Herz-Kreislauf-Erkrankungen zählen in Deutschland zu den häufigsten Todesursachen (Statistisches Bundesamt, 2023). Dabei leistet der ambulante Herzsport einen entscheidenden Beitrag zur tertiären Prävention, indem er die körperliche und psychische Stabilisierung sowie die Senkung des kardiovaskulären Sterblichkeitsrisikos fördert (Bjarnason-Wehrens, 2014, S. 475).
Laut den Vorgaben der Rahmenvereinbarung wird eine Herzsportgruppe mit max. 20 Teilnehmenden von einer lizenzierten Übungsleitung geleitet. Zusätzlich muss eine medizinische Betreuung sichergestellt werden. Diese kann mit der Änderung der Rahmenvereinbarung seit dem 1. Januar 2022 auch ohne die Anwesenheit eines Arztes oder einer Ärztin erfolgen. Eintretende Notfallsituationen lassen sich durch die Anwesenheit einer Rettungskraft oder durch die Bereitschaft eines Arztes, einer Ärztin oder einer Rettungskraft absichern.
Trotz dieser bereits niedrigschwelligen organisatorischen Anforderungen ist bundesweit ein deutlicher Rückgang der Gruppen zu verzeichnen, was den Betroffenen die wohnortnahe Teilnahme erschwert. Parallel steigt der Bedarf durch demografische Entwicklungen.
Vor diesem Hintergrund untersuchte die Thesis strukturelle Ursachen dieser Veränderungen sowie mögliche Maßnahmen zur Stabilisierung und Weiterentwicklung der Angebote.
Methodik
Die Thesis kombiniert eine Studie mit Online-Befragung und qualitativen Interviews. Insgesamt nahmen 174 Rehabilitationssportvereine bundesweit an der Studie teil. Der Fragebogen erfasste organisatorische Rahmenbedingungen, personelle Ressourcen, finanzielle Aspekte sowie Auswirkungen neuer Vorgaben zur Notfallabsicherung.
Ergänzend wurden Interviews mit Ärztinnen und Ärzten durchgeführt, die im Herzsport tätig sind oder entsprechende Erfahrung besitzen. Die Auswertung erfolgte mittels strukturierter Inhaltsanalyse. Durch die Kombination beider Methoden konnten sowohl die Perspektive der Vereine als auch die der Ärztinnen und Ärzte beleuchtet werden.
Ergebnisse
Die Auswertung der Vereinsbefragung macht deutlich, dass durch die Änderung der Absicherung der Notfallsituation in der Rahmenvereinbarung vom 1. Januar 2022 keine positiven Auswirkungen auf den Aufbau von Gruppen zu verzeichnen sind.
Auch nach Einführung der Bereitschaftsregelung stellt die Gewinnung von Ärzten und Rettungskräften eine ebenso große Herausforderung für Vereine dar wie die Betreuung der Gruppen in Präsenz. Die Anzahl der Gruppen konnte laut Auswertung der Umfrage bundesweit nicht erhöht werden.
Die interviewten Ärztinnen und Ärzte sehen den Einsatz von qualifiziertem nichtärztlichen Fachpersonal, z. B. Rettungskräfte, als ausreichend für die Erstversorgung von Notfällen an. Es wird betont, dass aufgrund der aktuellen Personalsituation die Regelungen weitergedacht und niedrigschwellige Lösungen angestrebt werden sollten.
Aus Sicht der Ärzte stellt die Erweiterung der Erste-Hilfe-Ausbildung für Übungsleitende einen Lösungsansatz dar. Die Notfallabsicherung könnte somit durch die Übungsleitung erfolgen, da diese durch die erweiterte Ausbildung in der Lage ist, kardiologische Notfälle zu erkennen und korrekt zu handeln, bis der Rettungsdienst eintrifft.
Anzahl kardialer Ereignisse sehr gering
Die Auswertung der Online-Befragung zeigt, dass die Rate der kardialen Zwischenfälle und die Anzahl von schwerwiegenden Notfallmaßnahmen, z. B. Einsatz eines Defibrillators oder Ruf des Rettungswagens, sehr gering ist (vgl. Abb. 1). Diese Ergebnisse sind durch weitere Studien belegbar.
Fachkräftemangel – größte Herausforderung
Die Ergebnisse der Thesis belegen, dass insbesondere die Gewinnung von Ärzten und lizenzierten Übungsleitenden die größte Herausforderung für die befragten Vereine darstellt (vgl. Abb. 2).
Praxisrelevanz und Fazit
Die analysierten Herausforderungen und die unterschiedlichen Perspektiven von Vereinen und Ärzten erfordern einen mehrdimensionalen Ansatz, der sowohl auf der Ebene der Verbände und Kostenträger als auch auf der Ebene der Vereine ansetzt.
Aus den Ergebnissen lassen sich folgende Strategien für den künftigen Erhalt und Aufbau von Herzsportgruppen ableiten:
Anpassungen der Notfallabsicherung
Basierend auf der geringen Rate kardialer Zwischenfälle in Herzsportgruppen und den o. g. Herausforderungen wird Verbänden und Kostenträgern empfohlen, eine weitere Anpassung der Notfallabsicherung zu prüfen.
Eine weitere Flexibilisierung der personellen Anforderungen im Notfallmanagement kann strategisch zum zukünftigen Aufbau der Herzsportgruppen beitragen. Es sollte geprüft werden, ob die erweiterte Erste-Hilfe-Ausbildung für Übungsleitende sowie der Einsatz telemedizinischer Unterstützung als zusätzliche Möglichkeiten der Notfallabsicherung in die Rahmenvereinbarung aufgenommen werden können.
Gewinnung von Übungsleitern
Maßnahmen zur Steigerung des Interesses an der Übungsleiterausbildung „Innere Medizin“ sowie an der Tätigkeit als Übungsleitung sollten entwickelt werden. Dazu gehören gezielte Werbemaßnahmen sowie die Anerkennung von Vorqualifikationen potenzieller Übungsleitungen.
Die Ergebnisse der Thesis zeigen einen dringenden Handlungsbedarf auf. Zur langfristigen Sicherstellung der Angebote im Herzsport wird Verbänden und Kostenträgern empfohlen, die aufgezeigten Ergebnisse zu prüfen und entsprechende Maßnahmen zu erarbeiten.
Diesen Artikel kannst du folgendermaßen zitieren:
Seiffert, Doreen (2026). Zukunft des ambulanten Herzsports. medical fitness and healthcare, 01/2026, 42–44.
Über die Autorin

Doreen Seiffert
Alter: 42
Abschluss: M. A. Prävention und Gesundheitsmanagement
Aktuelle Tätigkeit: Referentin Rehabilitationssport und stellvertretende Geschäftsführerin Behinderten- und Rehabilitations-Sportverband Sachsen-Anhalt e. V.
Foto: Privat



