Fitness, Management, Markt | Autor: Jürgen Wolff |

„Ein wesentlicher Punkt wird sein, das Vertrauen wiederzugewinnen.“

Welche Konsequenzen sollten Studiobetreiber jetzt aus der Pandemie ziehen? Wie sorgen sie für Sicherheit, Vertrauen und Flexibilität und nutzen digitale Tools optimal? Welche Kundenbindungsmaßnahmen sind effektiv? Das erläutert Bernd Schmid im Interview, dem ersten Teil unserer Titelgeschichte.

Bernd Schmid im Interview

fM: Inwieweit wird die Corona-Pandemie die Fitness- und Gesundheitsbranche in den kommenden Jahren beeinflussen?

Bernd Schmid: Die Pandemie wird erheblichen Einfluss auf die Fitness- und Gesundheitsbranche haben. Die derzeit ungefähr 25 bis 30 Prozent Kündigungsrate können kaum aufgefangen werden – schon allein deswegen nicht, da wir derzeit keine neuen Mitgliedschaften schreiben können. Ich denke daher, dass wir mindestens die nächsten zwei bis drei Jahre benötigen werden, um unseren Stand vor der Pandemie wieder zu erreichen.

Mit welchen wesentlichen Veränderungen werden sich die Studios nach der Wiedereröffnung dauerhaft auseinandersetzen müssen?

Ein wesentlicher Punkt wird sein, das Vertrauen der Menschen wiederzugewinnen. Durch die Unsicherheit in unserem Land, die von der Politik verursacht wurde, wird es kein Selbstläufer, sofort wieder neue Mitglieder zu gewinnen. Ich denke jedoch, dass sich mit der Zeit und mit dem Gefühl für das Virus – das sicherlich nie ganz verschwinden wird – auch wieder die Verhaltensstrukturen der Menschen verändern werden, wodurch den Fitnessstudios wieder neue Mitgliedschaften zugeführt werden.


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Unter welchen Voraussetzungen kann der Markt von den Veränderungen profitieren?

Ich denke, dass die Pandemie eine enorme Veränderung im Denken der Menschen verursacht hat. Sie werden künftig nachhaltiger leben wollen, vielleicht auch an ihrer Einstellung zum Geld verdienen etwas verändern und vielleicht nicht mehr alles dem Profit unterordnen. Die Menschen werden stattdessen mehr auf sich achten, mehr für sich tun und auch mehr für ihre Gesundheit sorgen.

Von diesen Umständen wird unser Fitnessmarkt profitieren und am Ende der Pandemie auch einer der Profiteure dieser Veränderungen sein.

In welchem Maß haben digitale Tools durch die Pandemie in Ihren Studios an Bedeutung gewonnen?

Die digitalen Tools sind meines Erachtens nach unausweichlich. Die Digitalisierung insgesamt hat während der Pandemie an Bedeutung gewonnen, sie wird das normale Geschäft aber nicht ersetzen. Für mich sind diese digitalen Tools ein Add-on und im Umgang mit unserem Produkt ein zusätzlicher Aspekt mit neuen Anforderungen.

Die Kursbereiche spielen beim Angebot unserer Studios eine untergeordnete Rolle. Ich denke aber, dass viele, die den Fokus auf Groupfitness gesetzt haben, sich Gedanken machen müssen.



Erwarten Sie in diesem Zusammenhang einen größeren Stellenwert für Outdoorangebote?

Ich denke schon, dass Outdoorangebote zusätzlich eine Rolle spielen werden, sie werden aber dem klassischen Fitnessangebot nicht den Rang ablaufen.

Welchen Einfluss haben die Auswirkungen der Pandemie auf Ihr Trainingsangebot und Ihre Positionierung?

Ich bin der Meinung, dass die Pandemie auf die Trainingsangebote im herkömmlichen Fitnessbereich keinen großen Einfluss haben wird. Ich glaube, dass die Menschen durchaus einschätzen können, wie sie sicher trainieren können und wo sie vielleicht weiterhin auf Abstand Wert legen sollten. Dies können wir leisten, und wir sind in der Lage, dies auch an unsere Kunden zu kommunizieren.

Haben Sie für den Restart neue Konzepte entwickelt oder Ihr Angebot erweitert, um neue Zielgruppen anzusprechen? Welche Maßnahmen haben dabei für Sie Priorität?

Wie bereits erwähnt, wird es sicherlich eine große Rolle spielen, inwieweit wir für unsere Mitglieder Sicherheit gewähren können, damit sie das Vertrauen in unser Produkt zurückgewinnen.

Diese Maßnahmen und auch die werbliche Positionierung werden für uns Priorität haben.

Mit welchen Vertragslaufzeiten haben Sie Ihre Mitgliedsverträge bisher gestaltet? Hat sich dieses System während der Lockdowns bewährt oder werden aufgrund veränderter Erwartungen der Fitnesskunden Anpassungen nötig?

Die vertragliche Bindung ist derzeit in aller Munde, das heißt monatlich kündbare Verträge. Wozu dies geführt hat, können sicherlich all die berichten, die damit schon während des Lockdowns in der Umsetzung waren. Ich bin ziemlich sicher, dass diese Studios erhebliche Kündigungsquoten als Ergebnis haben. Es wurde den Mitgliedern natürlich leicht gemacht, mit der Pandemie als Grund zu kündigen.

Trotzdem glaube ich, dass mit einem intelligenten Konzept auch kurze Laufzeiten angeboten werden können. Allein durch das neue Vertragsbindungsgesetz wird sich in der gesamten Branche einiges ändern.


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Unser Gesprächspartner

Bernd Schmid eröffnete seinen ersten Fitnessclub 1985, den zweiten 1987. 1988 folgte das erste Sonnenstudio. 1989 startete Bernd Schmid unter dem Namen Sun's Solarien in Freudenstadt im Schwarzwald mit Handel und Vermietung von Solarien sowie Equipment für Sonnenstudios. Das Unternehmen hat er unter dem Namen SUNS. Professional Beauty zum heute größten Händler der europäischen Besonnungsbranche entwickelt.

Nachdem er seine bis dahin vier Fitnessstudios bereits 1992 verkauft hatte, eröffnete Bernd Schmid im Jahr 2012 als Franchisenehmer der clever fit GmbH wieder ein Fitnessstudio. Inzwischen betreibt er 41 Studios – vor allem in Berlin und den „neuen“ Bundesländern. Seit 2014 ist der erfahrene Unternehmer im Beirat des DSSV e. V. – Arbeitgeberverband deutscher Fitness- und Gesundheits-Anlagen verantwortlich für die Fördermitglieder.

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