Fitness, Management, Markt | Autor: Jürgen Wolff |

GYM-24 Geschäftsführer Frank Luz: „Wir sehen uns am Anfang einer Entwicklung mit viel Potenzial“

Warum BGM erst am Anfang steht und wie sich erfolgreiche und nachhaltige BGM-Konzepte entwickeln lassen, erläutert Frank Luz, Geschäftsführer GYM-24 GmbH, im Interview.

Entwicklung mit viel Potenzial – Interview mit Frank Luz, Gesvhäftsführer GYM-24 GmbH

fMi: Welchen Stellenwert hat Ihr Angebot als Dienstleister für Betriebliches Gesundheitsmanagement in Ihrem Unternehmen?

Frank Luz: Wir haben klein angefangen, unser Angebot über Jahre immer weiterentwickelt und nachjustiert, sodass BGM mittlerweile eine feste Bestandsgröße in unserem Unternehmen ist.

Wie haben sich BGM-Angebote und -Konzepte auf der einen sowie der Bedarf an BGM auf der anderen Seite in den vergangenen Jahren aus Ihrer Sicht entwickelt?

Bei den BGM-Angeboten kann man beobachten, dass immer mehr Firmen in den Markt drängen, die nicht aus der Fitness-, sondern eher aus der Physio- und Ernährungsbranche kommen. Es handelt sich zum Teil um größere Unternehmen mit einer entsprechenden Kapitalstärke. Man muss als Studiobetreiber schon sehr innovativ und mit guten Konzepten 'unterwegs' sein, um hier bestehen zu können. Was den Bedarf an BGM angeht, so sehen wir uns noch immer am Anfang einer Entwicklung mit viel Potenzial.

 

Welche Gegebenheiten sind Ihrer Einschätzung nach die entscheidenden Treiber dieser Entwicklung?

Der Kampf um gute Mitarbeiter und der soziale Druck – auch von Kunden –, als attraktiver Arbeitgeber wahrgenommen zu werden. Das immer höher werdende Renteneintrittsalter ist ein Faktor und natürlich der Grundgedanke von BGM, nämlich die Krankheitstage zu senken und die Arbeitskraft zu erhalten.

Welchen Einfluss hatten die Corona-Krise und der Trend zu Homeoffice, die Digitalisierung sowie der Generationswechsel – in Unternehmen und Studios – auf die Entwicklung des BGMs?

Wenn man an Corona überhaupt etwas Gutes finden kann, so ist es die Sensibilisierung für Gesundheit. Noch nie wurde so deutlich, dass Menschen, die in eher schlechter körperlicher Verfassung sind, ein vielfach höheres Erkrankungsrisiko haben.

Das Thema Gesundheit wird auch an den Firmen nicht spurlos vorbeigehen. Durch gesetzliche Vorgaben in diesem Bereich wird unserer Einschätzung nach in Zukunft immer mehr von Firmen gefordert werden.

Das Thema Homeoffice wird auch zukünftig in den großen Firmen eine Rolle spielen. Wir sind im Umfeld von Daimler, Bosch, IBM und anderen großen Konzernen ansässig. Dementsprechend können wir beobachten, dass bereits angemietete Büroflächen außerhalb der Konzerngelände wieder abgemietet werden.


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Im Homeoffice gibt es keine geregelten Arbeitszeiten, zumindest nicht bei den uns bekannten Konzernen. D. h. die Beschäftigten müssen ihre Arbeit erledigen, sind aber in ihren Pausenzeiten flexibel, sofern sie keine Zoom-Meetings oder Telefonbesprechungen haben. Folgende Punkte schließen wir daraus:

  1. Im Homeoffice sind die Arbeitsbedingungen schlechter, da es hier so gut wie keine Maßnahmen bzgl. der Arbeitsplatzergonomie gibt. Deshalb wird es vermehrt zu Folgeschäden in Form von Fehlhaltungen, Verspannungen, Gewichtszunahme, psychischen Problemen usw. kommen.
  2. Die Mitarbeiter im Homeoffice haben aber aufgrund der flexibleren Arbeitszeiten auch mehr Möglichkeiten zu trainieren. Wir können jetzt schon beobachten, dass Kunden, die früher zur Hauptzeit trainiert haben, ihre Einheit nun schon morgens oder mittags absolvieren. Das sehen wir als Vorteil und auch als Entlastung zur Primetime.
  3. Mitarbeiter im Homeoffice sind für BGM-Maßnahmen vor Ort in den Firmen kaum zu erreichen. Und genau da entsteht ein Markt für externe Dienstleister. Für die Clubs kann das sowohl Fluch als auch Segen sein. Einen Vorteil werden die Clubs haben, die sich dort befinden, wo die Menschen wohnen. Die größeren Clubs in den Großstädten, deren Kunden hauptsächlich Berufspendler sind, werden es hier schwerer haben.

Die Digitalisierung in diesem Bereich beginnt gerade erst und ist auch nicht von heute auf morgen umzusetzen. Der Einfluss war deshalb bisher noch überschaubar, wird aber wachsen.

Es ist immer so, dass junge Leute neuen Ideen gegenüber eher aufgeschlossen sind. Ein Generationswechsel wird sich in den Unternehmen eher als „Türöffner“ erweisen, da jede neue Führungskraft mit neuen Ideen punkten möchte und sich auch erst ein Standing bei den Mitarbeitenden schaffen muss. Das gelingt am besten, wenn man neben der Arbeitsplatzsicherung die Situation der Arbeitnehmer verbessert und ihnen Gutes tut.

Bei den Studios sehe ich nicht mehr so viele Generationswechsel kommen. Wir erwarten, dass in den nächsten Jahren immer mehr Einzelclubs oder auch kleinere Ketten von den großen Playern – und damit meine ich die wirklich großen Player oder Investoren – aufgekauft und zusammengeführt werden. Da wird es Machtverschiebungen geben, denen man sich immer schwerer entziehen kann.

Welche Maßnahmen, Tools oder Konzepte haben Sie entwickelt, um die Dienstleistung BGM für Firmen erfolgreich in Ihrem Unternehmen zu etablieren?

BGM ist ein sehr komplexes Feld. Das Thema Gesundheit, um welches es eigentlich geht, ist nur ein Baustein, wenn auch der wichtigste. Von Bedeutung sind auch die Bereiche Steuerrecht, Vertragsrecht und andere spezifische Themen. Es war auch wichtig, kombinierte Module zu entwickeln, um auch vor Ort in den Firmen Präsenz zu zeigen. Wir arbeiten also sehr eng mit einem Steuerberater, einem Anwalt und Betriebsärzten zusammen. Somit konnten wir ein in sich geschlossenes Konzept erarbeiten.


 


Inwieweit haben Sie Ihre Konzepte an die coronabedingten Veränderungen angepasst?

Wir haben auf eine Online-Betreuung umgestellt und sind mit unseren Ansprechpartnern in den Firmen immer in engem Kontakt geblieben. Bei manchen Partnern haben wir Ausrüstung in die Firma gebracht und vor Ort „Fitnessstützpunkte“ eingerichtet. Es war aber wichtig, dabei mit Fingerspitzengefühl vorzugehen, da alle unter Stress standen. Die meisten Partner konnten wir auf diese Weise bei der Stange halten. Einige wenige haben pausiert. Verloren haben wir keinen Kunden, konnten in der Zeit sogar neue gewinnen.

Was zeichnet für Sie ein erfolgreiches BGM-Konzept aus? Was sind für Sie Erfolgsfaktoren auf der einen sowie hemmende Faktoren auf der anderen Seite?

Für viele Firmen war BGM lange gleichbedeutend mit Arbeitsplatzergonomie, deren Möglichkeiten und Effekte aber schnell ausgereizt sind. Man hat mittlerweile auch schon festgestellt, dass noch so viel Geld in höhenverstellbare Schreibtische, augenfreundliche Bildschirme, angepasste Beleuchtung usw. investiert werden kann, es aber an der allgemeinen Fitness und dem Gesundheitszustand der Mitarbeiter nur marginal etwas ändert.

BGM bedeutet 'Betriebliches Gesundheitsmanagement' – das ist immer ein ganzheitliches Konzept. Arbeitsplatzergonomie ist ein Baustein, der aber mit Ernährung, Bewegung sowie Muskelaufbau und -erhalt, Informationsveranstaltungen, Gefährdungsanalysen und vielem anderen mehr kombiniert werden muss. Wenn man es schafft, diese Punkte zu verknüpfen, wird man auch den Erfolg sichtbar machen können.

Ein hemmender Faktor ist, wenn der Anbieter ein Konzept nicht professionell und mit vollem Einsatz betreibt. Dann ist es eher schädlich für den Anbieter und man sollte die Finger davon lassen. Die Firmen merken sehr schnell, ob ein Konzept nachhaltig ist oder nicht. Was man nicht vergessen darf: Die Firmen sind sehr gut miteinander vernetzt. Es geht sehr schnell, dass man 'seinen Namen verbrennt', was dann auch für den alltäglichen Studiobetrieb zum Nachteil wird.

Wie gehen Sie als BGM-Anbieter erfolgreich auf Unternehmen zu? Was gilt es, dabei zu beachten? Sehen Sie hier Unterschiede zwischen KMUs und großen Konzernen?

Unser konkretes Vorgehen möchte ich an dieser Stelle nicht offenlegen. Allerdings kann ich sagen, dass es um ein Vielfaches einfacher ist, bei KMUs zum Zug zu kommen als bei großen Konzernen. Wir haben es allerdings 2020 geschafft, mit der Firma Boysen einen großen Konzern zu überzeugen und unter Vertrag zu nehmen. Wenn einem das gelingt, dann hat sich die ganze Mühe auf einen Schlag gelohnt.

Lesen Sie auch: 'BGM neu gedacht' und 'BGM der Zukunft'.

Welche Qualifikationen müssen Mitarbeiter der Studios Ihrer Meinung nach heute mitbringen, um erfolgreich an der BGM-Umsetzung mitzuwirken?

Die Qualifikation der Mitarbeiter, die das BGM betreuen, ist der eigentliche Schlüssel zum Erfolg. Wie schon erwähnt, die Firmen merken sehr schnell, ob ein Konzept nachhaltig ist. Auch das beste Konzept ist nur nachhaltig, wenn entsprechende Mitarbeiter dahinterstehen. Studiengänge im Bereich Sport, Ernährung oder Reha sind eine gute Grundlage, darauf sollte mit entsprechenden Weiterbildungen usw. aufgebaut werden. Wichtiger als die Qualifikationen selbst sind das Interesse an der Sache, Zuverlässigkeit und ein gewisses strategisches Denken.

In welche Richtung werden sich die Anforderungen an und Voraussetzungen für ein erfolgreiches BGM Ihrer Einschätzung nach in den kommenden Jahren entwickeln?

Im Moment schreiben sich viele auf die Fahne, BGM-Anbieter zu sein, ohne überhaupt zu wissen, was BGM bedeutet. Vielleicht kennen Sie den Unterschied zwischen BGM und BGF. Wir sind uns ziemlich sicher, dass es nicht mehr lange dauern wird, bis eine Zertifizierung regeln wird, wer sich BGM-Anbieter nennen darf und wer nicht.

Welche Tipps haben Sie für Studiobetreiber, die in naher Zukunft in den Bereich BGM investieren wollen?

Betreiber sollten sich sehr genau überlegen, ob sie es wollen. BGM ist aufwendig und personalintensiv, wenn man es nachhaltig betreibt. Es gab und gibt einige Anbieter auf dem Markt, die BGM-Dienstleistungen für Studiobetreiber angeboten haben. Auch wir haben einiges ausprobiert. Aufgrund unserer Erfahrungen haben wir vor etwa fünf Jahren begonnen, unser eigenes Konzept zu entwickeln, von dem wir jetzt sagen können, dass es in sich schlüssig ist.

Wir haben zwei befreundete Betreiber gecoacht und ihnen das Wissen, die benötigten Systeme und Qualifikationen vermittelt. Beide betreiben BGM sehr erfolgreich, obwohl einer erst während der Corona-Pandemie damit begonnen hat. Sollten wir in absehbarer Zeit nicht mehr auf der Betreiberseite stehen, könnte es durchaus sein, dass wir als Systemanbieter in Erscheinung treten.

Man muss als Studiobetreiber jede Informationsquelle nutzen. Wir hatten das Glück, dass ich bis vor einigen Jahren noch einen 'Nebenjob' als Wirtschaftsingenieur bei Daimler hatte. Dort hatte ich viel mit dem Gesundheitsbereich zu tun und konnte genau analysieren, wie BGM in einem solchen Konzern funktioniert. Einige dieser Erkenntnisse haben wir auf kleinere Betriebe heruntergebrochen.

Zusammenfassend gesagt: Ein schlüssiges, nachhaltiges und erfolgreiches BGM-Konzept zu entwickeln, ist ein langer und arbeitsintensiver Weg – der sich aber lohnen kann!


Über den Interviewpartner

Frank Luz, Jahrgang 1972, ist verheiratet und hat drei Kinder. Er war viele Jahre als Wirtschaftsingenieur beim Daimler Konzern tätig. Seit 1997 ist er in der Fitnessbranche aktiv, zunächst nebenberuflich als Trainer. Seinen ersten eigenen Club eröffnete er 2006.

Gemeinsam mit seinem Partner Marc King betreibt er heute sechs Studios der Marke Gym-24, eines davon als BGM-Projekt für den internationalen Boysen-Konzern und ist mit den weiteren fünf Studios als BGM-Anbieter an unterschiedlichen Standorten erfolgreich.


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