Fitness, Gesundheit, Markt, DSSV | Autor/in: fM Redaktion |

Gipfeltreffen „Bewegung auf Rezept?!“ – Ärzt:innen sollen mehr Bewegung verschreiben

Die angemessene Dosis von Sport und Bewegung finden: Mehr als 30 Vertreter:innen aus Wissenschaft, Gesundheitspolitik, Medizin, Krankenkassen und Vereinen haben an der Universität Hamburg über das Thema „Bewegungsförderung in der Prävention – Bewegung auf Rezept?!“ gesprochen. Zum Gipfeltreffen mit Workshops und anschließender Podiumsdiskussion eingeladen hatte der SMHS – Sports, Medicine and Health Summit. Die Teilnehmer:innen verständigten sich auf eine intensivere Zusammenarbeit, um die Verschreibung von Bewegung in der ärztlichen Praxis zu stärken. Geplant ist außerdem ein Gespräch mit Bundesgesundheitsminister Lauterbach (SPD).

Bewegung auf Rezept – Podiumsdiskussion an der Universität Hamburg

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Die wichtigsten Fakten in Kürze:

  • Sports, Medicine and Health Summit (SMHS) und Hamburger Innenbehörde veranstalten erstes interdisziplinäres Gipfeltreffen zu Bewegung, Sport und Prävention.
  • Mehr als 30 Expert:innen aus mehr als 20 Institutionen tauschen sich an der Universität unter anderem zum Thema „Bewegung auf Rezept“ aus.
  • Teilnehmer:innen fordern stärkere Vernetzung der beteiligten Interessensgruppen beim Thema Bewegungsförderung.
  • Bürokratische Hürden müssten abgebaut werden, außerdem gelte es, Sport und Bewegung (Gesundheit und Prävention), im Bundesgesundheitsministerium zu verankern, dazu ist ein Gespräch mit Bundesgesundheitsminister Lauterbach (SPD) anberaumt.
  • DSSV, DHfPG und fitness MANAGEMENT waren ebenfalls vor Ort dabei.
  • Der nächste SMHS findet im Juni 2023 im Congress Center Hamburg (CCH) statt.

Los geht's! Die Hintergründe und Detailinformationen:

In der Gesundheits- und Bewegungsförderung stellt die Verschreibung von Bewegung durch Mediziner:innen ein wichtiges Instrument dar. Sie sollen ihren Patient:innen etwa mittels eines „Rezepts für Bewegung“ die Aufnahme von körperlicher Betätigung empfehlen – darauf einigten sich die mehr als 30 beteiligten Akteur:innen aus 20 Institutionen des Gipfeltreffens in Hamburg.

DSSV – Arbeitgeberverband deutscher Fitness- und Gesundheitsanlagen, DHfPG – Deutsche Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement und fitness MANAGEMENT waren mit folgenden Personen vertreten:

  • Prof. Dr. Arne Morsch (Fachbereichsleitung Gesundheitswissenschaft, DHfPG),
  • Prof. Dr. Thomas Wessinghage (Prorektor Hochschulentwicklung und Transfer, DHfPG / DSSV e.V.),
  • Florian Kündgen (stv. Geschäftsführer DSSV e.V.) und
  • Janosch Marx (Geschäftsführer fitness MANAGEMENT international).

Fest steht: Patient:innen werden in Folge einer solchen schriftlichen Empfehlung eher körperlich aktiv. Ärzt:innen setzen sie bislang jedoch nur selten um.

Die Gründe für diese zögerliche Beratung zu Bewegung wurde während des ersten Gipfeltreffens „stellenweise hitzig diskutiert“, so Prof. Dr. Dr. Winfried Banzer, Mitautor der „Nationalen Bewegungsempfehlungen“ der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA, zum PDF-Download).


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Als Hürden identifizierten die Expert:innen unter anderem einen Mangel an Wissen der Mediziner:innen über den Effekt und die angemessene Dosis von Bewegung und Sport. Eine Rolle spielten aber auch die fehlende und bürokratische Vergütung der Beratungsleistung durch die Krankenkassen und eine mangelnde Vernetzung zwischen Ärzt:innen und Anbietern von Sport und Bewegungskursen.


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Winfried Banzer sieht in dem Hamburger Gipfeltreffen einen ersten, sehr wichtigen Schritt: „Nur gemeinsam können wir das schaffen. Wenn jede Interessensgruppe glaubt, in ihrem kleinen Reich bleiben zu können, dann kommen wir nicht weiter.“

Nach dem Auftakt des Gipfeltreffens im Workshopformat griffen die beteiligten Akteur:innen die einzelnen Aspekte in einer Podiumsdiskussion auf. Daran beteiligten sich etwa Joachim Becker, im Bundesministerium für Gesundheit zuständig für den Bereich Prävention, und Kerstin Holze, Vizepräsidentin des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB).

Schlüsselfunktion in der Bewegungsförderung

Weitere Podiumsteilnehmer:innen waren Tanja Obst, Leiterin des Geschäftsbereichs Leistung der DAK-Gesundheit, Prof. Dr. med. Klaus-Michael Braumann, Hamburger Sportmediziner und Ehrenpräsident der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention (DGSP) und Christoph Holstein, Sportsstaatsrat der Hamburger Behörde für Inneres und Sport.

Holstein betonte gleich zu Beginn: „Ärztinnen und Ärzte können eine Schlüsselfunktion in der Bewegungsförderung übernehmen – wir wollen Ärztinnen und Ärzte in Hamburg ermutigen, häufiger zu Bewegung zu beraten“.

Therapie dient auch der Prävention

Klaus-Michael Braumann stört sich insbesondere an der begrifflichen Trennung von Prävention und Therapie und den damit verbundenen verändernden Verantwortungsbereichen bei Krankenkassen.


„Für mich ist es ganz klar: Man mogelt sich um die Zuständigkeiten herum.“
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Prof. Dr. med. Klaus-Michael Braumann – Sportmediziner und Ehrenpräsident DGSP


Braumann wies darauf hin, dass sich Bewegung längst als wirksame Therapie erwiesen habe und eine angemessene Rolle im Gesundheitssystem erhalten müsse. Kerstin Holze hält es beim Thema Bewegungsförderung für unabdingbar, Sport und Bewegung mit dem Fokus Gesundheit und Prävention strukturell im Bundesministerium für Gesundheit zu verankern.

Im Video: Bewegungsförderung in der Prävention

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„Das war ein guter Einstieg in eine noch intensivere Zusammenarbeit der verschiedenen wichtigen Akteure, um Bewegungsförderung in unterschiedlichen Settings erfolgreich umzusetzen und insbesondere ein Rezept für Bewegung als ein wichtiges Tool zu stärken. Wir machen hier weiter“, sagte Dr. Nils Schumacher, Initiator des Gipfeltreffens und einer der Organisatoren des SHMS – Sports, Medicine and Health Summit.

SMHS 2023 in Hamburg

Der Sports, Medicine and Health Summit (SMHS) 2023 findet vom 22. bis 24. Juni am CCH Hamburg statt. Weitere Informationen erhalten Sie direkt hier auf der Veranstaltungswebsite.

Joachim Becker versprach abschließend, die „guten Impulse“ in ein Gespräch mit Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) mitzunehmen.

Weitere Beteiligte Institutionen des Bewegungsgipfels – neben der Innenbehörde der Freien und Hansestadt Hamburg als Mitveranstalter – waren etwa die Bundesärztekammer, der Verband der Ersatzkassen (vdek), die deutsche Vereinigung für Sportwissenschaft (dvs), der Deutsche Verband für Gesundheitssport und Sporttherapie (DVGS), der Bundesverband Niedergelassener Kardiologen (BNK), die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) und der Hamburger Sportbund (HSB).

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