Fitness, Gesundheit | Autor: Christina Esser |

Ernährungsmythos Flexitarismus – gut für Umwelt und Mensch?

Pudding-Vegetarier, Rohköstler, Ovo-Lakto-Vegetarier – Formen von Vegetarismus gibt es viele. In diesem Kontext verbreitet sich der Begriff des Flexitarismus zunehmend. Was sind aber Flexitarier? Eine Randgruppe, ein Trend, eine Zielgruppe für Fitness- und Gesundheitseinrichtungen oder ist Flexitarismus sogar Zukunft für alle?

Ernährungstrend Flexitarismus: Wie gesund ist er und wie profitiert die Umwelt?

Der Begriff Flexitarier bezeichnet flexible Vegetarier. Sie essen generell Fleisch, tun dies aber nicht täglich oder regelmäßig. Sie schränken ihren Fleisch- und auch Fischkonsum somit stark ein (Mensink et al., 2016). Wie gering der Fleischverzehr ausfällt, ist jedoch nicht genau definiert.

Umwelt und Tierwohl

Flexitarismus liegt im Trend. Eine von der Georg-August-Universität Göttingen und der Universität Hohenheim durchgeführte Befragung zeigt, dass es eine große Anzahl an Menschen gibt, die bewusst wenig Fleisch essen (Flexitarier, 11,6 %) oder ihren Konsum reduzieren wollen (9,5 %).


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Dem Großteil der Flexitarier liegt die Umwelt und das Tierwohl sehr am Herzen. Fast 80 Prozent von ihnen ist die Qualität des Fleisches sehr wichtig. Außerdem besteht eine größere Zahlungsbereitschaft für qualitativ hochwertiges Fleisch (Cordts, Spiller, Nitzko, Grethe & Duman, 2013).


 


Hohes Gesundheits- und Umweltbewusstsein

Flexitarismus hat viele Vorteile. Wer seltener Fleisch konsumiert, dafür dann aber tiefer 'in die Tasche greift', tätigt keine Ausgaben, sondern investiert in seine Gesundheit! Biofleisch (und Biomilch) enthalten 50 Prozent mehr Omega-3-Fettsäuren als Produkte aus konventioneller Tierhaltung. Durch eine gute Versorgung mit Omega-3-Fettsäuren kommt es unter anderem zu weniger Entzündungen und bei Sportlern zu einer besseren Regeneration.


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Biomilch enthält zusätzlich mehr Mineralstoffe und Antioxidantien (Średnicka-Tober et al., 2016). Bioprodukte stehen für artgerechtere Tierhaltung. Der Einsatz von Antibiotika wird vermieden oder stark begrenzt, dadurch kommt es zu weniger Antibiotikaresistenzen bei den Konsumenten. Das alles macht Tier und Mensch gesünder. Außerdem übernimmt jeder durch die Verwendung von Bioprodukten Verantwortung für eine geringere Umweltbelastung.

Nährstoffversorgung bei 'Teilzeitvegetariern'

Die Nährstoffempfehlungen für Jod, Vitamin D, Eisen und Kalzium werden nicht umfassend von jedem gedeckt (MRI, 2008). Grundsätzlich gilt, je mehr Lebensmittelgruppen vom Speiseplan verschwinden, desto eher können Versorgungsprobleme auftreten.


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So können bei Ovo-Lacto-Vegetariern zusätzlich Zink, Selen und Omega-3-Fettsäuren kritisch sein und bei Veganern zusätzlich noch Vitamin B2 und B12. Diese Versorgungslücken, die durch vegetarische oder vegane Ernährung entstehen, können Flexitarier durch gelegentlichen Fleisch- und Fischverzehr minimieren.

Zukunft der Ernährung?

Flexitarismus könnte in Zukunft noch bedeutsamer werden. Denn der Klimawandel zeigt sich auch hierzulande deutlich. Jeder, der Verantwortung für die Umwelt sowie die eigene Gesundheit übernehmen möchte, kann dies auf vielen Wegen tun. Selbst kleine Dinge zeigen dabei Wirkung.

Wer beispielsweise seltener Fleisch konsumiert, dafür aber hochwertig und aus artgerechter Tierhaltung, trägt aktiv zum Klimaschutz bei. Neben der besseren Behandlung der Tiere ist ihr Fleisch auch gesünder für den menschlichen Organismus.


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Auch der Verzehr von Biogemüse und -obst kann die Umwelt schonen: Unter dem Einsatz von Pflanzenschutzmitteln leiden Feldvogelarten, Wildbienen, Insekten und die Blütenvielfalt, was nicht nur zu Artensterben führen kann, sondern auch den Ökosystemen der umliegenden Gewässer schadet.

Wer Gemüse, Obst oder Getreide in Bioqualität kauft, minimiert das Artensterben und schützt unsere Gewässer. Schließlich sind Rückstände von Pflanzenschutzmitteln in den konsumierten Lebensmitteln nicht nur für Vögel und Insekten gesundheitsschädlich.

Qualität oft keine Preisfrage 

Qualitativ hochwertige Lebensmittel sind zwar nicht günstig, aber das sind minderwertigere Lebensmittel häufig auch nicht. So mancher Einkauf im Bioladen ist nicht oder nur unwesentlich teurer als im Supermarkt. Wer sich nun die Frage stellt, wo man regionales Biofleisch kaufen kann, muss einfach nur Augen und Ohren offenhalten.


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Mittlerweile gibt es ein stetig wachsendes Netzwerk an Hofläden und Biobauernhöfen mit Direktverkauf, deren Lage und Verkaufszeiten in der Regel mithilfe der gängigen Suchmaschinen im Internet herausgefunden werden kann. Flexitarismus könnte daher in Zukunft nicht nur aus gesundheitlichen, sondern auch aus ökologischen Gründen für alle interessanter werden.

Flexitarier als Zielgruppe der Branche

Der geringe Fleischverzehr geht oft mit einer gesundheitsbewussten Ernährungs- und Lebensweise einher (Leitzmann & Keller, 2020). Vegetarier oder Flexitarier besuchen im Vergleich zur restlichen deutschen Gesellschaft generell häufiger Fitnessstudios (IfD Allensbach, 2020; zitiert nach Statista, 2020). Auch die Beweggründe sind so vielfältig wie die Ernährungsformen selbst.


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Die eigene Fitness und das Körpergewicht motivieren 40 Prozent der Flexitarier. Die eigene Gesundheit und das Wohlbefinden stehen bei Flexitariern hoch im Kurs (EARSandEYES, 2019; zitiert nach Statista, 2020).

Aufgrund ihrer Affinität zu ernährungs- und bewegungsrelevanten Themen könnten Flexitarier mit einer Portfolioerweiterung, wie etwa durch angepasste Angebote zur Ernährungsberatung oder durch nachhaltig produzierte Produkte, als Zielgruppe direkt angesprochen werden.

Fazit

Flexitarier sind längst keine Randgruppe mehr. 11,6 Prozent der deutschen Bevölkerung essen bereits bewusst weniger Fleisch, ohne gänzlich darauf zu verzichten. Durch ihre gesundheitsbewusste Lebensweise befassen sie sich nicht nur mit der Herkunft und Qualität ihrer Nahrung, sondern besuchen auch häufiger Fitness- und Gesundheitseinrichtungen. Dadurch stellen sie eine große Zielgruppe für Gesundheits- und Fitnesseinrichtungen dar!


 

Über die Autorin

Christina Esser, B. A. Ernährungsberatung, arbeitet als Dozentin, Tutorin und Autorin an der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement (DHfPG) sowie an der BSA-Akademie im Fachbereich Ernährung. Sie ist als Referentin und als lizenzierte Trainerin im Ernährungs- und Trainingsbereich tätig.


Auszug aus der Literaturliste

Cordts, A., Spiller, A., Nitzko, S., Grethe, H. & Duman, N. (2013). Imageprobleme beeinflussen den Konsum – Von unbekümmerten Fleischessern, Flexitariern und (Lebensabschnitts-)Vegetariern. Fleischwirtschaft, 7/2013, 59–63.
Leitzmann, C. & Keller, M. (2020). Vegetarische und vegane Ernährung. (4., vollständig überarbeitete und erweiterte Aufl.). Stuttgart: Eugen Ulmer.
Średnicka-Tober, D., Barański, M., Seal, C., Sanderson, R., Benbrook, C., Steinshamn, H. et. al. (2016). Composition differences between organic and conventional meat: a systematic literature review and meta-analysis. The British Journal of Nutrition, 115 (6).

Für eine vollständige Literaturliste kontaktieren Sie bitte marketing@dhfpg-bsa.de.

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