Sportmode ist in den letzten Jahren funktioneller und spezieller, aber auch freizeitorientierter geworden, „athletischer Freizeitlook“ eben. Die Modedesignerin Martina Becker muss es wissen. fMi sprach mit ihr auf der Fahrt zwischen Studio und Hörsaal.
Lesezeit: 4 Minuten

Sportmode ist in den letzten Jahren sehr viel funktioneller und spezieller, aber auch freizeitorientierter geworden, „athletischer Freizeitlook“ eben. Martina Becker muss es wissen. Nach umfangreichen Erfahrungen als Produktmanagerin bei namhaften, internationalen Unternehmen im In- und Ausland bietet die Modedesignerin seit mehr als 25 Jahren ihr Know-How an, als Unternehmerin mit ihrer Kölner Company FINE LINE DESIGN wie als Dozentin an der Mediadesign Hochschule Düsseldorf. fitness MANAGEMENT sprach mit ihr auf der Fahrt zwischen Studio und Hörsaal.

fMi: Der Begriff Mode ist weithin geläufig. Mode allerdings zu definieren ist schon schwieriger. Was ist Mode?
Martina Becker:
Wie Coco Chanel schon sagte „Mode ist nichts, was nur in Kleidung existiert. Mode ist in der Luft, auf der Straße, Mode hat etwas mit Ideen zu tun, mit der Art wie wir leben, mit dem, was passiert.“

Mode ist eine Ideologie, die für einen bestimmten Zeitraum und für eine bestimmte Gruppe von Menschen Gültigkeit hat. Aufgrund von gesellschaftlichen Prozessen sind Moden immerzu im Wandel und werden durch neue ersetzt.

Mode wird durch den Zusammenschluss von Akteuren wie Designern, Redakteuren, Einkäufern, Fotografen, Kritikern und Trendforschern, die den Glauben an den Zeitgeschmack aufrechterhalten, zur Mode erklärt und in Modemagazinen, Katalogen, im Fernsehen oder auf Laufstegen präsentiert.

fMi: Wir kennen Mode in der Architektur, in Kunst und Literatur, in Musik, Fernsehen und Theater. Die meisten Menschen aber verbinden mit Mode Bekleidung. Was meint Mode in der Bekleidung?
Martina Becker:
Mode in der Bekleidung ist eine Kunst, inspiriert und erzählt Geschichten. Mode ist ein Medium der Kommunikation, das Grundbedürfnis nach Beachtung: aufzufallen, Interesse zu wecken, sich selbst und anderen zu gefallen, ein alltägliches Rollenspiel. Sie gibt uns die Möglichkeit, zu zeigen, wer wir sind, unsere Identität und Meinung auszudrücken.

(Be)Kleidung dagegen ist etwas Notwendiges, das jeder braucht, um sich zu schützen, zu bekleiden.

fMi: Sie haben für Adidas gearbeitet, für Reebok, für Killtec. Was ist Sportmode?
Martina Becker:
Neben dem Einfluss gesellschaftlicher und kultureller Strömungen fließen in die Sportmode zusätzlich noch funktionelle Parameter in die Kollektionsentwicklungen mit ein. Hier spielen besonders neue technische Entwicklungen in den Materialien und in der Verarbeitung eine große Rolle. Viele Stoffe müssen z. B. für Outdoor regenfest und winddicht, trotzdem aber atmungsaktiv und dehnfähig sein. Die Schnittführung und damit auch die Passform muss dynamisch und funktionell sein. Das Spektrum ist vielseitig und wird bestimmt durch die vielen verschiedenen Anforderungen der einzelnen Sportarten, man bedenke nur das riesige Angebot an Sportschuhen.

fMi: Sie haben internationale Sportkollektionen entwickelt und in den Markt eingeführt. Seit 25 Jahren beraten sie mit ihrem eigenen Freelance Studio "FINE LINE Design" nationale und internationale Unternehmen. Wie wird erfolgreich Sportmode gemacht?
Martina Becker:
Egal was man entwirft, am Anfang steht immer die Recherche und die enge Zusammenarbeit mit den Geschäftsführern/Produktmanagern des jeweiligen Unternehmens. Je besser das Briefing von deren Seite, desto zielgerichteter kann der Designer entwerfen. Als Designer hat man seine Augen und Ohren immer offen, erspürt Trends, analysiert Prognosen der Trend- und Farbstudios, besucht Sport- und Stoffmessen, schaut, was im Handel präsentiert wird und wie die Kollektionen der Mitbewerber aussehen. Diese Informationen sind Voraussetzung für erfolgreiches Entwerfen.

fMi: Wenn nur der Wandel Bestand hat: Wie hat sich Sportmode über die Zeiten verändert?
Martina Becker:
Sportmode ist in den letzten Jahren sehr viel funktioneller und spezieller, aber auch freizeitorientierter geworden. Im Laufe der Jahre wurden viele Kollektionen modelastiger, Athleisure ist seit mehreren Saisons Trend.

fMi: Ist Sportmode international oder gibt es nationale Eigengesetzlichkeiten?
Martina Becker:
Die großen Sportlabels entwickeln einen Teil der Kollektionen für den internationalen Markt, einen anderen national bzw. für ähnliche Märkte wie z. B. für Deutschland/Österreich/Schweiz. Vorlieben und Wünsche sind beispielsweise in Frankreich oder Italien anders als bei uns. Es fängt mit den Farben an, geht über die Schnitte und Größen bis hin zu den Materialien.

fMi: Arnold Schwarzenegger und Jane Fonda wurden in den 70-er und 80-er Jahren zum Symbol für die aufstrebende Fitnessbranche. Wie hat sich in den letzten gut vier Jahrzehnten die Mode entwickelt?
Martina Becker:
Die Mode in der Fitnessbranche ist vielseitiger geworden. Echte Funktion spielt auch hier eine immer größer werdende Rolle. Kollektionen für verschiedene Sportarten sind in den letzten Saisons dazugekommen. Spezielle Yoga- und Wellnesskollektionen gehören dazu, Zumba erfreut sich eines großen Publikums. Funktionelle Modelle aus dem Sporthandel werden mit Freizeitsweatern der Modelabels kombiniert. Leggings werden seit Saisons wieder von jungen Frauen auch auf der Straße getragen.

fMi: "Mode ist immer eine subjektive Inszenierung seiner selbst", sagen Sie. Wieviel „Catwalk“ ist für den Fitnesstreibenden die Fitness-Anlage?
Martina Becker:
Bei „echten“ Sportlern liegt der Fokus in erster Linie sicher eher auf der Funktionalität der Teile, bei sehr freizeitorientierten Sportlern spielt die Mode eine größere Rolle, und da ist der „Catwalk“ im Studio eher Thema.

fMi: Welche Bedeutung hat in der Mode der Sport- und Fitnessbranche die Farbe? Gibt es eigentlich auch in Sport und Fitness Saison-Farben?
Martina Becker:
Menschen möchten sich wohlfühlen und das kann man sehr viel über Farbe ausdrücken. Es gibt Basisfarben wie schwarz und grau. Dazu kommen in jeder Saison neue Töne als Akzentfarben, mal mehr oder weniger poppig.

fMi: Eine persönliche Frage zum Schluss: Auf welche Sportkleidung setzen Sie bei Ihren sportlichen Aktivitäten?
Martina Becker:
Auf funktionelle Sportkleidung, optisch clean und dynamisch.

Diplom-Modedesignerin
>
Gründerin und Geschäftsführerin des FINE LINE DESIGN-Studios in Köln
> seit 2012 Professorin im Fachbereich Modedesign an der Mediadesign-Hochschule Düsseldorf

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