Fitness | Autor: Anke Sörensen |

Fitness international: Das FLEX GYM in Budapest

Ádám Szedlacskó hat sich mit dem FLEX GYM in Budapest (Ungarn) einen Traum erfüllt und eine Hommage an die Bodybuilding-Kultur geschaffen. Im fM Interview verrät der Bodybuilding-Liebhaber, warum Legenden wie Arnold Schwarzenegger und Ralf Moeller ebenso hierher pilgerten wie Hollywoodstars heute während der Dreharbeiten. In der einzigartigen Atmosphäre, flankiert von überlebensgroßen Filmstatuen wie 'Hulk' und 'Superman', trainierten bereits Jamie Foxx, Will Smith, David Michael 'Dave' Bautista und Dwayne 'The Rock' Johnson, um nur einige zu nennen. Im September 2019 eröffnete Szedlacskó in seinen Räumen zusätzlich das Fitnessmuseum 'The Golden Era of Bodybuilding'.

fMi: Seit neun Jahren betreiben Sie erfolgreich das FLEX GYM. Woher stammte die Idee, ein eigenes Studio zu eröffnen und wie sind Sie in die Fitnessbranche gekommen?

Ádám Szedlacskó: Als ich 13 Jahre alt war, nahm mich mein Großvater mit zu einem Spiel der Harlem Globetrotters hier in Ungarn. Am Ausgang kaufte er mir ein Buch, das ich unbedingt haben wollte, die 'Encyclopedia of Modern Bodybuilding' von Arnold Schwarzenegger.

Darin fand ich Übungen für zu Hause, wie Dips zwischen zwei Stühlen oder Kniebeugen. Beim Lesen hat mich die Liebe zum Bodybuilding gepackt. Seitdem kaufte ich mir regelmäßig Zeitschriften wie die 'Sportrevue', herausgegeben von Albert Busek, sowie weitere Bücher zum Thema. Die Sportler wurden meine Vorbilder.


„Ich will solide Geräte, ohne viel Schnickschnack.“
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Ádám Szedlacskó, FLEX GYM Budapest


fMi: Wie kamen Sie gerade auf die 'Sportrevue'?

Ádám Szedlacskó: Ich habe drei Jahre bei meinem Stiefvater in Düsseldorf gelebt und dort fiel mir am Kiosk sofort die 'Sportrevue' als Bodybuilder-Zeitschrift auf. Sie war mein Favorit, ich hatte jede Ausgabe. (Lesen Sie auch: Muskel-Medien – Ein Kommentar von Albert Busek)

fMi: Zurück in die Gegenwart. Wann haben Sie das FLEX GYM gegründet?

Ádám Szedlacskó: Ich bin in den 90er-Jahren aufgewachsen, beeinflusst von dieser Zeit und ihrem Style, und habe schon lange von meinem eigenen Gym geträumt. So entstand die Idee, ein Studio im Oldschool-Style zu eröffnen.

Das, was viele Studios heute machen, ist nicht mein Geschmack. Ich will solide Geräte, ohne viel Schnickschnack – back to the roots.


„Das FLEX GYM ist kein Studio, sondern ein richtiges Gym!
Wenn jemand es als Fitnessstudio bezeichnet, läuft es mir kalt den Rücken hinunter.“
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Ádám Szedlacskó, FLEX GYM Budapest


In den Neunzigern war ich in einem Studio Personal Trainer, das nach fünf Jahren schließen musste. Mein damaliger Chef fragte, ob ich Interesse an den Geräten hätte. Obwohl ich noch gar keinen Platz dafür hatte, erkannte ich ihren Wert und nahm sofort einen Kredit auf, um sie zu kaufen.

In Budapest fand ich dann einen guten Standort und fing an. Auch der Name des FLEX GYM stammt von den Geräten. Die meisten gehören zur Gruppe FLEX Equipment und werden heute nicht mehr gebaut. Ich halte sie für die besten Maschinen, sie sind 'unkaputtbar'.

Bei mir sieht es aus wie in einem echten amerikanischen Fitnessstudio, ich kaufte nur ein paar andere Geräte dazu.

fMi: Als Besucher spürt man hier sofort eine außergewöhnliche Atmosphäre. Wie machen Sie das und was unterscheidet das FLEX GYM von anderen Fitnessstudios?

Ádám Szedlacskó: Das FLEX GYM ist kein Studio, sondern ein richtiges Gym! Wenn jemand es als Fitnessstudio bezeichnet, läuft es mir kalt den Rücken hinunter. Wir bieten vom Flair her ein echtes Gym, in das man hineinkommt und sofort trainieren will.

Ich achte auf alles: die Musik und darauf, dass kein Staub in den Ecken und kein Papier auf dem Boden liegt. Ich bin den ganzen Tag hier, das ist das Allerwichtigste. Wir sind erfolgreich, weil wir hier aus Leidenschaft arbeiten und mit dem ganzen Herzen dabei sind. Geld motiviert mich nicht.

fMi: Erinnern Sie sich an Meilensteine in der Geschichte Ihres Gyms, die Sie geprägt haben?

Ádám Szedlacskó: Ich genieße jeden Moment. Aber natürlich gab es besondere Augenblicke, zum Beispiel 2013, als Dwayne 'The Rock' Johnson zum Training vorbeikam. Damals lernte ich, worauf ich achten muss, wenn berühmte Personen hier sind.

Die müssen in Ruhe trainieren können, niemand sollte sie mit Fotos oder der Frage nach einem Autogramm stören. Wir haben das wohl so gut gemacht, dass Johnson während des Drehs von 'Herkules' 170 Tage lang jeden Tag hier trainierte. Ich verpasste keinen einzigen.

fMi: Hier trainieren viele weitere Stars wie Jamie Foxx, Will Smith und Arnold Schwarzenegger. Wie finden die Stars zu Ihnen?

Ádám Szedlacskó: Arnold Schwarzenegger oder, wie eben erwähnt, Dwayne 'The Rock' Johnson brauchen täglich ihr Training. Wenn jemand nach Budapest kommt, um einen Film zu drehen, läuft viel über Empfehlungen ab.

Die Stars wollen nicht riskieren, erst im Studio zu sehen, ob alles reibungslos läuft. Hier wissen sie, dass ich die ganze Zeit persönlich vor Ort bin. Sie können hier 24/7 herkommen, wann immer sie möchten.


„Jeder kennt Arnold Schwarzenegger als Star, als siebenfachen Mr. Olympia.
Aber ich kenne Arnold als echten Menschen und Freund.

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Ádám Szedlacskó, FLEX GYM Budapest


fMi: Gibt es einen prominenten Gast, zu dem Sie eine besondere Verbindung haben?

Ádám Szedlacskó: Ich kümmere mich immer um alle meine Gäste gleich und unterscheide dabei nicht zwischen weniger oder sehr berühmt. Stolz bin ich allerdings auf die Bodybuilding-Legenden, die ich früher nur aus Alberts Zeitschrift 'Sportrevue' kannte. Es bedeutet mir viel, dass sie bei mir trainierten. (Lesen Sie auch: Muskelkult wird Volkssport – Die Historie der Fitnessbranche (Teil 4))

fMi: Sie sind mit Arnold Schwarzenegger befreundet, er ist oft hier im FLEX GYM. Was bedeutet diese Freundschaft für Sie und das Studio?

Ádám Szedlacskó: Diese Freundschaft bedeutet mir alles. Sie ist mir mehr wert als alles andere, was ich im Leben erreicht habe. Jeder kennt Arnold Schwarzenegger als Star, als siebenfachen Mr. Olympia. Aber ich kenne Arnold als echten Menschen und Freund.

Als Star ist er groß, aber als Privatperson ist er noch sehr viel größer. Ich bin sehr stolz auf unsere Freundschaft und möchte ihn ebenfalls stolz machen. Deswegen will ich dieses Oldschool-Feeling und die Geschichte weitergeben. Ich schulde es ihm, alles für die nächste Generation zu bewahren.

fMi: Im vierten Stock haben Sie im September das Fitnessmuseum 'The Golden Era of Bodybuilding' eröffnet. Dort werden die alten Nautilus- und Universal-Geräte von Albert Busek ausgestellt. Wie kam es zu dieser Idee?

Ádám Szedlacskó: Im letzten Mai war ich gemeinsam mit Albert Busek beim Austrian World Summit in Wien, wo Arnold Schwarzenegger als Speaker auftrat. Albert besuchte mich vorher in Budapest und bot an, mir seine alten Geräte zu schenken, an denen Legenden wie Schwarzenegger trainiert haben.


„Ich habe mich sehr auf Alberts Gesicht gefreut.“
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Ádám Szedlacskó, FLEX GYM Budapest


Hier haben sie einen Ehrenplatz bekommen. Ich bin sehr stolz auf dieses Geschenk und darauf, heute mit dem Mann befreundet zu sein, mit dessen Zeitschriften ich aufgewachsen bin. Das Museum wurde im Stil der 80er-Jahre renoviert, damit die Besucher ein Gefühl für die damalige Zeit bekommen.

Es soll genauso aussehen wie sein Studio in München. An dem Museum habe ich Tag und Nacht gearbeitet und mich auf Alberts Gesicht gefreut, wenn er es zum ersten Mal sieht.

fMi: Albert Busek selbst hat uns erzählt, dass es in seinen Augen keinen Menschen gibt, der Bodybuilding so sehr liebt wie Sie. Können Sie diese Aussage bestätigen?

Ádám Szedlacskó: Ja, das kann man so sagen. Ich liebe Bodybuilding wirklich und trainiere seit 1991. Damals war ich Jugend-Bodybuilding-Meister in Nordrhein-Westfalen.

Ich hatte noch nie das Gefühl, dass Bodybuilding mich langweilt oder meine Leidenschaft erloschen ist. Jeden Tag komme ich mit neuen Ideen in mein Studio.

fMi: Hier läuft den ganzen Tag der Kultfilm des Bodybuildings „Pumping Iron“ mit Arnold Schwarzenegger und Lou Ferrigno. Spiegelt diese Zeit Ihre Unternehmensphilosophie wider?

Ádám Szedlacskó: Ich hätte wirklich gern einmal in den 70er-Jahren trainiert. Die Fotos aus dieser Zeit zeigen echte Freundschaften, gute Laune und hartes Training – keine Selfies, aber viel Spaß und Freude an der Sache.


„Social Media ist ein eigener Job, das kann ich nicht.“
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Ádám Szedlacskó, FLEX GYM Budapest


fMi: Apropos Selfies – in Deutschland setzen viele Studios auf Social Media. Wie wichtig sind Ihnen diese Kanäle?

Ádám Szedlacskó: Ich bin ein bisschen oldschool. Obwohl ich sehr viele Bilder von meinem Studio habe, will ich nicht jeden Tag eins posten, nur weil man posten muss. Ich teile meine Bilder dann, wenn der richtige Zeitpunkt gekommen ist. Social Media ist ein eigener Job, das kann ich nicht.

fMi: Hier trainieren nicht nur Stars, sondern auch andere Mitglieder. Welche Menschentypen bildenden Mitgliederstamm?

Ádám Szedlacskó: Die Bandbreite unserer Mitglieder reicht wie in den meisten Studios vom Studenten bis zum 75-Jährigen. Ich bin froh, dass es ganz normale Mitglieder sind, denn diese sind für einen Geschäftsmann ökonomisch am besten, weil sie auch mal einen Proteinriegel essen und einen Eiweißshake trinken.

Wir haben hier aber auch Mitglieder, die intensiv für Wettkämpfe trainieren und sich optimal vorbereiten wollen. Dank der fast 200 Geräte sind die Möglichkeiten sehr komplex.

fMi: Inzwischen bieten Sie neben dem Bodybuilding auch zwei CrossFit-Boxen und Kampfsport an. Warum sind Trainingsangebote über das Krafttraining hinaus wichtig?

Ádám Szedlacskó: Die Mitglieder entscheiden selbst, in welchen Bereich und zu welchem Trainer sie kommen. Einer unserer Trainer wirbt auf Social Media mit Kampfsport – das ist gut für ihn und für uns.

fMi: In Deutschland haben wir ein Wachstum in der Fitnessbranche von circa fünf Prozent pro Jahr. Wie sieht der Wettbewerb in Ungarn aus, werden hier viele Studios neu eröffnet?

Ádám Szedlacskó: Ja, deswegen ist es gut, dass wir uns durch unser individuelles Konzept abheben. Wir sind zum Beispiel auf alle Probleme mit den Maschinen vorbereitet.


„Sie finden hier kein Gerät, das nicht funktioniert.“
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Ádám Szedlacskó, FLEX GYM Budapest


Als Arnold Schwarzenegger einmal trainierte, riss ein Trizepsseil. Schon als er mit seinen Bizepscurls fertig war, war das Seil ausgetauscht. Das geht in anderen Studios nicht. Sie finden hier kein Gerät, das nicht funktioniert.

In Budapest eröffnen viele Studios, in die viel Geld gesteckt wird. Aber Geld lässt sich hier nur verdienen, wenn man Tag und Nacht vor Ort ist. Das Studio ist wie ein Kind, auf das man immer ein Auge haben muss.


„Meine Frau ist eifersüchtig auf das Studio.“
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Ádám Szedlacskó, FLEX GYM Budapest


Unsere Rezeption öffnet morgens um 6 Uhr, ich bin ab 8:30 Uhr hier. Nachmittags hole ich meine Kinder von der Schule ab, verbringe Zeit mit meiner Familie und komme abends wieder bis 23 Uhr ins Studio.

Beim Umbau für das Museum war ich auch mal bis 3 oder 4 Uhr morgens hier. Das Gym macht eine Riesenarbeit, aber ermüdet mich nicht, mir macht alles Spaß. Weil ich so oft und lange hier bin, ist meine Frau auch nicht eifersüchtig auf eine andere Frau, sondern auf das Studio.

fMi: Das klingt nach einem Leben für die Leidenschaft. Was hat sich in den letzten Jahren verändert, wie stark hat sich das FLEX GYM vergrößert?

Ádám Szedlacskó:Bei der Eröffnung am 4. Oktober 2010 hatten wir eine Etage mit einer Fläche von 600 bis 700 Quadratmetern. Jetzt sind wir bei fünf Etagen mit 3.000 Quadratmetern.

fMi: Noch eine Frage zum Schluss: Welchen Rat können Sie deutschen Fitnessstudio-Betreibern geben?

Ádám Szedlacskó:Du musst deinen Job und deinen Sport lieben! Man sollte mit dem Herzen dabei sein. Es ist wichtig, dass nicht nur das Geld motiviert.

Die Eckdaten des FLEX GYM

Eröffnung: 10. April 2010
Gesamtfläche: 3.000 m2
Mitarbeiter: 5 feste Trainer, 70 nicht fest angestellte Personal Trainer
Angebot: Bodybuilding, CrossFit, Functional Training, Cardio Park, Fight Area, Outdoorfläche Street Workout
Ausstattung: FLEX Restaurant, Finnische und Infrarot-Sauna, Massagen, Kryotherapie, InfraTrainer®
Mitgliedsbeitrag: 17.000 Forint, ca. 50 Euro pro Monat

Der Unternehmer hinter dem FLEX GYM

Ádám Szedlacskó ist 44 Jahre alt, verheiratet und hat zwei Töchter. Der Bodybuilding-Liebhaber trainiert fast täglich sehr intensiv, anderthalb Stunden lang Supersätze, und hat noch nie im Leben Alkohol getrunken.
Aufgrund einer Diabetes-Erkrankung konnte er in jungen Jahren in Deutschland nur einen Wettkampf bestreiten. Trotzdem blieb er der Branche treu und arbeitete zunächst als Personal Trainer.
Vor neun Jahren eröffnete er das FLEX GYM in Budapest, das mit Fotos, Wandmalereien, Airbrush, Postern, überlebensgroßen Filmstatuen und Signaturen der Stars die Bodybuilding-Kultur feiert.

Den vollständigen Artikel finden Sie in fMi Ausgabe 01/2020

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