Was macht den Besuch im Studio zum Erlebnis?

Henning Förster erklärt, wie der Aktivpark Kall Training, Erholung und soziales Miteinander verbindet und warum persönlicher Kontakt für Studios wichtiger wird.
Lesezeit: 6 Minuten
Ein Porträt von Henning Förster vom Aktivpark Kall links; eine Gruppe von Trainierenden im Fitnessstudio rechts.
Henning Förster erklärt im Interview, warum persönlicher Kontakt, Community und Aufenthaltsqualität für Fitnessstudios immer wichtiger werden
Was macht ein Fitnessstudio zu einem Ort, an dem Menschen gern Zeit verbringen und immer wieder zurückkehren? Henning Förster spricht über Aufenthaltsqualität, Gemeinschaft und die Rolle des persönlichen Kontakts.
fM: Der Aktivpark Kall geht mit seinem breiten Angebot weit über ein klassisches Fitnessstudio hinaus. Wie ist die Idee entstanden, Training, Gesundheit und Begegnung miteinander zu verbinden?

Henning Förster: Wir sind ein Familienunternehmen, das mein Bruder und ich jetzt in dritter Generation führen. Mein Großvater hat es 1981 als reine Tennishalle gegründet. Danach kamen unter anderem Squash, Badminton, Kegelbahn und ein Restaurant hinzu. Diese Multifunktionalität ist über Jahrzehnte gewachsen und gehört zu unserer Geschichte.

Seit längerer Zeit setzen wir den Fokus auf den Fitnessbereich, haben uns aber nie nur als klassisches Fitnessstudio verstanden. Wir orientieren uns beispielsweise an der Hotellerie und an Wellnesshotels: Was macht einen Ort aus, an dem Menschen sich gern aufhalten und wiederkommen? Gute Geräte und ein kompetentes Trainerteam sind wichtige Basics, aber was macht den Besuch im Studio zum Erlebnis? Das Gesamtpaket muss stimmen. Deshalb verbinden wir die Säulen Bewegung, Ernährung und Erholung mit Motivation und sozialem Miteinander. Das zieht sich durch von Fitness, Wellness und Restaurant bis hin zum Kinderland und unserem neuen Padel-Angebot.

In vielen Branchen wird vom „Third Place“ gesprochen – also einem dritten Ort neben Zuhause und Arbeitsplatz. Ist der Aktivpark Kall ein „Third Place“ und was macht ihn dazu?

Absolut. Die Bezeichnung trifft unsere Idee sehr gut. Wir wollen ein sozialer Treffpunkt sein, ein Begegnungsort. Die Menschen kommen nicht ausschließlich zum Training, sondern trinken anschließend einen Kaffee, gehen in die Sauna, essen im Restaurant oder spielen Padel.

Vor 30 Jahren war die Kneipe ein wichtiger sozialer Treffpunkt. Das hat sich verändert, ein gesünderer Lebensstil ist wichtiger geworden. Ein modernes Studio braucht deshalb ein Ambiente, in dem Menschen sich wohlfühlen und gern Zeit verbringen – auch über das eigentliche Training hinaus.

Über den Interviewpartner

Henning Förster

Gemeinsam mit seinem Bruder Steffen ist Henning Förster seit 2021 Geschäftsführer des Aktivpark Kall. Er machte vor seinem Bachelor- und Master- Studium in BWL eine Ausbildung zum Sport- und Fitnesskaufmann beim 1. FC Köln. Danach sammelte er Erfahrungen in der Strategieberatung sowie in Startups und verbrachte knapp zehn Jahre im Ausland (Wien, Sydney, Barcelona). Der Aktivpark Kall ist ein Familienunternehmen in dritter Generation, im September 2026 wurde der dritte Standort eröffnet.

Foto: Dimension Media / Anni Schwanke

Welche Bedeutung hat der soziale Austausch für die Mitglieder? Wie wichtig sind die Aspekte Gemeinschaft und Zugehörigkeit für den Studiobesuch?

In unserer ländlichen Region ist die soziale Komponente ungemein wichtig. Ein gutes Mitarbeiterteam sorgt für eine positive Atmosphäre, spricht Menschen aktiv an und bringt Mitglieder miteinander in Kontakt. Wir fördern das zusätzlich durch kleinere Veranstaltungen, Challenges und unser Sommerfest.

Im Kursbereich sieht man besonders deutlich, wie stark soziale Bindungen wirken. Dort herrscht die geringste Fluktuation, was nicht allein am Trainingsangebot liegt, sondern vor allem daran, dass im Kurs Beziehungen und vielleicht sogar Freundschaften entstehen. Genau dieses Prinzip versuchen wir auf die Trainingsfläche zu übertragen. Lounge, Kaffeeangebote und Restaurant schaffen zusätzliche Möglichkeiten für Begegnung und sozialen Austausch.

Welche Angebote und Aktionen haben sich besonders bewährt?

Ein Beispiel sind unsere Sommerspiele. Mitglieder sammeln durch ihre Trainingsbesuche Karten für ein Quartett, das sie in eine Losbox werfen können. Doppelte Karten können sie miteinander tauschen. Für jedes Quartett können sie beim Trainer am Glücksrad drehen und Preise gewinnen. Am Ende findet ein großes Sommerfest statt, bei dem die Hauptpreise verlost werden. Im vergangenen Jahr waren rund 280 Mitglieder dabei. Entscheidend ist aber nicht der Gewinn, sondern dass durch das Spiel Austausch untereinander entsteht.

Eine weitere Aktion heißt: „Ich teile meine Erfolgsgeschichte.“ Das machen wir jetzt im vierten Jahr. Sinngemäß geht es darum: „Du hast die Geschichte, wir das richtige Training.“ Mitglieder erzählen, warum sie zu uns gekommen sind und was sie erreicht haben. Dazu machen wir klassische Polaroidfotos. Mittlerweile hängen rund 150 solcher Geschichten bei uns. Mitglieder interessieren sich dafür, warum andere trainieren – und kommen darüber miteinander ins Gespräch.

Welche Rolle spielen die Mitarbeitenden dabei, dass sich unterschiedliche Generationen und Zielgruppen willkommen fühlen?

Bei Neueinstellungen ist für uns der persönliche Fit das wichtigste Kriterium. Fachkompetenz lässt sich entwickeln. Entscheidend ist zunächst, ob jemand zu unserem Team und unserer Philosophie passt und Verständnis für die Themen Lebensqualität, Wohlbefinden und – gerade im gesundheitsorientierten Bereich – die Lebenssituation mitbringt.

Wir arbeiten zudem mit externen Coaches, die beispielsweise die Ansprache auf der Trainingsfläche, den Umgang mit Beschwerden oder die Betreuung von Neumitgliedern trainieren. Bestimmte Qualitätsstandards müssen für alle gelten, damit jedes Mitglied eine gute Betreuung erhält. Gleichzeitig darf Trainer A anders kommunizieren als Trainer B. Der persönliche Kontakt muss authentisch bleiben und zum jeweiligen Charakter passen.

Wellbeing umfasst heute weit mehr als körperliche Fitness. Was gehört zu einem ganzheitlichen Wohlfühlkonzept?

Die Grundlage ist ein modernes und effektives Trainingsangebot. Unser durchschnittliches Mitglied schafft es aufgrund von Beruf und Familie vielleicht ein- bis zweimal pro Woche zum Training. Deshalb muss es effizient sein und konkrete Probleme lösen.

Gleichzeitig braucht es eine hohe Aufenthaltsqualität. Die Säule Erholung ist bei uns elementar. Stress und Überlastung spielen bei vielen gesundheitlichen Problemen eine große Rolle. Deshalb bieten wir unter anderem Yoga- und Entspannungskurse, Sauna und Wassermassage an. Bei manchen Mitgliedern beginnen wir bewusst mit Beweglichkeit und Erholung, bevor intensiver trainiert wird.

Weitere Interviews und Hintergründe

In weiteren Interviews sprechen Gerrit Sittler und Eckhardt Santana über Studios als sozialer Raum.

Lies außerdem unseren Artikel „Das zweite Zuhause?!“ als Einstieg zum Interview.

Interview mit Gerrit Sittler
Interview mit Eckhardt Santana
Einstieg „Das zweite Zuhause?!“

Indem du auf das entsprechende Bild oberhalb dieses Textes klickst, gelangst du direkt zum jeweiligen Artikel.

Auch Ernährung gehört dazu – aber realistisch. Es bringt wenig, zu viele Trainingseinheiten und eine radikale Ernährungsumstellung zu verlangen. Wenn z. B. eine fünfzigjährige Mutter zweier Kinder zu uns kommt, die einmal pro Woche Zeit hat, und wir ihr sagen: „Du musst dreimal die Woche kommen, darfst nur noch Low Carb essen, musst drei Liter Wasser trinken und Alkohol komplett weglassen“, dann macht sie das wahrscheinlich vier Wochen lang und gibt danach auf. 

Gesundheitskonzepte müssen zum tatsächlichen Leben der Menschen passen. Langfristige Umsetzbarkeit ist wichtiger als kurzfristige Perfektion. Unser Credo ist, dass unser Team und die Atmosphäre die Mitglieder so motivieren und ansprechen, dass sie gern wiederkommen.

Lässt sich der wirtschaftliche Wert einer starken Community überhaupt an Kennzahlen messen?

Nur bedingt, weil immer mehrere Faktoren zusammenspielen. Aber: In Krisen wird Loyalität sichtbar. Wir hatten mit Corona und der Flutkatastrophe zwischen 2019 und 2021 innerhalb kurzer Zeit zwei massive externe Krisen. Natürlich haben wir Mitglieder verloren, aber gerade in dieser Zeit hat uns die hohe Verbundenheit geholfen. Wir haben Mitglieder, die seit 30 Jahren bei uns sind. Dazu trägt sicherlich der familiäre Charakter unseres Unternehmens bei. In der Regel ist immer jemand aus unserer Familie vor Ort und ansprechbar. Community lässt sich deshalb vielleicht nicht auf eine einzelne Kennzahl reduzieren, zeigt sich aber in Loyalität, Fluktuation, Weiterempfehlungen und darin, wie ein Unternehmen Krisen bewältigt.

Digitale Trainingsangebote und KI gewinnen zunehmend an Bedeutung. Welche Rolle spielt der persönliche Kontakt im Studio?

Digitale Tools und KI werden uns immer mehr administrative Aufgaben abnehmen. Gleichzeitig glaube ich, dass sich Menschen dadurch noch stärker nach persönlichem Kontakt sehnen. Eine Rechnung möchte man online abrufen können; wenn aber die Rückenschmerzen trotz Training nicht besser werden, möchte man mit einem Menschen sprechen.

Deshalb digitalisieren wir vor allem Prozesse, bei denen es für das Mitglied sinnvoll ist. Trainingspläne können beispielsweise in einer App hinterlegt werden. Das Ziel ist jedoch nicht weniger Betreuung, sondern mehr Zeit für Betreuung und Motivation. Wenn ein Studio nur noch einen Trainingsplan liefert, macht es sich langfristig selbst austauschbar, denn Trainingspläne kann man heute auch mit digitalen Anwendungen wie ChatGPT erstellen. Der persönliche Kontakt und die Community sind deshalb zentrale Differenzierungsmerkmale.

Fitnessstudios werden zunehmend als Teil der Gesundheitsversorgung und als Orte gesellschaftlicher Teilhabe wahrgenommen. Welche Verantwortung haben Betreiber?

Fitnessstudios sind heute ein wichtiger Teil des Gesundheitssystems, aber wir müssen uns unserer Rolle auch bewusst sein und diese differenziert betrachten. Ich würde mir nicht anmaßen, ein Studio mit einem Krankenhaus oder einer ärztlichen Einrichtung gleichzusetzen. Dennoch leisten Fitnessstudios einen enorm wichtigen Beitrag zur Prävention und Rehabilitation. Unser Gesundheitssystem investiert noch sehr stark in Behandlung, wenn Probleme bereits entstanden sind. Prävention wird zwangsläufig wichtiger werden und damit auch die Rolle professioneller Fitnessanbieter.

Die Branche hat sich in den vergangenen Jahren deutlich professionalisiert. Die Kompetenz ist enorm gestiegen. Aus der klassischen „Muckibude“ sind vielerorts professionelle Gesundheitsanbieter geworden, die Menschen mit Rücken- und Gelenkbeschwerden, Übergewicht oder Herz-Kreislauf-Problemen begleiten.

Wir tragen deshalb eine hohe Verantwortung, der die Branche mit ihrer Entwicklung gerecht wird. Gleichzeitig braucht es stärkere Anreize für einen gesunden Lebensstil und eine höhere gesellschaftliche Wertschätzung von Prävention.

Welche Rolle werden Fitnessstudios als soziale Räume in den kommenden Jahren spielen?

Ich glaube, dass diese Funktion deutlich wichtiger wird. Einsamkeit ist schon heute ein großes gesellschaftliches Thema, gerade bei älteren Menschen. Gleichzeitig können digitale Lebenswelten auch bei jüngeren Generationen dazu führen, dass direkter sozialer Austausch abnimmt. Orte, an denen Menschen tatsächlich zusammenkommen, gewinnen dadurch an Bedeutung – wie ein Boutiquestudio, in dem es eine coole Kaffeebar gibt, wo sich die Leute nach dem Training treffen.

Studios werden deshalb noch stärker Training, Community und Aufenthaltsqualität verbinden. Gleichzeitig werden Medical Fitness und Medical Wellness wichtiger. Ich stelle mir einen Ort vor, den Menschen nicht erst aufsuchen, wenn sie krank sind, sondern an dem sie aktiv etwas für Gesundheit und Wohlbefinden tun können. Konzepte wie den Lanserhof, wo ich für eine Woche hingehe, um zu entschleunigen und therapeutische Angebote wahrzunehmen, finde ich sehr spannend.

Für uns bedeutet das, die Aufenthaltsqualität weiterzuentwickeln und gesundheitliche Angebote stärker auszubauen. Unsere Kernaufgabe ist es, einen Ort zu schaffen, an dem Menschen gern sind, andere Menschen treffen und kompetente Ansprechpartner finden, die ihnen helfen, sich besser zu fühlen.

fitness management - Google

-Anzeige-

Für fitness MANAGEMENT berichtet

Mehr von diesen Autoren

Das marea Fitness in Lingen hat das Zertifizierungsverfahren „ZertFit“ der BSA-Zert nach DIN-Norm 33961 erfolgreich absolviert und beantwortet damit zugleich...
An dieser Stelle haben wir Anfragen Ihrer Kollegen, unserer Mitglieder, zum Thema Rechte und Pflichten gegenüber Mitarbeitern gesammelt. Kurz und...
Schulung von UV-Fachpersonal: In der Wahrnehmung vieler Betreiber und auch der Öffentlichkeit ist die Schulung und Zertifizierung von UV-Fachpersonal der...

Das könnte dich auch interessieren

Porträt von Eckhardt Santana links; eine Gruppe von vier lachenden Menschen im Fitnessstudio rechts.

Interview mit Eckhardt Santana

Eckhardt Santana erklärt, wie Vamos Fitness Training, Co-Working, Kinderbetreuung und Erholung verbindet und warum Ambiente, Gastfreundschaft und persönliche Begegnungen für die Community wichtig sind.
Porträt von Gerrit Sittler von CrossFit Saar links; eine Gruppe beim gemeinsamen Training im Fitnessstudio rechts.

Interview mit Gerrit Sittler

Gerrit Sittler erklärt, warum bei CrossFit Saar echte Begegnungen, empathisches Coaching und gemeinsames Training entscheidend für Motivation, Zugehörigkeit und langfristige Gemeinschaft sind.

Aufstiegskongress 2025: Branchentreffpunkt mit Strahlkraft

Am 10. und 11. Oktober 2025 versammelte sich die Fitness- und Gesundheitsbranche im m:con Congress Center Rosengarten.
Porträtfotos im Splitscreen: links ein dunkelblonder Mann mit Bart und Brille in Hemd und Jackett, rechts eine blonde Frau im Blazer; beide lächeln in die Kamera.

Warum öffentlich bestellte Sachverständige unverzichtbar sind

Geprüfte Expertise mit Siegel: Ö.b.u.v. Sachverständige sichern Qualität, Neutralität und Vertrauen in der Fitnessbranche – für rechtssichere und fundierte Entscheidungen.
Ein junger Mann mit Brille sitzt vor einem einfarbig türkisen Hintergrund. Er trägt einen dunklen, hochgeschlossenen Pullover mit Reißverschluss und schaut ruhig in die Kamera.

(S)ein Traum wurde wahr

Erfolgreich mit dualem DHfPG-Studium: Matthew Viol wurde mit 20 Studioleiter und Start-up-Gründer.
Porträt eines lächelnden jungen Mannes mit Bart und tätowierten Armen vor einem türkisfarbenen Hintergrund. Er trägt ein dunkelgraues Poloshirt mit dem Logo „Top Life“ und hat die Arme verschränkt. Oben im Bild sind farbige Balken zu sehen.

Digitalisierung der Fitnessbranche

Yvo Makiolczyk möchte die Fitnessbranche digitalisieren und studierte dafür Sportökonomie und Sport-/Gesundheitsinformatik an der DHfPG.