Fitness, Management, Markt | Autor: Anke Sörensen |

Chancen und Perspektiven zum Restart

Die Corona-Krise hat viele Studioinhaber schwer getroffen und wird die Fitness- und Gesundheitsbranche nachhaltig verändern. Gleichzeitig hat sie das Bewusstsein für den hohen Stellenwert von Gesundheit und Fitness geschärft. Professionelle Dienstleister mit Gesundheitsauftrag werden in Zukunft stark an Bedeutung gewinnen. Doch welche Konsequenzen sollten Studiobetreiber jetzt aus der Pandemie ziehen? Wie sorgen sie für Sicherheit, Vertrauen und Flexibilität und nutzen digitale Tools optimal? Welche Kundenbindungsmaßnahmen sind effektiv? Das erläutern vier Fitness- und Wirtschaftsexperten.

Die Fitnessbranche vor dem Restart – Fitness Quo vadis?

Die Lage ist für viele Betreiber von Fitness- und Gesundheitsanlagen nach fast einem halben Jahr der Schließungen aufgrund von zwei Lockdowns kritisch. Viele Studiobetreiber stehen mit dem Rücken zur Wand und müssen hohe Umsatzverluste und die Verspätung von staatlichen Hilfen, die die finanziellen Einbußen nur zum Teil auffangen, kompensieren.

Erschwerend kommt hinzu, dass die zweite pandemiebedingte Schließung die wichtigste Phase der Neukundengewinnung im Januar und Februar diesen Jahres betraf.

Die Wiedereröffnung ließ auf sich warten

Trotz Investitionen in umfangreiche und funktionierende Hygienekonzepte, klar nachvollziehbarer Besucherdaten via Check-in und einem in der SafeActive-Studie von EuropeActive nachgewiesenen geringen Infektionsrisiko blieb die Wiedereröffnung lange verboten.

Aufgrund von schleppend oder nicht ausgezahlten Entschädigungen, Überbrückungshilfen und Krediten wurden viele Engpässe nur verschoben. Die Zukunft wird zeigen, wie gut welche Studios die Krise verkraften können.

Eckdaten bestätigen die Problematik

Die 'Eckdaten der deutschen Fitness-Wirtschaft 2021', erstellt durch den Arbeitgeberverband deutscher Fitness- und Gesundheits-Anlagen (DSSV e. V.), das Prüfungs- und Beratungsunternehmen Deloitte und die Deutsche Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement (DHfPG), bringen die schwierige Entwicklung des letzten Jahres auf den Punkt und zeigen, wie hart die Corona-Krise die Fitnesswirtschaft getroffen hat.

Nach Jahren kontinuierlichen Wachstums (Zuwachs von zwei Millionen Mitgliedern zwischen 2015 und 2019) sank die Zahl der Mitglieder in Fitness- und Gesundheitsanlagen von 11,66 Millionen in 2019 auf 10,31 Millionen in 2020.

Coronabedingter Rückgang

Der Rückgang um 11,6 Prozent lässt sich auf höhere Kündigungszahlen wegen der coronabedingten Schließungen und fehlende Neuverträge zurückführen. Auch die Anlagenzahl sowie der Umsatz waren negativ betroffen.

Die Anlagenzahl reduzierte sich 2020 um insgesamt 1,4 Prozent, das entspricht 131 geschlossenen Anlagen. Die Branche erlitt einen Umsatzrückgang von 24,5 Prozent auf 4,16 Mrd. EUR (netto).

Im Gesamtmarkt sank der Umsatz pro Anlage von 570.000 EUR auf 436.000 EUR (netto). Ungebrochen hingegen blieb bis heute die starke Bindung der Mitglieder und ihre Solidarität gegenüber den Studios.

Studie der DHfPG

Alle Appelle zur prekären Lage der Branche vonseiten des DSSV an die Politik und die Warnungen namhafter Wissenschaftler und Mediziner vor physischen und psychischen Folgeschäden durch den Trainingsausfall blieben bisher ohne Konsequenzen.

Eine Studie der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement (DHfPG) liefert nun konkrete Erkenntnisse dazu, wie sich die Schließungen der Fitness- und Gesundheitsanlagen auf die Trainierenden auswirken. Im November und Dezember 2020 wurden dafür im Rahmen einer Online-Befragung 669 Studiomitglieder befragt.


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Alternativen sind keine Bedrohung

Während der Lockdowns mussten sich Trainierende alternative Trainingsformen suchen. Die Ergebnisse der Studie zeigen deutlich, dass die Alternativen das Training im Studio nicht ersetzen können.

Sie machen den Trainierenden weder wirklich Spaß, noch bieten sie eine langfristige Zukunftsperspektive. Nur knapp jeder Fünfte betrieb während des zweiten Lockdowns regelmäßig Krafttraining (19,3 %) oder Körpergewichtstraining (20,8 %).

Auch Ausdauertraining (23,3 %) wurde in den Wintermonaten nur von etwas weniger als jedem Vierten praktiziert. Die Verbindung zu den Studios blieb bestehen: 15,1 Prozent nutzten die Online-Angebote ihres Studios.

Demotivation und schlechteres Wohlbefinden

Sich eigenständig zum Training aufzuraffen, fiel schwer: Weit mehr als ein Drittel (40,6 %) der Befragten gab an, während des zweiten Lockdowns maximal einmal pro Woche oder seltener zu trainieren.

In Zeiten geöffneter Studios waren das nur 14,1 Prozent! Die Motivation ist an den Besuch im Studio gekoppelt und sank während des Lockdowns deutlich, was zu einer drastischen Verschlechterung des körperlichen Wohlbefindens führte. Vor dem November-Lockdown fühlten sich die Teilnehmer noch relativ gut, nach den Schließungen aber wesentlich schlechter.

Mitglieder bleiben treu

Doch es gibt auch einen Lichtblick: Trotz der Kündigungswelle fühlten sich viele Mitglieder ihrem Studio laut DHfPG-Studie weiterhin stark verbunden und fair behandelt.

Wurden in den Monaten der behördlich angeordneten Schließungen Abbuchungen der Monatsbeiträge vorgenommen, empfanden 82 Prozent der Befragten dies als korrekt. Es herrschte die Meinung vor, dass das Trainingserlebnis im Studio deutlich größer ist als zu Hause und stark vermisst wird. Studioinhaber sollten diese Erkenntnisse für den Restart nutzen.

Neuer Stellenwert für Gesundheit und Fitness

Die Corona-Pandemie hat der Gesellschaft schmerzlich vor Augen geführt, wie wichtig ein gesunder Lebensstil und regelmäßiges Fitnesstraining zur Prävention, Stärkung des Immunsystems und für die Resilienz sind.

Gesundheitsexperten sind sich einig, dass das Bewusstsein für die positiven Effekte von körperlichem Training wachsen wird. fitness MANAGEMENT international wollte wissen, welche Chancen Studiobetreiber jetzt sehen und welche Optionen für die Branche nach dem Restart von nachhaltiger Bedeutung sind.

Dr. Ralf Kriegel, Geschäftsführer von ELEMENTS Fitness und Wellness, erläutert, warum er sich wünscht, dass Fitnessanbieter von der Politik als Bestandteil des Gesundheitssektors anerkannt werden.

Bernd Schmid, Betreiber von 41 clever-fit-Studios, beschreibt, wie der Fitnessmarkt vom neuen Gesundheitsbewusstsein profitieren kann.

David Zimmermann, Inhaber von DAVID Fitness & Health e. K., sieht vor allem für qualitativ hochwertige Fitnessangebote am Markt gute Chancen.

Und mit Prof. Dr. Axel Plünnecke haben wir einen Wirtschaftsforscher nach seiner Einschätzung zur Lage der Fitness- und Gesundheitsbranche und seinen Zukunftsprognosen befragt.

Die Interviews zur Titelgeschichte:


Literaturliste

DSSV e. V. – Arbeitgeberverband Deutscher Fitness- und Gesundheits-Anlagen (Hrsg.). (2021). Eckdaten der deutschen Fitness-Wirtschaft 2021. Hamburg: Hrsg.

Kobel, S. & Preuschoff, G. (2021). Auswirkungen der Corona-Krise auf das Trainingsverhalten. Zugriff am 24.02.2021.

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