Fitness | Autor: Prof. Dr. Daniel Kaptain |

Personal Training - Teil 2: Positionierung, Strategie und Tätigkeitsfelder

„Personal Training“ und die Tätigkeit der Personal Trainer aus Sicht der Wissenschaft: Im zweiten Teil werden mögliche Strategien und Inhalte, die Personal Trainer in der Praxis anwenden können, vorgestellt und thematisiert.

Die Vorteile, Nutzen und Effekte die durch Personal Training nachweisbar sind, wurden im ersten Teil unserer Serie dargestellt. Der Mehrwert einer professionellen und intensiven Trainingsbetreuung liegt auf der Hand. Jedoch hat eine solche Dienstleistung ihren Preis und benötigt Überzeugung sowie Vertrauen, dass ein solches Investment von Kundenseite aus getätigt wird. Vor dieser Herausforderung und Hürde steht jeder Personal Trainer am Anfang seiner „Karriere“ – vor allem der selbstständig agierende.

 Um überzeugend aufzutreten, die passende Ausrichtung zu finden und damit Kunden zu gewinnen, sind folgende Punkte zu Beginn zu klären:

1. Eigene Positionierung

Als „wer“ will man gesehen und verstanden werden? Wo liegen die fachlichen Schwerpunkte? Athletik und Leistung? Rehabilitation und Gesundheit? Motivation und Lifestyle?

Eine Spezialisierung beginnt mit der fachlichen Ausbildung, der eigenen Darstellung und dem Auftreten. Alles, vom Marketingauftritt über die eigene Personalisierung bis hin zur Kundenansprache, ist hierauf ausgerichtet. Daher sollte man versuchen, neben der Darstellung der eigenen Interessen und Grundeinstellungen („Was bedeuten einem selbst „Leistungsfähigkeit“, „Fitness“ etc.?), die angebotenen Dienstleistungen genau auf die gewünschte Zielgruppe auszurichten.

2. Strategie und Tätigkeitsfeld

Nach Definition des eigenen „Status-Quo“ muss ebenfalls das Umfeld der Tätigkeit festgelegt werden. Wo und wann soll das Training primär stattfinden? Ein Vorteil des Personal Trainings ist die zeitliche und räumliche Flexibilität bei der Wahl des Trainingsumfelds. Dabei kann der Kunde seine Vorlieben äußern, um gemeinsam mit dem Trainer die optimalen Rahmenbedingungen für das Training zu schaffen. Denn nur in motivierender Atmosphäre und bei entsprechenden räumlichen sowie materiellen Bedingungen ist ein optimales Training möglich. Der Trainer sollte also eine universelle Palette an Trainingsorten bereithalten, um dem Kunden passende Orte anbieten zu können, die zum Trainieren geeignet sind. Dabei sollte das Spektrum an Möglichkeiten so breit wie möglich gewählt werden: im Fitnessstudio, in der Natur, beim Kunden zu Hause oder im eigenen Trainingsraum. Diese Optionen bieten diverse Vor- wie Nachteile.

Trainingsort

Vorteile

Nachteile

Fitnessstudio

Umfassende Trainingsmöglichkeiten

Einschränkungen bei der Betreuung durch Personen und Geräusche im Umfeld möglich

Outdoor

Naturerlebnis/Ausgleich zum Alltag

Eingeschränkte Trainingsmöglichkeiten (v. a. Kraft)

Wetterabhängigkeit

beim Kunden (Büro/zu Hause)

Individuelle Atmosphäre

Kundenorientierung und keine An- und Abfahrtzeiten für Kunden

Eingeschränkte Trainingsmöglichkeiten

An- und Abfahrt für Trainer

Personal-Training-Studio/Raum

Optimale Trainingsatmosphäre, 1:1 Kundenbezug und ideale Trainingsbedingungen

Hohe Kosten bzgl. Investition für Trainer

Ökonomisches Risiko

 

Aus dieser groben Darstellung wird ersichtlich, dass es eine Art Kontinuum von Kunden- und Trainernutzen bzw. Kunden- und Trainervorteilen in Abhängigkeit von der Trainingsörtlichkeit gibt. Anders ausgedrückt: mit zunehmendem Kundennutzen (Training beim Kunden oder im PT- Studio) steigen die Kosten und Aufwendungen für den Trainer, was wiederum im Preis (Stundensatz) kompensiert werden muss. Dies erklärt die generelle Preisdifferenzierung: Im Fitnessstudio kann ein Personal Training zu einem deutlich geringeren Stundensatz angeboten werden als im eigenen PT-Studio, vor allem wenn der „Personal Trainer“ im Fitnessstudio angestellt ist. In diesem Fall ist es auch eher eine „individuelle“ Betreuungsleistung, die der Trainer im Auftrag des Studios erbringt. Ein selbstständiger Personal Trainer nutzt eine Kooperation mit dem Fitnessstudio, indem er bspw. eine „Miete“ für die Nutzung des Studios vereinbart. Eine solche Konstellation hat sowohl für den Trainer als auch für das Studio gewisse Vorteile. Der Trainer nutzt die Infrastruktur, während das Fitnessstudio neue Kunden gewinnt.

Generell sind die genannten Möglichkeiten als Optionen zu sehen, die in der Regel im Alltag eines Personal Trainers parallel genutzt werden. Natürlich muss bedacht werden, dass das „eigene“ Personal-Training-Studio wirtschaftlich nur dann sinnvoll ist, wenn eine ausreichende Auslastung erwirkt werden kann, also möglichst viele Trainingseinheiten in diesen Räumlichkeiten stattfinden.

3. Kooperationspartner

Wie aus der obigen Darstellung ersichtlich wird, kann ein Fitnessstudio ein sehr wichtiger Partner sein, da sich daraus vielfältige Vorteile für beide Parteien entwickeln können.

Kooperationspartner können unter anderem auch Vereine (Personal Training für Sportler/Athleten) sein. Generell geht es darum, dass ein Trainer sich ein Image aufbaut, indem er mit populären Kunden oder Kunden mit außerordentlichen Trainingserfolgen für seine Betreuungsqualität wirbt. Somit ist es von besonderem Interesse „werbewirksame Personen“ wie beispielsweise Leistungssportler als Kunden zu gewinnen, da diese oft als sportliche Vorbilder dienen. Der Verein hat dabei den Vorteil, dass die unter Vertrag stehenden Sportler eine optimale sportartspezifische Trainingsbetreuung erhalten.

Weitere Möglichkeiten sind Kooperationen mit Krankenkassen, die im Rahmen von Betrieblicher Gesundheitsförderung auf die Kompetenzen von Bewegungsanbietern zurückgreifen können. Aus Trainerperspektive ergibt sich so die Chance, Kunden aus diesem Umfeld zu akquirieren. Dies können Einzelpersonen sein, aber auch Firmen selbst. Beispielsweise können interne Trainings- und Gesundheitsmaßnahmen im Rahmen von Kleingruppentrainings ein interessantes Aufgabenfeld für Personal Trainer sein.

Fazit

Die hier exemplarisch aufgeführten Strategien sollen aufzeigen, welche umfassenden Möglichkeiten für Personal Training hinsichtlich der Organisation und potenzieller Zielgruppen bestehen. Die Aufgabenfelder und Tätigkeitsbereiche sind im selbstständigen Arbeiten sehr umfassend und bieten viele Chancen, gerade heutzutage, da Gesundheit und Fitness in vielen Lebensbereichen immer weiter in den Vordergrund rücken.

Im kommenden dritten und damit letzten Teil dieser Artikelserie werden die Kundenakquise und -bindung sowie die langfristige Ausrichtung von Personal-Training-Konzepten thematisiert.

 

 

Über den Autor
Prof. Dr. Daniel Kaptain ist u.a. Dozent an der DHfPG und der BSA-Akademie. Von 2010 bis 2013 promovierte er im Fachbereich Sportwissenschaften. Darüber hinaus ist er Experte für Konditions- und Athletiktraining sowie ausgebildeter Trainingstherapeut.

 

Zusatzinformation: Personal-Trainer-Zertifikat der BSA-Akademie
Zum „Personal Trainer“ existiert weder eine einheitliche Definition noch eine konkrete Berufsbezeichnung oder Ausbildung. Um in diesem Kontext Klarheit und Übersicht zu erzielen, hat z.B. die BSA-Akademie als professionelle Grundlage eine Bündelung der drei Basis-Lehrgänge: Fitnesstrainer/in-B-Lizenz, Fitnesscoach und Existenzgründung vorgenommen, die schon mit zwei weiteren, individuell wählbaren Spezialisierungen zum BSA-Personal-Trainer-Zertifikat führen. Die BSA-Personal-Trainer-Qualifikation ist jederzeit durch weitere Lehrgänge erweiterbar. Ziel ist es, sowohl angehenden Trainern, als auch potenziellen Kunden und Geschäftspartnern eine fundierte fachliche Ausbildungsstruktur zu ermöglichen.Mehr Infos: www.bsa-akademie.de/personaltrainer

 

Für den 1. Teil der fM Serie "Personal Training – Teil 1: Effekte und Nutzen" klicken Sie bitte hier.

 

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