KI im Studioalltag: drei Perspektiven aus Praxis und Wissenschaft

Drei Experten zeigen, wie KI Prozesse entlastet und die persönliche Betreuung im Fitnessstudio gezielt stärkt.
Lesezeit: 5 Minuten
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Frau im Fitnessstudio und Porträts von Marcel Kraus, Stephan Fischer und Dr. Andreas Barz.
KI im Studio: Hype oder echter Mehrwert? Drei Perspektiven auf KI in der Fitnessbranche: Marcel Kraus, Stephan Fischer und Dr. Andreas Barz
Künstliche Intelligenz (KI) verändert die Fitness- und Gesundheitsbranche enorm. Von automatisierten Trainingsplänen über digitale Coaches bis hin zu der Analyse von Gesundheits- und Leistungsdaten bietet KI eine neue Dimension der Individualisierung und Effizienz. Skeptiker warnen jedoch vor dem Verlust des menschlichen Faktors. Die Frage lautet also nicht, ob, sondern wie Mensch und Technologie optimal zusammenarbeiten können.

fM: Wie hält man als Betreiber mit der rasanten Entwicklung der KI Schritt und nimmt die Mitarbeitenden auf der digitalen Reise mit?

Stephan Fischer: Wichtig ist es, offen und neugierig zu bleiben. Die Entwicklung ist rasant, deshalb muss man sich regelmäßig informieren, Fachvorträge hören, Events besuchen und den Austausch mit Menschen suchen, die sich wirklich tief mit dem Thema beschäftigen. Am Ende darf man sich auf Spezialisten einlassen, die die Möglichkeiten von KI auch umsetzen können. Das Team von TRINITY ist hier ein super Beispiel. Diese Erkenntnisse teilen wir dann aktiv mit unseren Mitarbeitenden, damit KI als Unterstützung verstanden wird.

Stephan Fischer

Porträt von Stephan Fischer vor hellem Hintergrund Bildquelle: privat

Studiobetreiber Gym Fitness World

Foto: privat

Welche Aufgaben übernehmen KI-Tools heute bereits im Studioalltag und auf der Trainingsfläche und wo kommen sie an ihre Grenzen?

KI ist heute schon deutlich mehr als nur ein Hype. Bei uns unterstützt sie unter anderem in der Kommunikation mit Mitgliedern, greift auf unsere Verwaltungssoftware zu und verfolgt eigenständig bestimmte Prozesse, zum Beispiel bei Kündigungseingängen. Auch bei Geräteherstellern ist KI längst angekommen und erleichtert Trainern etwa die Trainingsplanerstellung. In der Verwaltung nutzen wir KI zudem für einfache, aber zeitintensive Aufgaben wie Formulierungen für Aushänge oder Social-Media-Posts. Grenzen gibt es dort, wo Empathie und Fingerspitzengefühl gefragt sind.

In der Kundenkommunikation und Mitgliederverwaltung setzt du einen KI-Assistenten ein. Welchen Mehrwert bietet er für Mitarbeitende und Mitglieder?

Der größte Mehrwert liegt in der Entlastung unserer Mitarbeitenden bei wiederkehrenden Prozessen und häufig gestellten Fragen. Gleichzeitig profitieren unsere Mitglieder davon, dass sie rund um die Uhr mit unserem KI-Assistenten kommunizieren können und sehr schnell gute Antworten erhalten. Die Akzeptanz ist hoch, weil der Service spürbar besser geworden ist: schneller, zuverlässiger und jederzeit erreichbar.

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In welchem Umfang setzt ihr KI bei all inclusive Fitness ein – sowohl in der Zentrale als auch in den Studios – und in welchen Bereichen seht ihr den größten Nutzen?

Marcel Kraus: KI hat in den vergangenen Monaten in nahezu allen Unternehmensbereichen von all inclusive Fitness Einzug gehalten. Dabei betrachten wir KI nicht als kurzfristigen Trend, sondern als Technologie, die die Fitnessbranche nachhaltig verändern wird. Daher verschließen wir uns dieser Entwicklung nicht, sondern setzen uns aktiv damit auseinander, wie wir KI sinnvoll in den Arbeitsalltag verschiedenster Abteilungen integrieren können. 

Unser Ziel ist es nicht, Menschen zu ersetzen, sondern Mitarbeitende zu entlasten, Prozesse effizienter zu gestalten und mehr Zeit für das zu schaffen, was all inclusive Fitness auszeichnet: die persönliche Betreuung und damit verbunden die Nähe zu unseren Mitgliedern.

Marcel Kraus

Porträt von Marcel Kraus vor grauem Hintergrund Bildquelle: all inclusive Fitness

Teamlead Learning & Development all inclusive Fitness

Foto: all inclusive Fitness

Wie nutzt ihr KI, um Auslastung, Mitgliederbindung und Prozesse zu verbessern? Hilft smarte Software, Kündigungsrisiken früh zu erkennen und gegenzusteuern?

Wir nutzen Daten und digitale Tools, um unseren Mitgliedern ein möglichst individuelles Trainingserlebnis zu bieten und gleichzeitig betriebliche Prozesse effizienter zu gestalten. So stellen wir beispielsweise Studioauslastungen transparent dar und geben Empfehlungen für optimale Trainingszeiten.

Darüber hinaus nutzen wir KI-basierte Systeme für personalisierte Kurs- und Terminempfehlungen. Sinkende Trainingsaktivitäten können frühzeitig erkannt werden, wodurch automatisiert Aktivierungsmaßnahmen ausgelöst werden. Auch im Bereich Mitgliederbindung sehen wir großes Potenzial. Auf Basis vorhandener Daten lassen sich Kündigungswahrscheinlichkeiten berechnen, sodass wir frühzeitig individuelle Gegenmaßnahmen einleiten können.

Wie vermittelt ihr Führungskräften und Mitarbeitenden das notwendige KI-Know-how und welchen Stellenwert hat das Thema in euren Schulungen?

Die Art und Weise, wie wir Mitarbeitende schulen, hat sich durch KI bereits verändert. Früher haben wir großen Wert auf ausgeprägtes Fachwissen gelegt, heute legen wir den Fokus in den Schulungen stärker auf Kompetenzen wie Kommunikation, Empathie sowie die Fähigkeit, Informationen situationsgerecht anzuwenden. KI liefert uns das Wissen – wir vermitteln die optimale Wissensverarbeitung. Unsere Schulungen befinden sich im Wandel, unsere Aufgabe bleibt die gleiche: aus Wissen echte Nähe zum Mitglied zu machen.

Welche Rolle spielt KI aktuell in der Fitness- und Gesundheitsbranche – und was ist der größte praktische Nutzen für Studios, Trainer und Mitglieder?

Dr. Andreas Barz: KI spielt vom ersten Interessentenkontakt über die Trainingsbetreuung bis hin zur langfristigen Mitgliederbindung und Weiterempfehlung bereits jetzt eine wichtige Rolle. Das beginnt beim Chatbot auf der Website und reicht über smartes Equipment, das mithilfe von Sensoren Trainingsdaten erfasst und auswertet, bis hin zu tagesaktuellen Trainingsanpassungen auf Basis algorithmischer Analysen.

Den größten praktischen Nutzen sehe ich darin, dass KI dabei helfen kann, den Kunden als Individuum noch stärker in den Fokus zu rücken. Das bedeutet nicht nur die Auswertung individueller Daten, sondern vor allem auch die Möglichkeit, mehr Zeit für persönliche Betreuung zu schaffen.

Denn echte Bindung an ein Studio entsteht nach wie vor am stärksten über zwischenmenschliche Beziehungen. Diesen „Human Touch“ kann Technologie nicht ersetzen. Sie kann aber durch die Automatisierung von Prozessen dazu beitragen, dass Mitarbeitende mehr Zeit für ihre Mitglieder haben.

Dr. Andreas Barz

Porträtfoto Andreas Barz

Sportwissenschaftler, Dozent/Referent an der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement (DHfPG)/BSA-Akademie

Foto: DHfPG/BSA

Hype oder echter Mehrwert: Welche Chancen und Grenzen werden von der Branche noch falsch eingeschätzt?

KI bietet in allen Marktsegmenten die Chance, Kundinnen und Kunden ein noch individuelleres Erlebnis zu ermöglichen und die Dienstleistung stärker an persönlichen Voraussetzungen, Zielen und Vorlieben auszurichten. Diese Form der „Hyperpersonalisierung“ ist in anderen Dienstleistungsbranchen bereits Standard.

Trotzdem steht im Mittelpunkt der Fitnessbranche die Erwartung der Mitglieder, durch Training ihre Gesundheits- oder Fitnessziele zu erreichen. Grundvoraussetzung für jeden Trainingserfolg ist jedoch nicht in erster Linie, was auf dem Trainingsplan steht, sondern vor allem, dass der Plan regelmäßig und kontinuierlich absolviert wird.

Die Erwartung an KI sollte also nicht sein, dass sie bessere Trainingspläne schreibt. Ihr echter Mehrwert liegt vielmehr dort, wo sie die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass ein Kunde regelmäßig und kontinuierlich ins Training kommt.

Welche neuen Kompetenzen benötigen Trainer und Betreiber, um KI-Tools effektiv einsetzen zu können?

KI-Tools werden immer benutzerfreundlicher und intuitiver. Dadurch entsteht schnell der Eindruck, dass es eigentlich keiner besonderen Kompetenzen bedarf. Gerade Betreiber müssen jedoch verstehen, wo die Grenzen solcher Tools liegen und wie KI sinnvoll in bestehende Prozesse integriert werden kann, um bisher analoge Abläufe zu digitalisieren und effizienter zu gestalten.

Für Trainer ist neben der Frage, wie sie mithilfe von KI Zeit sparen können, vor allem entscheidend, wie sie die dadurch gewonnenen Freiräume nutzen. Wer KI sinnvoll einsetzt, kann seine Rolle als persönlicher Ansprechpartner, Motivator und unverzichtbarer Experte weiter stärken.

Fitness trainer

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