Fitness, Markt | Autor: Albert Busek |

Meilensteine der Professionalisierung - ein Kommentar von Albert Busek

Der Unternehmer, Sportfunktionär, Studiobesitzer der ersten Stunde und Pionier der Kraftsport-Szene sowie Herausgeber und Chefredakteur mehrerer Bodybuilding-Zeitschriften, Albert Busek, kommentiert für fitness MANAGEMENT die Rolle der Medien für die Professionalisierung der Fitnessbranche.

Meilensteine der Professionalisierung - ein Kommentar von Albert Busek

Von Albert Busek

Seit den Zeiten von Eugen Sandow haben Bücher und vor allem Magazine ganz wesentlich zur Popularisierung und damit zur Entwicklung des umfassenden und gezielten Körpertrainings beigetragen.

Zum Thema „Physical Fitness“ erschienen in England bereits Ende des 19. Jahrhunderts die ersten Zeitschriften, u. a. auch die Zeitschrift von Sandow. Die 1898 gegründete „Health and Strength“ hat sich bis in die Gegenwart gehalten und wurde sogar während des 2. Weltkrieges aufgelegt. In Deutschland gab Kaiser Wilhelm II. die Maxime aus: „Wir wollen eine kräftige Generation!“ Ab 1900 erschien die Zeitschrift „Kraft und Schönheit“, wobei der damalige Zeitgeist von „Zucht und Ordnung“ mitbestimmend war.

Anfänge des „Bodybuilding“ in Deutschland Mitte der 1950er

Wie in den vorangegangenen Teilen der fM-Reihe "Historie der Fitnessbranche" berichtet, begann die Entwicklung des Körpertrainings unter dem von Sandow geprägten Begriff „Bodybuilding“ in Deutschland erst Mitte der Fünfzigerjahre. Das erste deutsche Bodybuilding-Magazin war „Herkules“, das 1957 von Rolf Putziger in Berlin herausgegeben wurde. Berlin war damals eine erste Bodybuilding-Hochburg. Bereits 1956 hatte der 1932 in Graz geborene Leopold „Poldi“ Merc das erste Bodybuilding-Studio in Berlin gegründet (das zweite in Deutschland nach Harry Gelbfarbs Studiogründung 1955 in Schweinfurt). Anlässlich der 1966 parallel zur Gewichtheber-WM ausgetragenen Mr. Universum-Wahl in Berlin kam auch Teilnehmer Arnold Schwarzenegger ins Studio von Poldi. 1964 gewann Poldi als erster deutschsprachiger Bodybuilder den Mr. Universum-Titel in London (Profi, kleine Klasse). Poldi lag Zeit seines Lebens die individuelle Betreuung am Herzen – er kann als erster Personal Trainer Deutschlands angesehen werden.

Nachfolger von „Herkules“ war dann „Sport & Kraft“, die zunächst wie „Herkules“ im DIN-A5-Format und später dann im DIN-A4-Format erschien (insgesamt 68 Ausgaben). 1960 präsentierte sich die US-Firma Weider auf dem deutschen Markt und publizierte die deutsche Ausgabe ihres US-Magazins „Muscle Builder“ unter dem Namen „Der Muskelbilder“. Es konnte sich einige Jahre halten, aber nach 43 Ausgaben war Schluss.

Neben der „Fox’ Tönenden-Wochenschau“ im Kino wurde damals ausschließlich in Zeitschriften und Büchern über Bodybuilding und Fitness berichtet, das Internet war noch ferne Zukunft.

Nach einem Rechtsstreit mit dem neuen Inhaber von „Sport & Kraft“ gründete Rolf Putziger 1963 die „Kraftsport Revue“, bei der ich von Anfang an neben meinem Studium mitarbeitete. Ich erinnere mich noch gut daran, als ich am 22. November 1963 am späten Abend im damaligen „Universum-Sportstudio“ in der Schillerstraße in München die Nr. 1 in Händen hielt und beim Durchblättern im Radio die Meldung kam, dass Präsident John F. Kennedy erschossen wurde.

Aus der „Kraftsport Revue“ wird die „SPORTREVUE“

Ab Oktober 1964 machte ich mein Hobby zum Beruf und „lebte“ bis Juni 2017 als Redakteur, Fotograf und „Magazinmacher“ für verschiedene Medien meinen beruflichen Traum. Seit dieser Zeit versuchten viele Einzelpersonen und Firmen, eigenständige Publikumszeitschriften mit „Muskel-Themen“ auf den deutschen Markt zu bringen, die sich aber nicht dauerhaft halten konnten, darunter u. a. Athletik 2000, Der Kulturist, Kraftsport Magazin, Vita Sport, Posedown, Body Style, Sport + Training, Bodysport International, Gym. Ab Dezember 1969 wurde mit Nr. 60 aus der „Kraftsport Revue“ die „SPORTREVUE“. Nur zwei Magazine konnten sich daneben – zumindest etwas länger als die übrigen – am Markt halten: Athletik Sportjournal (1967–1983 mit 92 Ausgaben) sowie Sport + Fitness.

Mit der Ausgabe 106 erschien im September 1977 die SPORTREVUE in neuer Konzeption. Sie wurde in den folgenden Jahren zum „Motor“ der Branche, wie ich in der 200. Ausgabe in einer Retrospektive formulierte. In der ersten Hälfte der Neunzigerjahre war die SPORTREUVE mit einer durchschnittlich verbreiteten Druckauflage von 140.000 Exemplaren der überragende Marktführer. Dieser Erfolg rief die größeren Verlage auf den Plan und in rascher Folge erschienen ab 1994 „Fit for Fun“ und „Men’s Health“. In dieser Zeit startete auch die amerikanische Firma Weider mit der inzwischen auf „Muscle & Fitness“ umbenannten Zeitschrift erneut auf dem deutschen Markt – zunächst mit mäßigem Erfolg, jedoch ab 2002 zunehmend erfolgreicher. Zusätzlich brachte sie „FLEX“ als deutsche Ausgabe auf den Markt (ein erster Versuch in 1987 wurde nach drei Jahren beendet).

Von einer Gruppe weniger Enthusiasten zum Volkssport

Bereits in den Achtzigerjahren erschienen die ersten Insider-Fachmagazine für den deutschen Fitnessmarkt, die sehr schnell ganz wesentlich zur Stabilisierung und Professionalisierung vor allem des Studiomarktes beitrugen, wie z. B. fitness MANAGEMENT international, Fitness Tribune und medical fitness and health care.

Von einer Gruppe weniger Enthusiasten Ende der Fünfzigerjahre ist das gezielte Körpertraining in Deutschland zum Volkssport mit über 11 Millionen Aktiven geworden. In mehr als sechs Jahrzehnten haben die Medien zu jeder Zeit entscheidend zu diesem einzigartigen Erfolg beigetragen. Die Technologie hat sich dramatisch gewandelt, aber hochwertige, verifizierbare Inhalte und Informationen sind begehrter denn je. Ebenso die Aus- und Weiterbildung. It’s just the beginning.

Albert Busek

Albert Busek ist u. a. Unternehmer, Studiobesitzer, Gründer der BSA-Akademie und einer der Wegbereiter des Bodybuildings in Deutschland. Als Sportfunktionär bei Bodybuilding-Meisterschaften trat er erstmals 1960 in Erscheinung. Als langjähriger Präsident des Deutschen Bodybuilding- und Fitnessverbandes (DBFV) sowie Herausgeber und Chefredakteur mehrerer Bodybuilding-Zeitschriften stieg er zu einem der einflussreichsten Funktionäre der deutschen Kraftsportszene auf.

Den vollständigen Artikel finden Sie in fMi Ausgabe 04/2019

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