Prof. Dr. Jörg Loth im Interview: „Prävention und Gesundheitsförderung sind unsere DNA“

Prof. Dr. Jörg Loth sieht Medical Fitness als wichtigen Bestandteil moderner Prävention. Die IKK Südwest setzt auf evidenzbasierte Programme und nachhaltige Gesundheitskompetenz.
Lesezeit: 8 Minuten
Links sitzt Prof. Dr. Jörg Loth im Anzug an einem Schreibtisch vor großen Fenstern. Rechts eine Trainingsszene mit zwei älteren Personen auf Matten und einer Trainerin im Hintergrund. Zwischen beiden Bildteilen verläuft eine blaue grafische Trennlinie mit weißem Anführungszeichen-Symbol.
Prof. Dr. Jörg Loth ordnet die Rolle von Medical Fitness im Gesundheitssystem ein
Prof. Dr. Jörg Loth sieht Medical Fitness als wichtigen Bestandteil moderner Prävention. Die IKK Südwest setzt auf evidenzbasierte Programme, Betriebliche Gesundheitsförderung und langfristige Gesundheitskompetenz. Qualifizierte Angebote könnten laut Prof. Dr. Jörg Loth helfen, Erkrankungen vorzubeugen und das Gesundheitssystem zu entlasten.

mfhc: Die IKK Südwest positioniert sich stark im Bereich Prävention und betriebliche Gesundheit. Welche strategische Rolle spielt Medical Fitness in der Gesamtstrategie der Krankenkasse?

Prof. Dr. Jörg Loth: Medical Fitness spielt für uns eine wichtige strategische Rolle, weil sie genau an der Schnittstelle ansetzt, die für eine moderne Krankenkasse immer relevanter wird: zwischen klassischer Prävention, Betrieblicher Gesundheitsförderung und einer alltagsnahen, eigenverantwortlichen Gesundheitskompetenz.

Als IKK Südwest verstehen wir Prävention und Gesundheitsförderung ausdrücklich als Kernthemen unseres Handelns, sozusagen als unsere DNA.

Gerade deshalb ist Medical Fitness für uns kein Randthema, sondern ein ganz zentrales praktisches Instrument, um Menschen frühzeitig in Bewegung zu bringen, Beschwerden vorzubeugen und ihre Gesundheitschancen nachhaltig zu verbessern.

Die IKK Südwest betont diesen Präventionsfokus auch in ihrer Außendarstellung und unterstützt Arbeitgeber mit BGF-, BGM- und BEM-Angeboten gemeinsam mit ihren Gesundheitsberatern, die eine Topexpertise und Ausbildung in diesen Bereichen mitbringen.

Ist Medical Fitness in der Prävention eher eine Ergänzung oder ein integraler Bestandteil der gesundheitlichen Versorgungskette?

Ich verstehe unseren Auftrag als IKK Südwest derart, dass wir alles dafür tun, damit Menschen erst später oder idealerweise gar nicht erkranken. Daher ist es notwendig, den Fokus weg von der nahezu ausschließlich betrachteten Kuration hin zur Prävention, also der Krankheitsvermeidung, zu lenken.

Für mich ist Medical Fitness daher ein integraler Bestandteil einer zeitgemäßen Versorgungskette. Gute Versorgung beginnt nicht erst dann, wenn Krankheit eingetreten ist. Sie beginnt früher: bei Bewegung, aber auch Ernährung – und der Fähigkeit, gesundheitsförderliches Verhalten dauerhaft in den Alltag zu integrieren.

Genau hier kann Medical Fitness einen entscheidenden Beitrag leisten. Sie kann präventiv wirken, sie kann nach ersten Beschwerden stabilisieren und sie kann nach medizinischer Behandlung helfen, Rückfälle oder Chronifizierungen zu vermeiden. In diesem Sinne ist Medical Fitness für mich eine Brücke zwischen Versorgung, Prävention und Selbstmanagement.

Welche Anforderungen stellt die IKK Südwest in Bezug auf förderfähige Angebote an die Evidenz von Medical-Fitness-Angeboten?

Für förderfähige Angebote ist entscheidend, dass sie sich an den geltenden Qualitäts- und Evidenzstandards der gesetzlichen Krankenversicherung orientieren. Dieser Trend wird auch durch die zur Stabilisierung der GKV-Beiträge eingesetzte Finanzkommission bekräftigt.

Ein zentrales Beispiel für evidenzbasierte Medical-Fitness-Angebote ist unser Programm „IKK Rückenstark“, das wir als indikationsbezogenes, sekundärpräventives Angebot nach Paragraf 43 Sozialgesetzbuch V einordnen. Es richtet sich an Versicherte mit Rückenbeschwerden und zielt durch konkrete Trainingsinterventionen auf eine Verbesserung der Funktionsfähigkeit sowie die Vermeidung von Chronifizierung ab.

Über den Interviewpartner

Porträtfoto von Prof. Dr. Jörg Loth

Prof. Dr. Jörg Loth – Vorstandsvorsitzender der IKK Südwest

Nach einem Studium der Betriebswirtschaft promovierte Prof. Dr. Jörg Loth zum Doktor der Wirtschaftswissenschaften am Lehrstuhl für Medizinmanagement der Universität Duisburg-Essen. Nach mehreren Jahren in verantwortungsvollen Positionen bei der gesetzlichen Krankenversicherung ist er seit 2014 Vorstand der IKK Südwest.

Darüber hinaus hat er eine Professur für Ökonomie an der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement/BSA-Akademie in Saarbrücken inne. Er ist Dozent, Autor und Tutor sowie Herausgeber zahlreicher gesundheitsökonomischer Publikationen.

Foto: Jennifer Weyland

Das Programm ist evaluiert und zeigt nachweisbar positive Effekte auf die Gesundheit unserer Versicherten. Entscheidend sind eine klare medizinische Indikation, ein strukturierter Aufbau und die Durchführung durch qualifizierte Fachkräfte, etwa aus Physiotherapie oder Sportwissenschaft. Diese Qualität sichern wir durch ein überdurchschnittliches finanzielles Engagement, mit dem wir die Teilnahme unserer Versicherten gezielt unterstützen.

Ergänzend spielen zertifizierte Präventionskurse nach Paragraf 20 Sozialgesetzbuch V eine wichtige Rolle. Grundlage ist der „Leitfaden Prävention“ des GKV-Spitzenverbandes. Die Prüfung erfolgt über die Zentrale Prüfstelle Prävention mit definierten Anforderungen an Qualifikation, Kurskonzept und Evaluation.

Die Versichertenstruktur der IKK Südwest ist durch berufstätige Menschen geprägt. Wie erreichen Sie gerade diejenigen, die bisher wenig Berührung mit Fitnessangeboten haben?

Eher unabhängig von ihrem Erwerbsstatus erreichen wir diejenigen nicht wirklich gut, die keine Affinität für ihre Gesundheit aufweisen und nur über eine eingeschränkte Gesundheitskompetenz verfügen. Gerade diese Zielgruppe versuchen wir nicht nur über Appelle, sondern über niedrigschwellige, lebensnahe Zugänge anzusprechen.

Berufstätige Menschen brauchen natürlich Angebote, die in ihren Alltag passen: wohnortnah, zeitlich flexibel, verständlich kommuniziert und möglichst ohne hohe Einstiegshürden. Deshalb setzen wir auf Betriebliche Gesundheitsförderung, auf Formate direkt im Arbeitsumfeld, auf Gesundheitstage, Screenings, Coachings und konkrete Programme zur Bewegungsförderung. Wichtig ist hierbei, dass die Betriebe, die sich systematisch und ganz spezifisch um die Gesundheit ihrer Mitarbeitenden kümmern, stärker als bisher dabei unterstützt werden – auch durch verbesserte steuerliche Anreize.

Medical Fitness ist für uns kein Randthema, sondern ein ganz zentrales praktisches Instrument.

Ein Beispiel für unser Engagement ist das Aktivmobil, mit dem wir Menschen direkt vor Ort im Betrieb motivieren wollen, mit der Verbesserung ihrer individuellen gesundheitlichen Situation zu starten. Zudem bieten wir Gesundheitskurse in den Handlungsfeldern Bewegung, Ernährung, Stressbewältigung und Suchtmittelkonsum an und bezuschussen diese.

Auch unser Bonusprogramm setzt Anreize, etwa für zertifizierte Gesundheitskurse oder eine aktive Fitnessstudiomitgliedschaft mit regelmäßigen Trainingseinheiten. Ganz aktuell haben wir auch in unserem neuen Programm „IKK Cashletics“ die finanzielle Unterstützung von Training in den Gesundheits- und Fitnesseinrichtungen als wesentlichen Bestandteil aufgenommen.

Wie kann man dauerhafte Verhaltensänderung fördern statt kurzfristiger Teilnahme? Welche langfristigen Ziele verfolgt die IKK im Bereich bewegungsbasierter Gesundheitsangebote?

Dauerhafte Verhaltensänderung gelingt nur dann, wenn Menschen nicht nur kurzfristig teilnehmen, sondern einen persönlichen Sinn in ihrem Verhalten erkennen und Erfolgserlebnisse spüren. Hierfür ist eine gute und breite Gesundheitskompetenz in der Bevölkerung außerordentlich hilfreich. Deshalb benötigen wir mehr als einzelne Kurse. Notwendig sind aufeinander aufbauende Angebote, realistische Ziele, regelmäßige Rückmeldung und eine Begleitung, die Motivation stabilisiert.

Langfristig geht es uns darum, Bewegung als selbstverständlichen Bestandteil des Alltags zu verankern, Arbeitsfähigkeit zu erhalten, Beschwerden des Bewegungsapparats zu reduzieren und Chronifizierungen vorzubeugen. Unser Anspruch ist nicht die kurzfristige Aktivierung, sondern nachhaltige Gesundheitskompetenz.

Unter Medical Fitness lassen sich eine Fülle verschiedener Dienstleistungen von Präventionskursen und RV Fit bis hin zu Selbstzahlerkursen zusammenfassen. Wie kann eine optimale Verzahnung aussehen, damit Patienten und Mitglieder kontinuierlich am Ball bleiben und durch ihr Training langfristig in ihre Gesundheit investieren? Zunächst ist die Einsicht, für seinen Körper und Geist verantwortlich zu sein und hierfür etwas tun zu wollen, von elementarer Bedeutung.

Weitere Interviews und Hintergründe

Im weiteren Interview spricht Annie Unkrig über Medical Fitness.

Lies außerdem unseren Artikel „Gesundheitstrends erfolgreich nutzen“ als Einstieg zum Interview.

Indem du auf das entsprechende Bild oberhalb dieses Textes klickst, gelangst du direkt zum jeweiligen Artikel.

Für eine gute Verzahnung ist eine klare Steuerung entlang der individuellen Situation erforderlich. Wer erste Risikofaktoren oder leichte Beschwerden hat, sollte niedrigschwellig in zertifizierte Präventionsangebote einsteigen können. Wer stärker arbeitsbezogen belastet ist, sollte passgenau über Betriebliche Gesundheitsförderung, Rückenprogramme oder arbeitsplatznahe Formate abgeholt werden. Hier bieten Programme wie RV Fit oder das Rückenkolleg der BG BAU gute Ansätze, da sie gezielt an den individuellen und beruflichen Belastungen ansetzen.

Und wo andere Sozialleistungsträger zuständig sind, muss es saubere Übergänge geben. RV Fit ist dafür ein gutes Beispiel: Das Programm der Deutschen Rentenversicherung ist kostenfrei, von Ärzten entwickelt und speziell auf Berufstätige ausgerichtet; es verbindet Bewegung, Ernährung und Stressbewältigung. Ein weiteres Beispiel ist das Rückenkolleg der BG BAU, das gezielt an arbeitsbedingten Belastungen ansetzt und funktionelles Training mit ergonomischen Inhalten für den Arbeitsalltag verbindet.

Entscheidend ist, dass solche Programme nicht isoliert bleiben, sondern durch Anschlussangebote ergänzt werden — etwa durch weiterführendes Training, digitale Begleitung, Bonusanreize und Empfehlungen aus dem betrieblichen oder ärztlichen Umfeld.

Wie lässt sich Medical Fitness unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten bewerten; kann sie helfen, Kosten langfristig zu senken?

Da möchte ich bereits deutlich vorher ansetzen: Prävention ist in der Lage, langfristig schwerwiegende Erkrankungen zu vermeiden, die mit teils sehr hohen direkten und indirekten Kosten die Beitragszahlenden Jahr für Jahr finanziell belasten. Mehr als 80 Prozent der Krankheitslast in Deutschland gehen auf vermeidbare Zivilisationserkrankungen wie Typ-2-Diabetes und Adipositas zurück.

Medical Fitness kann demnach wirtschaftlich hochrelevant sein, wenn sie qualitätsgesichert eingesetzt wird und dort ansetzt, wo Bewegungsmangel, muskuläre Disbalancen, Stress und beginnende Beschwerden sonst zu längeren Ausfallzeiten oder später zu aufwendigeren und kostspieligen Behandlungen führen.

Gerade im betrieblichen Kontext sehen wir, wie wichtig der Erhalt von Arbeitsfähigkeit ist. Die IKK Südwest beschreibt als Ziel ihrer BGF- und BEM-Angebote, Erkrankungen am Arbeitsplatz vorzubeugen, Wohlbefinden zu verbessern und Arbeitsunfähigkeitszeiten zu verringern. Wenn das gelingt, profitieren Versicherte, Arbeitgeber und das Solidarsystem gleichermaßen.

Fitness als Gesundheitsdienstleistung – welche Veränderungen lassen sich am Markt in Bezug auf Positionierung und Image der Fitnessbranche beobachten?

Die Fitnessbranche hat in den vergangenen Jahren eine deutlich sicht- und spürbare Professionalisierung durchlaufen. Gerade bei der Qualifizierung des Personals sowie der Ausstattung der Anlagen ist ein echter Quantensprung erlebbar. Viele Anbieter positionieren sich heute nicht mehr nur über Ästhetik oder Lifestyle, sondern deutlich stärker über Gesundheit, Funktionalität, Prävention und qualitätsgesicherte Betreuung.

Das ist aus meiner Sicht eine sehr positive Entwicklung. Je stärker Studios und Anbieter ihre gesundheitsorientierte Kompetenz belegen, qualifiziertes Personal einsetzen und sich in regionale Versorgungsstrukturen einfügen, desto authentischer werden sie als Partner im Gesundheitswesen wahrgenommen.

Entscheidend ist allerdings, dass gesundheitsbezogene Versprechen auch tatsächlich mit Qualität, Dokumentation und nachweisbaren Standards hinterlegt sind – auch für uns als Krankenkasse.

Einer Umfrage zufolge fordern 93,5 Prozent der Betreiber eine politische bzw. ärztliche/kassenseitige Empfehlung von Fitnesstraining. Sollte der Gesetzgeber Fitnessanbieter stärker als Teil des Gesundheitssystems anerkennen?

Ja, aber die Anerkennung muss an klare Voraussetzungen geknüpft sein. Nicht jeder Fitnessanbieter ist automatisch ein gesundheitlicher Leistungserbringer. Wo jedoch qualitätsgesicherte, evidenzbasierte und zielgruppengerechte Angebote mit entsprechend qualifiziertem Personal einhergehen, sollte der Gesetzgeber den Beitrag dieser Anbieter zur Prävention und zur gesundheitsorientierten Versorgung anerkennen.

Ich bin zum Nutzen von „Training auf Rezept“ klar positioniert. Und ich möchte auch an dieser Stelle betonen, dass mit solch einem Instrument, gerade vor dem Hintergrund eines bundesweit flächendeckenden Bestands von qualifizierten Gesundheits- und Fitnessanlagen, die große Chance besteht, tatsächlich weite Bevölkerungsteile für Gesundheit und Prävention zu erreichen.

Damit kann die Branche einen außerordentlich großen Beitrag leisten, damit der notwendige Wandel weg von der ausschließlichen Fokussierung auf die Kuration hin zur Prävention gelingen kann. Natürlich sind gerade für eine solche Erweiterung besondere Anforderungen an Kompetenz und Strukturqualität zu erfüllen. Dass das aber möglich ist und positive Effekte erreicht werden können, zeigt uns ein Blick in die EU-Nachbarländer.

Viele aktuelle Leistungen werden bereits von den Kassen übernommen. Was fehlt in der Gesundheitsversorgung noch? Welche gesetzlichen Anpassungen wären notwendig, damit Medical Fitness stärker in die Versorgung integriert werden kann?

Ich bin fest überzeugt, dass wir die Elemente des Health-in-All-Policies-Ansatzes sowohl formal im Rechtsrahmen unserer Gesundheitsversorgung als auch in den Köpfen der Menschen verankern müssen. Denn in der Gesundheitsversorgung fehlt der klare Fokus auf das, was Prävention zu leisten im Stande ist.

Langfristig ist ein elementares Umdenken und damit auch Umbauen unseres Gesundheitssystems zwingend erforderlich. Die Vermeidung von Krankheiten muss dabei klar im Fokus des Handelns stehen. Nur dann gelingt es uns langfristig und tatsächlich, unser Gesundheitssystem fit für die Zukunft zu machen.

Unser Anspruch ist nicht die kurzfristige Aktivierung, sondern nachhaltige Gesundheitskompetenz.

Denn schließlich müssen wir auch dafür sorgen, dass unser umfangreich finanziertes System dauerhaft bezahlbar bleibt und vor allem die Belastungen für die Wirtschaft in Form der sogenannten Lohnnebenkosten sowie die Belastungen für die Versicherten nicht noch weiter steigen.

Wenn wir eine echte Präventionskultur schaffen, fällt es auch leichter, Angebote besser strukturell zu verzahnen. Sinnvoll wären klarere gesetzliche Rahmenbedingungen für anschlussfähige Bewegungspfade: also Übergänge von Beratung und Prävention in betreute Trainingsangebote, stärkere Verknüpfungen mit Betrieblicher Gesundheitsförderung und bessere Möglichkeiten, qualitätsgesicherte, bewegungsbezogene Interventionen systematisch in regionale Versorgungsstrukturen einzubinden.

Es geht nicht darum, das System beliebig zu erweitern, sondern wirksame Angebote dort regelhafter anzuschließen, wo sie Versorgung sinnvoll ergänzen und Menschen nachweislich erreichen – das muss aber politisch gewollt sein.

Welche Voraussetzungen, wie Qualifikationen oder Zertifikate, müssen dafür erfüllt werden?

Die Anforderungen sind aus meiner Sicht eindeutig: Wer Teil einer stärker integrierten, gesundheitsorientierten Versorgung sein will, muss überprüfbare Qualität und Kompetenz nachweisen. Dazu gehören qualifizierte Kursleitungen, handlungsfeldbezogene Aus- oder Studienabschlüsse, definierte fachpraktische Kompetenzen und leitfadengerechte Konzepte. Für GKV-förderfähige verhaltensbezogene Präventionsangebote ist die Zertifizierung über die Zentrale Prüfstelle Prävention zentral. Dort ist auch festgelegt, dass etwa im Handlungsfeld Bewegungsgewohnheiten fachpraktische Kompetenzen im Präsenzunterricht erworben worden sein müssen. Hinzu kommen Anforderungen an Datenschutz, Qualitätskontrolle, Evaluation und die wissenschaftliche Begründung der Maßnahmen.

Die Fitness- und Gesundheitsbranche ist auf dem besten Weg, den Wandel hin zur qualitätsgesicherten Ausrichtung sowie als starker Partner der Krankenkassen erfolgreich weiterzugehen. Denn bereits heute steht in den Einrichtungen hochqualifiziertes Personal, sehr häufig auch auf akademischen Bachelor und Master-Niveau, für die Kunden und Patienten als wertvoller Ansprechpartner zur Verfügung. Und dabei nehmen wir in Deutschland international betrachtet einen sehr guten Platz ein.

Wo sehen Sie Potenzial für die Zukunft? Welche Trends sollten Einzug ins gesundheitsorientierte Training halten?

Das größte Potenzial sehe ich in individualisierten, niedrigschwelligen und gut vernetzten Angeboten. Zukunftsfähig sind aus meiner Sicht Medical-Fitness-Konzepte dann, wenn sie analog und digital sinnvoll verbinden, Trainingsdaten zur Motivation und Steuerung nutzen und unterschiedliche Lebenslagen mitdenken — vom Berufstätigen mit Rückenschmerz über den pflegenden Angehörigen bis hin zum älteren Menschen mit Mobilitätsverlust.

Wichtig werden außerdem stärker alltagsorientierte Trainingsansätze, bewegungsbezogene Programme für spezifische Zielgruppen, gute hybride Formate und eine engere Anbindung an Betriebe, Kommunen und nicht zuletzt an Kitas und Schulen.

Kurz gesagt: Die Zukunft gehört nicht allein dem isolierten Training, sondern dem gesundheitsorientierten, qualitätsgesicherten Angebot im „echten“ Leben. Damit wird es auch möglich sein, das große Potenzial der Menschen zu erschließen, die aktuell noch nichts, wenig oder nur unsystematisch etwas für ihre Gesundheit tun. Deshalb müssen wir alle gemeinsam daran arbeiten, die Gesundheitskompetenz in Deutschland konsequent zu erweitern und damit die Bereitschaft und Fähigkeit, die eigene Gesundheit aktiv zu steuern.

dhfpg

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