Fitness, Gesundheit, Management, Markt | Autor/in: Carolin Schmidt & Florian Schmidt |

Praxisimpulse für die Mitgliedergewinnung: Fitness- und Gesundheitsdienstleistungen zielführend vermarkten

Gesundheitstraining, Prävention oder Rehasport: Fitness- und Gesundheitsdienstleistungen gilt es, optimal zu vermarkten. Hierbei hilft eine interdisziplinäre Betrachtung. Der promovierte Diplom-Sportlehrer Prof. Dr. Arne Morsch (DHfPG) gibt im Interview Praxistipps für die jeweils ideale Angebotsstruktur und den Erfolgsfaktor Bewegungsfachkräfte mit passenden Qualifikationen.

Interdisziplinär: Prof. Dr. Arne Morsch (DHfPG) liefert im Interview Praxisimpulse für die Mitgliedergewinnung.

fM: Die positiven Effekte regelmäßigen Fitnesstrainings auf die körperliche und mentale Gesundheit sind umfänglich erwiesen. Können Sie uns die wichtigsten Argumente nennen, mit denen Studios auch im Marketing noch deutlicher auf die gesundheitspositiven Effekte von Fitnesstraining aufmerksam machen können?

Prof. Dr. Arne Morsch: Im Zusammenhang von Bewegung und Gesundheit sollte der Fitnessbegriff zunächst in ein richtiges Licht gerückt werden. In Deutschland verbindet man damit oft eher Lifestyle und Körperkult.

In der internationalen Fachsprache spricht man hingegen von „physical fitness“, also körperlicher Leistungsfähigkeit, sowie von metabolischer, kardiovaskulärer oder auch muskuloskelettaler Fitness.

Das bringt viel besser zum Ausdruck, was Fitnesstraining leisten kann. Menschen, die regelmäßig körperlich trainieren, besitzen eine höhere Leistungsfähigkeit der verschiedenen Organsysteme – Gesundheit ist dabei ein „unausweichliches Nebenprodukt“.

Ein individuelles regelmäßiges Kraft- und Ausdauertraining führt zu einer Verbesserung des Stoffwechsels, der Herz-Kreislauf-Funktion und des Muskel-Skelett-Systems und senkt das Risiko für schwere Erkrankungen. Das geht im Fitnessstudio in optimaler Weise und das sollte man sich im Marketing zunutze machen.

Der Präventionsbedarf war noch nie so groß wie heute. Was müssen Studios in Sachen Außendarstellung bzw. Marketing jetzt konkret tun, um ihren Status als professionelle Fitness- und Gesundheitsdienstleister:innen weiter auszubauen und sich im Markt noch klarer zu positionieren?

In den letzten Jahrzehnten ist bereits ein deutlicher Imagewandel weg von der „Muckibude“ der Achtzigerjahre hin zum Gesundheitsdienstleistungsunternehmen erfolgt. Es ist meines Erachtens aber nicht damit getan, sich lediglich Gesundheitsstudio zu nennen.


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Das muss sich auch in der Angebotsstruktur und in der Kompetenz der Mitarbeitenden widerspiegeln. Die Einrichtungen benötigen dann beispielsweise auch spezifische Präventionsangebote oder sporttherapeutisch qualifiziertes Personal, das Kund:innen mit Gesundheitsproblemen betreuen und bedarfsorientierte Trainingskonzepte entwickeln kann.

Derartige Qualität und Kompetenz kann öffentlichkeitswirksam für die Außendarstellung genutzt werden. Ebenso können Kooperationen mit Ärzt:innen sowie medizinischen Einrichtungen die Akzeptanz von Fitness- und Gesundheitstraining in der Bevölkerung steigern.

Sie erwähnen Kooperationen. Welchen Platz können dabei auch z. B. Krankenkassen oder Unternehmen im Bereich der Betrieblichen Gesundheitsförderung (BGF) bzw. des Betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM) einnehmen? Welche neuen Chancen und Synergien können für Studios entstehen?

Von den gesetzlichen Krankenkassen finanzierte Maßnahmen der bewegungsbezogenen Prävention spielen z. B. eine wichtige Rolle, um Personen zu erreichen, die normalerweise nicht den Weg in ein Fitnessstudio gefunden hätten und vielleicht nur aufgrund einer ärztlichen Präventionsempfehlung gekommen sind.

Da es sich hierbei um temporär finanzierte Angebote handelt, sollten die Fitnessstudios versuchen, diese neue Zielgruppe dauerhaft an die eigene Einrichtung zu binden. Damit dies gelingt, ist die qualitativ hochwertige Betreuung durch fachkompetentes Personal elementar.

Auch Kooperationen mit Unternehmen im Bereich der BGF bieten vielfältige Potenziale. Viele Erwerbstätige verrichten coronabedingt ihre berufliche Tätigkeit derzeit im Homeoffice und werden nur digital erreicht.


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Auch Maßnahmen zur Gesundheitsförderung finden zunehmend digital statt und hier sind die meisten Betriebe auf Unterstützung angewiesen. Fitnessstudios sollten diese Chance nutzen, um Kooperationen, z. B. über Präventionskurse, Workouts oder auch Gesundheitsvorträge, zunächst digital zu beginnen.

Zusätzlich sollten diese Lösungen mit individuellen Vor-Ort-Aktionen (z. B. „bewegte Mittagspause“) unter fachkundiger Anleitung kombiniert werden. Dies kann die Nachhaltigkeit der Angebote und die Inanspruchnahme maßgeblich unterstützen und macht Firmenfitness zu einem wichtigen Erfolgsfaktor.

Was braucht es, Ihrer Meinung nach, zusammenfassend dazu, um im Markt als professionelle:r Gesundheitsdienstleister:in wahrgenommen zu werden und den wachsenden Kund:innenanforderungen gerecht zu werden?

Fitnessstudios benötigen eine Angebotsstruktur, die ein breites Spektrum im Tätigkeitsfeld Bewegung und Gesundheit abdecken kann, angefangen bei der Anleitung zu einem selbstgesteuerten Gesundheitstraining, über Prävention oder auch Rehasport, bis hin zur kompetenten Betreuung von Personen mit Gesundheitsproblemen.

Damit eine entsprechende Dienstleistung qualitativ hochwertig umgesetzt werden kann, bedarf es für die jeweiligen Bereiche Bewegungsfachkräfte mit den passenden Qualifikationen.

Über den Interviewpartner

Als Fachbereichsleitung Gesundheitswissenschaft bzw. Gesundheitsförderung an der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement (DHfPG) und BSA-Akademie liegen die Schwerpunkte des promovierten Diplom-Sportlehrers Prof. Dr. Arne Morsch in den Bereichen Individualprävention und Gesundheitsförderung.


Hier finden Sie den Einstieg ins Thema 'Praxisimpulse Mitgliedergewinnung' und nach deren Veröffentlichung zwei weitere Interviews mit den DHfPG-Expert:innen Roman Spitko und Sandra Gärttner zur Mitgliedergewinnung und Vermarktung nach den Corona-Lockdowns (einfach auf das entsprechende Bild klicken):

Diesen und weitere Artikel finden Sie in der fMi 02/2022 & für Abonnenten EXKLUSIV vorab.

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