Die Reaktionsquote, definiert als das Verhältnis von Fitnessstudiomitgliedern zur Bevölkerung in Deutschland, ist ein wichtiger Gradmesser für die Marktdurchdringung und Entwicklung der Fitness- und Gesundheitsbranche. Laut der DSSV-Studie „Eckdaten der deutschen Fitnesswirtschaft 2026“ liegt diese derzeit bei 14,8 Prozent (DSSV, 2026).
Verglichen mit anderen großen europäischen Nationen wie Frankreich (ca. 11 %) oder Spanien (ca. 13 %) sind die Deutschen augenscheinlich fitnessaffiner. Skandinavische Nationen wie Schweden und Norwegen (beide ca. 21 %) sowie die Niederlande (ca. 19 %) und Großbritannien (ca. 17 %) weisen jedoch höhere Werte im Hinblick auf das Verhältnis von Fitnesstreibenden zu Einwohnern auf.
Der europäische Durchschnitt liegt mit 9,3 Prozent unter Deutschland (EuropeActive, 2026). Dies ist vor allem auf die vergleichsweise geringen Reaktionsquoten in osteuropäischen Ländern wie Polen, Rumänien oder Ungarn zurückzuführen.
Ziel dieses Artikels ist jedoch kein europäischer Ländervergleich, sondern die Frage, woher das Mitgliederwachstum und die anhaltende Marktdurchdringung von 11,2 auf 14,8 Prozent in den letzten zwölf Jahren stammen. In Publikumsmedien wird häufig die These aufgestellt, dass insbesondere die Generationen Y und Z vermehrt ins Fitnessstudio gehen und somit Treiber dieses Mitgliederwachstums sind.
Um dies näher zu beleuchten, wurden die Daten der DSSV-Eckdatenstudien der letzten zwölf Jahre mit den Populationsdaten des Statistischen Bundesamtes zusammengeführt. In der Literatur werden für die Abgrenzung der Generationen leicht unterschiedliche Jahrgänge genannt. Dieser Artikel legt jedoch die Definition des Statistischen Bundesamtes zugrunde (Statistisches Bundesamt, 2025).
Entwicklung der Reaktionsquoten nach Generationen
Die Entwicklung der Anteile der Fitnesstreibenden in den jeweiligen Generationen – also die Reaktionsquoten – für die Jahre 2014 bis 2025 ist in Abbildung 1 dargestellt.
Die Zahl der Personen der Stummen Generation, die Fitness treiben, ist von 2014 bis 2025 rückläufig. In diesem Zeitraum sinkt die Reaktionsquote von 6,5 auf 5,1 Prozent. Primärer Treiber dieses Rückgangs ist die Corona-Pandemie mit ihren Folgeerscheinungen ab dem Jahr 2020.
Die durch Corona erzwungene Inaktivität hat in dieser Generation altersbedingt zu der stärksten körperlichen bzw. muskulären Degeneration geführt und zum Teil einen Teufelskreis von funktionellen Einschränkungen des Bewegungsapparates ausgelöst. Die Mitgliederzahl hat sich von Ende 2019 bis Ende 2020 fast halbiert, was sich in der Reaktionsquote widerspiegelt. Im Jahr 2021 hat sich die Zahl der Fitnessstudiomitglieder der Stummen Generation um ein weiteres Viertel reduziert.
Grund hierfür ist vermutlich die Angst vor einer Infektion mit dem Coronavirus, das insbesondere für Menschen höheren Alters kritischere Folgen haben kann als für Jüngere. Während sich die Anzahl der Fitnesstreibenden im Jahr 2022 in allen anderen Generationen stabilisiert bzw. wieder erhöht, ist in der Stummen Generation ein weiterer Rückgang zu beobachten.
Diese Erkenntnis ist verheerend, wenn man bedenkt, dass gerade diese Personen das Krafttraining im Fitnessstudio am dringendsten benötigen, beispielsweise zur Sturzprophylaxe. Der Anstieg der Reaktionsquote in den Jahren 2023 bis 2025 ist eher ein Effekt der höheren Sterberate. Die Kohorte schrumpft durch Todesfälle, doch die Anzahl der Fitnesstreibenden bleibt gleich, da sie durch das Training eine ausgeprägtere Muskulatur, ein stabileres Herz-Kreislauf-System und entsprechend auch ein stärkeres Immunsystem haben.
Unter den Babyboomern sinkt der Anteil der Fitnesstreibenden im Betrachtungszeitraum von 15,5 auf 10,9 Prozent. Auch hier ist die Corona-Pandemie ab dem Jahr 2020 der Haupttreiber; im Jahr 2020 sank die Anzahl der Fitnesstreibenden jedoch „nur“ um 14 Prozent. Zum Vergleich: Bei der Stummen Generation hat sich die Anzahl im gleichen Zeitraum fast halbiert.
Im Jahr 2021 ist die Generation der Babyboomer um ein Viertel geschrumpft; der Rückgang der Fitnesstreibenden ist in dieser Alterskohorte genauso hoch wie bei der Stummen Generation. Hier zeigt sich, dass die Corona-Maßnahmen zwar zeitversetzt, aber dennoch massiv zu einem Rückgang der Fitnessstudiomitglieder bei den Babyboomern geführt haben.
Dies ist eine verheerende Erkenntnis, da diese Alterskohorte im Zeitraum der Pandemie zwischen 55 und 74 Jahre alt war und regelmäßiges Krafttraining in diesem Alter viele gesundheitliche Vorteile mit sich bringt. Zudem hat sich diese Generation bis heute nicht von diesem Rückgang erholt.
Die Reaktionsquote der Generation X steigt im Betrachtungszeitraum von 16,9 auf 19,9 Prozent. Zwar ist die höhere Marktdurchdringung bei dieser Alterskohorte positiv, jedoch liegt der Wert Ende 2025 rund einen Prozentpunkt unter dem Höchststand vor der Corona-Pandemie. In den Corona-Jahren 2020 und 2021 fiel der Rückgang der Reaktionsquote bei der Generation X mit einem bzw. einem halben Prozentpunkt deutlich geringer aus als bei den älteren Generationen.
Da Fitness für die Generation X einen Ausgleich zum stressigen Berufsleben darstellt, hat diese Personengruppe vermutlich vermehrt die digitalen Angebote der Fitnessstudios, wie beispielsweise Online-Kurse, genutzt. Dies könnte den geringeren Rückgang erklären. Zudem hat sich die Anzahl der Fitnesstreibenden in dieser Generation stabilisiert und verzeichnet von 2022 bis 2025 wieder ein leichtes Wachstum.
Die Anzahl der Fitnessstudiomitglieder der Generation Y steigt von 2014 bis 2025 von 10,4 auf 24,0 Prozent. Im Jahr 2017 übertrifft die Reaktionsquote der Generation Y (15,3 %) erstmals die Gesamtquote in Deutschland (12,9 %). 2022 umfasst die Generation Y anteilmäßig die meisten Fitnessstudiomitglieder (20,6 %) und konnte diesen Anteil seither weiter ausbauen.
Viele Fitnessstudios bieten heute Angebote für körperliche und mentale Gesundheit, für die die Generation Y sehr empfänglich ist. Die Corona-Pandemie hat das Bewusstsein für die eigene Gesundheit und einen aktiven Lebensstil in dieser Alterskohorte geschärft. Dies ist an dem starken Zuwachs in den Jahren 2022 und den folgenden Jahren erkennbar.
Soziale Medien spielen bei dieser Entwicklung eine wichtige Rolle und sind als weiterer Treiber einzustufen (Kobel & Küstner, 2024). Ende 2025 ist fast jede vierte Person dieser Alterskohorte Mitglied in einem Fitnessstudio. Dies ist darauf zurückzuführen, dass Fitness für diese Menschen ein Teil ihres Lifestyles ist, mit dem sie sich identifizieren.
In der Generation Z ist der stärkste Anstieg der Zahl der Fitnesstreibenden feststellbar. Im Betrachtungszeitraum stieg die Reaktionsquote von 3,8 auf 21,3 Prozent. Dieses Wachstum ist seit dem Jahr 2018 zu beobachten, in dem die Mehrheit dieser Generation das Alter von 15 Jahren erreicht hatte und somit potenziell Mitglied in einem Fitnessstudio werden konnte. Diese Entwicklung wurde durch die Corona-Pandemie in den Jahren 2020 und 2021 temporär gebremst.
Ab 2022 setzte sich der Wachstumsschub der Fitnesstreibenden in der Generation Z jedoch wieder fort: Bereits im Jahr 2023 lag die Reaktionsquote bei 15,1 Prozent und damit über dem deutschen Durchschnitt von 13,4 Prozent.
Die Menschen dieser Generation sind sehr affin gegenüber Technik im Fitnessbereich, wie Wearables, Apps, sozialen Medien oder Challenges. Somit finden sie in Fitnessstudios genau das Umfeld, um ihren Vorlieben nachzugehen. Bis zum Jahr 2027 werden alle Menschen dieser Alterskohorte volljährig sein, was voraussichtlich zu einem weiteren Mitgliederwachstum aus diesen Jahrgängen führen wird.
Angesichts der fitnessbezogenen Entwicklungen der Generationen Y und Z sind auch in der Generation Alpha weitere Mitgliederpotenziale zu erwarten. Ob sich unter ihnen ein ähnlich starkes Wachstum an Fitnesstreibenden entwickeln wird, bleibt abzuwarten, bis die ersten Personen dieser Kohorte Mitgliedschaftsverträge abschließen können.
Spannend ist auch, dass das Mitgliederwachstum vor allem in den Generationen Z und Y stattfindet. Diese beiden Generationen machen zusammen etwas mehr als ein Drittel der Bevölkerung aus.
Ein geringes bis gar kein Mitgliederwachstum findet dagegen in den Generationen X, Babyboomer und Stumme Generation statt. Diese Generationen stellen jedoch über die Hälfte der deutschen Bevölkerung dar. Es lohnt sich, darüber nachzudenken, warum diese Bevölkerungsschichten nicht stärker fokussiert werden, da der gesundheitliche Nutzen eines regelmäßigen Fitnesstrainings in dieser Zielgruppe am höchsten ist.
Fazit
In den letzten zwölf Jahren konnte die Fitness- und Gesundheitsbranche Mitgliederzuwächse verzeichnen. Die Generation Alpha scheint Mitgliederpotenzial zu bieten, was sich in den kommenden Jahren zeigen wird. Insbesondere die Reaktionsquoten der Generationen Y und Z haben die stärksten Zuwächse erfahren und befinden sich auf einem Allzeithoch.
Bei der Generation Z sind weitere Zuwächse zu erwarten, da noch nicht alle Menschen dieser Alterskohorte volljährig sind und derzeit nur ein Teil von ihnen Fitnessstudiomitglied sein kann. Generation X hat im Vergleich zu 2014 ebenfalls Zuwächse an Fitnesstreibenden erfahren, liegt zum Erhebungszeitpunkt jedoch noch unter dem Vor-Corona-Niveau der Jahre 2018 und 2019.
Die Babyboomer und die Stumme Generation zeigen rückläufige Reaktionsquoten auf, obwohl mit steigendem Alter i. d. R. auch das Gesundheitsbewusstsein zunimmt. Zwar haben sich diese nach der Corona-Pandemie mit leichtem Wachstumstrend stabilisiert, die Lücke zu den Jahren 2019 und davor existiert jedoch weiterhin.
Hier besteht Potenzial, diese ehemaligen Mitglieder, aber auch neue Mitglieder ins Studio zu bewegen. Studios mit gut qualifizierten Mitarbeitenden und einem ausgeprägten Gesundheitsangebot sind für diese Zielgruppen besonders geeignet. Die aktuellen Angebote im Markt sprechen eher die jüngeren Generationen an.
Die Zahlen bestätigen, dass es eine Lücke bzw. ein Vakuum an qualitativ hochwertigen gesundheitsorientierten Angeboten gibt. Gerade die älteren Generationen werden nach der Corona-Pandemie nicht ideal erreicht bzw. angesprochen. Diese Lücke bietet Anbietern, insbesondere Einzelbetreibern, eine große Chance.
Mit regionalen Kooperationen, gutem und qualifiziertem Personal sowie durchdachten Prozessen, Systemen und Konzepten, wie sie beispielsweise durch die DSSV-Qualitätsoffensive forciert werden, kann diese Chance genutzt werden.
Die Fitness- und Gesundheitsbranche kann die Probleme unserer Gesellschaft hinsichtlich Zivilisationskrankheiten lösen, wenn die Bedürfnisse dieser Gruppen optimal vom Markt bedient werden. Das kommt den Menschen, ihrer Lebensqualität und Leistungsfähigkeit, unserer Wirtschaft und auch unserem Sozialsystem zugute!
Auszug aus der Literaturliste
DSSV e. V. – Arbeitgeberverband Deutscher Fitness- und Gesundheits-Anlagen (Hrsg.). (2026). Eckdaten der deutschen Fitnesswirtschaft 2026. Hamburg: Hrsg.
EuropeActive (Hrsg.). (2026). European Health & Fitness Market Report 2026. Brüssel: Hrsg.
Kobel, S. & Küstner, A. (2024). Fitnesstypen statt Stereotypen - Wer trainiert wirklich in Fitnessstudios. fitness MANAGEMENT international, 5 (175), 60–66.
Les Mills (Hrsg.). (2023). Gen Z Fitness: Cracking the Code.
Mannheim, K. (1964). Das Problem der Generationen. In K. H. Wolf (Hrsg.), Wissenssoziologie: Auswahl aus dem Werk (S. 509–565). Berlin: Luchterhand.
Statistisches Bundesamt. (2025). Anzahl der Einwohner in Deutschland nach Generationen. Verfügbar unter https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1130193/umfrage/bevoelkerung-in-deutschland-nach-generationen/
Trappe, N. (2025). Gen Z: Fitnessstudio statt Alkohol in der Freizeit im Trend.
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Diesen Artikel kannst du folgendermaßen zitieren:
Capelan, R. Marx, J. (2026). Die Generation Fitness. fitness MANAGEMENT international, 3 (185), 90–93.







