Corona, Fitness, Markt | Autor: Jürgen Wolff |

Interview mit Eishockey-Nationalspieler Colin Ugbekile und Athletiktrainer Arne Greskowiak

Die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie haben dem internationalen Profisport eine Zwangspause auferlegt. In sämtliche Ligen internationaler Sportarten wurde der Spielbetrieb ausgesetzt, die Fußball-Europameisterschaft und die Olympischen Spiele wurden auf das nächste Jahr verschoben. Wie die Spitzensportler und Trainer der Kölner Haie damit umgehen, haben sie im fM Interview verraten.

Interview mit Colin Ugbekile und Arne Greskowiak

Das deutsche Eishockey wurde nicht von der Corona-Krise verschont: Nachdem am 8. März 2020 der letzte Spieltag der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) noch gespielt werden konnte, fällten die Verantwortlichen der DEL zwei Tage später die Entscheidung, die Playoffs um die Meisterschaft nicht mehr austragen zu lassen. Es gibt in dieser Saison deshalb keinen deutschen Meister.


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Kürzlich haben wir bereits mit einem Insider über die Situation des Spitzensports während der Corona-Krise gesprochen – MATRIX Key Account Manager Volker Lichte. Zu den Top-Teams, die er für MATRIX betreut und mit Trainingsgeräten ausstattet, gehört auch das Eishockey-Team der Kölner Haie.

Mit Colin Ugbekile, Eishockey-Nationalspieler und Verteidiger der Kölner Haie, sowie Athletiktrainer Arne Greskowiak konnte fM nun mit zwei Vertretern aus dem Profisport über die Auswirkungen der Corona-Krise sprechen. Inwieweit beeinflusst diese die Trainingsgestaltung und wie sind die Perspektiven?


 


fM: Wie gehen Sie persönlich mit den Einschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie um?

Colin Ugbekile: Ich halte mich strikt an die Regeln, die von Seiten der Bundesregierung und den Ländern vorgeben werden. Beim Training ist es tatsächlich etwas ungewohnt, nicht in Gruppen arbeiten zu können. Deshalb halte ich mich überwiegend alleine fit. Natürlich alles in enger Absprache mit unserem Fitness-Coach Arne Greskowiak, der uns entsprechende Pläne an die Hand gegeben hat.

Arne Greskowiak: Persönlich versuche ich aus einer Krise immer das Positive mitzunehmen. Die Einschränkungen sorgen bei mir dafür, dass ich kreativ werde und versuche, meine normalen Aktivitäten anderweitig fortzuführen. Gerade die Digitalisierung profitiert von der Pandemie. Wir nutzen die uns zur Verfügung stehenden Möglichkeiten ganz anders und erkennen die neu gewonnenen Chancen.


 


fM: Welche Auswirkungen hat die Corona-Krise auf Ihre Sportart?

Colin Ugbekile: Das kann derzeit wohl keiner so genau vorhersagen. Als Spieler bereite ich mich weiterhin so vor, als würde die Saison wie geplant im September starten.

Arne Greskowiak: Wir haben einen Trainingsblock hinzugewonnen. Der Sportler nimmt diese Zeit als Pause in seiner Saison wahr, mit vielen Ungewissheiten. Für die athletische Weiterentwicklung besteht die Möglichkeit, hier an Schwerpunkten zu arbeiten, für die man im normalen Saisonbetrieb keine Zeit hat.

Wir haben schon vor der Corona-Pandemie eine Trainings-App entwickelt, die es ermöglicht, sowohl Sportler als auch normale Menschen ideal zu betreuen. Wir bringen den Personal Trainer mit unserer App 21/90 auf das Smartphone unserer Nutzer. So können wir gewährleisten, dass unsere Sportler ihr individuelles Trainingsprogramm auch zuhause fortführen können. Mit Hilfe einer Chatfunktion bleiben wir ständig im Kontakt.


 


fM: Hat sich Ihre Einstellung zur körperlichen Fitness in der Zeit des Lockdowns verändert?

Arne Greskowiak: Meine Einstellung hat sich nicht verändert. Selbst, wenn man seine Kernsportart gerade nicht durchführen kann, gibt es genügend Möglichkeiten an seiner körperlichen und auch mentalen Leistungsfähigkeit zu arbeiten.

Colin Ugbekile: Bei mir hat sich durch den Lockdown eigentlich nichts Grundlegendes geändert. Um für die Saison – wann immer die auch starten mag – fit zu sein, muss ich als Eishockeyprofi im Sommer die entsprechenden Grundlagen in Sachen Kraft und Ausdauer legen.

fM: Welche Chancen sehen Sie für den Sport in der Zeit nach Corona-Krise?

Arne Greskowiak: Die Pandemie erfordert von jedem einzelnen ein hohes Maß an Selbstdisziplin und Eigenverantwortung. Mannschaftssportler sind es gewohnt, dass sie einen Wochenplan bekommen in dem genau erfasst ist, wann sie Training haben, wann sie zu einem Spiel fahren und welche weiteren Verpflichtungen anstehen. Das gibt es jetzt gerade nicht. Natürlich kann man den Athleten dabei unterstützen, seine Trainingsziele zu erreichen, aber am Ende des Tages müssen die Spieler eigenverantwortlich agieren. Das gefällt mir gut und wird uns auch nach Corona einen Vorteil im Umgang miteinander verschaffen.

Colin Ugbekile: Ich denke, dass wir mit der DEL und den Haien ein sehr attraktives Produkt haben, sodass wir nach der Krise schnell wieder auf dem Level sein sollten wie vor der Krise. Persönlich hoffe ich natürlich sehr, dass wir schon bald wieder auf das Eis zurückkehren können, um unseren Fans wieder den Sport zu bieten, den sie so lieben.

fM: Vielen Dank für das Interview!

Colin Ugbekile

Colin Ugbekile ist Eishockey-Nationalspieler und steht beim DEL-Team Kölner Haie unter Vertrag. Der 20-jährige Verteidiger stand in der kürzlich vorzeitig beendete Saison (2019/2020) 52-mal für die Haie auf dem Eis.

Arne Greskowiak

Arne Greskowiak ist Athletiktrainer des Eishocky-Bundesligisten Kölner Haie. Der geborene Hannoveraner ist seit 2011 mit einem eigenen Leistungszentrum für Athletik- und Personal-Training selbstständig. Seither arbeitet er mit zahlreichen Individualsportlern und Mannschaften aus dem Spitzensport zusammen.

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