Management, Markt, DSSV | Autor/in: Jürgen Wolff |

Prof. Dr. Sarah Kobel im Eckdaten-Interview: „Langfristig stehen die Chancen sehr, sehr gut“

Prof. Dr. Sarah Kobel leitet die Abteilung Marktforschung an der DHfPG und kennt sich dank ihrer Forschungsprojekte mit den Bedürfnissen von Studiobetreiber:innen und Fitnesskund:innen sehr gut aus. Im Interview mit fitness MANAGEMENT international erläutert sie, welche Chancen sich aus den Ergebnissen der „Eckdaten der deutschen Fitness-Wirtschaft 2022“ für die Branche ableiten lassen.

Prof. Dr. Sarah Kobel im Eckdaten-Interview

Prof. Dr. Sarah Kobel promovierte am Institut für Konsum- und Verhaltensforschung an der Universität des Saarlandes. Seit Oktober 2018 ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement (DHfPG) und leitet dort seit Januar 2021 die Abteilung Marktforschung. Seitdem hat sie für Forschungsprojekte mehrere Marktbefragungen unter Studiobetreiber:innen und Fitnesskund:innen begleitet.

fM: Die „Eckdaten der deutschen Fitness-Wirtschaft“ sind eine wichtige „Visitenkarte“ für die Fitness- und Gesundheitsbranche und ihre Unternehmen. Warum sind gerade in diesen unsicheren Zeiten verlässliche Daten und Marktkennzahlen für die Branche auch im Hinblick auf die Außendarstellung so wichtig?

Sarah Kobel: Verlässliche Daten und Marktkennzahlen sind zu jeder Zeit wichtig. Insbesondere in der Krise müssen die Akteur:innen der Branche wissen, wo sie stehen – weniger als einzelner Betrieb, sondern in der Branche als Ganzes.

Nur dann, wenn ich mich auf verlässliche Daten stützen kann, kann ich auch die richtige Strategie für die Zukunft wählen, um diese schwierige Zeit erfolgreich zu überwinden.

Aber auch für die Außendarstellung sind solche Daten von hoher Relevanz. Betrachten wir die Politik: Wenn auf Basis verlässlicher Daten klar gezeigt wird, wo eine Branche steht und wie diese durch die Krise geschwächt worden ist, müssen sich die Entscheidungsträger:innen natürlich fragen: „Kann ich eine für die Gesundheit der Bevölkerung so wichtige Branche wie die Fitnessbranche durch Maßnahmen, die beschlossen werden, wirklich noch weiter schwächen oder muss hier endlich ein Umdenken stattfinden?”

Sie haben für die DHfPG und den DSSV in den vergangenen zwei Jahren mehrere Umfragen in der Branche durchgeführt. Haben sich aus Ihrer Sicht im vergangenen Jahr bestimmte Trends verstärkt bzw. gab es wesentliche Veränderungen, die sich jetzt auch in den „Eckdaten 2022“ widerspiegeln?

Was wir sehen, ist die zunehmend stärkere Positionierung im Bereich Gesundheit. Und auch das Gesundheitsbewusstsein der Menschen hat sich verändert. Die Kluft zwischen dem Wunsch nach einem gesünderen Leben und einem tatsächlich gesünderen Leben aber ist noch groß.

Hier besteht noch viel Potenzial. Zudem rücken der Faktor der mentalen Gesundheit und die positiven Wirkungen von Fitnesstraining auf die mentale Gesundheit immer stärker in den Fokus.

Welche Lehren können Betreiber:innen aus den schwierigen Corona-Jahren 2020 und 2021 ziehen, um ihre Unternehmen fit für die Zukunft zu machen?

Hier können wir an die vorherige Frage anknüpfen. Die Krise hat uns etwas gelehrt, was wir alle eigentlich wissen, nämlich, dass Gesundheit das höchste Gut ist. Dennoch tun noch zu viele Menschen nichts aktiv dafür, ihre eigene Gesundheit zu stärken.


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Ein regelmäßiges körperliches Training entfaltet positive Wirkungen auf die physische und psychische Gesundheit. Doch das ist vielen so nicht klar. Noch immer werden Fitness- und Gesundheits-Anlagen mit vielen stereotypen Vorstellungen verknüpft.

Dieses Bild gilt es zu ändern. Fitness- und Gesundheits-Anlagen erfüllen als Gesundheitsdienstleister:innen eine bedeutsame Aufgabe. Diese Rolle darf gern von ihnen selbst noch stärker internalisiert und nach außen kommuniziert werden.

Die negativen gesundheitlichen Begleiterscheinungen der Pandemie stellen die Branche vor wachsende Herausforderungen. Wie beurteilen Sie die mittel- bis langfristigen Entwicklungschancen der Branche unter diesem Aspekt?

Als sehr, sehr gut. Denn auch vor dem Hintergrund der Pandemie darf nicht vergessen werden, dass Bewegungsmangel und die daraus resultierenden Erkrankungen – z. B. Herz-Kreislauf-Erkrankungen – zu den häufigsten Todesursachen in Deutschland zählen.

Langfristig betrachtet muss es gelingen, mehr und mehr Menschen zu einem regelmäßigen körperlichen Training zu bewegen – im wahrsten Sinne des Wortes.

Unsere Daten zeigen, dass sich Menschen, die aufgrund der Schließungen nicht mehr regelmäßig trainieren konnten, sowohl mental als auch körperlich signifikant schlechter fühlten. Diesen Menschen wird nun noch deutlicher bewusst, wie wichtig Fitnesstraining für ihre Gesundheit ist.

Menschen, die kein regelmäßiges Training betreiben, können und müssen zu einem Umdenken bewegt werden. Hier ist die Branche als Gesundheitsdienstleister:in in der Pflicht. Bewegungsmangel ist Gift für den Körper – und dagegen gilt es vorzugehen.

Dann stehen sowohl die wirtschaftlichen Chancen für die Branche als auch die gesundheitlichen Chancen für die Bevölkerung gut!

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