fM: Kieser macht in vielen Bereichen etwas anders als klassische Fitnessstudios – Geräte, Trainingsroutine und Trainingsambiente. Wodurch zeichnet sich Kieser Training für Dich aus?
Julia Apelt: Kieser setzt auf ein gerätebasiertes Krafttraining mit eigens entwickelten, medizinisch zertifizierten Maschinen. Freie Gewichte, Cardio- oder Gruppenelemente gibt es nicht.
Trainiert wird zweimal pro Woche jeweils 30 Minuten. Jede Übung wird in einem Satz bis zur muskulären Erschöpfung ausgeführt. Ziel ist ein möglichst effizienter Trainingseffekt bei minimalem Zeitaufwand.
Auch das Ambiente ist bewusst reduziert: keine Musik, keine Spiegelwände und kein Socializing-Bereich. Stattdessen herrscht eine ruhige, konzentrierte Atmosphäre mit individueller Begleitung durch geschulte Instruktorinnen und Instruktoren. Wir fördern die Konzentration auf das, was wichtig ist: ein hochqualitatives Training, damit Kundinnen und Kunden ihre Ziele erreichen.
Zum Weltfrauentag werfen wir einen Blick auf das Training der Frau. Mythen, wie z. B., dass Krafttraining aufgrund eines starken Muskelaufbaus einem femininen Aussehen entgegenstehe, halten sich hartnäckig. Inwiefern hat sich hier die Wahrnehmung in den vergangenen Jahren verändert?
Die Wahrnehmung hat sich deutlich gewandelt. Der Anteil frauenspezifischer Bedenken von „zu viel Muskeln“ sinkt deutlich; stattdessen dominiert das Verständnis für präventive Vorteile.
Über die Interviewpartnerin

Julia Apelt
Nach ihrer Ausbildung zur Sport- und Fitnesskauffrau startete Julia Apelt 2011 als Instruktorin im Kieser Studio Hamburg-Winterhude.
Dort arbeitete sie auch zwei Jahre als Betriebsleiterin. Seit 2024 ist sie Geschäftsführerin im Kieser Studio Hamburg-Eimsbüttel.
Foto: Kieser Training AG
Frauen bauen genauso Muskeln auf wie Männer – allerdings auf einem niedrigeren Ausgangsniveau. Das feminine Aussehen geht durch das Krafttraining nicht verloren, es wird definierter.
Der Nutzen des Krafttrainings ist derselbe. Das wissen unsere Kundinnen schon lange, denn wir klären insbesondere über den mannigfaltigen Nutzen von Krafttraining auf. Zum Beispiel das knochenaufbauende Potenzial von Krafttraining oder die Rolle der Kraft für ein selbstbestimmtes Leben.
Was sind für Dich die Aspekte an diesem Wandel, von denen Frauen besonders profitieren?
Krafttraining stärkt die Knochendichte, erhöht den Grundumsatz und verbessert den Stoffwechsel. Gleichzeitig unterstützt es die funktionelle Unabhängigkeit im Alter, etwa durch bessere Kraftreserven und geringeres Sturzrisiko.
Auch während Perimenopause und Wechseljahren kann Krafttraining helfen, hormonelle Veränderungen auszugleichen und Stress zu reduzieren.
Der Fokus verschiebt sich von Ästhetik zu gesundheitsökonomischem Empowerment.
Wie profitieren insbesondere Frauen von der Trainingsmethode bei Kieser?
Die Kieser-Methode ist geschlechtsunabhängig, alle profitieren davon.
Das Training ist besonders effizient und passt gut zu den oft hohen Anforderungen aus Beruf, Familie und Alltag. Durch die Geräte lassen sich Bewegungen präzise ausführen und tiefe Muskelgruppen gezielt trainieren – etwa Rücken- und Beckenbodenmuskulatur.




Die intensive Begleitung sorgt zudem für hohe Sicherheit und einen optimalen Trainingseffekt. Ebenso zeigen klinische Daten und interne Messungen: Frauen erreichen vergleichbare relative Kraftzuwächse wie Männer.
Wie wichtig sind die Kieser-eigenen Geräte für das Training der Frauen?
Unsere Geräte sind zentral für die Trainingsqualität. Sie lassen sich exakt an die individuelle Körperstruktur anpassen, was besonders relevant für Frauen mit unterschiedlichen Hebelverhältnissen ist.
Sie ermöglichen eine geführte Bewegung mit optimaler Widerstandskurve. So kann ein optimaler Reiz für Muskelaufbau und Kraft ohne Kompensation gesetzt werden.
Das erhöht sowohl die Effektivität als auch die Sicherheit. Frauen mit geringerer Koordinationserfahrung profitieren überproportional und haben weniger Verletzungsängste.
Welche Vorteile bietet die Trainingsatmosphäre in Euren Studios für das Wohl- und Sicherheitsempfinden von Frauen?
Die ruhige Atmosphäre ohne Ablenkung schafft ein hohes Sicherheitsgefühl. Es gibt kein Posing und keinen Leistungsdruck, sondern Privatsphäre und Konzentration. Viele Kundinnen sagen uns: „Hier fühle ich mich gesehen, nicht beobachtet.“
Gerade für Anfängerinnen oder ältere Frauen senkt das die Einstiegshürde.
Welche Trends nimmst Du aktuell bei Euren Kundinnen wahr?
Wir beobachten einen starken Anstieg bei Frauen zwischen 45 und 55 Jahren, die präventiv trainieren – etwa gegen Muskelabbau oder Beschwerden in den Wechseljahren.
Insgesamt verschiebt sich der Fokus deutlich: Der Wandel vom Ästhetikfokus hin zu gesundheitsökonomischem Empowerment ist der entscheidende Gewinn, unterstützt durch physiologische Anpassungen wie verbesserte Muskelregeneration und reduzierte Entzündungen.
Weg von kurzfristigen Fitnesstrends hin zu langfristiger Gesundheitsvorsorge und Kraft für den Alltag.
Welche Entwicklungen wünschst Du Dir für das Training von Frauen in der Zukunft?
Ich wünsche mir eine stärkere Integration von evidenzbasiertem HIT in gynäkologische und orthopädische Prävention – etwa bei Osteoporose oder Rückenschmerzen.
Außerdem brauchen wir mehr Informationen zu geschlechtsspezifischen Langzeiteffekten auf Knochendichte, das metabolische Syndrom und mentale Resilienz.
Das Krafttraining für Frauen ab 40 Jahren sollte noch stärker enttabuisiert werden. Muskelkraft ist eine wichtige Grundlage für Gesundheit, Autonomie und Langlebigkeit, unabhängig von Alter, Hormonstatus oder Geschlecht.



