Gesundheit, Management | Autor/in: Dr. Joshua Berger |

Diagnostische Verfahren in EMS-Betrieben

Mittels differenzierter Diagnostik konnten Veränderungen der Körperzusammensetzung sowie Verbesserungen der körperlichen Leistungsfähigkeit durch Ganzkörper-Elektromyostimulation (GK-EMS) in unterschiedlichsten Zusammenhängen festgestellt werden. Wie sind diese Verbesserungen allerdings im Studiokontext messbar zu machen und welche adäquaten Assessments gibt es?

Trainingserfolge der Kund:innen im EMS-Training messen

Die Anwendung von Ganzkörper-Elektromyostimulation (GK-EMS) hat in den letzten Jahren vor allem in Mikrobetrieben und Boutique-Studios stark zugenommen und ist einer der am stärksten wachsenden Bereiche im Leistungsumfang gemäß DIN 33961.


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Die intensive persönliche Betreuung sowie die Zeiteffizienz des Trainings bei gleichzeitiger Verbesserung der körperlichen Fitness sind für viele Kund:innen die ausschlaggebenden Faktoren dafür, EMS-Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen:

Es wird sowohl inaktiven Personen durch eine individuelle Trainingsgestaltung der Zugang zu sportlicher Betätigung ermöglicht, als auch erfahrenen Freizeit- und Breitensportler:innen sowie Athlet:innen eine intensive, abwechslungsreiche und innovative Trainingsmöglichkeit geboten.


Über den Autor

Dr. Joshua Berger arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter und Dozent im Fachbereich Fitness/Individualtraining an der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement (DHfPG) und als Referent an der BSA-Akademie. Seit 2017 ist er Mitglied im EMS-Fachkreis, der sich mit aktuellen Themen rund um EMS-Training sowie mit praktischen Leitlinien für den konventionellen Gebrauch befasst.


Die simultane Stimulation aller großen Muskelgruppen durch einen hochintensiven und trainingswirksamen Reiz charakterisiert hierbei das GK-EMS; sie konnte in vorangehenden Untersuchungen zu umfangreichen Steigerungen der Leistungsfähigkeit unterschiedlicher Personengruppen führen (Berger, 2021; Pano-Rodriguez, Beltran-Garrido, Hernández-González & Reverter-Masia, 2019).

Die Visualisierung des individuellen Trainingserfolges durch wiederkehrende Diagnostiken ist hierbei einer der Schlüsselfaktoren zur Motivation der Kund:innen und zum Schaffen eines „Dabeibleiben-Motivs“.

Die Aufnahme weiterer Parameter wie z. B. eine Umfangsmessung zur Berechnung des Taille-Hüft-Quotienten oder des Taille-Größen-Verhältnisses sowie eine Umfangsmessung der Extremitäten – an dominanten Stellen zur Darstellung des Muskelwachstums – liefert ergänzende Erkenntnisse zur Bewertung des Trainingserfolges.

Ebenso kann mithilfe einer Kaliperzange über die Messung der Hautfaltendicke an unterschiedlichen Körperstellen der prozentuale Körperfettanteil berechnet werden, wodurch mit niedrigem materiellem Aufwand eine spezifische und fundierte Messung des Körperfettgehaltes ermöglicht wird.

Die passende Diagnostik auswählen

Die Wahl der Diagnostik hängt hier sowohl von den Anwender:innen als auch von der technischen Ausstattung des Betriebes ab. Eine korrekte Anwendung der Messmethoden (z. B. Standardisierung der BIA und Kalipermessung) ist erforderlich, um die Vergleichbarkeit der Messdaten zu gewährleisten, was als Grundlage dazu dient, den Kund:innen ihren individuellen Trainingserfolg zu visualisieren und somit ihre Motivation für das Training zu steigern.


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Wie können nun allerdings Veränderungen unterschiedlicher Parameter gemessen werden und welche Diagnostiken sind im Studiokontext anwendbar? Im Folgenden soll ein kurzer Überblick über kompatible und umsetzbare Assessments gegeben werden.

Diese können sowohl in das bestehende Angebot eines Mikrostudios integriert werden, als auch den Kund:innen in Form einer zusätzlich buchbaren Option zur Verfügung stehen. Der Vorteil hierbei ist eine Erweiterung des Dienstleistungsangebotes zur Generierung zusätzlicher Einnahmen bei gleichzeitigem Kund:innenmehrwert durch eine umfangreiche Dar- und Bereitstellung von Gesundheitsdaten.

Diagnostik der Körperzusammensetzung

Eine Diagnostik der Körperzusammensetzung erfolgt in vielen EMS-Betrieben bereits anhand unterschiedlichster Geräte von verschiedenen Herstellern und hat sich als Maßnahme zur Darstellung der körperlichen Veränderung bewährt.

Bei standardisierter Anwendung bietet die sogenannte Bioelektrische Impedanzanalyse (BIA) eine detaillierte Abbildung von Faktoren wie absoluter Fettmasse, Muskelmasse sowie prozentualem Körperfettanteil und ermöglicht eine genaue Interpretation der körperlichen Veränderungen durch das GK-EMS-Training.

Diagnostik der Kraftfähigkeiten

Diagnostiken der Maximalkraft sind im Kontext von GK-EMS in zahlreichen Studien zum Einsatz gekommen. Für unterschiedlichste Muskelgruppen konnten deutliche Leistungssteigerungen festgestellt werden (Pano-Rodriguez et al., 2019).

Die Diagnostik der maximalen Kraftfähigkeit ist allerdings immer mit einem hohen gerätetechnischen Aufwand verbunden, was sowohl aus finanziellen als auch aus logistischen Gründen in vielen Betrieben nicht umsetzbar ist. Deshalb sollte bei der Diagnostik von Kraftfähigkeiten im Studiokontext auf einfache Krafttests zurückgegriffen werden.

Im Fokus der Kund:innen steht die Verbesserung der eigenen Leistungsfähigkeit und somit der intraindividuelle Vergleich der durchgeführten Diagnostiken vor und nach der Trainingsphase. Deshalb sind z. B. die Messung der Dauer eines Unterarmstützes, die Anzahl an Liegestützen oder an Sit-ups bereits gute Möglichkeiten, den individuellen Trainingserfolg zu visualisieren.

Interindividuelle Leistungsvergleich

In Form des isometrischen Krafttests nach McGill (Esfahani, Rezaeian & Dommerholt, 2019) oder mit dem Kraftausdauertest nach Spring et al. (1997) kann eine Erweiterung der diagnostischen Möglichkeiten erfolgen. Diese setzen sich aus unterschiedlichen, einfach umzusetzenden Übungen zusammen und ermöglichen den Vergleich der eigenen Leistungsfähigkeit anhand von bestehenden Normwerten.

Hierdurch können den Kund:innen nicht nur die intraindividuellen Leistungsverbesserungen, sondern auch interindividuelle Vergleiche ihrer Leistungsfähigkeit ermöglicht werden.

Diagnostik unspezifischer Rückenschmerzen durch die Visuelle Analogskala (VAS)

Rückenschmerzen stellen ein weitverbreitetes Gesundheitsproblem dar und gelten heute als Volkskrankheit – damit einhergehen volkswirtschaftliche Kosten in Milliardenhöhe. Im Jahr 2016 wurden Rückenschmerzen als einer der häufigsten Gründe für Rentenneuzugänge wegen verminderter Erwerbsfähigkeit angegeben.

Des Weiteren liegt die Jahresprävalenz von Rückenschmerzen in der Gesamtbevölkerung Deutschlands bei 61,3 Prozent (Raspe, 2012). Die Linderung von Rückenschmerzen ist somit ein essenzieller Teil der Gesunderhaltung und spielt gerade in der breiten Bevölkerung aufgrund des oftmals inaktiven Lebensstils eine wichtige Rolle.

Untersuchungen konnten einen umfassenden positiven Einfluss von GK-EMS auf unterschiedlichste Ausprägungen von Rückenschmerzen sowie auf die Steigerung der muskulären Leistungsfähigkeit der Rückenmuskulatur feststellen.

Kosten-Nutzen-Analyse

Solche Diagnostiken sind im Studiokontext allerdings aufgrund des gerätetechnischen Aufwands sehr schwer umzusetzen (Berger, 2021; Weissenfels et al., 2018).

Die Visuelle Analogskala (VAS) bietet eine Möglichkeit, die aktuelle Intensität von Rückenschmerzen festzustellen und ist ein – unabhängig von der maximalen muskulären Leistungsfähigkeit – verlässlicher Parameter zum Aufzeigen des Trainingserfolges: Eine zehn Zentimeter lange Linie ist auf der linken Seite durch eine Null (kein Schmerz) und auf der rechten Seite durch eine Zehn (maximaler Schmerz) begrenzt.


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Es wird an der Stelle eine Markierung gesetzt, an der die Person ihre Rückenschmerzen der letzten 24 Stunden bzw. 7 Tage (in Abhängigkeit der Fragestellung; beides kann abgefragt werden) einordnet. Nach Ablauf eines gewissen Zeitraums, in dem die Trainingsintervention stattgefunden hat, wird die Abfrage über die Skala erneut vorgenommen.

In der Folgediagnostik kann somit durch einfache Mittel eine Veränderung der subjektiv wahrgenommenen Rückenschmerzen visualisiert werden. So kann das Studio den Kund:innen ihren Trainingserfolg durch die GK-EMS-Applikation aufzeigen und unabhängig von kostenintensiven Diagnostiken den Mehrwert des Trainings abbilden (Berger, Ludwig, Becker, Kemmler & Fröhlich, 2020).


Fazit

Gemäß dem Vier-Faktoren-Modell des GK-EMS müssen sowohl die Trainingsinhalte als auch die diagnostischen Verfahren zielgruppenspezifisch angepasst werden, um potenzielle Leistungssteigerungen und Veränderungen unterschiedlicher Parameter überprüfen zu können (Berger, 2021).

Nicht nur aus Gründen der Motivation aufseiten der Trainierenden ist dieser Ansatz sinnvoll. Ebenso findet über die zielgruppenspezifische Auswahl diagnostischer Verfahren automatisch eine gesundheitliche Absicherung der Kund:innen statt, da eine physische Überforderung vermieden wird. (Auch Lesenswert: 'EMS-Heimtraining – der Wolf im Schafspelz')

Kund:innenbindung und Wettbewerbsvorteil

Im Studiokontext sollte demnach zur Dokumentation der Leistungsentwicklung, zur Steigerung der Motivation (durch Aufzeigen der individuellen Verbesserungen) sowie zur Absicherung der Kund:innen eine adäquate Auswahl diagnostischer Möglichkeiten bestehen, um eine individuelle Betreuung zu gewährleisten.

Aus ökonomischer Perspektive kann das Zusatzangebot außerdem eine Erweiterung des betriebseigenen Dienstleistungsportfolios darstellen. So bietet die Diagnostik nicht nur einen finanziellen Mehrwert, sondern stellt auch durch die Erweiterung des eigenen Kompetenzbereiches eine Abgrenzung zu anderen Mitbewerber:innen dar, was gerade in Ballungsgebieten im Hinblick auf die daraus resultierende branchenbezogene Konkurrenz einen Marktvorteil bedeuten kann.



Auszug aus der Literaturliste

Berger, J. (2021). Eine Evaluation der Anwendbarkeit und Effektivität von Ganzkörper-Elektromyostimulation. Dissertation. Technische Universität, Kaiserslautern.
Berger, J., Ludwig, O., Becker, S., Kemmler, W. & Fröhlich, M. (2020). Effects of an 8-Week Whole-Body Electromyostimulation Training on Cycling Performance, Back Pain, and Posture of a 17-Year-Old Road Cyclist. International Journal of Athletic Therapy and Training, 26 (2).
Pano-Rodriguez, A., Beltran-Garrido, J. V., Hernández-González, V. & Reverter-Masia, J. (2019). Effects of whole-body ELECTROMYOSTIMULATION on health and performance: a systematic review. BMC complementary and alternative medicine, 19 (1), 87.

Für eine vollständige Literaturliste kontaktieren Sie bitte marketing@dhfpg-bsa.de.

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