Deutschland behauptet Marktführerschaft

Der europäische Fitnessmarkt 2026: Mehr Mitglieder, höhere Umsätze, mehr Anlagen und stärkere Konsolidierung prägen die Branche weiterhin.
Lesezeit: 4 Minuten
Zwei Männer (Herman Rutgers und Karsten Hollasch) mit Headsets stehen mit Präsentationsgeräten auf einer Bühne
Marktanalysen dienen als Entscheidungsgrundlage: Im „European Health & Fitness Market Report“ (EHFMR) 2026 ordnen der EuropeActive-Botschafter Herman Rutgers (rechts im Bild) und der Deloitte-Partner Karsten Hollasch Wachstum, Konsolidierung und neue Trainingsformate ein
Beim European Health & Fitness Forum (EHFF) in Köln – traditionell am Vortag der FIBO – präsentierten Herman Rutgers, EuropeActive-Botschafter, und Deloitte-Partner Karsten Hollasch die Ergebnisse des aktuellen „European Health & Fitness Market Report“ (EHFMR) 2026. Die Zahlen zeigen deutlich: Der europäische Fitnessmarkt wächst, professionalisiert sich zunehmend und entwickelt sich immer stärker zu einem zentralen Gesundheitsmarkt. Für Betreiber von Fitness- und Gesundheitsanlagen im deutschsprachigen Raum ergeben sich daraus gleichermaßen Chancen wie strategische Herausforderungen.

Der „European Health & Fitness Market Report“ (EHFMR) gilt seit Jahren als die wichtigste Marktanalyse der Branche in Europa. Die aktuelle Ausgabe basiert auf Daten von 54 großen Fitnessketten, 24 Marktexperten und nationalen Studien wie beispielsweise „Die Eckdaten der deutschen Fitnesswirtschaft“ des DSSV sowie einer europaweiten Verbraucherbefragung mit 11.250 Teilnehmern aus 20 Ländern.

Europäischer Fitnessmarkt auf Rekordkurs

Der europäische Fitnessmarkt erreicht 2025 einen neuen Höchststand. Insgesamt trainieren inzwischen 75,5 Millionen Menschen in Fitnessanlagen in Europa. Das entspricht einem Mitgliederwachstum von 5,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Gleichzeitig stiegen die Umsätze der Branche um 9,1 Prozent auf 39,1 Milliarden Euro. Auch die Zahl der Anlagen wuchs weiter. Europa zählt mittlerweile 67.515 Fitnessclubs und -studios – ein Plus von 2,8 Prozent. Die Penetrationsrate liegt bei 9,3 Prozent der Gesamtbevölkerung beziehungsweise bei 11,0 Prozent der Bevölkerung ab 15 Jahren.

Besonders bemerkenswert ist die zunehmende Marktkonzentration. Die 20 größten Fitnessunternehmen Europas vereinen inzwischen 20,9 Millionen Mitglieder auf sich und repräsentieren damit rund 28 Prozent des Gesamtmarktes. Für Betreiber bedeutet das: Der Markt wächst weiterhin solide, gleichzeitig nimmt der Wettbewerbsdruck durch große Ketten und internationale Player weiter zu.

Deutschland ist Europas größter Fitnessmarkt

Gemessen an den Mitgliederzahlen behauptet Deutschland seine Position als größter Fitnessmarkt Europas. Die Umsätze stiegen von 5,8 auf 6,3 Milliarden Euro. Die Mitgliederzahlen legten von 11,7 auf 12,4 Millionen zu, was über 16 Prozent aller Mitglieder in Europa ausmacht. Großbritannien bleibt ebenfalls ein Schwergewicht der Branche. Dort stiegen die Umsätze sogar um 12,9 Prozent auf 7,6 Milliarden Euro, während die Mitgliederzahlen auf 12,2 Millionen anwuchsen. Besonders dynamisch entwickelt sich Spanien. Der spanische Markt wuchs 2025 um 13,1 Prozent auf 3,2 Milliarden Euro Umsatz. Gleichzeitig stiegen die Mitgliederzahlen um 8,3 Prozent auf 7,1 Millionen.

Der Report zeigt damit klar: Südeuropa gehört aktuell zu den Wachstumstreibern der europäischen Fitnessindustrie.

Fitness wird zum Mainstream

Ein zentrales Ergebnis der europaweiten Verbraucherbefragung: Fitness ist längst kein Nischenthema mehr. 64 Prozent der Europäer trainieren mindestens einmal pro Woche. Damit stieg der Anteil regelmäßiger Fitnesstreibender gegenüber 2023 nochmals um fünf Prozentpunkte.

Besonders aktiv zeigen sich Spanien mit 87 Prozent regelmäßigen Fitnesstreibenden, Großbritannien mit 78 Prozent sowie Schweden und Finnland mit jeweils 77 Prozent. Deutschland liegt mit 68 Prozent leicht über dem europäischen Durchschnitt. Österreich erreicht 64 Prozent, die Schweiz 60 Prozent.

Deutlich schwächer ausgeprägt ist die regelmäßige Fitnessaktivität dagegen in Belgien mit 46 Prozent, Frankreich mit 49 Prozent und Tschechien mit lediglich 42 Prozent. Für Betreiber im deutschsprachigen Raum ist das eine wichtige Erkenntnis: Der Markt besitzt weiterhin erhebliches Wachstumspotenzial – insbesondere mit Blick auf bislang inaktive Bevölkerungsgruppen.

Fitnessclubs gewinnen wieder an Bedeutung

Nach den starken Homefitness-Jahren während und unmittelbar nach der Pandemie verschiebt sich das Trainingsverhalten deutlich zurück in Richtung stationärer Anlagen. 51 Prozent der regelmäßigen Fitnesssportler trainieren inzwischen wieder in Fitnessanlagen. Das entspricht einem Plus von sechs Prozentpunkten gegenüber 2023.

Homefitness verliert immer weiter an Bedeutung. Der Anteil regelmäßiger Homefitness-Nutzer sank europaweit von 60 auf 55 Prozent. Outdoortraining ging sogar von 51 auf 42 Prozent zurück. Besonders interessant für Betreiber: Fitnessclubs bleiben innerhalb des Indoormarktes die dominierende Trainingsform. Drei Viertel aller Nutzer von Fitnessanlagen trainieren in klassischen Fitnessclubs. Spezialisierte Boutique- und Special-Interest-Anbieter gewinnen zwar an Sichtbarkeit, bleiben insgesamt aber Nischenangebote.

Boutique, HYROX und Reformer-Pilates verändern den Markt

Gleichzeitig differenziert sich der Markt zunehmend aus. Besonders stark wachsen spezialisierte Trainingskonzepte. HYROX entwickelt sich europaweit zu einem wichtigen Wachstumsimpuls. Fitness First Germany integrierte 2025 als erster großer Anbieter dauerhaft HYROX-Trainingsflächen in alle Clubs.

Auch Reformer-Pilates erlebt einen massiven Boom. Internationale Ketten wie Club Pilates expandieren zunehmend in europäische Märkte. Besonders hohe Nutzungswerte verzeichnet der Report in Griechenland, Italien und Irland. CrossFit® bleibt insbesondere in Frankreich, Spanien und den Niederlanden stark. Indoor Cycling-Studios erzielen hohe Relevanz in Großbritannien und den Niederlanden.

Der Report zeigt deutlich: Fitness wird individueller, communityorientierter und erlebnisgetriebener. Für klassische Fitnessanlagen bedeutet das, bestehende Angebote gezielt weiterzuentwickeln und Nischenkonzepte sinnvoll in die eigene Positionierung zu integrieren.

Konsolidierung prägt den europäischen Markt

Auch auf Unternehmensebene bleibt die Konsolidierung eines der dominierenden Branchenthemen. 2025 wurden europaweit 27 größere M&A-Transaktionen im Fitnessmarkt registriert. Die mit Abstand größte Übernahme war der Kauf von clever fit durch Basic-Fit (wir berichteten). Allein diese Transaktion umfasste 493 Clubs in mehreren europäischen Ländern. Weitere bedeutende Deals:

Vor allem strategische Investoren treiben die Konsolidierung weiter voran. Gleichzeitig wächst die Bedeutung von Aggregatoren und Firmenfitnessanbietern. Bereits 60 Prozent der großen europäischen Betreiber kooperieren mittlerweile mit Fitnessaggregatoren wie Urban Sports Club bzw. Wellhub oder EGYM Wellpass.

Fazit: Die Branche wird erwachsener – und anspruchsvoller

Der „European Health & Fitness Market Report 2026“ zeigt eindrucksvoll, dass sich die europäische Fitnessindustrie in einer Phase nachhaltigen Wachstums befindet. Fitness entwickelt sich immer stärker vom klassischen Freizeitangebot hin zu einem integralen Bestandteil von Gesundheit, Prävention und Lifestyle.

Für Betreiber im deutschsprachigen Raum ergeben sich daraus enorme Chancen. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Positionierung, Angebotsqualität, Digitalisierung und Zielgruppenverständnis.

Die Gewinner der kommenden Jahre werden jene Unternehmen sein, die Training, Gesundheit, Community und digitale Services intelligent miteinander verbinden. Denn eines macht der Report ebenfalls deutlich: Die Zukunft der Fitnessbranche ist längst nicht mehr nur Training – sie ist Gesundheit, Erlebnis und langfristige Lebensqualität.

Auszug aus der Literaturliste

DSSV e. V. – Arbeitgeberverband Deutscher Fitness- und Gesundheits-Anlagen (Hrsg.). (2026). Eckdaten der deutschen Fitnesswirtschaft 2026. Hamburg: Hrsg.

EuropeActive (Hrsg.). (2026). European Health & Fitness Market Report 2026. Brüssel: Hrsg.

Für eine vollständige Literaturliste kontaktiere uns bitte hier per Mail.


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