wird ihnen und ihren Interessensvertretungen eine wichtige Sorge genommen“, so Rissland.

Saarländische Studie als Vorreiter

Die von DHfPG und UKS durchgeführte Studie ist die erste, die den Nutzen eines individualisierten Fitnesstrainings bei Post-COVID unter Alltagsbedingungen untersucht hat, was die Aussagekraft und Übertragbarkeit der Ergebnisse in die Praxis erhöht. Auf Basis dieser Ergebnisse können wichtige Rückschlüsse für die Trainingstherapie gezogen werden.


„Mit unseren Ergebnissen machen wir einen wichtigen Schritt in Richtung individueller und evidenzbasierter Trainingsempfehlungen beim Post-COVID-Syndrom.“
_______________________________

Prof. Dr. Arne Morsch – wissenschaftlicher Leiter der Studie


Um dieses Ziel zu erreichen, werden die Daten nun weiter analysiert und anschließend mit der Fachwelt sowie Betroffenen geteilt. Die Veranstaltung am Sportcampus Saar wurde mit einem Grußwort von Staatssekretärin Bettina Altesleben vom Ministerium für Arbeit, Soziales, Frauen und Gesundheit des Saarlandes eröffnet.

Der 1. Vorsitzende des DSSV Prof. Dr. Thomas Wessinghage bei der Ergebnispräsentation der Saarländischen Post-COVID-Studie 2023

Studienleiter Prof. Dr. med. Johannes Jäger vom Zentrum Allgemeinmedizin in Homburg hob in seinem Beitrag die Bedeutung der Studie für die flächendeckende Versorgung von Post-COVID-Betroffenen hervor und dankte den beteiligten Fitness- und Gesundheitseinrichtungen für die professionelle Umsetzung der Studienvorgaben.

Der 1. Vorsitzende des Arbeitgeberverbandes deutscher Fitness- und Gesundheits-Anlagen e. V. (DSSV) Prof. Dr. Thomas Wessinghage betonte die Bedeutung der gewonnenen Erkenntnisse für die Fitness- und Gesundheitsbranche und führte als Moderator durch die Veranstaltung.

Das könnte Sie auch interessieren: ''Fitmach-Aktion': Training und Long/Post COVID'

-Anzeige-

Für fitness MANAGEMENT berichtet

Mehr von diesen Autoren

Das marea Fitness in Lingen hat das Zertifizierungsverfahren „ZertFit“ der BSA-Zert nach DIN-Norm 33961 erfolgreich absolviert und beantwortet damit zugleich...
An dieser Stelle haben wir Anfragen Ihrer Kollegen, unserer Mitglieder, zum Thema Rechte und Pflichten gegenüber Mitarbeitern gesammelt. Kurz und...
Schulung von UV-Fachpersonal: In der Wahrnehmung vieler Betreiber und auch der Öffentlichkeit ist die Schulung und Zertifizierung von UV-Fachpersonal der...

Das könnte dich auch interessieren

Fitnesstrends im Ohr

Branchenrelevant oder nur ein Hype? Janosch Marx und Roman Spitko sprechen über die Trends für 2026 und geben eine Einordnung für den deutschen Markt.
Eine Frau denkt nach, daneben steht der Schriftzug „Wie viele Mitglieder trainieren aktuell in Fitnessstudios? Eckdaten 2026. Jetzt teilnehmen.“

Eckdaten 2026

DSSV, Deloitte und DHfPG starten die Eckdatenstudie 2026 und laden Fitnessbetriebe ein, die Zukunft der Branche aktiv mitzugestalten.

RKI-Studie, GLP-1 & smarte Blutdiagnostik

Fitness Flash News #36/25: RKI-Studie zur Gesundheitskompetenz, Technogym stellt Geräteserie 'Sand Stone' vor, Krafttraining und GLP-1 und ESN bietet mit Aware smarte Blutdiagnostik an.

EMF- und UVSV-Fachkunde

DHfPG, BSA-Akademie, BSA-Zert und APV-Zertifizierungs GmbH bieten ab 2026 neu strukturierte Angebote im Bereich Fachkunde EMF/UVSV an.
Grafische Deutschlandkarte in Schwarz-Rot-Gold mit Stethoskop, links Logos von AOK und Deutschem Krebsforschungszentrum.

Public Health Index 2025

Der Public Health Index 2025 zeigt Defizite der deutschen Präventionspolitik auf. Die Studie unterstreicht die Notwendigkeit von zielgerichteter Prävention im Rahmen eines Gesundheitsmanagements.
Eine blondhaarige Frau mittleren Alters trägt eine Virtual Reality-Brille und hält zwei Controller in den Händen, während sie in Boxhaltung vor einem Messestand auf der Fitnessmesse FIBO trainiert; im Hintergrund befinden sich großflächige Grafiken mit drei weiteren Personen in VR-Ausrüstung.

FIBO 2026

FIBO 2026 vereint Longevity, Fitnesstrends, Tech und Education in Köln und macht die Zukunft der Gesundheits- und Wellnessbranche live erlebbar.