Fitness | Autor: Daniel Kaptain |

Auf die Trainingsqualität kommt es an! (Teil 2)

Grundlage für einen praxisorientierten Lösungsansatz ist eine optimale Trainingsbetreuung. Im Mittelpunkt steht der Trainer und seine in drei Säulen aufgeteilte Dienstleistung am Kunden.

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Thema des ersten Artikels war die Sensibilisierung für den Bedarf eines qualitativ hochwertigen Trainings und die Probleme in der Umsetzung. Um einen praxisorientierten Lösungsansatz zu bieten, werden nun folgend die Anforderungen an eine optimale Trainingsbetreuung skizziert – im Mittelpunkt steht der Trainer und seine in drei Säulen aufgeteilte Dienstleistung am Kunden.

Die zentralen Trainerkompetenzen

1. Fachlich

Um die Bedürfnisse, vor allem aber auch die Belastbarkeit des Kunden zu kennen, bzw. abzuwägen, welche Trainingsstrategie respektive Dosierung bzgl. Übungsauswahl und Progression sinnvoll und Erfolg versprechend ist, sind Fachkenntnisse im Bereich Anatomie/Physiologie eine Grundvoraussetzung. Nur wer die Funktionsweise des Körpers und dessen Anpassungsvorgänge kennt, kann ein spezifisches und verträgliches Trainingsprogramm erstellen und anleiten.

Hier ist vor allem eine durchdachte Trainingssteuerung zu benennen, die diverse Trainingsprinzipien in Bezug auf den jeweiligen Kunden und dessen Zielsetzungen, Belastbarkeiten aber auch Vorgaben (Trainingswünsche, Zeitinvestition) berücksichtigt. Eines der elementarsten – vor allem im Hinblick auf den modernen Lebenswandel – ist sicherlich das Prinzip von Belastung und Regeneration. Der Trainer muss hierzu berücksichtigen, dass die Anpassungen auf ein reizüberschwelliges (und damit effektives) Training in direktem Bezug und Abhängigkeit der darauf folgenden Regenerationsphase stehen. In der Praxis bedeutet dies, dass nicht nur die Verträglichkeit und das Absolvieren des Trainings zu betrachten und zu bewerten ist, sondern auch die Phasen davor und danach. In wie weit und wie gut kann sich der Kunde von den im Training erwirkten Reizen erholen? Wie hoch ist seine Stressbelastung? Wie ist seine Ernährungsweise? Gibt es Phasen ausreichender und Phasen geringerer Belastbarkeit? Wie lange dauert es, bis sich der Kunde erholt hat? Wann verspürt er die ersten Effekte des Trainings und welche sind dies? Macht das Training Spaß und kann dies auch regelmäßig durchgeführt werden? Anhand dieser kurzen Auswahl an Fragen wird ersichtlich, wie viele Informationen der Trainer sammeln muss und wie hoch der Einfluss des Faktors „Lifestyle“ ist, der nicht direkt vom Trainer beobachtet und beeinflusst werden kann.

Allein der Faktor „Stress“ ist nachweislich eine wahrliche „Leistungsbremse“. Eine nicht angepasste Trainingsintensität und eine ungenügende Erholungsqualität (zu wenig Schlaf, unzureichende Ernährung, psychischer Stress) reduzieren die Trainingseffekte um bis zu 30 Prozent bzw. können zu einer deutlichen Verlängerung der Erholungszeiten führen. Eine Vorgehensweise nach dem Prinzip „Viel hilft viel“ wäre somit genau die falsche Maßnahme und würde sehr schnell zu Überbelastungen und Trainingsfrust führen. Dies zeigt den umfassenden Betreuungs- und Beratungsaufwand, den ein versierter Trainer leisten muss.

Ein weiterer und ebenso umfassender Aspekt ist das Themenfeld Ernährung. Auch hier sollte der Trainer in Grundzügen beratend wirken bzw. die Bedeutung einer bedarfsorientierten Ernährung respektive deren sinnvolle Umsetzung verdeutlichen.

Nicht zuletzt fällt unter diese Kategorie auch ein umfassendes Übungsportfolio, welches nicht nur die reine Variation und Übungsvielfalt widerspiegelt, sondern vielmehr eine notwendige Umsetzung diverser Alternativen (Progression und Regression) ermöglicht, sodass ein ganzheitliches Training langfristig möglich wird.

Des Weiteren ist eine Kenntnis im Bereich der Biomechanik und Anatomie übungsspezifisch Grundstein einer geforderten Trainerkompetenz, denn so kann schnell begründet werden, warum und welche Übungsvariante für den individuellen Kunden und dessen spezifische Zielsetzung die beste ist.

2. Methodisch/Strategisch
Diese Fähigkeit erlaubt es dem Trainer, eine langfristige Umsetzung von Training und Aktivität so zu planen, dass stetige Durchführung möglich wird und damit Effekte erzielt werden. Vom Prinzip verzahnt sich dieser Bereich in den vorherigen, was die ganzheitliche Arbeitsweise nur unterstreicht. Der Trainer managt die Vorgaben des Kunden hinsichtlich Zeitaufwand (Effizienz), Vorlieben und Fähigkeiten (Übungsauswahl und Intensität) und baut diese in einer langfristigen Strategie (vom leichten zum komplexen) auf. Ebenso ist es sinnvoll, das Training in diverse Phasen aufzuteilen, da in der Realität niemals ein langfristig gleichbleibendes Training umsetzbar, geschweige denn erfolgreich ist.

Diese Phasen werden in der Regel mit verschiedenen Schwerpunkten definiert. Beispiele wären hier die Eingewöhnung und Erlangung von Bewegungserfahrung, Muskelaufbau und/oder Konditionsoptimierung.

Eine Monotonie und Gewöhnung an die Reize soll vermieden werden. Auch hier ist es Aufgabe des Trainers, dem Kunden die Planungsschritte und Hintergründe des Vorgehens kurz zu erläutern, damit dieser die „Spielregeln“ nachvollziehen kann und somit berücksichtigt. Eine regelmäßige Kommunikation ist somit unabdingbar, vor allem, wenn es zu berücksichtigende Veränderungen gibt. Ein Trainingsreiz muss den Gegebenheiten angepasst sein, ansonsten wird er nicht optimal überschwellig oder zu überschwellig – in beiden Fällen ineffizient bzw. gar schädlich.

3. Motivierend
Das übergeordnete Ziel ist es, den Kunden insoweit zu bewegen, dass er aus einer inneren Überzeugung ein lebensbegleitendes Training und einen gesunden und aktiven Lebensstil vollzieht. Der Kunden sollte Erfolge im und durch das Training wahrnehmen. Mit der richtigen Zusammensetzung und dem „Auf-die-Erfolge-aufmerksam-machen“ kann und soll der Trainer hier agieren. Wenn dem Kunden bewusst wird, dass es ihm durch das Training wohlergeht, ist der Grundstein für eine positive Überzeugung des regelmäßigen Aktivseins gelegt.

Dies sollte auch im Sinne der gesamtgesellschaftlichen Verantwortung, im Sinne der Gesundheit und Zufriedenheit des Kunden aber natürlich auch als Kundenbindungswerkzeug verstanden werden, eine „Win-win-win“-Situation!

Zufriedene Kunden, die ihre Ziele erreichen, sind für die Stimmung im Training, aber auch für die Außenwirkung elementar. Erfolg zieht an, nur solche Kunden empfehlen weiter. Daher sollten Interesse und Invest des Fitness-Studio-Betreibers auf die Aktivitäten im Bereich „Training“ gerichtet werden, vor allem, wenn das viel zitierte und erhoffte Abgrenzen vom Segment „Discount“ angestrebt wird. Man sollte sich mit der Tatsache anfreunden, dass nur Kunden, die durch die Dienstleistung „Training“ ihre Ziele erreichen, langfristig dabeibleiben und auch bereit sind, zu investieren und eine Bindung einzugehen.

Fazit
Aus den genannten Aufgaben des Trainers wird ersichtlich, dass eine qualitativ hochwertige Trainingsbetreuung nur von kompetenten Trainern erfolgreich umsetzbar ist. Neben der Ressource Betreuungszeit ist eine optimale Trainingsstruktur und -ausstattung unabdingbar. Beides hat seinen Preis – wenn der Kunde dies nachvollzieht, ist seine Investitionsbereitschaft gestärkt und seitens des Anbieters eine Qualitätsführerschaft gegeben.

Ausblick
Im dritten Teil (Ausgabe 03/2018) werden die hier dargestellten Ansätze in den alltäglichen Trainer-Job implementiert. Hier wird der Weg vom Anfänger mit wenig Trainingserfahrung und geringer Belastbarkeit zu einem ausreichend belastbaren und bewegungserfahrenen Kunden skizziert.

www.dhfpg-bsa.de

Prof. Dr. Daniel Kaptain
Ist u. a. Dozent an der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement und der BSA-Akademie. Von 2010 bis 2013 promovierte er im Fachbereich Sportwissenschaften. Darüber hinaus ist er Experte für Konditions- und Athletiktraining, u. a. für mehrere Profivereine, sowie ausgebildeter Trainingstherapeut. 

Für eine Literaturliste kontaktieren Sie bitte marketing@dhfpg-bsa.de.

Den vollständigen Artikel finden Sie in fMi Ausgabe 02/2018

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