fM: Sie haben sich in Ihrer Abschlussarbeit intensiv mit Community Building befasst. Warum wird das Thema für Fitnessstudios immer wichtiger?
Manuela Brühmann: Studios konkurrieren heute nicht mehr nur über Geräte oder Preise. Mitglieder erwarten ein Trainingserlebnis, das fachliche Qualität, persönliche Betreuung und soziale Einbindung verbindet.
Forschung zeigt, dass soziale Zugehörigkeit und gemeinsame positive Erlebnisse Motivation, Wiederteilnahme und langfristige Bindung fördern können. Community entwickelt sich dadurch zu einem wichtigen Wettbewerbsfaktor.
Was war das konkrete Ziel der Thesis?
Ziel meiner Bachelor-Arbeit war die Entwicklung eines wissenschaftlich fundierten und zugleich praxisnahen Instruments, mit dem sich Community Building im Fitnesskontext systematisch erfassen lässt. Kennzahlen wie der Net Promoter Score oder Retention zeigen Ergebnisse der Kundenbindung, erklären jedoch nicht, wodurch Gemeinschaft entsteht.
Der Community Engagement Score (CES) schließt diese Lücke und macht die zentralen Einflussfaktoren des Gemeinschaftserlebens messbar.
Wie sind Sie bei der methodischen Konzeption und Umsetzung des Community Engagement Scores vorgegangen?
Die Arbeit folgt einem konzeptionellen Forschungsdesign ohne eigene Mitgliederbefragung. Grundlage war eine systematische Literaturanalyse aus Psychologie, Soziologie, Sportwissenschaft und Marketing. Als theoretisches Fundament diente insbesondere das Modell des „Sense of Community“ nach McMillan und Chavis, ergänzt durch Ansätze der Theorie der sozialen Identität sowie der Selbstbestimmungstheorie.
Darüber hinaus habe ich etablierte Messinstrumente hinsichtlich ihrer Übertragbarkeit auf den Fitnesskontext analysiert. Experteninterviews mit Branchenvertretern dienten anschließend dazu, die theoretischen Erkenntnisse praxisnah weiterzuentwickeln. Daraus entstand der Community Engagement Score.
Wie setzt sich der CES zusammen und wie wird er berechnet?
Der CES umfasst sechs Dimensionen des Gemeinschaftserlebens: Zugehörigkeit und Gruppenkohäsion, soziale Verbundenheit, emotionale Aktivierung, Identifikation und Symbolik, Inklusivität und Akzeptanz sowie das communityfördernde Verhalten der Instruktorinnen und Instruktoren.
Jede Dimension wird anhand von vier Aussagen auf einer fünfstufigen Zustimmungsskala bewertet. Die Ergebnisse werden anschließend auf eine Skala von 0 bis 100 Punkten transformiert. Neben einem Gesamtscore zeigen insbesondere die Einzeldimensionen konkrete Stärken und Entwicklungsfelder auf.
Wie kann der CES im Studioalltag sinnvoll eingesetzt werden? Und welche praktischen Rückschlüsse lassen sich daraus ziehen? Wo liegen ggf. seine Grenzen?
Der CES ist ein hilfreiches Instrument, mit dem Studios Community Building systematisch analysieren können. Er ermöglicht Vergleiche zwischen Kursformaten, Standorten oder Trainerinnen und Trainern sowie die Bewertung von Maßnahmen über die Zeit. Besonders wertvoll sind die Ergebnisse der einzelnen Dimensionen, da sie konkrete Handlungsfelder sichtbar machen.
Der Score wurde bislang konzeptionell entwickelt und noch nicht empirisch validiert. Deshalb sollte er gemeinsam mit weiteren Kennzahlen und qualitativen Feedbackformaten interpretiert werden.
Was können Studios aktiv dafür tun, um das Gemeinschaftsgefühl zu stärken? Und wie bauen sie sich nachhaltig eine engagierte, motivierte und loyale Mitgliedercommunity auf?
Community entsteht durch bewusst gestaltete Prozesse. Eine persönliche Begrüßung, ein strukturiertes Onboarding, regelmäßige Begegnungsmöglichkeiten und wiederkehrende Rituale schaffen die Grundlage. Ihre volle Wirkung entfalten sie jedoch erst durch das Zusammenspiel der Menschen im Studio.
Mitarbeitende müssen die Werte und das Konzept glaubwürdig vertreten und mit Überzeugung leben. Trainerinnen und Trainer fördern durch ihr Verhalten gezielt soziale Interaktionen und binden Mitglieder aktiv in die Gruppe ein.
Gleichzeitig tragen bereits begeisterte Mitglieder wesentlich zur Community bei, indem sie neue Teilnehmende integrieren, Beziehungen entstehen lassen und die Kultur des Studios mitprägen. Erst das Zusammenspiel dieser drei Gruppen schafft ein Gemeinschaftserlebnis, das langfristige Bindung fördern kann.
Auf lange Sicht entsteht Community nicht durch einzelne Events, sondern aus einer gelebten Unternehmenskultur heraus. Studios sollten sie kontinuierlich beobachten und weiterentwickeln. Der Community Engagement Score bietet hierfür eine wissenschaftlich fundierte Grundlage und unterstützt datenbasierte Entscheidungen im Community Management.






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