fM: Kieser steht seit Jahrzehnten für ein konsequent gesundheitsorientiertes Konzept des Krafttrainings. Was sind für Sie die Schlüsselfaktoren für diesen Erfolg?
Michael Antonopoulos: Unser Erfolg beruht auf der konsequenten Fokussierung auf genau dieses Thema: gesundheitsorientiertes Krafttraining – ohne modische Umwege oder kurzfristige Entwicklungen. Wir setzen auf wissenschaftlich fundierte Methoden, standardisierte Prozesse und eine klare Positionierung im medizinischen Umfeld.
Die Kieser-Methode ist kein Trend, sondern ein bewährtes Konzept, das sich über Jahrzehnte hinweg als wirksam und nachhaltig erwiesen hat. Unsere Studios sind Orte der Konzentration, nicht der Ablenkung – damit sind wir verlässlich, effizient und konsequent.
Hinzu kommt, dass wir uns nie von kurzfristigen Marktbewegungen haben leiten lassen, sondern stets unserem Grundsatz treu geblieben sind: Gesundheit durch gezielten Muskelaufbau durch Krafttraining. Diese Beständigkeit ist ein zentraler Erfolgsfaktor.
Welche Rolle spielt die Spezialisierung auf Krafttraining für die Wahrnehmung als Gesundheitsanbieter und die Abgrenzung zu Mitbewerbern?
Unsere Spezialisierung ist unser Alleinstellungsmerkmal. Während viele Anbieter versuchen, möglichst viele Zielgruppen mit einem breiten Angebot zu bedienen – von Wellness bis Entertainment – konzentrieren wir uns spitz auf das, was wir am besten können: Krafttraining zur Prävention und Rehabilitation.
Diese Klarheit in der Positionierung stärkt unsere Glaubwürdigkeit – ein Aspekt, der laut DSSV-Imagestudie entscheidend für die allgemeine Anerkennung als Gesundheitsdienstleister ist.
Über den Interviewpartner

Michael Antonopoulos
Michael Antonopoulos ist seit 2009 CEO und seit 2017 Miteigentümer der Kieser Training AG. Seinen Einstieg bei Kieser hatte der Familienvater, der ursprünglich aus der Finanz- und Beratungsbranche kommt, bereits 2004 als CFO.
Foto: Kieser Training AG
Diese Spezialisierung erlaubt es uns zudem, unsere Prozesse gezielt zu optimieren, unsere Mitarbeitenden bedarfsorientiert zu schulen und ein Höchstmaß an Qualität zu gewährleisten. Dadurch gewinnen wir das Vertrauen bei Ärztinnen und Ärzten, Therapeutinnen und Therapeuten sowie bei unseren Mitgliedern.
Welchen Stellenwert haben Ihre Teams in den Studios für den Erfolg des Konzepts?
Unsere kompetenten Mitarbeitenden sind essenzieller Bestandteil unseres Konzepts und eines jeden Studios. Sie sind nicht nur Instruktorinnen und Instruktoren, sondern auch Vertrauenspersonen und nicht zuletzt das Gesicht von Kieser.
Ihre Kompetenz, Empathie und Präsenz entscheiden maßgeblich über die Qualität des Trainingserlebnisses und den Trainingserfolg unserer Mitglieder. Sie sind es, die unsere Philosophie tagtäglich mit Leben füllen. Ihre Fähigkeit, individuell auf die Wünsche und auch Sorgen der Trainierenden einzugehen, macht den Unterschied. Ohne engagierte und gut ausgebildete Teams wäre unser Konzept nicht umsetzbar.
Welche Kompetenzen Ihrer Teams sind wichtig, um den Erwartungen der Kunden zu entsprechen? Wie können Bewerberinnen und Bewerber punkten?
Neben fachlicher Expertise in Trainingsmethodik und Anatomie sind soziale Kompetenz, Kommunikationsstärke und die Fähigkeit, sich auf die ganz persönlichen Bedürfnisse unserer Mitglieder einzustellen, entscheidend. Das Menschliche ist uns äußerst wichtig, weshalb wir auch Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger mit intrinsischer Motivation dabei unterstützen, bei uns Fuß zu fassen.
Eine gute Voraussetzung ist immer, wenn Interessenten an der DHfPG oder der BSA-Akademie ausgebildet wurden – oder dort starten möchten. Idealerweise mit einem dualen Studium in Fitnessökonomie, Gesundheitsmanagement oder Sport- und Bewegungstherapie.
Auch Expertinnen und Experten aus den Bereichen Diätassistenz, Ökotrophologie und Ernährungsmedizin sind bei uns willkommen. Wichtig ist uns, dass neue Teammitglieder nicht nur fachlich überzeugen, sondern auch unsere Werte teilen: Integrität, Verlässlichkeit und ein echtes Interesse an der Gesundheit und Stärke der Menschen.
Wie halten Sie die Qualifikation Ihrer Mitarbeitenden auf dem aktuellen Stand?
Wir investieren kontinuierlich in Aus- und Weiterbildung. Unsere Mitarbeitenden durchlaufen jährlich verpflichtende Schulungen, darunter E-Learnings, Webinare und Präsenztrainings.
Die Kieser-eigene Ausbildung ist dabei unser Qualitätssiegel. Führungskräfte werden zusätzlich in der „Kaderschmiede“ gezielt auf ihre Rolle vorbereitet. Darüber hinaus fördern wir den Dialog zwischen den Studios, etwa durch Hospitationen oder regelmäßigen Erfahrungsaustausch. So entsteht ein lebendiges Lernumfeld, das nicht nur Wissen vermittelt, sondern auch Motivation und Identifikation stärkt.
Welche Weiterbildungsangebote sind aus Ihrer Sicht derzeit besonders wichtig und warum?
Besonders relevant für den Alltag unserer Mitarbeitenden sind Schulungen im Kontext von Ernährung und Nährstoffen sowie alles rund um die Trainingsmedizin. Die Kombination aus Krafttraining und gezielter Ernährung ist ein zentraler Baustein unserer im Jahr 2025 gestarteten ganzheitlichen Gesundheitsstrategie und ein – wenn nicht der – Hebel, um effizientes Muskelwachstum überhaupt möglich zu machen.
Ein weiterer Bereich ist die Physiotherapie, die bei uns immer mehr Gewicht bekommt. Im Jahr 2024 haben wir unsere erste Praxis in Deutschland eröffnet und drei weitere in der Schweiz. Die Kombination aus Training und Therapie ist für die Problemlösung am Bewegungsapparat aus unserer Sicht unverzichtbar.
Weitere Interviews und Hintergründe
In weiteren Interviews sprechen Christoph Trampert und Henrik Gockel über die Fitnessstudios als Gesundheitsdienstleister.
Lies außerdem unseren Artikel 'Positionierung als Gesundheitsexperte' als Einstieg zum Interview.
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Genau hier setzen wir an und genau dafür benötigen wir speziell ausgebildetes Personal, das Training und Therapie kennt, sie von Grund auf versteht und weiß, wie man diese im besten Sinne der Patientinnen und Patienten zusammenführt.
Stichwort Mitgliederedukation: Wie gewährleisten Sie, dass Ihre Teams in den Studios vor Ort kompetent betreuen, beraten und ihr Wissen an die Trainierenden weitergeben?
Jeder unserer Mitarbeitenden wird nicht nur fachlich, sondern auch didaktisch geschult. Alle lernen, komplexe Inhalte verständlich zu vermitteln und individuell auf alle Anliegen der Mitglieder einzugehen.
Gerade im medizinischen Umfeld, in dem wir uns bewegen, ist dies besonders kritisch, da die Themen Sicherheit und Zutrauen einen ganz anderen Stellenwert haben.
Die aktuell erschienene DSSV-Studie zeigt: Die Qualifikation des Personals ist der Schlüssel zur Glaubwürdigkeit. Deshalb setzen wir auf strukturierte Schulungspfade, regelmäßige Feedbackprozesse und interne Qualitätschecks.
Darüber hinaus fördern wir die persönliche Entwicklung unserer Mitarbeitenden – etwa durch gezielte und individuelle Personalentwicklung. So stellen wir sicher, dass unsere Teams nicht nur fachlich kompetent, sondern auch kommunikativ stark sind.
Welche Entwicklungen beobachten Sie in Bezug auf die Glaubwürdigkeit und das Gesundheitsimage der Branche?
Die Branche steht unter Druck, sich als seriöser Gesundheitsdienstleister zu positionieren. Leider gibt es immer noch Anbieter, die mit fragwürdigen Methoden oder unzureichend qualifiziertem Personal arbeiten.
Das schadet dem Gesamtimage. Wir setzen dem bewusst ein klares Qualitätsversprechen entgegen – mit zertifizierten Prozessen, transparenter Kommunikation und evidenzbasierter Methodik. Es ist wichtig, dass sich die Branche selbst reguliert und klare Standards etabliert. Nur so können wir langfristig Vertrauen aufbauen – bei den Mitgliedern, bei medizinischen Fachkräften und bei politischen Entscheidungsträgern.
Welche Erwartungen haben Sie an die Politik, um die Rolle der Fitnessbranche als Gesundheitsdienstleister zu stärken?
Wir wünschen uns eine stärkere Anerkennung der Branche im Gesundheitssystem – etwa durch die Integration in Präventionsprogramme, die Förderung qualifizierter Anbieter und die Einbindung in die Versorgungsketten.
Die DSSV-Studie zeigt, dass die Bevölkerung bereit ist, Fitness grundsätzlich als Gesundheitsdienstleistung zu akzeptieren – jetzt muss die Politik nachziehen. Es braucht klare gesetzliche Rahmenbedingungen, die Qualität belohnen und unser Engagement für die Gesundheit der Bevölkerung anerkennen. Wir stehen bereit, unseren Beitrag zu leisten – jetzt brauchen wir dazu auch die richtigen politischen Entscheidungen.

