Performance is Health

Leistungsorientiertes Fitnesstraining stärkt Gesundheitsspanne und Resilienz. VO₂max und Griffkraft machen Fortschritte messbar. Drei Studiokonzepte zeigen praxisnah, wie Longevity im Studio umgesetzt wird.
Lesezeit: 5 Minuten
In einem Fitnessstudio hebt ein grauhaariger Mann mit weißem Bart eine Hantelscheibe an einer Kraftmaschine; Trainingsgeräte und helle Wände im Hintergrund
Leistungsorientiertes Krafttraining gilt als zentrale Intervention, um Gesundheitsspanne und funktionelle Leistungsfähigkeit im Alter zu sichern
Die Frage, wie Gesundheit im Alter erhalten bleibt, rückt zunehmend in den Fokus unserer Gesellschaft und ihrer Gesundheitsversorgung. Longevity ist eine gesellschaftliche Aufgabe, bei deren Lösung Fitness- und Gesundheitsstudios eine Schlüsselrolle einnehmen, weil Bewegung allein nicht ausreicht. Gesundheitstraining braucht immer auch Leistung und Ergebnisse sowie Coaching und Belastungssteuerung. Ralf Trierweiler, Robert Jablukov und Malte Gertenbach erläutern in Interviews, warum sie in ihren Clubs auf Performance setzen und Gesundheitstraining in Ergebnissen denken.

Die Gesundheitsversorgung steht vor einer zentralen Herausforderung: Die Lebenserwartung steigt, immer mehr Menschen werden immer älter. Doch die Zahl der gesunden Jahre wächst nicht im gleichen Maß. Zwischen Lebensspanne (Livespan) und Gesundheitsspanne (Healthspan) klafft eine zunehmend größere Lücke (Garmany & Terzic, 2024).

Moderne Medizin ermöglicht zwar ein langes Leben, verhindert jedoch nicht automatisch funktionelle Einschränkungen, chronische Erkrankungen und einen damit einhergehenden Verlust an Lebensqualität im Alter. Vor diesem Hintergrund kommt dem Training im Fitnessstudio eine Schlüsselrolle zu.

Add Life to Years

Das Ziel, bis ins hohe Alter möglichst lange gesund, beweglich, stark und selbstbestimmt zu bleiben, wird unter dem Begriff Longevity zusammengefasst, einem der zentralen Themen für unsere Gesellschaft, die Wissenschaft und insbesondere den Gesundheitssektor.

Schließlich geht es darum, in welcher Form etwa ein Viertel der Bevölkerung weiterhin am gesellschaftlichen Leben teilnehmen kann – und zwar aktiv und selbstbestimmt, nicht vor dem Fernseher oder am Rollator (Sörensen, 2025).

Longevitiy-Champion

Dr. Marcel Reuter, der an der DHfPG den Fachbereich Trainings- und Bewegungswissenschaften leitet, formulierte den Auftrag für Fitness- und Gesundheitsstudios wie folgt:

Die Fitness- und Gesundheitsbranche ist der eigentliche Longevity-Champion, dann sie lebt den Longevitiy-Ansatz seit Jahrzehnten. Fitness- und Gesundheitseinrichtungen liefern die zentralen Bausteine der Langlebigkeit: Training, Ernährung, Regeneration und mentale Gesundheit.

Tatsächlich wird in vielen Fitness- und Gesundheitsstudios bereits viel richtig gemacht. Das nötige Know-how ist vorhanden und viele Angebote wie Gruppenkurse, Individual- und Personal Training tragen bereits zum Longevitiy-Gedanken bei.

Bewegung ist gut, Training ist besser

In der öffentlichen Wahrnehmung werden Bewegung und Training häufig gleichgesetzt. Aussagen wie „Im Sommer brauche ich kein Fitnessstudio, ich arbeite im Garten und fahre viel Rad“ sind weit verbreitet (Barz, 2025). Diese Sichtweise ist nachvollziehbar, greift jedoch zu kurz.

Bewegungsempfehlungen, etwa von der Weltgesundheitsorganisation, definieren Mindestumfänge körperlicher Aktivität. Sie sind jedoch keine Trainingsempfehlungen.

Interviews zum Thema

Die Interviews mit Ralf Trierweiler, Robert Jablukov und Malte Gertenbach liest du, indem du auf eines der nachstehenden Bilder klickst.

Training verfolgt ein klares Ziel: die gezielte Steigerung körperlicher Leistungsfähigkeit durch geplante, systematische Belastung. Zahlreiche Studien zeigen, dass der Zusammenhang zwischen körperlicher Aktivität und Gesundheit nicht so stark ist wie der Zusammenhang zwischen zielgerichtetem Fitnesstraining und Gesundheit (Kokkinos & Myers, 2010; Kokkinos et al., 2010).

Körperliche Aktivität ist vor allem dann gesundheitswirksam, wenn sie zu einer messbaren Verbesserung der Fitness führt – also Trainingscharakter besitzt.

Wichtiger als die Erfindung neuer Formate ist die konsequente Ausrichtung der Angebote auf die Leistungsentwicklung. Denn Gesundheitstraining ist immer auch Leistungstraining. Entscheidend ist, dass gut ausgebildete Trainier die Wirkmechanismen hinter dem Training erklären können und den Mitgliedern vermitteln, welche Trainingsformen welche Anpassungseffekte haben (und wie sie davon im Alltag profitieren) – auch im Hinblick auf Langlebigkeit.

Leistungsorientierung als Kern des Fitnesstrainings

Fitnesstraining im Studio darf sich daher nicht darauf beschränken, Menschen lediglich „in Bewegung zu halten“. Ziel muss es sein, gezielt körperliche Anpassungen hervorzurufen. Dazu zählen der Aufbau und Erhalt von Muskelmasse, die Steigerung der Muskelkraft und die Verbesserung der kardiorespiratorischen Leistungsfähigkeit.

Für Fitnessstudios bedeutet dies eine klare Richtung: Training muss strukturiert, progressiv und zielorientiert sein. Zentrale Prinzipien wie progressive Belastungssteigerung, regelmäßige Leistungsüberprüfung und die Entwicklung aller motorischen Fähigkeiten sind die Grundlage wirksamer Gesundheitsprävention: Training = Fitness = Gesundheit.

Analyse der Leistungsfähigkeit

Um Trainierende mit einem gut strukturierten, zielgerichteten Trainingsplan und qualifizierter Betreuung im Training zu begleiten, ist die Ermittlung des aktuellen Gesundheitszustands der Kundinnen und Kunden bei Trainingsbeginn unerlässlich.

Viele Fitness- und Gesundheitsstudios arbeiten hierfür mit BIA-Messungen, um die Körperzusammensetzung der Kunden zu ermitteln und dadurch mögliche Risiken und Kontraindikationen für das Training zu identifizieren, sowie mit Blutdruckmessung, um den kardiovaskulären Status quo zu ermitteln.

Diese Analyse lässt sich wirksam durch zwei Parameter ergänzen, die leicht und noninvasiv gemessen werden können und den Leistungs- bzw. Trainingsfortschritt eindeutig abbilden: die VO2max und die Griffkraft.

Fitness als Biologisches Alter

VO2max und Handgriffkraft haben eines gemeinsam: Sie beschreiben funktionelle Leistungsfähigkeit und bilden damit  ergänzend zu BIA-Messungen das biologische Alter eines Menschen sehr präzise ab. Ein großer Vorteil ist, dass sie als Parameter für eine Leistungssteigerung leicht messbar und für alle Mitglieder leicht verständlich sind sowie eine „greifbare“ Größe darstellen (Reuter, 2025).

Für Fitnessstudios eröffnen diese Kennzahlen in Kombination mit den Zahlen aus BIA-Messungen die Möglichkeit, Trainingserfolge sichtbar zu machen und deren Relevanz für das alltägliche Leben der Trainierenden bei jedem Test oder Retest zu visualisieren. Mehr Alltagsübertrag und eine klarere Mitgliederedukation sind kaum möglich.

Leistungsfähigkeit ist Gesundheit

Leistungsorientiertes Training ist kein Widerspruch zu Gesundheit, sondern ihre Voraussetzung. Fitnessstudios, die Training als gezielte Intervention zur Steigerung von Kraft und Ausdauer verstehen, leisten einen zentralen Beitrag zur Verlängerung der Gesundheitsspanne.

Eine höhere Leistungsfähigkeit bedeutet für Menschen eine höhere Resilienz, eine höhere Anpassungsfähigkeit an die Herausforderungen des Alltags – das gilt für jüngere Erwachsene ebenso wie für Senioren. Je früher Menschen mit dem Fitnesstraining beginnen, je regelmäßiger sie trainieren und je leistungsfähiger sie sind, desto resilienter sind sie: Welcome Longevity!

Performance im Studio

Wer Gesundheit nachhaltig fördern will, muss Training nicht nur anbieten, sondern konsequent leistungsorientiert gestalten. Wie sich leistungsorientiertes Training im Studio umsetzen lässt, welche Trainingsregimes sich bewährt haben, welche Rolle die Trainerteams dabei einnehmen und für welche Zielgruppen es besonders geeignet ist, haben wir mit drei Betreibern völlig unterschiedlicher Studiokonzepte in Interviews besprochen:

In den juka dojo Fitness Clubs in Hamburg werden Mitglieder über ihr Training zu „Helden“, weil sie Hindernisse des Alltags und des Älterwerdens überwinden und immer wieder neue Ziele erreichen. Geschäftsführer Ralf Trierweiler erläutert, was es dafür braucht.

Die UFC GYMs bieten Fitness- und Gruppentrainings, die sich an dem herausfordernden Training und der Disziplin des Kampfsports orientieren. Geschäftsführer Robert Jablukov erklärt, wie das Konzept in der Praxis umgesetzt wird. 

In Kiel setzt FIT in drei Studios konsequent auf hochintensives Intervalltraining in Kleingruppen. Gründer Malte Gertenbach verrät, wie er und sein Team Mitglieder von 20 bis über 70 Jahren mehrmals wöchentlich für diese Trainingsform begeistern.

Auszug aus der Literaturliste

Garmany, A. & Terzic, A. (2024). Global Healthspan-Lifespan Gaps Among 183 World Health Organization Member States. JAMA Network Open, 7 (12), e2450241.

Kokkinos, P. & Myers, J. (2010). Exercise and physical activity: clinical outcomes and applications. Circulation, 122, 1637-1648.

Kokkinos, P., Myers, J., Faselis, C., Panagiotakos, D. B., Doumas, M., Pittaras, A. et al. (2010). Exercise capacity and mortality in older men: a 20-year follow-up study. Circulation, 122, 790–797.

Reuter, M. (2025). Wir sind Logevity Champion. fitness MANAGEMENT international, 4 (180), 30–31.

Soerensen, A. (2025). Add Life to Years – Health Trend Longevity. fitness MANAGEMENT international, 4 (180), 26–28.

Für eine vollständige Literaturliste kontaktiere uns bitte hier per Mail.

Diesen Artikel kannst du folgendermaßen zitieren:

Sörensen, A. & Wolff, J. (2026). Performance is Health. fitness MANAGEMENT international, 2 (183), 26–41.

dhfpg-bsa

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