„Ambiente und Angebot müssen Begegnung ermöglichen“

Eckhardt Santana erklärt, wie Vamos Fitness Training, Co-Working, Kinderbetreuung und Erholung verbindet und warum Ambiente, Gastfreundschaft und persönliche Begegnungen für die Community wichtig sind.
Lesezeit: 4 Minuten
Porträt von Eckhardt Santana links; eine Gruppe von vier lachenden Menschen im Fitnessstudio rechts.
Fitnessstudios als soziale Treffpunkte: Eckhardt Santana erklärt, warum Ambiente, persönliche Begegnungen und eine lebendige Community für moderne Studiokonzepte immer wichtiger werden
Fitnessstudios als soziale Treffpunkte: Eckhardt Santana, Gründer und Geschäftsführer von Vamos Fitness, erklärt im Interview, wie sein Studiokonzept Training, Co-Working, Kinderbetreuung und Erholung miteinander verbindet. Er zeigt, warum Ambiente, Gastfreundschaft und persönliche Begegnungen entscheidend sind, um eine lebendige Community zu schaffen, und welche Bedeutung soziale Räume für die Zukunft der Fitnessbranche haben.
fM: Mit Vamos Fitness hast du ein neues Studiokonzept gelauncht – einen „Lieblings-Hotspot“, der alles mitbringen soll. Welche Ziele stehen dahinter?

Eckhardt Santana: Die Grundidee war, in Aschaffenburg einen Ort zu schaffen, der mehr ist als ein klassisches Fitnessstudio. Wir wollten einen Platz kreieren, an dem Menschen gern und möglichst viel Zeit verbringen.

Ich bin Fan davon, sich an Branchen zu orientieren, die uns ein Stück voraus sind. Als Inspiration diente unter anderem Starbucks: Dort wird nicht nur ein Produkt verkauft, sondern vor allem ein Erlebnis. Dieses Prinzip wollten wir auf Fitness übertragen. Deshalb kombiniert Vamos Training mit verschiedenen Angeboten, die den Alltag der Menschen erleichtern und dazu führen, dass sie dort mehr Zeit verbringen.

Unser Konzept richtet sich insbesondere an drei Zielgruppen: Familien, Selbstständige beziehungsweise Menschen im Homeoffice sowie Personen, die bisher keine Fitnessstudiogänger waren. Gerade für Familien und Remote Worker schaffen wir Lösungen für alltägliche Zeitprobleme sowie Möglichkeiten zur Distraction in einem Safe Space.

Ein wichtiger Baustein ist das Co-Working. Mitglieder können trainieren und anschließend noch einige Stunden arbeiten, während ihre Kinder betreut werden. Dafür stehen ergonomische Arbeitsplätze, Miet- und Callboxen zur Verfügung. Die Kinderbetreuung haben wir durch Kurse für Kinder ergänzt, z. B. Selbstverteidigung und Kids Dance. Auch Recovery- und Saunaangebote haben wir integriert.

Über den Interviewpartner

Eckhardt Santana

Eckhardt Santana

Im Alter von zwölf Jahren kam Eckhardt Santana aus Venezuela nach Deutschland, um Fußball zu spielen. Er spielte zunächst im Nachwuchs des 1. FC Kaiserslautern und später bei Eintracht Frankfurt. Nach drei Kreuzbandrissen führte ihn sein Weg über die Physiotherapie in die Fitnessbranche. Eckhardt Santana absolvierte ein Studium im Sportmanagement und sammelte operative Erfahrung bei zwei großen Kettenbetrieben – von der Studio- bis zur Regionalleitung. Sein Schwerpunkt verlagerte sich auf Marketing, Sales und Digitalmarketing. Während der Corona-Pandemie machte er sich selbstständig und baute die auf die Fitnessbranche spezialisierte Agentur Santana Consulting auf. Heute fokussiert er sich mit Santana Consulting und der fittec Solutions GmbH auf Branding, Performance-Marketing, Technologie und innovative Studiokonzepte.

Foto: Santana Consulting GmbH

Welchen Stellenwert hat die Community für das Konzept?

Einen absoluten. Wir erleben, dass Menschen über gemeinsame Interessen miteinander in Kontakt kommen. Im Co-Working-Bereich entstehen geschäftliche Kontakte, Eltern lernen sich über die Kinderbetreuung kennen und daraus entwickeln sich teilweise sogar Freundschaften. Das Spannende ist, dass hier Menschen zusammenkommen, die sich im normalen Alltag möglicherweise nie begegnen würden.

Das gilt auch für die Mitarbeitenden. Unser Team ist vergleichsweise schlank aufgestellt; entscheidend ist für uns die grundlegende Gastfreundschaft. Wir setzen dabei bewusst stark auf Quereinsteiger aus Gastronomie, Hotellerie oder Einzelhandel. Diese Menschen bringen Serviceorientierung und Freude am Umgang mit anderen mit.

Was zeichnet eine echte Community im Zeitalter von KI und Social Media aus?

KI wird zunehmend den First-Level-Support übernehmen – also Standardfragen, E-Mails oder Chatbot-Kommunikation. Dadurch wird die persönliche Beziehung meines Erachtens noch wichtiger. Emotionalität, echte Verbindung und das Gefühl, irgendwo dazuzugehören, können nicht einfach durch automatisierte Kommunikation ersetzt werden. Genau darin sehe ich ein wesentliches Fundament einer Community.

Weitere Interviews und Hintergründe

In weiteren Interviews sprechen Henning Förster und Gerrit Sittler über Studios als sozialer Raum.

Lies außerdem unseren Artikel „Das zweite Zuhause?!“ als Einstieg zum Interview.

Interview mit Henning Förster
Interview mit Gerrit Sittler
Einstieg „Das zweite Zuhause?!“

Indem du auf das entsprechende Bild oberhalb dieses Textes klickst, gelangst du direkt zum jeweiligen Artikel.

Welche Touchpoints und Prozesse fördern soziale Räume?

Wir haben mit dem Konzept des Vamos einen Raum entwickelt, in dem Menschen mit gleichen Interessen zusammenkommen. Das Ambiente ist für mich ein Hauptfaktor und die Angebote müssen Begegnung ermöglichen. Touchpoints sind unter anderem der Workspace, die Lounge und der Cafébereich, die Kinderbetreuung, die Sauna und der Kursbereich. Entscheidend ist aber auch die räumliche Gestaltung. Als Betreiber sollte man nicht jeden Quadratmeter mit Trainingsgeräten füllen. Es braucht bewusst Freiräume, in denen Menschen verweilen und miteinander in Kontakt kommen können.

Brauchen unterschiedliche Zielgruppen unterschiedliche Ansprache und Touchpoints?

Definitiv. Die Ansprache erfolgt bei uns sehr zielgruppenspezifisch. Grundsätzlich geht es darum, die jeweiligen Bedürfnisse und Lebenssituationen zu verstehen, um passende Mehrwerte anzubieten und zu kommunizieren. Wir stellen sehr spezifisch die Module heraus und kommunizieren, welche Mehrwerte und welche Leistung wir bieten.

Welche Rolle spielen Mitarbeitende für einen sozialen Raum und welche Qualifikationen haben sich bewährt?

Eine sehr wichtige. Bei der Auswahl unserer Mitarbeitenden achte ich weniger darauf, wie viele Trainerscheine jemand besitzt, sondern stärker auf den persönlichen Hintergrund und die Bereitschaft, mit Menschen zu arbeiten.

Die grundlegenden Anforderungen sind eigentlich einfach: Menschen begrüßen, sie wahrnehmen, verabschieden und möglichst auch ihren Namen kennen. Natürlich sind je nach Aufgabe spezifische Qualifikationen erforderlich – etwa bei pädagogischen Fachkräften in der Kinderbetreuung, spezialisierten Trainern oder Personal Trainern. Für die Basis unseres Konzepts ist aber die Serviceorientierung entscheidend.

Wie flexibel ist das Konzept?

Das Konzept des Vamos entwickelt sich permanent weiter. Wir sind erst im zweiten Jahr und haben bereits mehrere Anpassungen vorgenommen. Ursprünglich lag der Fokus stärker auf dem Training. Danach kam ein Kursraum hinzu und mit Reformer-Pilates und HYROX haben wir zwei Megatrends integriert. Bei der Kinderbetreuung haben wir zunächst nur Betreuung angeboten und später festgestellt, dass auch Bewegungsangebote für Kinder gefragt sind.

Dieses Learning by Doing ist für uns ein wesentlicher Bestandteil des Konzepts. Vamos ist auch als eigener Inkubator gedacht, in dem wir Dinge testen und lernen können.

Wie werden sich Studios als soziale Räume in den kommenden Jahren entwickeln?

Ich glaube, dass der soziale Aspekt deutlich an Bedeutung gewinnen wird. Die Automatisierung und KI werden einen immer größeren Teil der standardisierten Kommunikation übernehmen. Gleichzeitig wird der Wunsch nach menschlicher Beziehung wachsen.

Für Fitnessanbieter bedeutet das, noch stärker darüber nachzudenken, wie Räume gestaltet werden. Wir müssen Bereiche schaffen, in denen Menschen sich begegnen, sich wohlfühlen und auch zwei oder drei Stunden verbringen können. Gemeinsame Interessen – Fitness, Gesundheit oder bestimmte Aktivitäten – bieten dafür einen natürlichen ersten Touchpoint.

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Für fitness MANAGEMENT berichtet

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